Beratungsstellen - Antisemitische und rechte Angriffe haben deutlich zugenommen

Di 21.05.24 | 17:38 Uhr
  130
21.05.2024, Berlin: Jens-Christian Wagner (l-r), Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Pedro M., Student der Wirtschaftswissenschaften aus Sachsen, und Judith Porath, Vorstandsmitglied Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.) und Geschäftsführerin Opferperspektive Brandenburg e.V., geben eine Pressekonferenz zur Jahresstatistik 2023 zu rechter und rassistischer Gewalt.(Quelle:dpa/K.Nietfeld)
Video: rbb24 | 21.05.2024 | Tina von Löhneysen | Bild: dpa/K.Nietfeld

Die Opferberatungsstellen in den Ländern haben 2023 mehr als 20 Prozent mehr rechte, rassistische und antisemitische Angriffe gezählt. Die Anzahl rassistischer Angriffe stieg um 33 Prozent, Körperverletzungsdelikte um mehr als zwölf Prozent.

  • Zahl rechter, rassistischer und antisemitischer Angriffe 2023 auf 2.589 gestiegen
  • Körperverletzungen, Nötigungen und Bedrohnungen waren häufigste Straftatbestände
  • Gedenkstätten verstärkt Ziel von rechtsextremen Übergriffen

Die Zahl rechter, rassistischer und antisemitischer Angriffe ist laut den Opfer-Beratungsstellen im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf 2.589 gestiegen. 315 der Angriffe richteten sich gegen zivilgesellschaftlich und politisch Engagierte, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Statistik des "Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt" (VBRG) hervorgeht.

Die Geschäftsführerin der Brandenburger Opferperspektive, Judith Porath, befürchtet mit Blick auf die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen, dass sich diese Zahl in diesem Jahr noch erhöhen könnte. Der Angriff auf den sächsischen SPD-Europapolitiker Matthias Ecke sei nur die "Spitze des Eisberges", sagte sie.

585 Kinder und Jugendliche betroffen

Laut VBRG waren im vergangenen Jahr 3.384 Menschen von den Angriffen betroffen. Davon waren 585 Kinder und Jugendliche. Porath warnte, dass solche Gewalterfahrungen sehr schwere Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben können. Sie nannte das Beispiel einer 14-Jährigen in Mecklenburg-Vorpommern, die von einem Mitschüler als Jüdin verächtlich gemacht und massiv geschlagen und getreten wurde.

Die häufigsten Straftatbestände im Jahr 2023 waren Körperverletzungen, Nötigungen und Bedrohungen. Die Körperverletzungsdelikte stiegen um mehr als zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rassismus bleibt laut Statistik der Beratungsstellen das häufigste Tatmotiv. Die Anzahl rassistischer Angriffe ist um 33 Prozent gestiegen.

"Das Klima in den Parlamenten" legitimiere die Taten

Auch antisemitisch motivierte Angriffe haben zugenommen. 2023 wurden 318 solcher Angriffe registriert, 2022 waren es noch 201. Rechtsextreme Übergriffe machten auch vor Gedenkstätten nicht halt, sagte der Direktor der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens Christian Wagner. Er nannte Bedrohungen in Form von Hassmails, Beschimpfungen am Telefon, Hakenkreuzschmierereien, abgesägten Gedenkbäumen oder zerstochenen Autoreifen. Nach dem islamistischen Terrorüberfall der Hamas auf die Zivilbevölkerung in Israel am 7. Oktober 2023 registrierten die Opferberatungsstellen insbesondere in westdeutschen Großstädten eine massive Zunahme antisemitisch motivierter Angriffe.

Zudem verzeichneten die Opferberatungsstellen einen Anstieg von queer- und transfeindlich motivierten Angriffen von 174 im Jahr 2022 auf 245 in 2023. Auf rechtsextreme und queerfeindliche Mobilisierungen, etwa gegen Christopher Street Day Paraden unter anderem in Sachsen-Anhalt und Sachsen, seien gewalttätige Angriffe gegen Teilnehmende und auch ein versuchter Brandanschlag auf eine Kirche in Spremberg (Spree-Neiße) im Juni 2023 gefolgt, nachdem dort kurz zuvor eine Regenbogenfahne gehisst worden war.

Die Jahreszahlen sind aber nur grob vergleichbar, da 2022 noch Fälle aus zehn Bundesländern erfasst wurden, während es 2023 elf waren: Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.05.2024, 12:20 Uhr

130 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 130.

    Ihre Antwort zeigt entlarvend deutlich, dass Sie ein Teil, wie einige andere hier auch, des Problems sind. Zudem haben Sie die Metapher nicht verstanden. Eine Selbst-Reflexion findet in grundsätzlich nicht mehr statt. Auch ein Dialog nicht. Stattdessen erhebt man sich hier moralisch überlegen und Ideologisch festgefahren in medialen und digitalen Echokammern. Gleichzeitig geben Sie sich Ihrem widerlichem anonymen Hass hin. Das Ganze driftet dann zunehmend in einen arroganten Totalitarismus ab, der, denen die gelben und roten Karten gezeigt werden sollen, an Penetranz noch überbietet. Eine intaktes Demokratieverständnis ist das schon lange nicht mehr.

  2. 129.

    Michèle Kiesewetter, ein SEK-Beamter im Oktober 2016 beispielsweise ....
    Was ist mit ihrer Aufzählung ?

  3. 128.

    Völlig richtig und das ist natürlich nicht alles ......

    Todeslisten .....
    Angriffe von Abgeordneten ......usw.

  4. 127.

