City Baum am Zoo in Berlin (Quelle: rbb/ Franziska Ritter)
Audio: Inforadio | 12.03.2020 | 14:45 Uhr | Franziska Ritter | Bild: rbb / Franziska Ritter

High Tech gegen Luftverschmutzung - Moos soll Berliner Luft verbessern

Ein Unternehmen aus Berlin will die Luftqualität in Großstädten verbessern. Es setzt dabei auf High-Tech und ein Wunderkraut: Moos. Die Technologie wird jetzt in der Hauptstadt getestet. Von Franziska Ritter

Er ist gut dreieinhalb Meter hoch, bietet Platz zum Sitzen und filtert die Luft: der CityTree, der ab sofort in Berlin getestet wird. Der Stadtbaum, wie er auf deutsch heißt, ist mit Moosen bewachsen. Diese Pflänzchen sind natürliche Feinstaubschlucker. Mit ihrer großen Oberfläche nehmen sie besonders viele Schadstoffe auf.

Die Firma Green City Solutions macht sich diesen Effekt zunutze. Der Bio-Tech-Filter, den sie entwickelt hat, entzieht der Luft im Umkreis von einem Meter mehr als 50 Prozent des Feinstaubs, rechnet Firmengründer Liang Wu vor. "Ein CityTree kann Stunde für Stunde die Atemluft von bis zu 7.000 erwachsenen Menschen filtern", verspricht er.

Technologie wird auch an Schulen getestet

Die Berliner tüfteln seit sechs Jahren an ihrer Erfindung. Die neueste Generation des CityTrees hat eine Sitzbank und Streben aus Holz, darunter sprießt ihr Moosmix. Sensoren sorgen dafür, dass die Pflanzen immer genug Wasser haben und nicht vertrocknen. Die Säule benötigt einen Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss.

Drei Stadtbäume werden im Rahmen des Pilotprojekts in Berlin getestet. Bis Ende März stehen sie am Eingang des Bikini-Hauses am Zoo, danach geht es zum Walther-Benjamin-Platz. Auch auf dem Messegelände und zwei Schulhöfen sollen sich die Moosfilter beweisen. "Wir wollen damit Schüler vor schlechter Luft schützen und sie darüber aufklären, wie gefährlich Luftverschmutzung sein kann", sagt Wu.

Moosmix für City Tree (Quelle: rbb / Franziska Ritter)
Moos-Mix für den City Tree | Bild: rbb / Franziska Ritter

1,9 Millionen Euro von der EU

Feinstaub macht krank, weil die winzigen Partikel die Atemwege schädigen können, Lungenkrankheiten verschlimmern und Herzinfarkte verursachen, sagen Forscher. Das hat auch die Europäische Union erkannt: "Green City Solutions geht eines der größten Probleme unserer Zeit an: die schlechte Luft in Innenstädten", betont Nora Hesse von der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Die EU unterstützt Green City Solutions im Rahmen des Förderprogramms Horizon 2020 mit rund 1,9 Millionen Euro. "Wir brauchen im Kampf gegen den Klimawandel viele Innovationen aus der Wirtschaft und Investitionen in neue, umweltfreundliche Technologien", sagt Nora Hesse.

Wissenschaftler untersuchen Wirkung

Das Leibniz Institut für Troposphärenforschung in Leipzig und das Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden begleiten das Pilotprojekt. Die Wissenschaftler wollen die luftreinigende Wirkung der Anlage überprüfen, an der es in der Vergangenheit - bei einer früheren Generation des CityTrees - Zweifel gab. Ein City Tree bindet so viel Feinstaub wie 275 Bäume, hatten die Firmengründer damals versprochen. Später nahmen sie diesen Vergleich zurück.

Jetzt geht das Unternehmen mit der neuen Generation seines Luftfilters in Serienproduktion. Green City Solutions plant nach eigenen Angaben in diesem Jahr 75 Anlagen in europäischen Großstädten aufzustellen. Das Moos für ihre Stadtbäume züchten Liang Wu und sein Team, zu dem inzwischen 30 Mitarbeiter gehören, in eigenen Gewächshäusern in Bestensee, südöstlich von Berlin. Dort werden die CityTrees auch montiert.

Sendung: Inforadio, 12.03.2020, 14:45 Uhr

Beitrag von Franziska Ritter

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17 Kommentare

  1. 17.

