Nachfolger von Tom Sello - Früherer DDR-Oppositioneller Ebert soll neuer SED-Beauftragter werden

Mo 23.01.23 | 14:11 Uhr
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Archivbilld: Frank Ebert in Berlin am 12.08.2021 (Quelle: imago/R.Walter)
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Audio: Radio Brandenburg | 23.01.2023 | Boris Hermel | Bild: imago/R.Walter

Der Senat will am Dienstag den früheren DDR-Oppositionellen Frank Ebert als neuen Beauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin vorschlagen. Das erfuhr der rbb aus Berliner Regierungskreisen. Wenn das Abgeordnetenhaus zustimmt, wird der 52-jährige Ebert Nachfolger von Tom Sello (65), der den Posten im November 2017 übernommen hatte und nun in den Ruhestand geht.

Otto begrüßt Personalie ausdrücklich

Der gebürtige Hallenser Frank Ebert hatte sich als junger Erwachsener der oppositionellen Umweltbibliothek angeschlossen und beteiligte sich 1989 an den Protesten gegen die Fälschung der Kommunalwahlen. Er wurde mehrfach festgenommen und an der Beendigung seiner Lehre als Werkzeugmaschinenschlosser gehindert.

Nach der Wende nahm Ebert im September 1990 gemeinsam unter anderen mit Bärbel Bohley an der Besetzung des Archivs der Staatssicherheit in Ost-Berlin teil, um die Öffnung der Akten zu erzwingen.

Er war maßgeblich an der Gründung des Archivs der DDR-Opposition beteiligt. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls arbeitete er an der Ausstellung Lichtgrenze in Berlin mit. 2015 erhielt Ebert den Verdienstorden des Landes Berlin. Derzeit ist er Sprecher der Robert-Havemann-Gesellschaft.

Der grüne Abgeordnete Andreas Otto, selbst Teil der früheren DDR-Opposition, begrüßte den Personalvorschlag gegenüber dem rbb ausdrücklich. Ebert sei "sehr erfahren in der SED-Aufarbeitung" und deshalb eine gute Wahl.

Ansprechpartner für Opfer des DDR-Regimes

Der SED-Beauftragte ist Ansprechpartner für Opfer des DDR-Regimes in Fragen der Rehabilitierung und Entschädigung nach politischer Haft, bei Anträgen auf Opferrente oder bei der Einsicht in Stasi-Unterlagen. Zudem berät der Aufarbeitungsbeauftragte Ämter und Behörden bei Fragen zur DDR-Geschichte und unterstützt das Stasi-Unterlagen-Archiv.

Korrekturhinweis: Die Stasi-Zentrale (später: Archiv der Staatssicherheit) wurde im Jahr 1990 zweimal besetzt, zuerst im Januar und dann im September. Ebert nahm an der zweiten Aktion teil.

Sendung: rbb24 Inforadio, 23.01.2023, 15:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Eine Leitungsposition beschäftigt sich einen Großteil der Arbeitszeit mit Bürokratie und hat dür die Forschung eigentlich nur noch Zeit für die grobe Leitlinie. Es könnte sein, daß er mit seinem Detailwissen viel wertvoller für die Aufklärung/Forschung als wissenschaftlicher Mitarbeiter wäre - ich befürchte, daß er nicht wirklich für eine Leitungsposition geeignet ist und dabei nur "verbrannt" wird und dann nicht mehr für weitere Forschungen zur Verfügung steht.

  2. 2.

    @ Björn, bei Ihnen ist doch alles falsch, was gemacht wird. Hätte man einen unbelasteten genommen, hätten Sie doch auch schon etwas parat gehabt.
    Sie sind doch der ewige, Nörgler.

  3. 1.

    Das ist aus dem Umfeld von Bohley und Kelly. Bei allen seinen Verdiensten in der Bürgerbewegung, wird aber nicht klar, was ihn jetzt fachlich zu einer solchen Leitungpsosition qualifiziert. Wie wäre es mit einem unbelasteten Historiker gewesen, der auch schon Erfahrung in der Insitutsleitung hat?

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