Polizei durchsucht Räume in Weddinger As-Sahaba-Moschee (Quelle: Morris Pudwell)
Morris Pudwell
Video: rbb|24 | 18.12.2018 | Bild: Morris Pudwell

Verdacht auf Terrorfinanzierung - Polizei durchsucht Räume in Weddinger As-Sahaba-Moschee

In der As-Sahaba-Moschee in Berlin-Wedding hat die Polizei am Dienstagmorgen Räume durchsucht, Computer und Smartphones sichergestellt. Hintergrund ist ein Verfahren gegen einen Imam, der Islamisten in Syrien finanziert haben soll.

Mit einer Razzia ist die Berliner Polizei gegen Teile der islamistischen Szene in der Hauptstadt vorgegangen. Am Dienstagmorgen durchsuchten Kriminalbeamte nach Angaben der Polizei die salafistische As-Sahaba-Moschee im Stadtteil Wedding und zwei bis drei Wohnungen oder andere Räume. Der 45-jährige Imam der Moschee soll einem dschihadistischen Terroristen in Syrien Geld "für den Erwerb von Ausrüstungsgegenständen zur Begehung terroristischer Straftaten" zur Verfügung gestellt haben, wie die Staatsanwaltschaft über Twitter mitteilte. 

Bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft geht es um den Verdacht der Unterstützung und Finanzierung von Terroristen. Beschuldigter ist der Imam, der eigentlich Ahmad A. heißt. Die Polizei beschlagnahmte Datenträger, also Computer, USB-Sticks, Festplatten oder Smartphones. Die Daten sollen untersucht und ausgewertet werden, wie ein Polizeisprecher sagte.

Treffpunkt radikaler Salafisten

Unterstützt wurde der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz der Polizei auch von einem Spezialeinsatzkommando (SEK). Im Einsatz waren insgesamt etwa 100 Beamte. Wo die weiteren Durchsuchungen stattfanden, teilte die Polizei zunächst nicht mit.

Die Moschee in der Torfstraße gilt wie die Al-Nur-Moschee in Neukölln und die Ibrahim-al-Khalil-Moschee in Tempelhof als Treffpunkt von Islamisten und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. In einer Studie vom Mai 2018 über "Islamisches Gemeindeleben in Berlin" heißt es über die As-Sahaba-Moschee, dort seien "wiederholt extremistische Prediger oder Vortragende" sowie "einzelne Moscheefunktionäre (...) durch extremistische Publikationen" aufgefallen.

Auch Anis Amri verkehrte dort

Die As-Sahaba-Moschee wurde 2016 auch von dem späteren islamistischen Attentäter Anis Amri besucht, wie der Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag am 19. Dezember 2016 feststellte. Die Räume der Moschee in einem Altbau liegen nur wenige hundert Meter entfernt vom Friedrich-Krause-Ufer im Stadtteil Moabit, wo Amri einen polnischen Lkw-Fahrer erschoss und dessen Lastwagen für den Anschlag entführte. Nicht weit entfernt davon befand sich damals auch die ebenfalls salafistische Fussilet-Moschee, in der Amri zeitweise wohnte.

Zum inoffiziellem Führungszirkel des Moscheevereins gehörte nach Ansicht des Verfassungsschutzes früher auch Reda Seyam: Der gebürtige Ägypter soll sich später in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Im ihrem Bericht des Verfassungsschutzes von 2017 steht, die As-Sahaba-Moschee und der Trägerverein "Die Gefährten" zählten seit Jahren zu den bekannten salafistischen Institutionen Berlins. "Die Moschee und ihr Imam "Abul Baraa" sind dem politischen Salafismus zuzurechnen."

Polizisten mit Maschinenpistolen vor der Moschee in Wedding. (Quelle: tvnewskontor)
Bild: tvnewskontor

Überregionaler Anziehungspunkt für Salafisten

Der Imam habe seine salafistischen Ansichten auch bei Vorträgen in anderen Moscheegemeinden in Dortmund, Dormagen (NRW), Bendorf (Rheinland-Pfalz), Pforzheim (Baden-Württemberg) und Braunschweig (Niedersachsen) verbreitet. Der Prediger sei ein bedeutender Multiplikator salafistischer Ideologien. 

Die As-Sahaba-Moschee sei zudem ein überregionaler Anziehungspunkt für salafistisch Interessierte, was sich an sogenannten Islamseminaren und -kursen mit bekannten Gastpredigern aus Bonn und Leipzig zeige. "In der Regel achten die Prediger in ihren Vorträgen darauf, dass ihre Äußerungen keinen Anlass für staatliche Sanktionen bieten. Problematisch sind diese Seminare dennoch, weil sie einen Rahmen für Gruppenbildung und die Beeinflussung mit extremistischem Gedankengut durch oft charismatische Vortragende bieten."

