Blick durch den Staudengarten auf die Fassade der Liebermann-Villa © Max-Liebermann-Gesellschaft
Audio: Inforadio | 25.06.2020 | Nico Hecht | Bild: © Max-Liebermann-Gesellschaft

Hohe Verluste für private Galerien - Die Besucher sind noch nicht zurückgekommen

Den Galerien und Museen in Berlin beschert die Corona-Krise erhebliche Gästeeinbrüche - daran scheinen auch die Lockerungen nicht viel zu ändern. In einigen Häusern wachsen die Sorgen, das überhaupt überstehen zu können.Von Nico Hecht

Eine Milliarde Euro hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gerade als Hilfe für private, also nicht staatlich subventionierte Kultureinrichtungen angekündigt – und das ist offenbar dringend notwendig. Denn die Museen und Kunsthäuser leben teilweise nur von eigenen Einnahmen.

Und die lassen immer noch stark zu wünschen übrig. Nach den Monaten ganz ohne Gäste im Lockdown hatten die Kulturveranstalter auf eine schnellere Erholung auf das Einnahmeniveau von vorher gehofft – aber diese Hoffnung erfüllt sich an vielen Orten nicht.

Zwei Drittel weniger Besucher

Eindrückliches Beispiel dafür ist die Liebermann-Villa am Wannsee. Normalerweise ist das ehemalige Sommerhaus des Malers Max Liebermann ein beliebtes Ausflugsziel, 75.000 Gäste zählte der Betreiberverein hier jedes Jahr.

Im Moment sehen die Besucherzahlen dramatisch aus: "Aktuell sind es nur 30 Prozent, im Vergleich zu Vor-Coronazeit", sagt Villa-Direktorin Lucy Wasensteiner. In dem weitläufigen Garten verlieren sich gerade zehn bis 15 Frauen eines Malkurses. "Normalerweise genießen das hier viel mehr Menschen. Die Leute spazieren zwar noch im Garten, aber im Museum ist es schon viel leerer", sagt Wasensteiner.

Da ist also gerade viel Platz für die Malkursteilnehmerinnen, die die Idylle in Aquarellen festhalten: die Blumen im Staudengarten, den Blick zum Wannsee dahinter über den sattgrünen Rasen des Liebermannschen Gartens, eingefasst von Birken und den ausladenden Weidenzweigen.

Der Malkurs ist unter den Hygienevorschriften eine der wenigen Einnahmequellen: Kurse und Führungen im Gebäude mussten abgesagt werden, Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten auf dem Gelände auch.

Welche Investitionen lohnen sich noch?

Bisher habet die Liebermann-Villa immer geringe Gewinne erwirtschaftet, erklärt der Schatzmeister Cato Dill. In diesem Corona-Jahr steuere das Haus aber auf ein sattes Minus zu.

Dill rechnet vor, dass dem Haus angesichts der aktuellen Nachfrage dem Haus am Jahresende rund 50.000 Besucher fehlen würden. "Damit fehlen uns dann wahrscheinlich 350.000 Euro."

Mit solchen Finanzsorgen steht die Villa Liebermann nicht allein da. Die Vorsitzende des Vereins Berliner Künstler, Sabine Schneider, sagt: "Ich kenne viele nicht-subventionierte Ausstellungshäuser, die mit fehlenden Einnahmen kämpfen."

Die Verantwortlichen in den Galerien und Kunsthäusern hätten es schwer abzuwägen, welche Investitionen sich überhaupt lohnen, beschreibt Schneider die Situationen. Ausgaben für Kataloge oder Werbung wollen viele nicht riskieren, aus Angst, dass sie Gelder gar nicht wieder einspielen können.

Im Kunsthaus Bethanien fehlen die Aussteller

Dem Kunsthaus Bethanien in Kreuzberg fehlen während der Corona-Krise nicht nur die Ausstellungsbesucher, sondern auch die Künstler. Hier ist es eigentlich wichtiger Teil des Programms, dass die Kreativen auch im Haus arbeiten und vom Bethanien-Team betreut werden. Dafür mieten sie normalerweise Ateliers im Kunsthaus. 20 solcher Studios gibt es hier dafür.

Viele internationale Künstler hätten aber wegen der Grenzschließungen gar nicht erst nach Berlin kommen können, sagt der künstlerische Leiter im Bethanien, Christoph Tannert. "Da entstehen Einnahmeverluste. Die Künstler wollen den Aufenthalt in den Studios auch gerne verschieben. Aber was machen wir nun mit den leeren Studios?"

Wie hoch die Verluste sind, könne er nicht genau sagen, sagt Tannert – aber die Not sei so groß, dass das Bethanien bereits mehrere geplante Ausstellungen absagen musste. Dazu zähle eine Schau im August mit gut 25 internationalen Künstlern. Zur finanziellen Schieflage komme noch ein Verlust an Aufmerksamtkeit, meint Tannert. Sein Haus sei nun auf private und staatliche Unterstützung angewiesen.

In der Villa Liebermann hofft der Betreiberverein, dass die finanziellen Rücklagen reichen. Eigentlich sollten mit den Gewinnen der Vorjahre neue Kunstwerke für die Ausstellungen oder Reparaturen am Haus bezahlt werden. Jetzt müssen die Rücklagen dafür verwendet werden, erst einmal die Existenz zu sichern.

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Beitrag von Nico Hecht

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wer möchte schon mit Maske und vorgegebenen Weg in ein Museum gehen. So ist die Kunst kein Vergnügen. Also verzichtet man lieber.

  2. 1.

    Wir waren Samstag zu zweit dort und wollten ins schön gelegene Café gehen, wir sollten pro Person 10€ Eintritt zahlen, obwohl wir nur Kaffee trinken gehen wollten. So blieb das Café halbleer.

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