Kostenloser ÖPNV, gesperrte Straßen - "Autofreier Tag" in Berlin bleibt ohne Wirkung auf Verkehrsaufkommen

Do 22.09.22 | 21:17 Uhr
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Kinder spielen am 22.09.2021 auf der temporären Spielstrasse im Stadtteil Dahlem. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
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Video: rbb24 Abendschau | 22.09.2022 | H. Trzeczak | Bild: dpa/Carsten Koall

Der öffentliche Nahverkehr war kostenlos, mehrere Straßen wurden am Donnerstag zu Spielstraßen - die Stadt beteiligte sich zum dritten Mal am internationalen autofreien Tag. Für eine spürbare Reduzierung des Autoverkehrs aber sorgte die Aktion nicht.

Der Internationale Autofreie Tag, an dem sich Berlin am Donnerstag mit mehreren Aktionen beteiligt hat, blieb ohne Wirkung auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen in der Stadt.

Der Chef der Verkehrsinformationszentrale Andreas Müer sagte dem rbb, dass die Infrarot-Messgeräte genauso viele Autos wahrgenommen hätten wie sonst. "Zu den Hauptverkehrszeiten gab es die üblichen kleineren Baustellen und Staus", so Müer.

Lob von der Verkehrssenatorin für die Aktionen in den Straßen

Neben dem Aufruf, das Auto an diesem Tag stehen zu lassen hatten alle zwölf Bezirke von 15 bis 19 Uhr insgesamt 37 Nebenstraßen zu autofreien Zonen erklärt. Sperrungen in diesen Bereichen allerdings hätten ohnehin kaum statistischen Einfluss auf die Gesamtzahl der Verkehrsbewegungen, so Müer.

Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) dankte den vielen Initiativen, die in der ganzen Stadt die Spiel- und Nachbarschaftsstraßen betreuten. "Am Autofreien Tag kann praktisch erlebt werden, wie Berlin aussehen kann, wenn der Straßenraum für die Menschen geöffnet wird", sagte Jarasch.

Viele wussten nichts von diesem Aktionstag

Um einen Anreiz zu schaffen, das Auto stehen zu lassen, war der ÖPNV den ganzen Tag kostenfrei. Doch viele Menschen auf der Straße sagten dem rbb, dass sie davon gar nichts mitbekommen hatten. Auch mehrere Busfahrer erzählten dem rbb, dass etwa die Hälfte der Fahrgäste einen Fahrschein vorzeigen oder kaufen wollten.

Berlin hatte sich bereits zum wiederholten Mal an dem seit langem stattfindenden internationalen autofreien Tag (22. September: "World Car Free Day") beteiligt. Allerdings war dabei der Effekt immer ähnlich wie in diesem Jahr: An diesem Aktionstag verringerte sich der Autoverkehr immer nur nicht oder wenig.

Diese Straßenabschnitte waren am Donnerstag in der Zeit von 15 bis 19 Uhr für den Auto- und Fahrradverkehr gesperrt:

Charlottenburg-Wilmersdorf

Rüdesheimer Straße, zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße
Sigmaringer Straße, zwischen Gasteiner- und Wegenerstraße
Windscheidstraße, zwischen Stuttgarter Platz und Gerviniusstraße

Friedrichshain-Kreuzberg

Blücherstraße, Hausnummer 37 bis 42
Jessnerstraße, zwischen Oder- und Travestraße
Niederbarnimstraße, Hausnummer 17 bis 20

Görlitzer Ufer

Lichtenberg

Baikalstraße, zwischen Sewan- und Baikalstraße
Plonzstraße, Hausnummer 21 bis Gotlindestraße

Marzahn-Hellersdorf

Apfelwicklerstraße
Friesacker Straße, zwischen Strauß- und Lortzingstraße
Kastanienallee, Hausnummer 53 bis 59
Maxie-Wander-Straße, zwischen Klingenthaler- und Schneeberger Straße

Mitte

Freienwalder Straße, zwischen Soldiner Straße und Friedhof
Plantagenstraße, Hausnummer 17 bis Antonstraße
Pohlstraße, Hausnummer 79 bis Kluckstraße
Tegeler Straße, zwischen Sprengel- und Triftstraße
Ufnaustraße, Hausnummer 6 bis Sickingenstraße

Neukölln

Jansastraße, Hausnummer 4 bis Weserstraße
Kienitzer Straße, zwischen Hausnummer 3 und Bornsdorfer Straße
Neckarstraße

Pankow

Bötzowstraße, zwischen John-Schehr- und Danziger Straße
Gneiststraße, zwischen Greifenhagener Straße und Schönhauser Allee
Jacobsohnstraße, Hausnummer 1 bis 16
Tassostraße, zwischen Pistorius- und Charlottenburger Straße

Reinickendorf

Kamekestraße, zwischen Herbst- und Hoppestraße
Tornower Weg, zwischen Birkenwerderstraße und Dannenwalder Weg

Spandau

Lutherstraße, am Lutherplatz

Steglitz-Zehlendorf

Kadettenweg, Hausnummer 44 bis Ringstraße
Sprungschanzenweg, Hausnummer 1 bis 51
Begasstraße (beim S-Bahnhof Friedenau)

Tempelhof-Schöneberg

Barbarossastraße, zwischen Goltz- und Karl-Schrader-Straße
Haeseler Straße, zwischen Goltz- und Zescher Straße
Niedstraße, zwischen Lauter- und Handjerystraße
Skarbinastraße, Hausnummer 77/79 bis Nahariyastraße
Steinmetzstraße, zwischen Bülow- und Alvenslebenstraße

Treptow-Köpenick

Isingstraße, Hausnummer 5 bis Schmollerplatz

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.09.2022, 20:25 Uhr

154 Kommentare

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  1. 154.

