Stiftung Preußischer Kulturbesitz - 23 Museumsobjekte gehen als Leihgabe nach Namibia zurück

Di 24.05.22 | 20:58 Uhr
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Die Provenienzforscherin Julia Binter (l.) und die Restauratorin Johanna Ndahekelekwa Nghishiko reinigen im Ethnologischen Museum eines von 23 Objekten aus einer Sammlung, die an Namibia zurückgegeben werden (Quelle: DPA/Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 24.05.2022 | Maria Ossowski | Bild: DPA/Jörg Carstensen

Nach gemeinsamen Forschungen wissenschaftlicher Teams der beteiligten Museen werden 23 Objekte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach Namibia gebracht. "Das sind unglaublich bedeutende Objekte", sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger am Dienstag dem rbb, "weil sie im Grunde eine Zeit im späten 19. Jahrhunderts beleuchten, eine Geschichte lebendig werden lassen, die dort nicht mehr existiert."

Die Sammlungsstücke wie historische Alltagsgestände, Schmuck, Werkzeuge und Mode wurden am Donnerstag vergangener Woche in Berlin für die Reise vorbereitet. Nach Angaben der Stiftung ist es keine offizielle Rückgabe. Es werde jedoch nicht davon ausgegangen, dass die Objekte wieder nach Deutschland zurückkehren.

Königliche Puppen

Die Objekte wurden von namibischen Experten ausgesucht und sollen künftig in Windhoek, der Hauptstadt des Landes, erforscht werden. Einige sollen bei der Eröffnung des Museums für namibische Mode am 1. Juni in der nordnamibischen Stadt Otjiwarongo ausgestellt werden.

Als besonders wertvoll gilt eine Puppe aus Holz, Eisen, Fell und Kalk. "Diese Puppe symbolisiert die Fruchtbarkeit. Sie wurde Frauen geschenkt, die bald heiraten würden", so Esther Moonbolah-Goagoses im rbb24 Inforadio. "In unserer Kultur heißt das, sie sollten bald Kinder haben." Laut der Gerda-Henkel-Stiftung wurde die Puppe im Jahr 1900 von der Königin Olugondo von Ondonga für ihre finnische Freundin gefertigt, die Missionarstochter Anna Rautanen [gerda-henkel-stiftung.de].

Hunderte Objekte aus Namibia im Archiv der Stiftung

Grundlage war eine aus Sicht der Stiftung "exemplarische Zusammenarbeit" mit der Museums Association of Namibia. Das von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Projekt basiere auf kooperativer Provenienzforschung mit Expertinnen und Experten aus Namibia in Berlin.

Zunächst war seit Frühjahr 2019 ein Wissenschaftsteam aus Namibia im Ethnologischen Museum aktiv. Gemeinsam mit den Berliner Zuständigen untersuchten sie Geschichte, Bedeutung und künstlerische Potenziale von etwa 1.400 Objekten. Die daraus ausgewählten 23 Sammlungsstücke, Prestigeobjekte und historisch wichtigen Artefakte sollen in Namibia weiter erforscht werden und zudem zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern für die kreative Auseinandersetzung zur Verfügung stehen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24.05.2022, 15:55 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das es Raubkunst aus der Kolonialisierung ist, ist schon lange klar. Aber die Stimmen der wirklichen Eigentümer werden jetzt erst gehört.
    Man hat es sich Jahrzehnte bequem gemacht, mit Raubkunst und vielen getöteten und z.T. entführten Menschen.

  2. 1.

    Es ist sicher richtig das die ein oder anderen Ausstellungsstücke wieder in die Hände Ihrer rechtmäßigen Besitzer zurück kehren. Ob diese dann dort auch auf Dauer gut und sicher untergebracht sind bleibt abzuwarten . Außerdem stelle ich mir die Frage ob der Bau des Humboldt Forums überhaupt notwendig gewesen ist wenn ein Großteil der bisherigen Sammlungen wieder zurück in Ihre Herkunftsländer geht . War das nicht schon früher abzusehen ??

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