Spätfolgen des Coronavirus - So geht es dem ersten Senftenberger Covid-Patienten heute

Michael Brückner und Pflegerin Anne Stiller (Bild: rbb)
Video: rbb|24 | 06.05.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Michael Brückner liegt wegen einer Corona-Infektion drei Wochen lag im Koma. Er überlebt den schweren Krankheitsverlauf und kann nach Monaten der Erholung wieder arbeiten. Seine Geschichte motiviert die Pflegekräfte in Senftenberg bis heute.

Michael Brückner ist noch einmal mit dem Leben davon gekommen. Der Lauchhammeraner (Oberspreewald-Lausitz) war der erste Covid-Patient im Klinikum Niederlausitz in Senftenberg. Ohne die Pflegekräfte im Klinikum hätte er damals nicht überlebt, wie er heute sagt.

Im März 2020 wurde Brückner eingeliefert, er lag damals drei Wochen lang im Koma. Während dieses Zeitraums musste er künstlich beatmet werden.

Michael Brückner, Senftenbergs erster Covid-Patient (Bild: rbb)
Michael Brückner, Senftenbergs erster Covid-Patient | Bild: rbb

"Ich hab das teilweise schon gar nicht mehr realisiert, das ist wie ein Blackout gewesen", erzählt Brückner von seiner Zeit im Klinikum. "Wie ich ins Krankenhaus gekommen bin, weiß ich selbst nicht mehr."

Lars Slawik war Brückners Krankenpfleger, als dieser eingeliefert wurde. "Wir haben ihn intubiert", erzählt er. "Wir konnten ihm vorher noch erklären, was wir mit ihm tun werden. Er kann sich im Nachgang daran nicht mehr erinnern."

Erst am Ostersonntag 2020 konnte Brückner von den Beatmungsschläuchen befreit werden. Bis er wieder arbeitsfähig war, dauerte es noch bis zum November.

Lars Slawik und Anne Stiller, Krankenpfleger in Senftenberg (Bild: rbb)
Lars Slawik und Anne Stiller, Krankenpfleger in Senftenberg | Bild: rbb

Motivation für Pflegekräfte

Für das Pflegeteam in Senftenberg, vor allem für Lars Slawik, ist die Geschichte von Michael Brückner noch immer eine große Motivation. Denn nach wie vor befinden sich die Pflegekräfte im Dauerstress. "Für mich ist es so, dass die Geschichte von Herrn Brückner mich auch durch die zweite und dritte Welle getragen hat", so Slawik. "Es ist ja kein Geheimnis, dass wir auch weniger gute Verläufe hatten und es viele Patienten nicht geschafft haben."

Die Unterstützung des Teams untereinander habe viel von dem Stress aufgefangen, ergänzt seine Kollegin Anne Stiller. "Ohne uns als Team hätten wir das nicht geschafft", sagt sie.

Post-Covid-Syndrom bislang kaum erforscht

Experten befassen sich seit mehr als einem Jahr Pandemie mit den Spätfolgen einer Covid-Erkrankung. Denn auch nach der Genesung sind viele Patienten nicht gesund. In Senftenberg werden etwa fünf Prozent der Covid-Intensivpatienten erneut eingeliefert, meist wegen Atemnot. Einige Patienten mit milden Verläufen zeigen erst spät Symptome. Brückner selbst hat beispielsweise ein Taubheitsgefühl in den Beinen, das nicht mehr weggeht.

Mediziner nennen dieses Phänomen Post-Covid-Syndrom. Sie müssen nun lernen, damit umzugehen, denn noch ist das Syndrom weitgehend unerforscht. "Es ist natürlich schwierig, wenn ein Patient von psychischen Störungen betroffen ist, von Störungen der Atemfunktion, der Nierenfunktion, der Herzfunktion und von Störungen am Nervensystem. Der müsste entsprechend vier oder fünf Fachspezialisten aufsuchen", erklärt Volkmar Hanisch, ärztlicher Direktor am Klinikum Niederlausitz. Er hält die Einrichtung von Ambulanzen, die auf Covid-Folgen spezialisiert sind, für sinnvoll. Der Wissenszuwachs sei dann deutlich schneller, als wenn jeder niedergelassene Arzt nur ein oder zwei Fälle zu Gesicht bekäme.

Krankheitsausfälle wegen Überlastung

Auch an den Pflegekräften geht die Pandemie nicht spurlos vorbei, sie leiden unter dem Dauerstress. Einerseits wegen Corona, andererseits wegen weiterer Erkrankungen. Patientinnen und Patienten, deren Operationen wegen der Pandemie verschoben werden mussten, werden zunehmend zu Notfällen.

"Wir fühlten uns teilweise verhöhnt durch die Aussage, dass wir an der Grenze unserer Kapazität arbeiten würden, denn da waren wir lange drüber weg", sagt der Oberarzt der Intensivmedizin in Senftenberg, Thomas Schneider. "Wir sehen jetzt insbesondere in der Pflege die Überbelastung, die ihre Spuren hinterlässt." Das führe vermehrt zu Krankheitsausfällen in der Belegschaft.

Bis auf das Taubheitsgefühl in den Beinen merkt zumindest Michael Brückner kaum Spätfolgen seiner Erkrankung. Er genießt sein Leben und seine Familie aber nach dem wochenlangen Überlebenskampf nun mehr als je zuvor.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Brandenburg Aktuell, 06.05.2021, 19:30 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ganz schön gruseiig, IHRE EINSCHRÄNKUNGEN mit den "Einschränkungen" einer ITS-Behandlung gleichzusetzen.
    Sie sollten einmal Ihren Kommentar überdenken!

  2. 3.

    Taschentuch gefällig? Die einzige Person, die sich beschwert sind Sie.

  3. 2.

    Ich verstehe die Berichterstattung nicht. 14 Monate halte ich mich an die Regeln, gehöre keiner Prio Gruppe an und muss mich weiter einschränken. Die Person erhält alle Grundrechte zurück. Was beklagt er sich?

  4. 1.

    Dieser Beitrag berührt zutiefst, weil wir eben mit unserer eigenen Fragilität konfrontiert werden. Man muss sich auf die Situation einlassen und sich in die Person einfühlen, dann kann man vielleicht ein Bruchteil dessen verstehen, was diese Krankheit für jeden von uns bedeutet. Was ist Freiheit in Zeiten des Ausnahmezustandes wert, wenn andere dafür sterben müssen?

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