Kantstraße Berlin (imago/Stefan zeitz)
Video: rbb24 | 05.11.2018 | Laurence Thio | Bild: imago/Stefan zeitz

Stickoxidbelastung in Berlin - In der Kantstraße gilt jetzt Tempo 30

In der Kantstraße muss ab sofort langsamer gefahren werden. Der Berliner Senat will auch hier messen, ob die Stickstoffbelastung der Luft durch diese Begrenzung verringert werden kann. Dafür wird auch die Ampelschaltung angepasst werden.

Berlin testet jetzt auf einer weiteren Straße, ob mit Tempo 30 die Luft besser werden kann. Ab diesem Montag gilt dazu auch auf der Kantstraße zwischen Amtsgerichtsplatz und Savignyplatz eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Der 1,7 Kilometer lange Abschnitt sei die fünfte und letzte Pilotstrecke, hatte die Senatsverkehrsverwaltung angekündigt.

"Bei Tempo 30 verringern sich Beschleunigungs- und Bremsvorgänge", begründete der Sprecher der Verkehrsverwaltung das Pilotprojekt. In der Kantstraße werde nun mit Messröhrchen an mehreren Stellen untersucht, ob sich nun der Stickoxid-Ausstoß reduziere. Die Verwaltung ließ die Ampeln so anpassen, dass der Verkehr bei Tempo 30 möglichst gleichmäßig fließen kann. Die Einhaltung soll "durch Verkehrskontrollen regelmäßig überwacht" werden.

rbb-Messungen bringen Zweifel am 30er-Erfolg

An vielen Stellen in Berlin ist zu viel gesundheitsschädliches Stickoxid in der Luft. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte deshalb entschieden, dass Berlin im kommenden Jahr mindestens elf Abschnitte für ältere Dieselautos sperren muss.

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) lässt parallel auf fünf Abschnitten testen, ob die Luftverschmutzung eingedämmt werden kann, wenn an viel befahrenen Straßen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde gilt. Der Tempo-30-Versuch läuft zunächst ein Jahr. In der Leipziger Straße, der Potsdamer Straße, der Hauptstraße und dem Tempelhofer Damm gilt die Regelung schon. Ende des Jahres will die Verkehrsverwaltung Zwischenergebnisse veröffentlichen.

Senat muss Fahrverbot einführen

Allerdings gibt es Zweifel, ob Tempolimits wirklich Verbesserungen bewirken können: Messungen von rbb|24 und der TU Berlin während des ersten Monats des Tempolimits an der Leipziger Straße zeigten, dass die Stickstoffdioxid-Belastung dort trotz Tempo 30 nur minimal gesunken war. Die durchschnittliche Belastung betrug 65,9 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Das war deutlich mehr als der Grenzwert von 40 Mikrogramm. Oppositionspolitiker der CDU, FDP und AfD lehnen die Tempo-30-Anordnung ab, sie kritisierten sie als wirkungslos.

Zudem gehört die Leipziger Straße zu eben jenen elf Straßen, an denen Berlin nach dem Urteil des Verwaltungsgericht, ein Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge einführen muss.

Grafik: Mögliche Tempo-30-Zonen in Berlin (Quelle: rbb-Abendschau)

Fahrverbote könnten noch ausgeweitet werden

Der Senat muss zudem an insgesamt 117 Streckenabschnitten Fahrverbote prüfen. Die Richter des Verwaltungsgerichts ließen durchblicken, dass es bei den hochbelasteten dieser Streckenabschnitte nicht bei einer Prüfung bleiben dürfe - wenn sich abzeichnet, dass die Grenzwerte anders nicht zu halten sind. Wieviele dieser Straßen ab nächsten Sommer ebenfalls für ältere Diesel gesperrt werden müssen, wird wohl erst im März nächsten Jahres feststehen.

Gerichtsurteil: Hier muss die Verwaltung Fahrverbote prüfen

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33 Kommentare

  1. 33.

    Sind die jetzt alle Gaga ?
    Dieselverbrauch meines Euro 6 (Automatikgetriebe) bei 50- 60 km/h 4,9 Liter und bei 30 km/h 7,1 Liter.
    Die Motorleistung ist dabei zu etwa 4% !! ausgenutzt. Bei 10 km/h läßt sich das noch steigern, auf etwa 16 Liter/100km

  2. 32.

    Erstens wird die Luft nicht besser, wenn die Autos, egal bei welchem Tempolimit, zumindest tagsüber fast nur im Schneckentempo vorwärts kommen.
    Zweitens ist das Zusatzschild „Luftreinhaltung“ völlig fehl am Platz. Man kann doch etwas nur rein erhalten, wenn es überhaupt rein ist.
    Sechs - setzen !

  3. 31.

    Wenn die Politik mal den Öffentlichen Nahverkehr in den Griff bekommen würde, könnte man drüber nachdenken U-Bahn, S-Bahn oder Bus öfter mal zu benutzen. Aber der Nahverkehr ist unpünktlich, unflexibel und immer überfüllt, auch weil Fahrräder transportiert werden müssen bzw. Viele Fahrten fallen einfach aus. Also keine Alternative.
    Meine Meinung übrigens ist das selbst mit Fahrverboten keine Verbesserung der Luft bringen wird. Alles nur "Luftnummern"

  4. 30.

    Was sagt Ihnen der Umstand, dass so viele Leute mit dem Auto unterwegs sind? Dass es in jedermanns Interesse ist, den Verkehr zu reduzieren? Wenn dem so wäre, würden nur noch wenige Autos in der Stadt herumfahren. Es ist aber nicht so.
    Zum Thema „öffentliche Verkehrsmittel benutzen“: Die sind eine ausgewachsene Katastrophe! Und das trotz der lonksgrünen Politik, die doch seit Jahrzehnten in Berlin große Ankündigungen macht, aber nichts davon einhält.
    Ich fahre trotzdem damit. Aber es muss schon jeder für sich entscheiden dürfen, wie er sich fortbewegt.