Sendung: radioBerlin 88,8, 18.12.2018, 08:30 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ja, kann natürlich sein, hier passiert alles Mögliche. Diese wiederkehrenden Fehler des dt. Staates, solche die Sicherheit gefährdenen Leute überhaupt erst zu einzubürgern, genauso bei den bekannten schwerkriminellen Clanfamilien, kann man korrigieren, indem man die zu Unrecht vergebene Staatsbürgerschaft entzieht. Wird in anderen Staaten auch gemacht.

  2. 13.

    Erst informieren, dann tippen!

    "Aha, und der saß hier nach Amri nicht längst in Gefährder- und Abschiebehaft?"

    Der Mann war/ist deutscher Staatsbürger.

  3. 12.

    Imame verbieten? Sie meinen hofentlich solche Hassprediger und selbst das wird kaum möglich sein.

    Sonst wäre es ja auch möglich alle anderen Verbrechen einfach zu verbieten, was sie ja schon sind.

    Sorry aber eine solche Denke ist mehr als naiv.

  4. 11.

    Sie haben mich mißverstanden. Ich sehe hier Parallelen zum Fall Amri. Vermuten wir mal die Moschee wird deshalb nicht geschlossen weil man die "Besucher" als Informationsquellen abschöpfen will.

    Natürlich schließt kein Dienst eine Moschee, aber die Dienste sind die "Augen" der Anwaltschaften und Behörden.
    Einen Hassprediger müssen sie ja auch erst einmal überführen oder?

    Und dieser ständige polemische Hinweis Migration hätte den Terror erst nach D geholt ist einfach nur dumm und indiskutabel, da rechtspopulistische Gräuelpropaganda.

    Terror macht auch nicht vor geschlossenen Grenzen halt, erst recht nicht wenn diese Terroristen hier schon in der zweiten oder dritten Generation leben. Man sollte sich lieber fragen was diese Leute dazu bringt sich zu radikalisieren.

    Ausweisen von Hasspredigern ohne deutschen Pass, nachdem sie hier ihre Strafe abgesessen haben und das Verbot solcher "Moscheen" kann nur ein Aspekt sein, wir müssen an die Wurzeln des Hasses.

  5. 10.

    "Die Polizei beschlagnahmte Datenträger, also Computer, USB-Sticks, Festplatten oder Smartphones"

    Computer und Smartphones sind keine Datenträger...! Beschreibbare CDs, DVDs, und BDs schon (und natürlich wie erwähnt USB-Sticks und Festplatten).

  6. 9.

    Das ist doch echt gruselig. Ich fand das erst überzogen, die auflösen zu sollen, aber jetzt wirklich nicht mehr.

  7. 8.

    Natürlich wuste keiner beim Verfassungsschutz Bescheid, gar nix, Ehrenwort.... Dann vielleicht doch ein ganz kleines bisschen oder doch mehr.
    Wie beim NSU, Fall Amri......

  8. 7.

    "Zum inoffiziellem Führungszirkel des Moscheevereins gehörte nach Ansicht des Verfassungsschutzes früher auch Reda Seyam: Der gebürtige Ägypter soll sich später in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben." - Aha, und der saß hier nach Amri nicht längst in Gefährder- und Abschiebehaft?
    Was ist denn hier nur los?

  9. 6.

    Kam das jetzt nur durch den nachträglichen Untersuchungsausschuss zu Amri zustande?
    Der ja erst woanders einen Sprengstoffanschlag machen wollte, wie man jetzt zufällig lesen durfte.
    Ich frage mich langsam echt, was hier (an Bedenkenlosigkeit?) läuft.

  10. 5.

    Man sollte solche Imane verbieten und nicht noch durch ewiges Nichtstun unterstützen!

  11. 4.

    Der Verfassungsschutz ist ja nur für die Beobachtung zuständig. Für die Entscheidung über Verbote und Schließung wären dann Polizei- und Ordnungsbehörden, und vermutlich auch noch die Gerichte, zuständig.
    Das Problem ist vor allem politischerseits entstanden, durch die Migration(Seehofer: "Mutter aller Probleme")spolitik. Hier wäre sicher der erste Ansatzpunkt für eine Sicherheitspolitik, welche diesen Namen auch verdient hätte.

  12. 3.

    Was ist wenn er einen deutschen Pass hat?

    Sie sollten sich lieber oder noch besser die Geheimdienste fragen warum die Moschee nicht geschlossen und der Moschee"verein"s als verfassungsfeindlich verboten wird.

  13. 2.

    Das hat aber gedauert.endlch aufgewacht die Damen und Herren in unserem Senat.

  14. 1.

    Und die Frage steht im Raum: Warum wurde dieser Typ nicht schon längst aus Deutschland und der EU für immer ausgewiesen. Er stellt eine Gefahr für die innere Sicherheit unseres Landes dar.

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