Märkisch-Oderland - In Strausberg werden jetzt wasserstoffgetriebene Flugzeuge gefertigt

Fr 11.08.23 | 17:00 Uhr
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Wasserstoff-Flugzeug aus Strausberg
Video: rbb24 Brandenburg aktuel | 11.08.2023 | Jakub Paczkowski | Bild: rbb/Max Beuthner

Ein Unternehmen aus Strausberg hat am Freitag eine Halle für den Test und die Endmontage von wasserstoffgetriebenen Flugzeugen eröffnet. 2024 könnte bereits das erste kerosinfreie Flugzeug fliegen - doch die Zulassung wird wohl Jahre dauern.

  • Unternehmen hat eine Test- und Endmontagehalle eröffnet
  • Aktuell entwickelt die Strausberger Firma zwei Flugzeugmodelle mit Elektromotoren
  • Der erste Testflug könnte bereits im Jahr 2024 erfolgen, die Serienproduktion ab 2025

Wasserstoffgetriebene Flugzeuge sollen ab sofort in Strausberg (Märkisch-Oderland) zusammengebaut und getestet werden. Die Apus GmbH hat am Freitagnachmittag eine entsprechende Test- und Endmontagehalle eröffnet. "Die brauchen wir, um unsere Prototypen, die jetzt im Rohbau fertig sind, endzumontieren und auch zu testen", sagte Phillip Scheffel, Geschäftsführer bei Apus, dem rbb.

Die Tests der Wasserstoffantriebe seien notwendig, um die Technologie zu einer gewissen Reife und Zuverlässigkeit zu bringen, um damit fliegen zu können, so Scheffel weiter. Mit Spannweiten bis zu 27 Metern benötigen die Flugzeuge bei der Endmontage reichlich Platz. Apus wurde nach Unternehmensangaben 2014 gegründet und beschäftigt derzeit knapp 70 Mitarbeiter.

Steinbach hofft auf klimaneutrale Luftfahrt

Sowohl der Bund als auch das Land Brandenburg unterstützen das Unternehmen. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) war am Freitag bei der Eröffnung dabei und sieht in dem Strausberger Unternehmen viel Entwicklungspotential: "Wir versuchen in Brandenburg auch einen Schwerpunkt im Bereich moderne Luftfahrt zu machen, die nach Möglichkeit klimaneutral sein soll", sagte der Minister dem rbb.

Nach Unternehmensangaben waren bisher lediglich die Flugzeugentwicklung und ein Ingenieurbüro von Apus in Strausberg ansässig. Ein erster Startschuss für die Entwicklung der Flugzeuge sei vor knapp zwei Jahren gefallen. Das Unternehmen hofft, im kommenden Jahr mit den Testflügen starten zu können.

Wasserstoff, eine "Revolution der Luftfahrtantriebe"

Laut Geschäftsführer Scheffel sind derzeit zwei Flugzeugmodelle in Entwicklung. Das erste Modell soll vier Sitze und zwei Elektromotoren haben. "Sie werden mit Strom aus einer Brennstoffzelle gespeist. Der Wasserstoff kommt aus strukturintegrierten Tanks in den Tragflügeln", sagte Scheffel. Ein zweites, größeres Modell soll perspektivisch über neun bis 19 Sitze verfügen. Eine Serienproduktion der Flugzeuge sei ab 2025 angedacht.

Wasserstoff sei eine von mehreren alternativen Antriebsmethoden, sagte Lars Enghardt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt dem rbb. "Wasserstoff ist eine Alternative, die gerade im wissenschaftlichen Bereich sehr intensiv untersucht wird und die eine disruptive Veränderung, eine Art Revolution der Luftfahrtantriebe mit sich brächte", so der Experte.

Unternehmen rechnet erst 2028 mit Zulassung

Mögliche Käufer der viersitzigen Flugzeuge könnten Fluggesellschaften sein, die damit ihre angehenden Piloten trainieren könnten, sagte Apus-Hauptgesellschafter Rolf Jürgen Moll dem rbb. "Dann gibt es auch Privatpiloten wie mich, die auch gern emissionsfrei unterwegs sein wollen", sagte er. Schrittweise sollen die Flugzeuge größer werden und mehr Menschen transportieren können, so Moll.

Bis die Flugzeuge auf den Markt kommen, wird es allerdings noch dauern. Nach eigenen Angaben erwartet Apus, erst 2028 die Zulassung für die ersten Produkte zu erhalten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.08.2023, 16:10 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    "Wie überlebt eine Firma, die erst in 5 Jahren ein (vielleicht) verkaufsfähiges, zugelassenes Produkt hat?" Das geht z.Bsp. wenn es ein gefördertes Forschungsprojekt ist. Mal bei Euronorm et al. nachsehen, ob dort ein Projekt dieser Firma gelistet ist.

  2. 5.

    Kleine Anfrage zum Thema "Verbrenner-Aus"-Bundestag (Drucksache 20/4842--5047 22.12.2022)

    Im Anhang zur Frage 24-"Welche Förderprojekte sind im Bundeshaushalt 2023 für synthetische Kraftstoffe enthalten und wie werden sie finanziert(bitte nach Einzelplan, Titel und Betrag auflisten"--
    werden hunderte zum Teil mit über einer Million Euro geförderte Projekte aufgelistet.(Anhang Seite 1-44)

    Was für ein Wahnsinn-und raus kommt kaum etwas. Wer ist da, der all die Forschungsprojekte bündelt und das Beste-das Beste für Deutschland--das Beste für Europa--und vor allem das Beste für den Klimaschutz herausholt-und das schnellstmöglich?

    Ich sehe niemanden. Ich könnte mir vorstellen, dass frustrierte Forscher mit ihren Erkenntnissen ins Nicht- EU-Ausland gehen und dort ihre Ergebnisse verkaufen und weiterentwickeln.
    Wie sonst sollte sich z.B. Chile solche Fabriken leisten und entwickeln können?

    D gibt Milliarden aus--während unsere Abhängigkeit steigt

  3. 4.

    Wie überlebt eine Firma, die erst in 5 Jahren ein (vielleicht) verkaufsfähiges, zugelassenes Produkt hat?

  4. 3.

    Schon wieder „könnte“? Fehlt bloß noch „Vorreiter“... Gerne mal aufschreiben was daraus geworden ist.

  5. 2.

    TIPP--kleine Anfrage BW--Erzeugung von synthetischem Methanol, synthetischen Kraftstoffen sowie von Ammoniak und wirtschaftliche Potenziale für die Baden-Württembergische Wirtschaft und Forschung"(Drucksache 17/5056-6.7.2023--Antwort--11.8.2023. (vor allem die Antworten 1-3-/-6+7/-8-/-9/-11/-15)

    Kleine Kostprobe: 1-3) "Grundsätzlich geht die Landesregierung aufgrund der aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union und der daraus resultierenden Kosten sowie der Herstellungskosten in Deutschland nicht davon aus, dass große Mengen an grünem Wasserstoff oder Derivaten wie Ammoniak und Methanol in Baden-Württemberg erzeugt werden.
    Wahrscheinlich ist ein Import.....sofern die Europäische Union den Rahmen dafür zeitnah festlegt"

    Man könnte, man wollte, aber die EU --und die selbst auferlegten regulatorischen Kosten .....

  6. 1.

    Im Luftverkehr macht Wasserstoff auf kürzeren Strecken wenigstens im Gegensatz zum Landverkehr noch Sinn. Beim Inforadio weist man aber zurecht auch darauf hin, dass für Flüge länger ca. 2.000 das aber in der nahen Zukunft nicht ausreichen würde.

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