Haushaltsplanungen - Linksfraktion sieht große finanzielle Risiken für soziale Projekte in Berlin

Mi 06.12.23 | 12:20 Uhr
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Archivbild: Abgeordnete sitzen während der 35. Plenarsitzung des Berliner Abgeordnetenhauses im Plenarsaal. (Quelle: dpa/S. Gollnow)
Bild: dpa/S. Gollnow

Kurz vor Abschluss der Beratungen über den Berliner Doppelhaushalt kritisiert die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus die bisherigen Finanzpläne des Senats, vor allem den Umgang mit den sogenannten pauschalen Minderausgaben.

"Wenn man so weitermacht, droht eine massive Kürzungswelle", sagte die Fraktionsvorsitzende Anne Helm am Dienstag dem rbb. Vertreter der Linkspartei äußerten die Befürchtung, dass ab dem nächsten Jahr vor allem freiwilligen Leistungen des Landes gespart werde, wie etwa bei der Jugend- und Seniorenarbeit und anderen sozialen Projekten.

Die pauschalen Minderausgaben beziffern eine Summe, die noch aus dem Haushalt "rausgespart" werden muss. In den beiden kommenden Jahren sollen sie sich auf annährend fünf Milliarden Euro belaufen. Bisher ist unklar, in welchen Bereichen der Regierung die Einsparungen vornehmen will.

Vorschlag für höhere Steuern bei Übernachtungen

Bei Ausgaben für das Landespersonal, den Bauunterhalt oder gesetzliche Pflichtaufgaben könne man nicht kürzen, sagte der Finanzexperte der Linksfraktion, Steffen Zillich, dem rbb. Seine Partei schlage daher höhere Steuern für Zweitwohnungen und für Übernachtungen von Touristen vor. Zudem könnte die Grunderwerbssteuer auf Potsdamer Niveau von 6,5 Prozent angehoben werden. In Berlin gilt ein Satz von sechs Prozent.

Entlastung verspricht sich die Linke auch davon, Investitionen stärker über Landesunternehmen wie die Wohnungsbaugesellschaften abzuwickeln. Das könnte dem Landeshaushalt pro Jahr 1,2 Milliarden Euro Spielraum verschaffen. Dabei würde sich aber die Verschuldung der Unternehmen erhöhen. Außerdem sieht der Vorschlag der Linksfraktion vor, mit der Rückzahlung von Corona-Krediten (270 Millionen Euro im Jahr) später zu beginnen.

Um sozialen Kahlschlag zu verhindern, fordert die Linke zudem, dass eine verbindliche Verabredung mit den Trägern sozialer Projekte getroffen wird. Diese bräuchten finanzielle Zusagen um beispielweise Tarifsteigerungen einplanen zu können, hieß es. Im Gegenzug für diese Sicherheit und zusätzliche Mittel müssten die Kosten mit einem "dynamischen Kostendeckel" versehen werden, sagte Zillich. Das wiederum würde die Ausgaben in diesem Bereich für das Land begrenzen und kalkulierbar machen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 07.12.2023, 09 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Als es noch RRG gab, stieg die Zahl der Obdachlosen, Kinderarmut, Tafel-Empfänger und soziale Projekte erhielten immer weniger Geld. Den Bürgern ging es immer schlechter. Nun diese Aussagen - eher Sarkasmus

  2. 18.

    "...abheben wie eine Rakete." Ähm, wie die Challenger? Ich habe da Zweifel, ob eine Rackete für die Höhenflüge, die Ihnen anscheinend vorschweben, wirklich tauglich ist. Vielleicht fällt der Start ins Wasser.

  3. 17.

    West Berliner wählen keine Kommunisten, so bin ich aufgewachsen, und jetzt sind's die Linken!
    Ich als CDU Wähler möchte, sagen das nicht alles schlecht ist, was die Linken so vorschlagen.
    Die Realitäten liegen doch weit auseinander, ich denke da an die Flüchtlinge, Wohnungen, usw. Entweder nicht machbar oder nicht finanzierbar.
    Gestern im RBB konnte man sehen wie die Alten Damen und Herren der SED/PDS zur Verabschiedung im Bundestag bei Fr. Lötzsch waren, und ganz traurig schauten! Alles Gute

  4. 15.

    Ja, es gerecht, Menschen finanziell gleich zu stellen, oder besser noch zu benachteiligen, die jahrzehntelang den Sozialstaat mitfinanziert haben mit jenen, die nie etwas zu selbigem beigetragen haben. Strafe muss sein. Der Sozialstaat wurde mit Ansage durch die Politik immer mehr und mehr aufgebläht und ausgehöhlt. Jetzt heißt es, die Suppe in Demut auszulöffeln.

  5. 14.

