Polizei vor Absperrung unweit Berliner Pallasstraße (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Radioeins | 02.01.2020 | O-Ton Polizeisprecher Thilo Cablitz | Bild: dpa/Paul Zinken

Erfolgreich, aber personalintensiv - Ausweitung der Berliner Böllerverbotszonen noch offen

Erstmals durfte in dieser Silversternacht in Berlin nicht nur am Brandenburger Tor nicht geknallt werden, sondern auch der Alexanderplatz und die Pallasstraße waren Böllervebotszonen. Das hat gut geklappt. Die CDU fordert jetzt weitere Gebiete ohne Böller.

Eine positive Bilanz der neuen Böllerverbotszonen am Berliner Alexanderplatz und in der Schöneberger Pallasstraße ziehen sowohl die Polizei als auch die Feuerwehr. Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte am Donnerstag: "Unser Konzept ist voll aufgegangen".

Auch Burkard Dregger, Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, zog ein positives Fazit und forderte, die Zonen noch auszuweiten. Sie sollten künftig auch dort gelten, wo in der Silvesternacht Einsatzkräfte gezielt angegriffen wurden, sagte Dregger.

Silvesternacht soll erst ausgwertet werden

Zwar habe die Polizei das Verbot an den neu zur Partymeile am Brandenburger Tor hinzugekommenen Orten gut durchsetzen können, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz im rbb. Der Einsatz sei jedoch sehr personalintensiv gewesen. "Stadtweit ein Böllerverbot durchzusetzen, wäre sehr kräfteintensiv und ich denke, bei der aktuellen Situation kaum leistbar." Auch Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), hält weitere neue Verbotszonen für Feuerwerk nach eigener Aussage nicht für umsetzbar. Denn Berichte zu Übergriffen gegen Polizisten und Feuerwehrleute seien aus fast allen Stadtbezirken gekommen, sagte er. "Es war ein enormer Kraftaufwand, allein diese zwei Verbotszonen durchzusetzen."

Innensenator Geisel sagte, die vergangene Silvesternacht werde nun ausgewertet, danach werde über die weitere Vorgehensweise entschieden. Es sei zu früh, jetzt über weitere Verbotszonen zu spekulieren.

Die Berliner Polizei war in der Silvesternacht mit 2.000 zusätzlichen Beamten im Einsatz. 550 davon waren für die Einhaltung der Feuerwerks-Verbotszonen in Schöneberg und am Alexanderplatz im Einsatz.

Berliner Feuerwehr fand Böllerverbot "sehr hilfreich"

Viele Anwohner hatten zuvor bekundet, sie gingen nicht davon aus, dass sich die Bewohner der jeweiligen Zonen an das Böllerverbot halten würden. Doch das Chaos blieb aus.

Landesbranddirektor Karsten Homrighausen sagte am Mittwoch im rbb, die Berliner Feuerwehr hätte weder am Alexanderplatz noch in der Pallasstraße durch Pyrotechnik ausgelöste Einsätze gehabt. "Auch im unmittelbaren Umfeld der Zonen nicht", so Homrighausen weiter. Auch vor dem Hintergrund der Ressourcenengpässe der Feuerwehr seien die beiden Böllerverbotszonen "sehr hilfreich" gewesen. Denn genau dort hätten sich in den vergangenen Jahren die Einsätze gehäuft.

Dennoch habe die Berliner Feuerwehr in der Silvesternacht mehr als 600 Einsätze verzeichnet. "Das haben wir sonst in einem Monat", so Homrighausen weiter. Es habe im Vergleich zum vorangegangenen Jahreswechsel fast 40 Prozent mehr Brände gegeben, so der Landesbranddirektor. Allein in der ersten Stunde des neuen Jahres hätten 1.800 Menschen den Notruf 112 gewählt. Die Berliner Feuerwehr war in der Silvesternacht mit 1.340 Mitarbeitern im Einsatz.

Absperrgitter, Zugangskontrollen, Wasserwerfer

Um das Böllerverbot durchzusetzen, hatte die Polizei an den entsprechenden Zonen Absperrgitter aufgebaut und Zugangskontrollen mit Taschenkontrollen eingerichtet. Die Schöneberger Verbotszone - und damit auch ein Abschnitt der Potsdamer Straße - wurde auch für den Autoverkehr gesperrt. Die Polizei war am Silvesterabend mit einem Großaufgebot an beiden Orten im Einsatz, in Schöneberg stand auch ein Wasserwerfer.

In den Böllerverbotszonen war der Einsatz von Raketen, Fontänen und Chinaböllern zwischen 18 Uhr am Silvesterabend bis 6 Uhr an Neujahr nicht mehr erlaubt. Hier hatten in den Vergangenen Jahren Gruppen junger Männer Böller auf unter anderem Polizisten und Feuerwehrleute geworfen.

Sendung:  Abendschau, 01.01.2020, 19:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Ich denke besser als ein Verbot wäre, ähnlich wie bei Zigaretten, eine Erhöhung der Preise über Steuern.
    Das bringt meist mehr als Verbote und könnte dann sinnvollerweise für Beseitigung der ganzen umweltschäden eingesetzt werden.
    Und übrigens früher war mitnichten alles besser, im Gegenteil was da teilweise für krasse Knaller Schlachten veranstaltet wurden und das mit 99% "inländischen Tätern" (für die AFD Leute hier) und wurde überhaupt nicht kontrolliert.

  2. 16.

    Ich bin ja selten mit ihnen einer Meinung aber in diesem Fall 100% Zustimmung!

  3. 15.

