Marco Baldi während eines Spiels von Alba Berlin. Quelle: imago images/Bernd König
Audio: rbb | 21.10.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Bernd König

Interview | Alba-Manager Marco Baldi - "Man muss aufpassen, dass man sich nicht entmutigen lässt"

Bei Alba Berlin ruht der Basketball. Nach insgesamt sechs Corona-Fällen im Klub wurden alle Spiele in der näheren Zukunft vorerst abgesagt. Manager Marco Baldi erklärt im Interview, wie der Verein mit der Situation umgeht und wie er dabei persönlich gefordert ist.

rbb|24: Herr Baldi, wie geht es den Corona-Infizierten bei Alba Berlin? Gibt es einen neuen Stand?

Marco Baldi: Sehr unterschiedlich. Manche haben gar keine Symptome, bei anderen macht es sich stärker bemerkbar. Wir müssen sehen, wie es weitergeht.

Sie sind in engem Austausch mit den Gesundheitsämtern. Wie sieht da die Zusammenarbeit aus?

Der Senat hat sich an unsere Seite gestellt und die Gesundheitsämter sind sehr kooperativ. Wir werden die Zusammenarbeit wahrscheinlich jetzt auf ein Amt, das zuständig sein wird, beschränken können. Sonst wird man ja wahnsinnig - nicht nur wir, sondern auch die Gesundheitsämter. Es geht jetzt um eine klare Betrachtung der Situation. Dabei ist es hilfreich, wenn eine Hand die Sache bearbeitet und nicht viele verschiedene.

Was sind die genauen Vorschriften für das Team?

Die gesamte Reisegruppe - also nicht nur Spieler - die mit beim Spiel in Moskau war, wird sich in eine zweiwöchige Quarantäne zurückziehen. Teilweise sind sie zu Hause, teilweise anderweitig isoliert. Jeder, der die Möglichkeit hat, sich auch von seiner Familie zu isolieren, macht das. Wir haben da auch mit Hotels ausgeholfen. Es ist wichtig, dass man diese Situation ganz penibel und genau organisiert, damit einer Genesung nichts im Wege steht und es keine weiteren Ansteckungen gibt.

Was haben die Ereignisse der letzten Tage mit Ihnen persönlich gemacht? Das muss Ihnen sicher auch nah gegangen sein.

Wir sind quasi seit März im Ausnahmezustand. Ich stelle schon in meinem weiteren Bekanntenkreis fest - und da geht es nicht nur um Sportler - dass das mittlerweile Spuren hinterlässt. Es ist alles sehr aufwendig und teilweise sehr bedrückend. Man muss wirklich aufpassen, dass man sich nicht total entmutigen lässt. Es gilt, zusammenzuhalten, solidarisch zu sein und den Humor nicht zu verlieren. Nicht auf andere zu zeigen, ist sicherlich das Wichtigste im Moment. Wir versuchen, weiter mit Kreativität an die Dinge heranzugehen. Es ist keine Zeit, in der man etwas richtig oder falsch machen kann, sondern zusammensteht und kreativ und humorvoll an die Dinge herangeht. Aber es ist auch wichtig, dass man nicht alles in die Ecke schmeißt. Ich weiß, dass vielen und mir auch manchmal danach ist, den Kopf in den Sand zu stecken. So können wir aber natürlich weder individuell noch gesellschaftlich agieren. Das gilt es zu beherzigen, aber das schaffen wir auch.

Wie schaffen Sie es, in dieser Situation trotzdem positiv zu bleiben?

(lacht) Ich versuche es mit Spaziergängen an der frischen Luft. Ich bin aber auch immer im Austausch mit anderen Menschen. Ich habe mit Theaterintendanten und anderen Personen, die wirklich nichts mit unserer Branche zu tun haben, gesprochen. Es geht darum, die Brille nicht nur für die eigenen Dinge zu schärfen, sondern das Thema gesamtgesellschaftlich zu verstehen. Man kann sich da gewisse Anleihen und Ideen holen, aber auch Trost und Ermunterung aussprechen. Wir müssen es aber auch nicht allzu sehr dramatisieren, wir werden da durchkommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Philipp Höppner, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte Fassung.

Sendung: rbbUM6, 21.10.20, 18:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ja, immer wieder jeden Tag hohe Corona Fälle, Corona und der Sport. Im Leben immer auf das positive konzentrieren. Ich wünsche allen, alles Gute und einen möglichst symptomfreien Verlauf.

  2. 1.

    Gibt es irgendwo auch die ungekürzte Fassung des Interviews?

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