    "...ganz gerecht ist unmöglich." Was schlicht auch daran liegt, dass Gerechtigkeit auch eine rein persönliche Empfindung ist, die von Jedem etwas anders definiert wird. Ist es wirklich gerecht, denen immer mehr wegzunehmen, die mehr leisten, mehr Verantwortung tragen oder andere Menschen in Lohn und Brot halten? Ist es wirklich gerecht, Menschen das Existenzminimum zu finanzieren, obwohl sie das selbst könnten, es aber einfach nicht wollen? Ist es gerecht, Menschen finanziell gleich zu stellen, die jahrzehntelang den Sozialstaat mitfinanziert haben mit jenen, die nie etwas zu selbigem beigetragen haben? Alle diese Fragen wird jeder von uns sehr unterschiedlich beantworten. Ein klares Ja oder Nein wird es dabei selten geben, oftmals aber ein "Ja, aber..." oder "Nein, aber...". Die heutige Linke differenziert das aber nicht und ist nicht in der Lage oder willens, dieses "Aber" zu akzeptieren.

  6. 13.

    "Hat denn die Linke wirklich noch Zugriff auf beiseite geschafftes SED-Vermögen?" Ja, das haben sie. Sie haben dafür extra gerichtlich feststellen lassen, rechtseinheitlich mit der SED zu sein, also die selbe Partei, nur mit anderem Namen. Die Förderungen aus dem ehemaligen Staatsvermögen, die Sie ansprachen, sind etwas anderes.

  7. 12.

    Die Zeit der Linken ist vorüber.
    In Berlin wird sie noch ne Weile dabei sein aber schon 2024 bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg wird sie wahrscheinlich unter "Sonstige" verschwinden.
    Auch in Thüringen hat sie 30% ihrer Wählerschaft verloren, Herr Ramelow sollte sich mal fragen WARUM !?

  8. 11.

    Hat denn die Linke wirklich noch Zugriff auf beiseite geschafftes SED-Vermögen? Schon viele Mio.€ aus dem Vermögen der DDR-Parteien und Massenorganisationen wurden als Fördermittel verteilt. Im TV war mal ein Film über die rote Fini, die diese Mio. beiseite schaffte. Aber niemand weiß, wer darauf jetzt Zugriff hat.

  9. 10.

    Das will ich doch hoffen. Das hat inakzeptable Ausmaße angenommen und bedroht den Fortbestand des Landes.

  10. 9.

    Ihre kruden Ansichten und Meinungen (z.B. in einem anderen Beitrag Ihr Vergleich DDR mit heutigen Flüchtlingen) werden ja auch geduldet. Von daher - Alles Gut- Machen Sie weiter!

  11. 8.

    Die Linken können ja das alte, milliardenschwere SED-Vermögen, das sie nach der Wende schnell „zur Seite geschafft haben“, für ihre Zwecke einsetzen, anstatt den Steuerzahler zu erleichtern. Aber Sozialisten verbessern die Welt ja generell auf Kosten der anderen.

  12. 7.

    Nun plärren Sie mal nicht rum, nur weil nicht jeder für Grüne und Linke glüht. Ich teile hier die Meinung von Clear, Alfred Neumann und Wossi. Es gibt bei denen, die Sie verteidigen wollen, einfach zu viele interne Querelen, als dass sie sich um etwas anderes kümmern könnten, als um ihr gesteigertes Ego.

  13. 6.

    Wieso Hass? Sehe ich nicht. Nur klare Fakten. Die Linken kommen mit Vorschlägen jetzt heraus? Warum nicht, als sie noch etwas zu sagen hatten. Nur Besserwisser und nicht Handelnde . Ein Glück nichts mehr zu sagen.

  14. 5.

    Ich schließe mich den Kommentaren von @Alfred Neumann und @Wossi an!

  15. 4.

    Wer Die Linke und Berlin 2023 mit der DDR 1989 vergleicht spielt dumme ideologische Spielchen. Sie sind doch angeblich immer so erpicht auf Leistung. Gerade in der Jugend- und Seniorenarbeit wird viel Leistung erbracht und ist chronisch unterfinanziert.

  16. 3.

    Ich verstehe nicht warum ihr kranker Hass gegen Grüne und Linke hier überhaupt geduldet wird. Hass, Hetze und Fake News ohne Ende.

  17. 2.

    Zum Glück haben die keinen Haushalt zu verantworten. Einen besseren Beweis, dass sie es nicht können, so wie hier beschrieben, gibt es nicht.
    Die Methode „Wem nehme ich was weg, teile neu zu, weil ich es besser kann“ ist schon mit den Füßen 1989 abgewählt worden.
    Alternativ wissen die Kenntnisreichen, mit wem es uns immer besser gegangen ist. Erwachsene wissen es, ganz gerecht ist unmöglich.

  18. 1.

    In der Opposition kommen linken Politikern plötzlich Ideen, wie man die Einnahmen des Landes verbessern kann.

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