"Geschlossen (vorübergehend) wegen Corona!" steht auf einem Zettel am Eingang zu einer Spielhalle im Stadtteil Steglitz
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Hilfe für Unternehmen - Mit Millionen gegen die Corona-Rezession

Experten sagen, Deutschland stehe das Schlimmste bei der Corona-Pandemie noch bevor. Vielen Unternehmen geht es aber schon jetzt schlecht, sie bangen nach umfangreichen Schließungen um ihre Existenz. Nun starten für sie großangelegte Hilfsmaßnahmen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Die Cottbuser Einkaufsmeile "Sprem" gibt am Mittwochmittag ein gespenstisches Bild ab. Bis auf zwei Optiker, eine Apotheke, einen Zeitungsladen und ein paar Cafés ist alles dicht. Es ist der erste Tag, an dem alle nicht lebensnotwendigen Läden geschlossen sein sollen in Brandenburg - als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus.

Auch der Taschenladen von Karola Kracht hat geschlossen. Ihre drei Mitarbeiterinnen hat sie nach Hause geschickt. Wie es jetzt weitergeht, weiß Kracht nicht - nur, dass sie auf der frisch eingetroffenen Frühjahrskollektion sitzen bleiben wird. "Wir wissen nicht genau, wie lange wir zumachen", sagt die Unternehmerin. "Ich vermute mal so lange wie die Schulen. Finanziell wird es sehr, sehr hart: Die Saison hat gerade erst angefangen." Die Inhaberin eines Ladens einige Meter weiter sagt nur: Ohne Umsatz könne sie die Miete nicht mehr bezahlen.

Im Einkaufscenter Blechencarré zeigt sich derweil, dass die neue Verordnung offenbar noch nicht jedem bekannt ist: Ein Telefonshop ist zu, die Konkurrenz 50 Meter weiter hat aber noch auf.  "Wir werden Kontrollen machen", sagt Thomas Bergner vom Ordnungsamt. "Aber wir werden das flächendeckend gar nicht hinbekommen."

Brandenburg stellt 500 Millionen Euro bereit

In Berlin und Brandenburg sind derzeit zahlreiche Geschäfte, Bars, Restaurants und kulturelle Einrichtungen geschlossen, um die Ausbreitung des Sars-CoV-2 einzudämmen. Das verursacht bei vielen Unternehmen Liquiditätsengpässe. Zu den besonders betroffenen Branchen zählt die Investitionsbank Berlin (IBB) den Einzelhandel, die Gastronomie sowie Beherbergung und "konsumorientierte Dienstleistungen", zum Beispiel Clubs. Der Betreiber eines Dönerladens in der Simon-Dach-Straße in Berlin-Friedrichshain, sonst ein Hotspot des Berliner Nachtlebens, berichtete dem rbb, er habe "80 bis 90 Prozent weniger Umsatz".

Die Brandenburger Landesregierung hat bereits am Dienstag bekanntgegeben, dass ein 500 Millionen Euro schwerer Rettungsschirm für die in Not geratene Wirtschaft gespannt werden soll. Das Geld soll vor allem Unternehmen zukommen, die nun besonders unter den Schließungen und Reise-Beschränkungen leiden.

Die Investitionsbank des Landes Brandenburg hat bereits eine Vielzahl von Finanzierungsinstrumenten bereitgestellt [ilb.de], darunter Darlehen und Mikrokredite.

Corona-Hilfsmaßnahmen des Bundes

  • LOHNFORTZAHLUNG BEI KINDERBETREUUNG

  • AUFSTOCKUNG KURZARBEITERGELD

  • UNBEGRENZTE KREDITPROGRAMME

  • LOCKERUNG DER REGELN FÜR BANKEN

  • NOTFALLFONDS:

Berlin setzt Sonderfonds für notleidende Firmen auf

Auch die von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Berlin können ab Donnerstag Liquiditätshilfen des Senats beantragen. Das gelte auch für alle kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten, teilte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Mittwoch mit. Darunter fielen etwa Restaurants und Clubs. Für die Anträge ist die IBB zuständig.

Unternehmen sollen ihre Anträge online stellen, sagte IBB-Vorstandschef Jürgen Allerkamp der rbb-Abendschau. Ab Donnerstag 9 Uhr sollen die Dokumente auf der IBB-Internetseite zu finden sein [ibb.de]. "Wir sind darauf eingestellt, dass wir sie innerhalb von drei Tagen bearbeiten können", so Allerkamp.

Der Senat hatte zu Beginn der Woche angekündigt, in einem ersten Schritt ein Volumen von bis zu 100 Millionen Euro an Überbrückungskrediten über die IBB bereitzustellen. Danach sollen über einen Liquiditätsfond insgesamt bis zu 200 Millionen Euro bereitstehen. Außerdem sollen Steuervorauszahlungen der Lage angepasst werden und zinsfreie Stundungen von Steuerschulden möglich sein. Sollten die bereitgestellten 200 Millionen Euro an Liquiditätshilfen nicht reichen, "werden wir weitere Maßnahmen ergreifen". Man werde aber auch den Bund und die EU brauchen - letztere vor allem um Beihilferegularien abzubauen.

