Immobilien, Autos oder Schmuck - Justizsenatorin will mehr Personal im Kampf gegen Clankriminalität aufbieten

Do 06.07.23 | 06:18 Uhr | Von Lisa Wandt und Markus Pohl
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Symbolbild: Polizeibeamte gehen im Zuge einer Razzia auf einer Straße in Kreuzberg entlang. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Video: rbb24 Abendschau | 06.07.2023 | Studiogespräch Justizsenatorin F. Badenberg | Bild: dpa/P. Zinken

Waffenhandel, Drogengeschäfte, Geldwäsche: Berlin ist einer der Hotspots für Clankriminalität. Nun will das Land Vermögen aus kriminellen Geschäften schneller einfrieren - auch durch mehr Ressourcen.

Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos) will Gerichte und Staatsanwaltschaften massiv personell verstärken, um die Clankriminalität wirksamer bekämpfen zu können. Künftig sollen illegal erworbene Vermögen frühzeitiger und umfassender abgeschöpft werden.

"Wir wollen vermehrt im Rahmen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsverfahren Gelder und Vermögenswerte beschlagnahmen, um zu verhindern, dass diese beiseitegeschafft werden", sagte Badenberg dem ARD-Politikmagazin Kontraste.

Clan-Geld soll Bekämpfung von Kriminalität finanzieren

Bislang würden dem Land Berlin jährlich mehrere Millionen entgehen, weil es nicht ausreichend gelinge, zu Beginn eines Ermittlungsverfahrens sämtliche Vermögenswerte zu beschlagnahmen und einzufrieren – wie etwa Immobilien, Autos oder Schmuck. Grund dafür seien fehlende Ressourcen an den entscheidenden Stellen bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften. "Wenn es uns gelingt, zu Beginn eines Verfahrens die Vermögen einzufrieren, können diese Gelder bei einer Verurteilung dem Land Berlin zugutekommen", so Badenberg.

Mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) habe sie sich darauf geeinigt, dass „ein Teil dieser Gelder“ für die Justiz verwendet werde. Die Idee dahinter: Kriminell erworbenes Clan-Geld solle zur Bekämpfung von Clankriminalität eingesetzt werden. Um wie viele zusätzliche Stellen es sich bei ihrem Vorhaben handelt, konnte Badenberg noch nicht sagen. Der Personaleinsatz in diesem Bereich werde jedoch "um ein Vielfaches erhöht", sagte sie zu Kontraste.

"Wir sprechen von Scheinfirmen, von Strohmännern, von Kryptowährungen"

Die strafrechtlichen Verfahren dauern in der Regel mehrere Jahre, in denen die Beschuldigten viel Zeit haben, ihre Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen. So würden diese etwa ihre Konten leerräumen oder Immobilien veräußern, um diese dem Zugriff des Staates zu entziehen. "Das gilt es mit aller Macht zu verhindern", sagt Badenberg.

Die Verfahren seien langwierig und komplex, da es sich meist um zahlreiche Akteure handele, die zum Teil im Inland, zum Teil aber auch im Ausland säßen. "Wir sprechen hier von einer Vielzahl von Scheinfirmen, von Strohmännern, von Kryptowährungen, die zur Verschleierung der Finanzierung eingesetzt werden", so die Justizsenatorin.

2022: Vermögen im Wert von 63 Millionen Euro gesichert

Neben dem Personalaufbau in der Justiz strebt Badenberg ein zielgerichtetes Zusammenwirken der Bezirke und ihrer Ordnungsämter an. Denn auch über das so genannte Ordnungswidrigkeitenrecht können Vermögen eingezogen werden, die aus illegalen Geschäften erworben wurden. Auch hier sieht die Justizsenatorin erhebliches Potenzial. Zusammen mit den Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeistern will sie dafür nun ein gemeinsames Konzept entwickeln.

Im vergangenen Jahr haben die Berliner Strafverfolgungsbehörden in 2.544 Fällen mutmaßlich kriminell erlangtes Vermögen beschlagnahmt oder eingefroren. Dabei wurde Vermögen im Wert von knapp 63 Millionen Euro gesichert. Besonderes Aufsehen erregt hatte im Jahr 2018 die Beschlagnahmung von 77 Immobilien von Mitgliedern des Remmo-Clans in Berlin und Brandenburg. Nach Informationen von Kontraste konnten bislang aber erst zwei dieser Immobilien rechtskräftig eingezogen werden.

ARD-Kontraste sendet hierzu den Report "Kampf gegen Clankriminalität: Vermögen soll schneller eingefroren werden" am 06.07.2023, um 21:45 Uhr, im Ersten.

Sendung: Abendschau, 06.07.2023, 19:30 Uhr

Beitrag von Lisa Wandt und Markus Pohl

57 Kommentare

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  1. 57.

    Und hat es was gebracht????

    NEIN, DIESE CLANS BETRÜGEN
    UND MACHEN MIT IHREN
    ÜBERFÄLLEN UND GAUNEREIEN
    WEITER OHNE RÜCKSICHT AUF
    DIE MENSCHEN DENEN SIE LEID
    ZUFÜGEN.

  2. 56.