    Nun, Ludger, Ihrem Beitrag fehlt ein entscheidender Aspekt, nämlich die Quellenangabe zu den von Ihnen erwähnten "seriösen Umfragen". Bitte nachreichen - Danke!

  2. 153.

    Lt. Unfallstatistik führen KfZ die Unfallstatistik an. Sowohl in Häufigkeit, als auch in Schwere. Fußgänger und Radfahrer weniger, nehmen sich aber nicht viel.

    So, kommen da noch ein paar Argumente oder bleibt es bei Stammtischparolen?

  3. 152.

    Lt. Unfallstatistik führen KfZ die Unfallstatistik an. Sowohl in Häufigkeit, als auch in Schwere. Fußgänger und Radfahrer weniger, nehmen sich aber nicht viel.

    So, kommen da noch ein paar Argumente oder bleibt es bei Stammtischparolen?

  4. 151.

    Aktuell halten viele Radfahrer die StVO bereits oft für überflüssig und halten sich für etwas besseres. Rücksicht ist für die ein Fremdwort.

  5. 150.

    Wenn sie diese wenige Aussagekräftige Plattform als Maßstab nehmen mögen die 51% so dort stehen. In seriösen Umfragen betragen die Zustimmungswerte zwischen 25-35%, im Links/Grünen Berlin etwas mehr. Man sollte sich schon ausgewogen informieren und nicht dasPortal, welches einem am liebsten ist, auswählen.

  6. 149.

    "Außer grünfanatischen Autohassern will niemand einen autofreien Tag, weil das Auto nun mal das flexibelste und daher bequemste Verkehrsmittel ist." Das flexibelste Verkehrsmittel ist das Fahrrad.

    "Deshalb geht die linksgrüne Politik auch komplett an der Lebenswirklichkeit vorbei - wie in den meisten anderen Lebensbereichen auch." Das behaupten aber nur rechtsbraune Extremisten.

    "Niemand braucht eine kollektivistisch erzwungene Verkehrswende. Soll jeder selbst entscheiden, mit welchem Verkehrsmittel er fährt."

    Was kommt dann als Nächstes? Abschaffung aller Ampeln und der StVO? Soll doch jeder so fahren wie er will.

  7. 148.

    Zitat: "Wem unser geliebtes Berlin zu laut, zu hektisch und zu dreckig ist . . ."

    Ach, der richtige echte Urberliner wünscht sich die Stadt also laut, dreckig, hektisch und mit Autos zugestopft - und gerne mehr davon? Das scheint mir doch eher eine Minderheitsmeinung zu sein, Jens.

  8. 147.

    Zitat: "Außer grünfanatischen Autohassern will niemand einen autofreien Tag . . ."

    Laut einer aktuellen Erhebung geben 51 Prozent der Befragten an, autofreie Tage sinnvoll zu finden. Ihre Unterstellung, solche Aktionen würden nur eine fanatische Randgruppe interessieren, ist also unzutreffend.

    https://yougov.de/news/2021/09/21/titelein-ja-zu-autofreien-tagen-ein-naja-zu-autofr/

  9. 146.

    "Warum sind Sie eigentlich immer unsachlich?" An meiner Äußerung ist nichts unsachlich.

    "Warum sind die Autofahrer ignorant, wie kommen sie dazu,so etwas zu behaupten?" Das kommt davon wenn man Sätze aus dem Zusammenhang reißt. Ich habe auf "DIE Menschen hätten gestern kostenlos fahren können,trotzdem war der Autoverkehr gleich. Bitte lasst diesen Schwachsinn und verschwendet die 100 Millionen nicht.
    Und Spielstraßen brauchen wir auch nicht. Es gibt genügend Spielplätze " geantwortet und finde diese Aussagen ziemlich ignorant.

    "Ich sage doch auch nicht, dass die vielen Radler mit ihren großen Kisten vorne dran, Ignorant sind,obwohl ich vor diesen "Ungetümern " regelrecht Angst habe......weil die auch sehr oft auf Gehwegen unterwegs sind."

    Wenn diese Aussage so stimmt wäre das Verhalten dieser Radfahrer auch ziemlich ignorant.

    "Autos fahren wenigstens vorschriftsmäßig auf Straßen. " Wenn Autofahrer wie bei uns regelmäßig auf dem Gehweg parken, wie sind sie dahin gekommen?

  10. 144.

