Tabea Kemme 2018 in einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Quelle: imago images/ZUMA Wire
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Tabea Kemme besucht Fußball-Projekte in Ghana - "Soziale Verantwortung soll die DNA des Fußballs werden"

Um zu schauen, wo das Geld der Initiative "Common Goal" hin geht, ist die ehemalige Turbine Potsdam-Spielerin in Ghana unterwegs und möchte dort soziale Fußballprojekte besuchen. Die Reise zu Corona-Zeiten findet unter strengen Hygiene-Maßnahmen statt.

Ihre sportliche Karriere hat Tabea Kemme vor gut einem Jahr beendet. Nach zehn Jahren bei Turbine Potsdam und anderthalb Jahren beim FC Arsenal teilte sie im Januar 2020 mit, sie habe mit dem Fußball abgeschlossen. So ganz fertig ist die 29-jährige dann aber offenbar doch nicht. Zwar steht Kemme nicht mehr als Profi auf dem Platz, doch sie engagiert sich für soziale Zwecke, in denen der Fußball eine große Rolle spielt.

Für die Initiative "Common Goal", für die zahlreiche Spielerinnen und Spieler ein Prozent ihres Gehalts spenden, ist Kemme gerade in Ghana, um sich anzuschauen, was mit dem gesammelten Geld passiert. Wie sie ausgerechnet auf das westafrikanische Land kam, begründet sie mit ihrem Bauchgefühl. "Ich bin ein Küstenkind, deshalb wurde es Ghana."

"Common Goal" unterstützt vor allem Projekte in Ländern des globalen Südens und möchte mit dem Engagement Rassismus, die Benachteiligung von Frauen und Mädchen und Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. "Der Fußball ist mehr als der reine Sport. Es geht vielmehr darum, Werte zu vermitteln", sagt die ehemalige Spielerin und jetzige Polizistin.

"Im Fußball gibt es keine Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Seit drei Jahren ist Kemme für "Common Goal" aktiv. Der Spaß am Fußball treibe sie bei ihrem Engagement an, erzählt sie. "Jeder hat Lust gegen den Ball zu kicken. Es ist egal, welche Hautfarbe du hast, welches Alter, welches Geschlecht. Es gibt im Sport und auch im Fußball keine Zwei-Klassen-Gesellschaft."

Mit dem Ziel, die Popularität des Fußballs zu nutzen, um einen gesellschaftlichen Wandel zu unterstützen, wurde die Initiative vor vier Jahren gestartet. "Unser Ziel ist, dass wir soziale Verantwortung zur DNA des Fußballs machen", erklärt Thomas Preiss, einer der Mitbegründer von "Common Goal". Besonders freut er sich, wenn die Interaktion zwischen den Spielerinnen und Spielern und den Partnerorganisationen vor Ort entsteht, erzählt er. "Es ist auch immer ein magischer Moment, wenn der professionelle Fußball auf Menschen trifft, für die der Sport das Leben verändern kann." Reisen wie die von Tabea Kemme nach Ghana seien deshalb wichtig, weil beide Seiten auf diese Weise zusammenkommen und zueinander finden, glaubt Preiss.

Vermittlung von Werten steht im Vordergrund

Aufgrund der Corona-Situation und ihrer Arbeit als Polizistin war lange nicht klar, ob und wann Tabea Kemme nach Ghana reisen kann. Nun hat sich die Möglichkeit ergeben, dafür wird Kemme regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet. Auch vor Ort muss sie strenge Hygiene-Maßnahmen einhalten, damit die Reise überhaupt stattfinden kann.

In den kommenden Tagen wird Kemme zwei Projekte besuchen. "Ein Projekt ist eine Talentschmiede", erklärt sie. Sie selbst sei in Potsdam ebenfalls in einer solchen Einrichtung aufgewachsen und habe dort das Fußballspielen gelernt. Das andere Projekt heißt "Play Soccer Ghana" und ist für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 15. Kemme freut sich besonders auf diesen Besuch, da das Projekt sich auf den Austausch und die Vermittlung von Werten fokussiere, sagt sie. "Wir wollen vermitteln, wie wichtig Bildung und Gesundheit sind, aber auch Hygiene - gerade im Bezug auf Mädchen und Menstruation."

Bisher weiß die Wahlpotsdamerin nur, wo sie die erste Nacht verbringen wird - in einem Hostel gemeinsam mit einer Freundin, die sie auf der Reise begleiten wird. Der Rest werde sich dann ergeben, hofft sie und gesteht ihre Nervosität ein. "Ich bin super aufgeregt. Ich fühle mich wie ein fünfjähriges Kind, was eingeschult wird." Am meisten freut sie sich auf den kulturellen Austausch und die Menschen, die die Projekte vor Ort leiten. Die Reise finanziert Kemme übrigens aus eigener Tasche.

Sendung: rbb UM6, 25.02.2021, 18:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Gute selbstlose Unterhaltung sollte wieder die DNA des Fußballs werden!

    Es gibt Europäer, die es nicht lassen können, das Licht nach Afrika zu bringen.

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