    35.Bernd also nicht falsch verstehen, ich bin nicht rechts angehaucht, aber sie werden sich wundern wie schnell sich eine Partei etablieren kann, warten sie noch 2 Jahre.
    Ich hoffe soweit kommt es nicht, wenn ich aber so sehe wie die Politik rumeiert!!

  3. 55.

    Schon wieder ein langer Artikel, den Sie nicht verstanden,. Der Titel "Ehrenfrau" wurde der Nagel, Politikerin der Linken, von mutmaßlichen Clan-Kriminellen verliehen.

  4. 54.

    In Abhängigkeit zum Bevölkerungsanteil wird spannend und eindeutig. Wer die anführt eher weniger.

    Wir erinnern uns an den Artikel "Berliner Polizei registriert im vergangenen Jahr 3.317 Messerangriffe" hier beim RBB.

    "2022 wurden von der Polizei zu den Messerangriffen 2.428 mutmaßliche Täter ermittelt. Davon hatten 1.194 die deutsche und 1.234 eine ausländische Staatsangehörigkeit."

  5. 51.

    Hat wegner die 820.000 € unter Bedingungen angenommen ja oder nein? Wollte Gröner nicht eine eidesstattliche Erklärung abgeben das es nicht so gewesen wäre?

    Warum gibt es diese eidesstattliche Erklärung bis heute nicht? Also ist dieser Senat gekauft, was man ja überdeutlich an seiner Politik sieht, die fette Gewinne für die Beton- und Immobilienmafia vorsieht.

    Und wie wollen sie straffällige Deutsche abschieben und wohin?

    Ich sage doch sie sind den Rechtspopulisten voll auf den Leim gegangen und ich weiß auch warum.

  6. 49.

    Und da sie auf die Namenslisten eingehen. Gerne, dann sind die leidigen Diskussionen vom Tisch,wer oder wer nicht überproportional in der Kriminalitätsstatistik auftaucht. Dann liegen die Fakten auf dem Tisch."

    Wär´halt nur blöd wenn dabei rauskommen würde, wie bei der ominösen Messerstecher-Vornamensliste der afd im Saarland, wo ja bekanntlich "Michael" die Liste der Messerstecher anführte, das hier z.B. Klaus-Rüdiger ganz vorne steht.

  7. 48.

    Es kommt hier aber nicht auf die Menge, sondern die schwere der Straftaten sollte man auch beachten. Somit muss hier als Staat entschieden den Clankriminellen entgegen treten.

  8. 47.

    Nee, das muß Max nicht. Der behauptet einfach und nennt es Widerlegen. Weiß man doch.

  9. 46.

    Wenn die Bezirke das Geld zum Haushalt hinzurechnen könnten, dann ist die Treibjagd eröffnet.

  10. 45.

    Der hat aber alles Plus Strafzahlung zurückgezahlt. Nebenbei auch seine Haftstrafe abgesessen.
    Mit Clans werden Deals gemacht.

  11. 43.

    "Wer keine Steuern u nicht arbeiten geht, darf gerne in seinem Heimatland seine Strafe absitzen. Gute Reise und einen schönen Urlaub. "

    Und wenn man jetzt noch sein Hirn einschalten würde könnte man feststellen dass die meisten dieser sog. "Clanmitgieder" Deutsche sind.

  12. 42.

    Ihrer verqueren "Logik" nach hätten die Auszeichnung aber eher die cDU Senatoren Lummer, Kewenig bis Henkel verdient.

    Haben sie doch jahrzehntelang den Aufstieg dieser Kriminellen gefördert.

  13. 41.

    Ja sehe ich genauso. Wer kennt es nicht, das Gefühl nachts in der U8. Nicht etwa wegen den Gewaltverbrechen; NEIN! wegen der ganzen Steuerhinterzieher im Waggon.

  14. 40.

    Der Rotstift im sozialen Bereich kommt- spätestens nächstes Jahr! Wetten?

  15. 39.

    Personal ist nicht das Problem.

    Encrochat ist ein ganz herausragendes Beispiel dafür, wie überregionale Polizeiarbeit funktionieren kann und muss.

    Das Hauptproblem organisierter Kriminalität ist doch, dass meist staatliche Akteure im Hintergrund ihre Fäden ziehen. Mitarbeiter von Polizei und Staatsanwaltschaft plaudern Termine, Zugriffe, Taktiken und Namen aus.

    Wir müssen unsere Polizeien ordentlich wertschätzen und dann Interpol mal richtig ernst nehmen.
    Mehr Menschen rauszuschmeißen wird nicht der Heilige Gral sein.
    Das ist Populismus aus der rechten Ecke wie man ihn erwarten würde.

  16. 38.

    Max, würden Sie dem RBB auch Populismus vorwerfen, weil Ihnen die Wahrheit nicht gefällt?
    "Das waren Jugendliche - ich würde sagen - im Alter zwischen 16 und vielleicht 25, größtenteils mit Migrationshintergrund. Und ich sage Ihnen das als selber einer mit einem Migrationshintergrund."
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2023/01/einsatz-bericht-feuerwehrmann-berlin-angriffe.html

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