Mangel bei Haus- wie Fachärzten - Dutzende Arztstellen sind in Berlin unbesetzt

Di 28.05.24 | 07:26 Uhr
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Patienten im Wartezimmer einer Arztpraxis, Symbolbild (Quelle: DPA/Sina Schuldt)
Audio: 88,8 | 28.05.2024 | Alexander Schmidt-Hirschfeld | Bild: DPA/Sina Schuldt

Zahlreiche Arztstellen in Berlin sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin unbesetzt. Insbesondere in Hausarztpraxen herrscht demzufolge ein Ärztemangel. Betroffen seien vor allem die Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg mit aktuell 86 freien Sitzen, sowie Treptow-Köpenick mit 42 freien Niederlassungsmöglichkeiten, teilte Sprecherin Laura Vele der Nachrichtenagentur DPA mit.

Zuletzt lag der Versorgungsgrad in diesen Bezirken unter 100 Prozent (Stand: Juni 2023). Auch in Spandau und Reinickendorf lag er knapp darunter. Von einer Unterversorgung spricht man bei Hausärzten, wenn der Versorgungsgrad unter 75 Prozent liegt. "Davon sind wir zum Glück etwas entfernt", sagte Vele. Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zufolge gab es 2023 in Berlin im Schnitt 73 Hausärzte pro 100.000 Einwohner.

Bundesweite Ruhestandswelle steht bevor

Auch in einigen Facharztgruppen gibt es den Angaben zufolge einen Mangel. Bei Kinder- und Jugendärzten seien in Berlin derzeit 25 Sitze unbesetzt, bei Frauenärzten acht. Ende Mai sollen nach Angaben neue Zahlen veröffentlicht werden. Weil viele Ärztinnen und Ärzte kurz vor der Rente stehen, könnte sich die Situation in den kommenden Jahren nach Angaben von Vele verschärfen.

Deutschlandweit ist der Anteil der Über-60-Jährigen mit 37 Prozent bei Hausärzten besonders hoch. Vergangene Woche wurden Gesetzespläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf den Weg gebracht, die zu besseren Bedingungen in den Praxen führen und das Praxisnetz mit Blick auf nahe Ruhestandswellen erhalten sollen [tagesschau.de].

Dem Entwurf zufolge sollen für Hausärzte - wie schon bei Kinderärzten - sonst übliche Obergrenzen bei der Vergütung aufgehoben werden. Das bedeutet, dass sie Mehrarbeit sicher honoriert bekommen, auch wenn das Budget ausgeschöpft ist. "Das Vorhaben, die hausärztlichen Leistungen zu entbudgetieren, begrüßen wir sehr", sagte Vele. Es sei eine Form der Wertschätzung für die tägliche Arbeit der Hausärzte.

Sendung: rbb24 Inforadio, 28.05.2024, 7:42 Uhr

35 Kommentare

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  1. 35.

    Kurze Nachfrage:
    Für Terminvereinbarung wird bei Ihnen die Karte eingelesen? Ohne weitere ,Leistung'?
    Hat dies keinerlei Auswirkungen auf die Abrechnung bzw. ,verfälscht' die eigentliche Patientenanzahl?
    Evtl. habe ich auch einfach nur einen Denkfehler?!

  2. 34.

    "Das Medizinsystem in der DDR war extrem rückständig und dem internationalen Niveau sehr weit hinterher. Zudem war es sehr hoch defizitär."
    Das sieht selbst die Zentrale für politische Bildung anders und die ist kein Freund der DDR. Es gab materielle Engpässe an Verbrauchsgütern und es fehlte an Devisen . Ärzte siedelten in die Bundesrepublik über und fehlten. Diese Probleme dürften ja behoben sein. Das defizitäre heißt der Staat muss zuzahlen, macht er jetzt auch. Medizin gibt's nicht umsonst. Die Armen noch mehr zu belasten ist kontraproduktiv, da Armut krank macht, also kostentreibend ist, ungerecht sowieso. Wer Arm ist stirbt heute schon früher.

  3. 33.

    Das Medizinsystem in der DDR war extrem rückständig und dem internationalen Niveau sehr weit hinterher. Zudem war es sehr hoch defizitär.

    Durch die Abschaffung der PV und der Vielzahl der KK wird nichts eingespart. Das ist seit langem bekannt

    Schafft die Familienversicherung ab, für Bürgergeldempfänger werden wieder Beiträge gezahlt. Außerdem alles ambulant mögliche auch ambulant operieren. Dazu die vielen überzähligen Krankenhausbetten abbauen. Das bringt sehr viel Geld ein.

  4. 32.

    Herr Dr. es ist mir klar, dass Sie als Unternehmer handeln, wir hatten aber vorher ein System in dem es kaum Unternehmer gab. Da kam der Arzt manchmal nach Hause und die Patienten waren auch versorgt. Natürlich muss man das auf die heutigen Bedürfnisse anpassen, aber Unternehmer muss es in dieser Branche eben nicht geben.
    Esuss auch nicht zwei Kassensysteme und hundert KK geben. Es ging früher alles mit einer ohne das die Leute tot auf der Straße lagen, wie in den 30 ern. Es fehlt halt der Wille, weil eben so gut daran verdient wird.

  5. 31.

    Ich bin Orthopäde und Unfallchirurg und betreibe ein OP Zentrum. Die Quote der PV in meiner Praxis beträgt 49 %. Letztlich bekomme ich für die Behandlung eines Privatpatienten auch mindestens 2,5 mal so viel wie für einen Kassenpatienten.

    Letztlich muss das betriebswirtschaftliche Ergebnis stimmen.

