Schkeuditzer Straße 28-36 Stadt und Land Typenhaus
Video: rbb|24 | Abendschau | 19.11.2018 | Bild: Stadt und Land/mib märkische ingenieur bau gmbh/ Arnold und Gladisch Architekten

Richtfest für "Typenhaus" in Hellersdorf - DDR-Platte dient als Vorbild für neue Wohnungen in Berlin

Die landeseigenen Wohnungsbau-Unternehmen sind angehalten zu bauen, bauen, bauen. Und sie tun es: Die "Stadt und Land" hat gerade Richtfest bei ihrem neuen "Typenhaus" in Hellersdorf gefeiert - das Vorbild sind DDR-Plattenbauten. Von Heike Schüler

Zum bombastischen Klang von Richard Strauß' "Also sprach Zarathustra" hebt sich der Richtkranz am Rohbau in die Höhe, beim Richtfest für das erste "Typenhaus" der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land. Architekt Frank Arnold hat hier, in der Schkeuditzer Straße 28-36 in Hellersdorf, 165 Wohnungen entworfen. "Es geht - fast im Sinne des gründerzeitlichen Bauens - darum, dass man gute und bewährte Grundrisse zu Modulen zusammenfügt", erklärt Arnold, "und relativ schnell in bestimmten städtebaulichen Situationen einsetzen kann."

So werden die Treppen, Balkons und Decken komplett vorgefertigt angeliefert, der Rest wird nach Standard gebaut. Eine vier Zimmer-Wohnung im Typenhaus hat 82 Quadratmeter. Küche und Bad liegen Wand an Wand, um nicht unnötig Platz für Leitungsschächte zu verschwenden. "Das werden sehr, sehr gute Wohnungen werden", meint Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke).

Kein Haus soll aussehen wie das andere

Es gibt Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Einheiten, die übereinander liegen, haben den gleichen Grundriss. Das erinnert an die DDR-Platte, die Wohnungsbauserie WBS 70. Frank Arnold, der sein Büro im Westberliner Schöneberg hat, kennt sie gut: Die "Ost-Platte" markiert den Beginn seiner beruflichen Laufbahn. "Unser erstes Projekt war die Sanierung einer großen WBS70", erzählt er. "Wir haben uns - durchaus mit Hochachtung - die sehr klugen Grundrisse angeschaut", erinnert sich der Architekt. Mit ganz kleinen Flächen sei gutes Wohnen ermöglicht worden. "Wir konnten aus der DDR-Platte etwas lernen - klar."

Schall- und Wärmedämmung des Typenhauses sind auf dem Stand von heute. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land plant etwa 1.500 Wohnungen in diesem Stil. Trotzdem soll kein Haus aussehen wie das andere: Architekten wie Frank Arnold geben dem Standard das Besondere. "Wir haben ein selbstbewusstes, dunkles Haus mit weißen Fensterbändern geplant, durchaus in Kontrast zur Umgebung." Außerdem seien die Grundrisse optimiert, um zum Beispiel in einer Ein-Zimmer-Wohnung vielleicht doch noch eine Schlafnische unterzukriegen, sagt Arnold.

165 Wohnungen entstehen so in Hellersdorf, die Hälfte mit einer Netto-Kaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter, die anderen für unter zehn Euro.

Beitrag von Heike Schüler

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Wenn mann nicht schwimmen kann, liegt es wohl an der Badehose.

  2. 19.

    Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen. Wohne seit 87 in einer Platte und keine die Vor und Nachteil sehr gut. Es wurde in den letzten Jahren sehr viel bei der Aufwertung getan und mittlerweile erkennt man fast nicht mehr die Platte. Würde nie weg ziehen aus unserem Plattengebiet,weil günstig wohnen, Bus und Bahn gut erreichbar und ein kleines schickes Einkaufszentrum mit allen drin um die Ecke. Das alles finde ich auf der grünen Wiese und den neuen Wohnvierteln nicht.

  3. 18.

    Völlig richtig. Ich möchte zwar trotzdem nicht mehr in der Platte leben müssen, aber was Sie da schreiben, stimmt Wort für Wort.

  4. 17.

    die DDR gibt es nicht mehr. Und die Architektur ist mit verantwortlich für die Entstehung eines Ghettos. Wer es sich leisten kann, zieht in solche Objekte nicht ein.

  5. 16.

    Ein "Ghetto" entsteht nicht durch die Architektur, sondern durch die sozialen Verhältnisse. Die Westmedien haben schon Jahre vor der Wende die Nase über die DDR-Plattenbauten gerümpft, weil sie meinten man hätte im Westen vermeintlich "Lehren" gezogen, dass Hochhaussiedlungen sozial verwahrlosten und das liege an der Architektur. Dabei liegt die Verwahrlosung in westlichen Neubauvierteln daran dass dort vor allem arme Schichten einzogen, während die Reichen in Villen wohnen. In der DDR war es aber eine soziale Mischung, da wohnte der Arbeiter neben dem Professor im Plattenbau. Deswegen kam es nicht zu "Ghettos". Seit die Professoren nach der Wende aus Marzahn und Hellerdorf wegziehen, ändert sich das natürlich.

  6. 15.