    Ja dafür kann ich doch nicht, dann müssen sie sich mit denen in Verbindung setzten Die dafür verantwortlich sind und nicht ich als Käufer.
    Wenn wir schon dabei sind dann frage ich sie was ist denn mit Handys, Tablets, Notebooks usw. Alles was mit Akkus zu tun hat ich denke 1 oder 2 Dinge davon nutzen sie auch und kaufen sich bestimmt alle zwei Jahre ein neues Handy nur weil man auf den Aktuellem stand sein muss.

  2. 16.

    So ein Stadtbild mit BÄUMEN wäre schöner.

  3. 15.

    Hallo Frank S. : habe alles aufmerksam gelesen. + Für richtig befunden. Nun sind diese Dinger ja eher vergleichbar mit den kleinen Heimluftanlagenstaubbinder. Die sind der Blödsinn in klein. Wo wohnen denn reichere Leute ? Da gibt es teure Viertel in Berlin. Luft wie auf dem Lande ohne Kuh. Bäume, Sträucher, Anpflanzungen mit viel Grün u. Blüte; überall wo man läuft und einkauft. Wir müssen die Autos reduzieren; nicht nur den Antrieb. So bissel Berlin wie früher. Aber nur ökologisch gesehen. Moos mag ich aber auch. Im Wald und als Scheine.

  4. 14.

    Und wieviele Schadstoffe hat Ihr KFZ bei der Herstellung produziert? Inclusive der Herstellung des ach so sauberen Akkus.

  5. 13.

    Die Bölschestraße in Friedrichshagen hat an beiden Seiten Linden. Wenn dann ab und an ein Sprengwagen im Sommer noch mehr Staub bindet ist viel mehr getan als hätte man da ein paar Moostürme. Auch mit der Tram88 kommt man nach Friedrichshagen und mit den Articbahnen aus Helsinki auch sehr bequem.

  6. 12.

    Schöne Idee, bitte sowas entlang der Frankfurter Allee installieren, ist eine der Straßen mit der höchsten Luftverschmutzung. Und viele Menschen wohnen direkt an der Straße und würden davon profitieren.

  7. 11.

    Gesunde, menschen- und tierfreundliche Stadtumwelt hat viele Gegner: Staub aller Arten und Größen, gasförmige Schadstoffe, hohe Temperaturen, niedrige Luftfeuchte, Lärm, Oberflächenversiegelung, Lebensraumbegrenzung, Unfallgefahren... Für vieles hiervon ist motorisierter Individualverkehr unbestreitbar eine wichtige Ursache. Das darf und muss man beim Namen nennen. Whataboutism hilft auch hier nicht weiter; wir haben weniger Einfluss auf die Industrie in anderen Ländern als auf Verkehr in unseren eigenen Städten. - Lösungen müssen immer so einfach wie möglich sein: 1. Unnötigen motorisierten Verkehr vermindern. 2. Pflanzen pflanzen und pflegen! Pflanzen wirken enorm positiv auf ALLE Aspekte des Stadtklimas und brauchen im Vergleich etwa zu High-Tech-Moos-Bunkern sehr wenige Rohstoffe und Pflege. Schluss mit Greenwashing, bei dem pseudo-grüne Technik hier für ein paar Kubikmeter erfrischte Luft sorgt, bei Produktion UND Betrieb aber Energie verbraucht und anderswo Schäden verursacht.

  8. 10.

    Ich fahre seit 1,5 Jahren ein E-Auto Und es produziert keine schadstoffe, also soll mein Auto auch raus aus Der Stadt oder wie jetzt.
    Das ist das probelm bei uns hier es wird alles gleich schlecht geredet statt mal darauf einzugehen ne lieber keine neue Technologie Voran schreiten lassen sondern mehr Verbieten.
    In ein paar Ländern geht es doch auch durch neue Technologie, Intelligentere bessere verkehrstechnik um so mehr staus zu vermeiden und besseren verkehrsfluss Zu erzielen = Weniger schadstoff emission in der luft.

  9. 9.