    Keine Verbotszonen, sondern Verkaufsverbote! Die helfen wirklich. Deutschlandweit einführen und fertig!
    Die allerwenigsten Deutschen sind Kriminelle, die sich dann Böller im Ausland besorgen. Böller sind keine Drogen, von denen Millionen Menschen abhängig wären. Im Gegensatz zu Drogen werden Verbote deshalb wirksam sein.

  4. 12.

    Berlin ist zur Mimosenstadt mutiert.

  5. 11.

    Guter Kommentar, Heike!!

  6. 10.

    Ich finde Böller, Feuerwerk und all diese Feinstaubschleudern in der heutigen Zeit mit unseren Umweltproblemen überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Mal ganz abgesehen von den vielen Wildtieren, die Todesangst haben, den abertausenden Vögeln, die panisch flüchten, so sie es noch können und dann kraftlos tot zu Boden fallen oder sich so verflogen haben, so dass sie ihre Nester nicht mehr wiederfinden. Den Tiere in Stallungen und auch unseren geliebten Haustieren geht es auch nicht viel besser. Sie haben panische Angst. Inzwischen sind Böller und Co. zu Waffen mutiert, mit denen man sogar auf die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr schießt. Und am Ende zahlen wir auch noch zusätzliche Steuergelder für die Beseitigung und Entsorgung des Silvestermülls, mit denen man Wichtigere „Baustellen“ bezuschussen könnte, wie KinderArmut beseitigen, in Bildung investieren oder in die Pflege oder Sicherheit unserer Städte zum Beispiel. Für mich also ganz klar: Daumen runter zur Knallerei.

  7. 9.

    Sagen sie doch einfach:Ausländer. Oder trauen Sie sich nicht?Ist nämlich Blödsinn. Ich kann Ihnen sagen, das man bei uns in Pankow auch so was erleben kann. Da waren es nicht die von ihnen pauschal Verurteilten! Dummheit und Rücksichtsloses Verhallten gibt's in jeder Gruppe! Und sie werden auch nicht mit"verboten überzogen"wie sie behaupten!

  8. 8.

    Und im Restgebiet wird's dafür Schlimmer!Oder wo gehen die dann hin?Die, die es übertreiben werden deswegen wohl kaum aufhören....

  9. 7.

    Das ist Gruppendynamik, ein besonders enthemmtes Subjekt macht etwas vor, und Umstehende machen es nach. Ich konnte beobachten, wie an einer bestimmten Kreuzung Raketen nicht senkrecht nach oben, sondern gezielt auf die gegenüberliegenden Häuser geschossen wurden. In den Straßen ringsum war alles normal, nur an der Kreuzung ist dieses gemeingefährliche Verhalten eingerissen und im Lauf des Abends haben sich immer mehr Personen daran beteiligt. Polizei war die ganze Zeit nicht zu sehen. Kurz nach 12 gab es dann tatsächlich einen Balkonbrand. Wäre hier dieses Verhalten frühzeitig abgestellt worden, hätte man wahrscheinlich den Brand verhindert. Es ist im Dunkeln aber auch schwer zu sehen, wer nun die Raketen abgefeuert hat. Und ich alter Sack stelle mich bestimmt nicht vor eine Gruppe von dreißig jungen Leuten und versuche den Erzieher zu spielen. Und dann denkt man "passiert schon nichts" oder "ach lass sie, es ist Neujahr"... den Fehler mache ich auch nicht nochmal.

  10. 6.

    Mir gefiel die Aussage des Landesbranddirektors in der "Abendschau":
    Zitat sinngemäß: "Warum muss man die Vielen, die verantwortungsvoll mit Feuerwerk umgehen mit einem Verbot belegen, nur weil es einige gibt, die unverantwortlich und gefährdend damit umgehen?"

    Der Staat soll sich intensivst um die "Chaoten" kümmern, die an Silvester "Krieg" spielen wollen und sich und andere gefährden;
    und den - immer weniger werdenden - die Gelegenheit lassen, eine alte Tradition verantwortungsbewusst zu erhalten!

  11. 5.

    ... das erste Mal hatten wir Angst im sonst recht beschaulichen Lichtenrade. Als ob nur die Innenstadt betroffen ist. Die ultralauten Böller bzw. Bomben haben die Wände wackeln lassen. Und auch sonst müssen manche Mit"menschen" wohl immer noch eins Raufpacken. Es ist an der Zeit sich an anderen Städten ein Beispiel zu nehmen. Aber meist diskutiert die Politik nur, warum kein Verbot möglich ist. Nächstes Jahr verlassen wir rechtzeitig die Stadt. Ehrlich gesagt, es k...... uns an.

  12. 4.

    Diese Zonen bringen nichts, binden nur Kräfte und verhindern nichts. Da sich die Szenarien nur woanders hinverschieben.
    Frage mich nur, wie die Politik und Medien reagiert hätten, wenn man diese Zonen mit Gewalt gegen linke und Personen mit Migrationshintergrund hätte durchsetzen müssen

  13. 3.

    Schauen sie sich doch einfach mal die Klientel an, die da "Kriegsspiele" veranstaltet. Wenn man nicht ganz blind ist kann man da eine ganz bestimmte Personengruppe erkennen. Und ich meine damit nicht nur die Attribute männlich, jugendlich, heranwachsend oder jungmännlich! Und wegen dieser Typen soll man den übergroßen Rest der Silvesterfeiernden mit Verboten überziehen?

  14. 2.

    Jau, ganz Berlin. Ein zentralen Feuerwerk oder einen exorbitante Lasershow.

  15. 1.

    Da EIN Teil der Menschen in Berlin scheinbar Gefallen am Kriegspielen haben, und um die anderen Menschen vor Schäden zu bewahren, muss es ein Verbot für den Verkauf von Feuerwerk geben.
    Auch die Einfuhr muss unter Strafe gestellt werden.

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