Lob von der CDU

Von der Oppositionsbank gab es für den Senat zuletzt harte Kritik, vor allem die CDU warf Berlins Regierenden Bürgermeister, Michael Müller (SPD), immer wieder vor, in der Krise zu langsam zu agieren. Die Nothilfemaßnahmen für Unternehmen seien allerdings "wichtig und richtig", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff, dem rbb. "Aus Sicht der CDU brauchen wir aber unbedingt auch ein Zuschussprogramm für Berlins Kleinstunternehmen mit einer Soforthilfe bis zu 30.000 Euro." Zudem müssten die Anträge einfach zu verstehen sein und vor allem schnell beschieden werden. Außerdem, so Gräff, sollten die Berliner Finanzämter "automatisch, zunächst für die kommenden zwei Monate, sämtliche Steuern der Gewerbetreibenden stunden, also aufschieben". Damit wäre vielen Selbstständigen und Unternehmen geholfen, so Gräff.

Sendung: rbb Spezial, 18.03.2020, 20:30 Uhr

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie geschieht die Krankheitsübertragung?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

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6 Kommentare

  1. 6.

    Berlin: Schnell & schlecht reagiert!
    Der IBB Antrag ist komplex, es werden im Gegensatz zu BB, Hamburg Bayern usw. nur Kredite angeboten
    Diese werden den meisten Selbständigen definitiv nicht weiterhelfen.
    Das Schnitzel, dass ich heute nicht verkaufe werde ich nicht in 3 Monaten doppelt verkaufen.

    Konkret werden Zuschüsse von 9.000 bis 10.000 Euro für Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern und bis 15.000 Euro für Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten benötigt.
    Sollten diese nicht schnellstmöglich kommen, werden in den nächsten 90 Tagen 50 - 80 % der Selbständigen insolvent sein.
    Bitte handeln!

  2. 5.

    Wenn das mal so wäre ! Das "Bürokratiemonster" dass der Senat geschaffen hat umfasst zig Homepageseiten, die man z.Zt. nicht mal aufrufen kann. Wir hatten heute Vormittag die Seite schon ausgefüllt, aber dann nicht mehr gespeichert bekommen. Und zusätzlich müsste man noch ca. 70 Seiten (!) Anhänge hochladen. In Bayern gibt es für eine Soforthilfe 2 Seiten PDF Download - das nenne ich einfach !

  3. 4.

    Also da ist dem Rot-Rot-Grünen-Senat ja echt der große Wurf gelungen. Während andere Bundesländer zeigen wie es gehen würde, fällt denen nicht anderes ein, als ein neues "Bürokratiemonster" zu erschaffen: https://www.ibb.de/de/wirtschaftsfoerderung/themen/coronahilfe/corona-liquiditaets-engpaesse.html… Eine total umständliche Seite, die man zu Schluss nicht mal speichern kann. Anbei das Beispiel Bayen 2 Seiten PDF: https://www.stmwi.bayern.de/soforthilf…/ Es lebe der Föderalismus !

  4. 3.

    Schön, dass die Ängste und Nöte - vor allem auch der kleineren Geschäftsinhaber so ernst genommen werden! Ganz besonders wichtig finde ich dabei den Satz, dass es leicht gangbare, verständliche Informations-, Antrags- und Bescheidungswege geben muss! Vielen Dank!

  5. 2.

    Will man den Bürger für Dumm verkaufen? Diese Kredite bekommt doch nur jemand, der quasi gestern noch super zahlen hatte und eine positive Fortführungsprognose. Also volle Auftragsbücher und Sicherheiten. Hier wird doch nichts verschenkt. Es handelt sich um einen ganz normalen KFW Kredit mit Standkriterien.

    Die Banken verdienen Zukünftig auch kein Geld mehr- oder wer kauft jetzt noch Aktien- wovon denn? Alle Kurse sind doch in Freifall.

    In den nächsten Jahren kommt eine Rezession auf uns zu, deren Ausmaß sich hier niemand vorstellen kann und die Regierung rettet hier nicht das Kaffehaus oder Restaurant.

  6. 1.

    An die Verantwortlichen im Senat,
    bitte vergesst bitte nicht uns kleine Freiberufler*innen. Wir bewegen uns sowieso schon am Existenzminimum. Mir sind alle geplanten Projekte für die nächste Monate weggebrochen, und zwar vor allem soziale Projekte mit benachteiligten Personengruppen, die ich (mündlich) bewilligt bekommen habe und für die ich eine Förderungszusage bekommen habe. Die Verträge werden jetzt natürlich nicht nicht mehr unterschrieben von den Auftraggebern, weder von den jeweils Verantwortlichen im Schulamt und in den Jugendämtern als auch von sonstigen "sozialen" Auftraggebern. Es wird allgemein vertröstet auf die Zeit nach Corona. Wir müssen aber auch unser Miete und unseren Lebensunterhalt jetzt bezahlen und können leider nicht auf Home-Office ausweichen. Ich habe auch keinerlei Ersparnisse, auf die ich zurückgreifen kann. Hoffentlich finden die Verantwortlichen im Senat auch für uns eine Lösung. Sorry, aber das erwarte ich gerade von dem jetzigen Senat.
    Bleibt gesund.

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