  5. 29.

    Es geht auch ums Umdenken. Tempo 30 kann und darf nur der Anfang sein. Auto stehen lassen, Öffentliche benutzen, langsamer fahren, Lärm- und Stressreduzierung uvm. Warum tut sich der Deutsch damit so schwer? Es müsste doch in Jedermanns Interesse sein diesen brutalen Verkehr zu reduzieren und die Innenstädte wieder lebenswerter zu machen!?

  6. 28.

    Ja wo kämen wir hin, wenn man im Straßenverkehr mitdenken muss? Da bliebe ja gar keine Zeit mehr um am Handy zu spielen!

  7. 27.

    der wahnsinn kennt keine grenzen...

  8. 26.

    Ozon, NO, NO2, CO2 - alles Abgase bzw. Entstehungsprodukte aus Abgasen. Sie alle haben unterschiedliche Eigenschaften, Grenzwerte und alle sollen reduziert werden. Das NO Ozon reduziert ist bekannt - dabei entsteht aber das problematische NO2. Man kommt vom Regen in die Traufe. Der Artikel bauscht bekanntes vor allem bekanntes auf.

    Punkto Gesundheitsschädlichkeit würde ich eher echten Experten glauben: Epidemiologen und nicht Physikern oder Ingenieuren.

  9. 25.

    Wir überspringen gar nichts. Oder bestimmen Sie, was in der Stadt passiert? Sie sind mir vielleicht ein „Demokrat!

  10. 24.

    Es gibt zwei Sorten Fahrer, die mich stören. Die Raser, die dann eine Vollbremsung machen. Und die Ampelkriecher, die schon 500m vor der Ampel ausrollen, weil vorne Rot zu sehen ist. Für beide muss ich unnötig oft mitdenken. Am besten ist das mit dem Strom mitschwimmen.

  11. 23.

    Wieder werden Geschwindigkeitsbeschränkungen eingeführt ohne Blitzer aufzustellen und dann wird sich fleißig gewundert warum die Luft nicht besser wird. Wenn die Ampelschaltungen auf 30 angepasst werden heißt das doch nur, dass die Autofahrer noch öfter scharf bremsen und mit Vollgas wieder losfahren. Vorausschaundes Fahren ist für die meisten Autofahrer doch ein Fremdwort.

  12. 22.

    Da ja viele gegen den Tempo 30 Test sind, weil der ja nichts bringt und nur Schikane ist... Dann überspringen wir das Ganze und machen gleich Fahrverbote. Denn die Luftbelastung ist ja durch Tempo 30 wohl nicht zu reduzieren. Oder was soll der Aufschrei hier?

  13. 21.

    Zwischendurch ein paar Fakten zum modernen Diesel und wie er auf die Stadtluft wirkt. Von Experten, nicht von linksgrünen Ideologen. https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/moderne-dieselmotoren-sind-ozonkiller-und-russfilter/
    Aber Fakten sind ja im postfaktischen Zeitalter nicht mehr gefragt.

  14. 20.

    Wenn es wirklich grüne Welle bei Tempo 50 geben würde, dann hätte man keinen Grund zügiger zu fahren. Das zu schnell gefahren wird, liegt einfach an der Unfähigkeit der Verkehrslenkung die Ampeln so einzustellen das man mit 50 km/h ihnen anzuhalten durch die Stadt kommt. Also ist die Politik Schuld wenn wir schlechte Luft haben und das kann mit "Grünen" auch nicht besser werden.

  15. 19.

    Kunststück! Kfz-Steuer ist ja seit 2009 auch eine Bundessteuer, die vom Zoll eingezogen wird. Daher bezahlt niemand Kfz-Steuer in Berlin.

  16. 18.

    E-ben. Wo 50 erlaubt sind wird mit 70 gerast, wo 30 erlaubt sind immerhin "nur" noch mit 50 km/h.

    Wir brauchen wesentlich drastischere Strafen bei Geschwindigkeitsübertretungen und Falschparken, z.B. in der zweiten Spur bis hin zu schnelleren Führescheinentzügen.

  17. 17.

    Unser Fazit mit Tempo 30: klappt gut! Wo 50 gefahren werden darf, rasen die Meisten mit 65/70 lang, manche auch noch schneller, in 30er-Zonen mit 40-50. Ist doch ein großer Erfolg ;-)

  18. 16.

    Völlig richtig. Kind und Enkel sind da grad weggezogen. Der wahnsinnige Verkehr dort, die Abgase, die unfassbare Lautstärke und die aggressiven Bleifüßler...Lieferverkehr, der den normalen Verkehr behindert und ausbremst-furchtbar! Schade um die schöne Wohnung, aber dort kann man keine Kinder großziehen und wird selber völlig verrückt.

  19. 14.

    Ob da nur eine bessere Ampelschaltung hilft? Bei einigen Kommentatoren könnte ich mit gut vorstellen dass man mit Absicht im zweitem Gang fährt. Und an dem Verhalten einiger Autofahrer mit Vollgas auf eine rote Ampel zuzurasen wird Tempo 30 auch nichts ändern.

    Selbst wenn Tempo 30 also keine Verringerung der Lärm- und Luftbelastung bringt, bringt es doch unbestritten eins:

    Wesentlich mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer! Fußgänger müssen nicht trotz grüner Ampel über die Straße rennen und Radfahrer sind geschützter wenn man nicht mit 60 km/h an ihnen vorbei rast.

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