    Die hässlichen Bauten im ehem. Westteil waren auch der Wohnungsnot geschuldet. Bausünden der Vergangenheit rechtfertigen keine neuen.

  7. 14.

    Top.

    Ich wohne in einem WBS70 aus 1988. Absolut top. Nur die Schallisolierung ist nur Mittelmaß.

    Jetzt wünsche ich mir, dass Berlin ca 100 000 sol her Wohnungen baut. Z.B. zwischen Weißensee und Hohenschönhausen. Oder an der Ostseestraße in Prenzlauer Berg.

    Laut mein Berechnungen dürfte die Miete bei 6-9€ kalt m² sein. Bei den Baukosten von 2000€/m²

  8. 13.

    "Frank Arnold, der sein Büro im Westberliner Schöneberg hat......" Hat der rbb da eine Grenze im Kopf? Westberliner Schöneberg klingt eh völlig merkwürdig.

  9. 12.

    Also das gesülze von den DDR Plattenbauten kann man nicht mehr hören..ich wohne schon 50 in einem Plattenbau.....und..mir gehts gut hier..die im Westen tun so ,als gäbe das im Westen nicht....Gropiusstadt,Märkisches Virtel...Staaken..e.c.t.sind auch nur Plattenbausiedlingen...und zum Teil viel hässlicher ...die,die über Marzahn Hellersdorf herziehen....sollten sich mal vor Ort umschauen...und nicht nur aus der Ferne die grosse Klappe haben...

  10. 11.

    Man muss das nicht belächeln, das wird die Zukunft des immer teurer gewordenen sozialen Wohnungsbaus. Wer Geld u. a. in übertriebene Bauverschriften wie völlig übertriebene Dämmung usw. stecken muss, Grün hat sich da durchgesetzt, muss eben insgesamt einsparen und kann einfach nicht ästhetisch bauen.

  11. 10.

    @bauen: Tatsächlich habe ich 3 Jahre in einer gewohnt.
    Außerdem: "[...] auch wenn ich nie in einer wohnen wollte." schließt nicht aus, dass ich bereits in einer wohnte ;)

    @Wolfang: Sie haben recht, leider ist es nur einer von vielen Grundrissen. Dafür muss ich selber recherchieren, um andere zu sehen.

  12. 9.

    Ein grauer Schuhkarton. Quadratisch, praktisch... gut? Aber wer keine Wahl hat, zieht auch dorthin. Viel Angebot ist ja nicht. Da muss man sich als Bauherr auch nicht anstrengen.

  13. 8.

    Toll, wie der "Westen" mal wieder das Fahrrad neu erfindet. Plattenbauten in der ehemaligen DDR - bäh, pfui, igitt.

    Aber jetzt haben wir ja was ganz tolles entdeckt/"erfunden"....

  14. 7.

    Ein Ghetto entsteht erst durch den Vermieter, der nicht darauf achtet, wer als Mieter einzieht. Und wer diese kleinparzelligen Eigenheimsiedlungen weit vor der Stadt mit ihren kleinen Schachtelhäusern eins wie das andere als die Erfüllung des Wohntraums und besser als Mehrfamilienhäuser findet, tut mir auch nur Leid. Der Flächenverbrauch für die paar Quadratmeter Wohnraum ist dort unendlich höher als in solchen 4 oder 5 Stockwerke Mehrfamilienhäuser. Und wie ein Dorf ist ein Aufgang mit 10 oder 16 Mietparteien auch, wenn man sich gut versteht.

  15. 6.

    Schon Ihr erster Kommentar(1) ist vollkommen daneben. Es soll Menschen geben, die nichts gegen eine Neubauwohnung haben. Andere ziehen eben Altbau vor. So what?

  16. 5.

    "Alte sanierte Ost-Platten sind wirklich nicht schlecht, auch wenn ich nie in einer wohnen wollte." Der war gut... Ich würde da nie wohnen, aber für andere ist das toll..... Jaja

  17. 3.

    Alte sanierte Ost-Platten sind wirklich nicht schlecht, auch wenn ich nie in einer wohnen wollte. Die Raumaufteilung ist gut, dafür gibt es leider winzige Bäder, meist ohne Fenster.
    Wenn ich allerdings diesen Artikel lese, interessieren mich mal die Grundrisse der Bauten.

  18. 2.

    na ja, so kann man bauen und es wird bestimmt praktisch. Dennoch, so entwickeln sich Bettenburgen und Ghettos.

  19. 1.

    Zitat :
    "So werden die Treppen, Balkons und Decken komplett vorgefertigt angeliefert, der Rest wird nach Standard gebaut. Eine vier Zimmer-Wohnung im Typenhaus hat 82 Quadratmeter. Küche und Bad liegen Wand an Wand, um nicht unnötig Platz für Leitungsschächte zu verschwenden. "Das werden sehr, sehr gute Wohnungen werden", meint Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke)."
    DAS wird von Lompscher als NEUHEIT verkauft
    vor gut 50 Jahren wurde in der Gropiusstadt SO gebaut !!!!
    auch hier liegen Bad und Küche nebeneinander etc.--
    und DER Archtekt lässt sich feiern--fast jedes Fertighaus wir seit ca. 70 Jahren so gebaut !

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