    Von der Mononutzung als Privatschließfach aus Blech zu einer Mehrfachnutzung als entsiegelte Fläche mit Regenwasserschwamm, Temperaturausgleich, Luftverbesserer und nicht zuletzt sozialer Begegnungsfäche, wenn man so was verrücktes täte wie eine Bank aufzustellen, oder die Fächen vereinigt zu einer begrünten Kitafläche zu entwickeln. Die Stadt für Menschen aller Altersklassen statt für Autos. Man stelle sich das mal vor.

  10. 8.

    Wir tun hier wirklich so als hätten wir so eine schlechte Luft wie in Peking oder sonst wo, dabei ist unsere Luft so sauber wie seit Jahren nicht mehr, trotz des höheren Anteils an Autos in unseren Städten.
    Aber Natürlich wird dann auch wieder der Verkehr im Mittelpunkt gezogen das der Verkehr daran schuld sei dabei steht fest das Der Straßenverkehr an Feinstaub und Schadstoffen Belastung Ein geringen Teil ausmacht, weil Autos in den letzten Jahren sauber und umweltfreundlicher geworden sind Natürlich sei es nicht ganz unschuldig aber wie gesagt Ein geringeren Anteil.
    Denn Feinstaub und Schadstoffen kommen auch aus den Nachbarländern das sind schließlich kleine Partikel Die von Wind weitergetragen werden, aus Industrie usw.
    Thema Autos noch, es Fahren seit Jahren auch viel mehr E Autos auf den Straßen Sie verursachen Natürlich keine Schadstoffe, leider Feinstaub wegen den Reifenabrieb aber vielleicht wird es auch da in Zukunft eine Lösung dafür geben das noch weiter zu minimieren oder ganz zu neutralisieren mit neuer Reifentechnik beispielweise.

  11. 7.

    Ich finde das ist eine gute Idee. Funktioniert wie eine Saline nur mit Moos? Könnte auch im Sommer die Luft und die Temperaturen beeinflussen.
    Ist doch klar dass die Autohasser sich auch dazu melden.

  12. 6.

    Na dann muss man ja nur jeden Meter einen City-Tree pflanzen. Klingt nach einer tollen Lösung. Ich würd ja vorschlagen auf jeden Parkplatz einen zu stellen. Die Parkplätze müssten dann natürlich wegfallen, vielleicht gibt es Synergieeffekte?

  13. 5.

    Irre - im Sinne des Wortes: Die Stadt ist großenteils asfaltiert; echte Sträucher, Bäume und Wiesen werden kurz gehalten, zertrampelt oder entfernt. Fassaden sind verglast oder aus Stein - und dann stellt man für ein paar Millionen Gerüste aus Stahl und totem Holz auf; mit Anschluss für Strom, Frisch- und Abwasser - damit ein paar Mini-Pflänzchen mit High-Tech-Support für ein klein' bisschen bessere Luft sorgen? Pflänzchen, die zuvor energie- und flächenaufwändig in Gewächshäusern gezogen wurden? Nennt das allen Ernstes "Stadtbäume", und präsentiert das Kindern und Erwachsenen als Zukunftslösung? Und ballert noch unsere EU-Mittel da rein? Das ist alles nicht wahr, oder? Das ist doch ein von Orwell inspiriertes Experiment, was man Leuten alles als schöne neue Welt verkaufen kann. "Des Kaisers neue Kleider" reloaded 2020. - Wir sind nicht Major Tom im All: Wir brauchen kein High-tech, wir brauchen 1. weniger KFZ und 2. einfach echte Stadtnatur: Bewährt, effektiv, robust - und schön!

  14. 4.

    Schon mal was von natürlichem Feinstaub gehört? Anscheinend nicht. Sand und Erde wird durch Wind aufgewirbelt und z.B. aus der Sahara bis nach Europa transportiert.

  15. 3.

    Son Blödsinn, einfach mal die Autos rausschmeissen , dann hat sich das erledigt.

  16. 2.

    Oder - revolutionäre Idee - einfach an der Quelle ansetzen. Abschaffung des motorisierten Individualverkehrs innerhalb des Rings. Was glauben Sie denn, wer oder was für die Luftverschmutzung verantwortlich ist. Glauben Sie das ist gottgegeben, höhere Gewalt und einfach so vom Himmel gefallen?

  17. 1.

    Gute Idee, zumal das Moos vermutlich auch zur Regulation der Umgebungstemperatur beitragen kann.

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