    "Es wäre mehr als wünschenswert, dass man die Regeln, die im Prinzip nicht schlecht sind, erstmal selbst einhält, bevor man über das Verteilen von gelben und roten Karten für den Gegner nachdenkt. "

    Ganz falsch. Um bei der Metapher zu bleiben meinen sie der "Gegner" wäre der Schiedrichter, was völliger Blödsinn ist. Die Schiedsrichter sind die Gerichte bis hoch zum BVerfG, das Reglement das GG. An die müssen sich alle halten.

  5. 126.

    Sie erzählen rechte Schauermärchen um von Rechtsextremisten und deren Taten abzulenken.

    Es waren Rechts- und nicht Linksextremisten die jahrelang ungehindert mordend durch Deutschland ziehen konnten. Bis heute sind die Hintermänner des NSU auf freien Fuß!

    Es war ein Rechtsextremist mit Nähe zu rechtsextremen AfD der Walther Lübcke feige ermordet hat.

    Bürgerkriegsähnlich? Sie übertreiben maßlos! Einen Bürgerkrieg woll(t) Rechtsextremisten auslösen und stehen deshalb vor Gericht.

    Es sind Rechtsextremisten, auch mit Verbindungen zur Polizei und Bundeswehr, die massenhaft Waffen, Munition und Sprengstoffe horten.

    Sie unterschlagen absichtlich offene Aufrufe und das Abfeiern der Gewalt gegen Menschen von Rechtsextremisten in den "sozialen" Medien.

    Sie verharmlosen absichtlich Rechtsextreme und rechtsextreme Gewalt!

  6. 125.

    Sie haben echt nichts begriffen. Hautfarbe, Religion…. sagt Ihnen was oder? Kein Vergleich möglich.

  7. 124.

    Ja, die werden angegriffen weil es Vertreter des Staates sind. Wenn Sie jetzt Beruf mit Religion als Grund für die Gewalt gleichsetzen, dann haben Sie leider nichts verstanden.

  8. 123.

    "ey Schlampe, du gehörst an den Herd" .....wo gehören denn Frauen hin bei den Rechten ? Ja, hinter den Herd ! Und meinen Sie, Frauen, die da nicht sind oder gar was sagen sind da keine Schlampen ? Zitat aus dem Fußballstadium: Frauen gehören nicht ins Stadion - Zitat von Männern Mitte 30 (DEUTSCH-NATIONAL) zu einer jungen Frau, die mit ihrem Freund vorbeiläuft: "Verdi....dich Du N....schl...." Was glauben Sie, wie Frauen bei denen behandelt werden, wenn es nicht nach deren Pfeife läuft ?
    Diese Gruppen haben so viel gemeinsam, jeder kann es testen. Einfach mal als Frau dahin gehen, wo diese Menschen sind oder in entsprechende Foren gehen, sie werden sich wundern, was Rechten noch einfällt gegen Frauen. Und falls es nicht reicht, dann bitte den Selbstversuch starten und als Homosexuelle durch Stadt und Land gehen !

  9. 120.

    Da haben Sie wohl recht und es ist eine klein Erleichterung! Da muß aber noch mehr kommen, zwecks Zerlegung dieser ,,Partei“.

  10. 119.

    Nee, die kommen ins Parlament. Bezahlt vom Steuerzahler, Nebenzahlung aus Rußland und China inbegriffen ? Kann man gleich die Inhalte per Livechalte nach Rußland schicken !

  11. 118.

    Und jetzt die Aufzählungen rechter Straftaten, falls der Platz reichen sollte ..... ! Nicht die Polizistenmorde vergessen !

  12. 117.

    Dementsprechend harte und lange Strafen, dann wird es weniger !

  13. 115.

    Das sich linke Gewalt eher auf Institutionen oder Organisationen richtet, ist ein modernes Märchen. Man denke nur an die menschenverachtenden Aktionen bei Hausbesetzungen, Brandanschläge, Demos, das Schanzenviertel, Connewitz, Frankfurter Bankenviertel usw. , wenn es Bürgerkriegsähnlich mit aller Härte gegen Polizisten und Bürger geht. Das ist geplant und teilweise präzise militärisch exakt vorbereitet und ausgeführt. Nicht zu vergessen die Aufrufe und das Abfeiern der Gewalt gegen Menschen auf Indymedia.

  14. 114.

    Es ist erwiesen, dass sich Gewalt von Rechts fast ausschließlich gegen Personen richtet, während linke Gewalt eher auf Institutionen oder Organisationen richtet. Sorry, Ihr Vergleich geht ins Leere. Es geht um Menschen.

  15. 113.

    Die AfD ist jedenfalls fertig. Krah und Bystron sind weg vom Europafenster! Der Anfang vom Abstieg! Yaehhjj!

  16. 112.

    Das Kind würde lernen, dass es keine Gewalt von Linken gibt. Höchstens mal eine kleine Abmahnung. Das hat u.a. mit den hohen moralischen Ansprüchen zu tun, die man zuerst an sich und andere stellt incl. einer Selbsterhöhung durch Abwertung von Gegnern. Dabei nehmen die Werte eine besondere Rolle ein. Auch Hass, Hetze, Antisemitismus und Rassismus muss man in der selbsternannten solidarischen Moralelite aus Linken und Grünen mit der Lupe suchen.

  17. 111.

    Relativierungen in Dauerschleife mindert Gewalt? Macht das die Opfer sichtbarer? Ich kann Ihren Kommentar nur so deuten, dass Sie die Opfer, Menschen, in der Würde gleich, einfach wegreden wollen. Ist es denn wirklich für Sie so schlimm, diese Opfer zu akzeptieren als Opfer von rechter Gewalt und Rassismus? Wieso fällt Ihnen das denn so schwer? Was würde ein Kind von Ihnen lernen über Rassismus und rechte Gewalt?

Nächster Artikel