Testbetrieb - Größter unterirdischer Wasserstoffspeicher in Brandenburg eröffnet

Mo 23.10.23 | 20:44 Uhr
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Trocknungsanlage für Wasserstoff in Rüdersdorf
Audio: Antenne Brandenburg | 23.10.2023 | Torsten Glauche | Bild: EWE

Eines der bisher größten Projekte zur Wasserstoffspeicherung in Brandenburg ist am Montag in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) gestartet. Der Wasserstoff wird in einer hausgroßen Test-Kaverne in einem unterirdischen Salzstock gelagert.

In "dieser Größenordnung" gebe es bisher keinen Speicher in der Mark, erklärte am Montag eine Sprecherin des Potsdamer Wirtschaftsministeriums. Insgesamt sechs Tonnen Wasserstoff sollen in den kommenden acht Tagen durch Tankfahrzeuge angeliefert werden. Nach der Befüllung der Kaverne soll der Testbetrieb beginnen, hieß es vom Energiedienstleister und Betreiber EWE. Dabei wird vor allem das Wechselspiel zwischen der Ein- und Ausspeicherung von Wasserstoff getestet. Laut EWE könnten mit dieser Menge Wasserstoff etwa 1.000 Autos vollgetankt werden.

Auch größere Tests zur Qualität des gespeicherten Wasserstoffs

"Energiespeicher, vor allem Langzeitspeicher, nehmen generell eine wichtige Rolle im zukünftigen Energieversorgungssystem ein", sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Deshalb stellten auch Wasserstoffspeicher ein Schlüsselelement für die Energieversorgung dar. Perspektivisch soll Wasserstoff fossiles Erdgas ersetzen, so dass zukünftig Wasserstoffspeicher in großer Menge benötigt werden.

Die Rüdersdorfer Kaverne soll auch Aufschluss darüber geben, wie hoch die Qualität des Energieträgers nach der Speicherung ist. So ist beispielsweise für den Einsatz in der Mobilität eine Reinheit von 99 Prozent notwendig. Die Tests dauern laut EWE etwa ein Jahr. In dieser Zeit werden drei unterschiedliche Ein- und Ausspeicherszenarien mit verschiedenen Druckänderungen getestet. "In unseren Tests wollen wir Szenarien nachbilden, die zukünftig möglich sind. Mal speichert ein Speicherkunde wenig und mal mehr Wasserstoff ein, mal wird weniger und mal mehr Wasserstoff für Anwendungen benötigt. Wir spielen dabei alle Betriebsmöglichkeiten durch, die später durch einen Speicherkunden auftreten könnten", sagte der Projektleiter Hayo Seeba.

Die Erkenntnisse aus Rüdersdorf will EWE eigenen Angabern zufolge in einem nächsten Schritt in einem großtechnischen Speicherprojekt in Niedersachsen einbringen. Das Projekt in Rüdersdorf kostet laut EWE und Landesregierung rund zehn Millionen Euro - vier Millionen davon zahlt EWE, den Rest der Bund.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 23.10.2023, 19:30 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    "Sie haben offensichtlich wenig Ahnung von Energiewirtschaft.
    Solche von Ihnen erwähnten Kraftwerke sind aktuell wirtschaftlich nicht betreibbar, da wir trotz Kraftwerksabschaltungen nicht genügend EE verfügbar haben."
    Das Kompliment gebe ich gerne zurück ;)
    Wenn also Ihrer Meinung nach eine Kombination aus EE, Elektrolyse, Speicher und wasserstofffähigen Gaskraftwerken wirtschaftlich nicht betreibbar ist - wofür Sie übrigens durchaus meine Zustimmung haben - wie soll dann eine sogenannte Energie"wende" überhaupt funktionieren?
    Konventionelle Kraftwerke liefern im Übrigen 24/7 eine gesicherte Leistung. Insofern können reine EE konventionelle Kraftwerke nicht einmal ansatzweise ersetzen. Genau das ist ja das Problem!

  2. 13.

    Gerade wg. Wirkungsgrad sollte Wasserstoff nur dort eingesetzt werden, wo es keine Alternativen gibt, also z.B. nicht in Landfahrzeugen. Bzgl. NOx in Gasturbinen gibt es zudem verschiedene Lösungsansätze angefangen bei anderer Düsenanordnung über Wassereinspritzung zu deren Reduktion gleich in der Brennkammer bis hin zu Abgaskatalysatoren etc.

  3. 12.

    Sie haben offensichtlich wenig Ahnung von Energiewirtschaft.
    Solche von Ihnen erwähnten Kraftwerke sind aktuell wirtschaftlich nicht betreibbar, da wir trotz Kraftwerksabschaltungen nicht genügend EE verfügbar haben.
    Die paar Stunden wo Windräder gebremst werden müssen reichen dafür nicht aus.
    Es ist um Längen billiger wenn EE erstmal direkt fossile Technik ersetzen und die Netztechnik angepasst wird. Ihr Vorschlag bedeutet nix anderes als Stillstand.
    Andererseits belesen Sie sich mal zu dem Bereich Innovationsausschreibung der Bundesnetzagentur im Rahmen EEG 20/23.