    Ich beschäftige auch angestellte Ärzte in Teilzeit. Die 4 Angestellten vertreten sich gegenseitig. Wenn Kind krank, müssen die anderen Angestellten mehr arbeiten. Anders geht's nicht.

  6. 30.

    In meiner Praxis kann man Termine nur in der Praxis nach dem Einlesen der Karte machen. Telefonische Terminvereinbarung gibt's bei mir nicht

  7. 29.

    Wie kommen Sie auf die Idee, dass Ärzte sich an der Behandlung ihrer Patienten bereichern? Das ist Unsinn.

    Wir niedergelassene Ärzte sind Unternehmer und müssen auch so handeln.

  8. 28.

    Wir müssen uns auf deutlich höhere Beiträge einstellen, denn die Versorgung wird immer teurer. Ebenso muss die kostenfreie Familienversicherung abgeschafft werden. Jedem versicherten Familienmitglied ist ein Beitrag von 2 % zumutbar.Es gäbe da noch die Möglichkeit der Terminfindung auf Sylt. Dort gibt es noch jede Menge freie Termine.
    Ebenso müssen endlich die vielen überzähligen Krankenhausbetten abgeschafft werden. Dazu kommt noch, dass viele Operationen stationär durchgeführt werden, obwohl dies ambulant möglich ist.

  9. 27.

    Im Klartext zeigt sich also bei diesem wie bei anderen Themen auch, dass das System an seine Grenzen stößt.
    Ärzte die sich an der Behandlung ihrer Patienten bereichern, eine Zweiklassenmedizin und ein Bildungssystem welches nicht in der Lage ist den gesellschaftlichen Bedarf an Fachkräften zu decken.

  10. 25.

    " Abschaffung kostenloser Mitversicherung "

    ein heikles Thema , speziell bei den Millionen Schutzsuchenden, ob da die Politik mitspielt ?

  11. 24.

    Es wird so kommen, daß Leute nur ab einem gewissen Einkommen behandelt werden, die drunter liegen nicht mehr - Schicksal.

  12. 23.

    " Die Beitreibung kann über die Kassen laufen "

    bei einem telefon vereibartem Termin , der dann nicht wahrgenommen wurde dürfte das problematisch sein.
    Die damalige Praxisgebühr wurde ja direkt in der Praxis entrichtet

  13. 22.

    Die Zukunft unseres Versicherungssystems wird nur mit deutlich steigenden Beiträgen, Abschaffung kostenloser Mitversicherung und mit mehr Eigenbeteiligung realisierbar sein. Ebenso müssen die vielen überzähligen Krankenhausbetten abgebaut werden. Was ambulant operierbar ist, darf nur noch ambulant operiert werden. Aber die Realität wollen viele versicherte Bürger nicht wahrnehmen

  14. 21.

    Die Beitreibung kann über die Kassen laufen. Wie damals bei der Praxisgebühr auch. Oder man führt ein Eintrittsgeld bei jedem Arztkontakt ein. Gibt's in Norwegen und funktioniert dort sehr gut.

  15. 20.

    Viel Ahnung haben Sie anscheinend nicht. Ärzte sind Unternehmer. Natürlich wollen und müssen wir auch Geld verdienen. Nur mit Kassenpatienten allein geht das nicht. Höhere Vergütung muss her und jegliche Budgetierung muss weg.

  16. 19.

    Es gibt ca 4,5 bewerbungen auf einen Medizinstudienplatz, also mangelt es nicht an Bewerbern.

    Aber ja, in Berlin sind 1/3 der Ärtte in Praxen jetzt nur noch angestellt und dann mesit in Teilzeit.
    Zwar steigt die anzahl der Ärzteköpfe jährlich 1-2 % an, wenn aber neue Kollegen Teilzeit arbeiten, in Ruhestand gehende zuvor in Vollzeit waren, dann sinken die von allen Ärzten geleisteten Praxisstunden natürlich ab.

  17. 18.

    @Ulbert.

    NAja, meinen Praxisumsatz mache ich zu 1,6% aus Provatleistungen. Fällt das weg, wäre es für mich zu verschmerzen.
    Mich ärgert eher die Anspruchshaltung der PK-Versicherten, die gern Sodnerbehandlung wünschen.
    Keine Kind kann für seinen Versicherungsstatus und wird bei mir gleich behandelt.

  18. 17.

    ALs niedergelasseneer Kinderarzt kann ich gut verdienen, wenn seeeehr viele Patienten von mir gesehen werden.
    Mit viel Quantität muss die Qualität dann sinken. Es ist halt eine Wippe, geht der eine BAlken hoch, geht der andere runter.
    Ich bin seit 2008 in der Praxis. In meinem allersersten Quartal hab ich 918 Patienten gesehen, leztes Quartal waren es 2059. Das allein ist pathologisch.
    Aber auch die Gründe warum Kinder vorgestellt werden, sind kaum zu glauben. Kinder mit nix oder gar nix.
    Wenn ich eherlich bin, für 5% der Tagespatienten hab ich studiert, 90% meiner Patietnen wären in dern 60/70ern von einer fitten Oma geanauso gut oder besser betreut worden.
    Auch in meinen Rettungsstellendiensten im KV-Nortdienst mehr Pillepalle als sinnvolle Arbeit.
    Und im Kinderärztlichen Bereich sind wir mehr Elternerzieher der Ratgeber für normalste Dinge.

  19. 16.

    deshalb bevorzugen junge Kollegen. zunehmend eine Anstellung in der Praxis mit vereinbarten Arbeitszeiten und ohne Verwaltungsstress, zahlreiche Angebote finden sich im Ärzteblatt

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