    Warum sind Sie eigentlich immer unsachlich?
    Warum sind die Autofahrer ignorant, wie kommen sie dazu,so etwas zu behaupten?? Ich sage doch auch nicht, dass die vielen Radler mit ihren großen Kisten vorne dran, Ignorant sind,obwohl ich vor diesen "Ungetümern " regelrecht Angst habe......weil die auch sehr oft auf Gehwegen unterwegs sind. Autos fahren wenigstens vorschriftsmäßig auf Straßen.

  11. 143.

    Wann kommen endlich richtig me StVO Regeln, mit Konsequenzen für Radfahrer?

  12. 142.

    Wann kommt endlich der Fahrradfreie Tag?!!!!

  13. 141.

    Wenig überraschend: Ein einziger Tag, spärlich und kurzfristig kommuniziert bringt Menschen jetzt nicht dazu, ihren Tag komplett umzuplanen. Ein Monat "freie Fahrt" kann realistisch zu einem Umplanen und damit zu einer meßbaren Verhaltensänderung führen.

  14. 140.

    Es würde vielfach schon genügen, einfach größere Gefäße einzusetzen, um das Fahrgastaufkommen zu bewältigen. Nur haben die Grünen in Moabit und die Linken in Kreuzberg nach jahrelanger Diskussion plötzlich noch Gesprächsbedarf zur Tram wie ja auch am Ostkreuz die Senatsverwaltung mit Frau Jarasch an der Spitze nicht zu Potte kommt.

    Die U-Bahnen in Nürnberg fahren nicht autonom, sondern automatisch und werden intensiv von der Leitstelle überwacht. Ähnliche hatten wir hier schon in den 70ern.

    Moia ist pöse Privatwirtschaft. hier hatten wir für "schlecht" erschlossen Bezirke wie FHXB der "lange Wege" wegen den BerlKönig. Demnächst gibt es den Nachfolger in treptow-Köpenick.

  15. 139.

    "Die Aktion gestern hat eines ganz deutlich gezeigt, Berlin braucht dieses 29,00 Euro Ticket NICHT !!!!
    DIE Menschen hätten gestern kostenlos fahren können,trotzdem war der Autoverkehr gleich." Was hauptsächlich an der Ignoranz der Autofahrer liegt.

    "Bitte lasst diesen Schwachsinn und verschwendet die 100 Millionen nicht." Soviel zu Ignoranz.

    "Und Spielstraßen brauchen wir auch nicht. Es gibt genügend Spielplätze " Nicht annähernd soviel wie kostenlose Parkplätze.

  16. 138.

    "Ganz einfach, Fahrräder sind eigenständige Fahrzeuge! Und da immer Fahrräder einen Motor haben, sind Die mit Mofas oder Motorrädern gleichzusetzen (in allen Dingen)"

    Blöd wenn man sich in Vorschriften überhaupt nicht auskennt. Es gibt quasi 3 Arten von elektrisch motorisierten Zweirädern. Das Pedelec wird vom Gesetzgeber (!) dem Fahrrad gleichgestellt.

    Das S-Pedelec ist Mofas gleichgestellt und dann gibt es noch motorisierte Kleinstmotorräder mit entsprechenden Vorschriften.

    P.S. "Insgesamt wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) 2021 6,7 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft. Rund 43 Prozent davon sind E-Bikes. "

    Das sind nur die 2021 verkauften (!) Räder, der Bestand ist überwiegend unmotorisiert.

    Man sollte sich schon sachkundig machen bevor man dumme Forderungen erhebt.

  17. 137.

    "Sie hauen hier eine "Quotenformulierung" nach der Anderen raus und wollen die Rundumpamperung von Radfahrern (und Radfahrerinnen). Das haut nicht hin."

    So? Wann genau habe ich das getan? Nur weil ich darauf hingewiesen habe dass die Fahrrafmitnahme im Autoland USA immer weiter ausgebaut wird?

    "Ein MTB nicht alltagstauglich? Na das erklären sie mir mal und bitte nicht mit "hat kein Licht" kommen." Ein klassisches MTB ist ein Sportgerät und somit nicht alltagstauglich.

    "Was verstehen sie eigentlich unter "große Distanzen in einer Stadt". Wär ja auch mal interessant." Einmal quer durch die Stadt. Außerdem gibt es immer noch Streckenabschnitte die mit dem Rad einfach lebensgefährlich sind.

  18. 136.

    Die Aktion gestern hat eines ganz deutlich gezeigt, Berlin braucht dieses 29,00 Euro Ticket NICHT !!!!
    DIE Menschen hätten gestern kostenlos fahren können,trotzdem war der Autoverkehr gleich. Bitte lasst diesen Schwachsinn und verschwendet die 100 Millionen nicht.
    Und Spielstraßen brauchen wir auch nicht. Es gibt genügend Spielplätze

  19. 135.

    Man sollte in einer Übernachtungsabgabe für Touristen auch bei AirBnB ein Tagesticket für den ÖPNV Tarifbereich A/B inkludieren. Dann wäre es ja quasi umsonst.

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