  4. 11.

    "Die Erkenntnisse aus Rüdersdorf will EWE eigenen Angabern zufolge in einem nächsten Schritt in einem großtechnischen Speicherprojekt in Niedersachsen einbringen." Man hätte natürlich auch Firmen wie Linde oder Air Liquide nach deren Erfahrung mit der großtechnischen Speicherung von Wasserstoff befragen können. Die machen das schon länger

  5. 10.

    Oh man wie so oft wird wieder nur die Überschrift gelesen und dann schlau kommentiert. Wahrscheinlich die gleichen, die auch über unser Bildungssystem meckern.
    „Test-Kaverne“, der ganze Text sprudelt nur so vor Testen und Erfahrungen sammeln.
    Und der geneigte rbb 24 Experte faselt irgendetwas von Roheisenherstellung oder Gesamtkapazität.
    Das Ding hat nix mit produktivem Einsatz aber auch nix mit Spassanlage zu tun es wird getestet um eigene Erfahrungen zu sammeln, die anschließend im großtechnischen Maßstab genutzt werden. Das macht man so, wer keine Ahnung hat, liest oder…
    Steht alles im sehr kurzen Artikel.

  6. 9.

    Das mit dem Wasserstoff ist noch nicht ausgemacht. Der Wirkungsgrad ist nicht nur mies, sondern sogar sauschlecht. Vom Erzeugen, über Kompression, bis Transport, ist es verrückt, ihn dann zu verbrennen, wo er vorher mühsam mit der höchsten Energieform „Elektrischer Energie“ hergestellt wurde. H2 verbrennt sehr heiß und erzeugt dabei Unmengen Stickoxide, weit mehr als bei der Dieselverbrennung.

  7. 8.

    Ganze 6 Tonnen Wasserstoff....... Wie weit kommt man damit im Roheisenwerk oder wenigstens zum Heizen?
    Irgendwie klingt das alles für mich nicht praxistauglich.

  8. 7.

    Danke. Ist dann also tatsächlich eine Spassanlage. Hätte man sich denken können wenn der Wasserstoff per LKW kommt. Immerhin ist es nicht schwierig Salzkavernen anzulegen.

  9. 6.

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu: Das sind rein propagandistische Artikel, die allerdings - anders als gewollt - das ganze Dilemma der gegenwärtigen Energie"wende"politik aufzeigen. Das Ziel, fossile Energieträger durch alternative Energieerzeugungsformen zu ersetzen, halte ich persönlich für durchaus sinnvoll, nicht wegen des angeblich "bösen" CO2 sondern vielmehr wegen der Endlichkeit fossiler Energieträger. Die Vorgehensweise kann man aber nur als dilettantisch bezeichnen. Die Landschaft wird auf Teufel komm raus mit WKA zugepflastert, für die notwendige Speicherung und Wiederverstromung gibt es aber allenfalls "Ideen". Notwendig wäre aber die Installation zunächst kleinerer EE-Kraftwerke, bestehend aus EE-Erzeugern, Elektrolyseur, Speicher und Wiederverstromung (wasserstofffähiges Gaskraftwerk?) mit gesicherter Leistung. Falls sich dieses Konzept bewähren sollte, könnte man diese Anlagen zukünftig hochskalieren und konventionelle Erzeuger abschalten.

  10. 5.

    Auch wenn der wiederkehrende Vergleich mit dem Betanken von Wasserstoff-PKW energetischer Unsinn ist, hilft er doch ein ganz kleines bisschen bei der Einordnung. Ein handelsüblicher Wasserstoff-PKW tankt rund 5kg. Somit könnten in dieser kleinen Versuchsanlage gerade mal 5t Wasserstoff mit einem Energiegehalt von 33kWh/kg gespeichert werden. In den USA gibt es schon seit Jahrzehnten Salzkavernen mit einer Speicherkapazität von mehreren tausend Tonnen Wasserstoff. Allein das Potenzial deutsche Salzstöcke an Land wird dreimal so groß abschätzt wie der jährliche Primärenergieverbrauch über alle Sektoren in der Bundesreplik im Jahr 2018 gewesen ist.

  11. 4.

    Es hat schon seine Gründe, dass die EWE großtechnisch in Niedersachsen und nicht in Brandenburg solche Speicher realisieren will. Dort ist man im Kreis Wittmund eh schon weiter als hier.

  12. 3.

    Die CO² Speicherung wurde nicht realisiert in Deutschland mit unter anderem der Begründung das austretendes CO² ja Menschen töten könne. Der von der Dichte geringere und hochexplosive Wasserstoff soll aber unterirdisch gespeichert werden. Das wird einen Aufschrei geben.

  13. 2.

    @rbb Wie viel kWh passen denn in den Speicher? 1000 Autos betanken ist eine inhaltsfreie Aussage. Wieviel Watt können gespeichert, bzw. verstromt werden?

  14. 1.

    EWE und der Bund zahlen das. Jetzt könnte man den „geflügelten Satz“ von Landespolitikern umdrehen: „Wir haben bereits..., jetzt ist mal Brandenburg dran“.

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