Keine Abschüsse - Berlin setzt bei Eindämmung der Waschbären-Population auf Appelle

Mi 16.11.22 | 09:25 Uhr
  22
Ein Waschbär krabbelt aus seinem Versteck auf einem Berliner dem Dach. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

In Brandenburg werden Waschbären gejagt, Berlin setzt jedoch weniger auf Gewehr und Falle. Das zumindest sagt der Senat und appelliert an die Berlinerinnen und Berliner, sich an Maßnahmen zum Zurückdrängen zu halten. Wichtig sei Öffentlichkeitsarbeit, um die indirekte Ernährung der Waschbären durch Müll und Essensreste von Menschen zu verringern, erklärte der Senat in Reaktion auf eine SPD-Anfrage.

Berlin darf kein Schlaraffenland für Waschbären sein

Ziel sei es, dem Waschbären das "Schlaraffenland Stadt" mit seinem Nahrungsangebot in Mülleimern und Parks "ungemütlich zu machen und somit die Reproduktionsrate zu minimieren", heißt es vom Senat. Um den Bestand zu reduzieren, müsste es weniger Nahrungsquellen und auch weniger "Schlaf- und Vermehrungsstätten" in der Stadt geben. Daher berät das Projekt "Waschbär-vor-Ort-Beratung" mit Internetseiten und Flyern.

Wie viele Waschbären in Berlin leben, ist nicht bekannt. Daten verschiedener Behörden lägen vor, hieß es. Die Erfassung sei allerdings personell und finanziell nicht möglich. Der Bestand wurde vor einem Jahr auf mehrere hundert Tiere geschätzt. Sie sind in ganz Berlin einschließlich der Innenstadt verbreitet, wie Meldungen an den Naturschutzbund Nabu zeigen. In Brandenburg werden mehrere zehntausend Waschbären pro Jahr von Jägern geschossen. In ganz Europa wird die Zahl der Waschbären auf einige Hunderttausend geschätzt.

Viele Ecken, in denen sich der Waschbär eingerichtet hat

In Berlin leben die Waschbären fast überall: unter Containern, in Schrebergärten, leerstehenden Gebäuden, Dachböden, aber auch in der Dämmung von Hauswänden und Dächern. Im Rahmen des Pilotprojekts "Waschbär-Vor-Ort-Beratung" besucht eine Waschbär-Expertin Hausbesitzer, die Probleme mit den Tieren in ihren Gärten oder Bauten haben. Außerdem können in Berlin Gewässer zum Schutz von Amphibien eingezäunt oder Fledermausquartiere gesichert werden.

Der Senat mahnt, dass eigenmächtiges Fangen oder Töten nicht erlaubt ist. Waschbären gehören zum jagdbaren Wild. Wer nicht über eine Jagderlaubnis verfügt und Waschbären tötet, macht sich der Wilderei schuldig und kann mit einer Bußgeld oder Haft bestraft werden.

"Wir sollten also anfangen zu akzeptieren, dass der Waschbär wie Fuchs und Marder ein in Deutschland wild lebendes Raubtier darstellt und uns um eine friedliche Koexistenz mit diesen durchaus auch spannend zu beobachtenden Tieren bemühen."

Waschbären kommen ursprünglich aus Nordamerika. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie zur Pelzgewinnung auch in Deutschland gezüchtet. Einige entkamen und inzwischen kommen sie in mehr als der Hälfte der deutschen Jagdreviere vor und breiten sich weiter aus, vor allem in Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Sendung: rbb88,8, 16.11.2022, 8 Uhr

22 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 22.

    @reälistics
    Glauben Sie, dass sich die Tiere mit dem fauligen Zeug auf dem Kompost begnügen, wenn daneben ein Baum mit reifen Äpfeln steht? Ausserdem habe ich nur geschlossene Kompostsilos. Wir werden wohl oder übel mit ihnen leben müssen.

  2. 21.

    Ok, reden sie einfach mit denen. Mein Waschbärisch ist etwas eingerostet.
    Ich glaube aber, bei diesem Kulturfolger werden sich nicht die Tiere, sondern die Menschen ändern müssen. Bei dem fulminanten Nahrungsangebot in den Städten, keine natürlichen Feinde, Unterkünfte in Hülle und Fülle, werden die pfiffigen Viecher bleiben. Vll. sollte man mal in Kassel, der Waschbärhauptstadt, nachfragen, wie die damit umgehen.

  3. 20.

    Na hoffentlich hören die Waschbären auch auf die Appelle!

  4. 19.

    Echt mal, die Frage können Sie sich bei gesundem Menschenverstand selber beantworten!
    Und einen Komposthaufen im Garten kann man auch abdecken. Wenn Sie das "Handwerk sachgerecht ausüben", kann da wenig bis nichts passieren.

  5. 18.

    Wenn ich das richtig verstehe, soll ich ln meinem Garten kein Obst und Gemüse mehr anbauen, da die Viecher das fressen. Arme Kleingärtner, die müssen das laut Verordnung. Da sind sie echt zwischen Baum und Borke. Dem Senat fallen wirklich
    komlsche Dinge ein. Hoffentlich endet deren Regierungszeit nach der Wahl.

  6. 17.

    Der kleine Bär ist Allesfresser und wohl schlauer - auf jeden Fall agiler als das Wildschwein: "Bei ausreichendem Nahrungsangebot können sich die Aktionsräume von Waschbären stark überschneiden, ohne dass es zu Auseinandersetzungen kommt. Zum Informationsaustausch über ergiebige Futterstellen oder gut geschützte Schlafplätze treffen sich Waschbären an Sammelplätzen oder hinterlassen dort Nachrichten in Form von Duftmarken. Waschbären treffen sich außerdem zum gemeinsamen Fressen, Schlafen und Spielen.
    Waschbären sind Allesfresser, deren Speiseplan sich zu ungefähr 40 Prozent aus Wirbellosen, zu 33 Prozent aus pflanzlicher Nahrung und zu 27 Prozent aus Wirbeltieren zusammensetzt. Laut dem Zoologen Samuel I. Zeveloff dürfte der Waschbär damit zu den „omnivorsten Tieren der Welt“ gehören. Während Waschbären im Frühjahr vorwiegend Insekten, Würmer, Käfer und andere um die Zeit verfügbare Tiere fressen..." wikipedia

  7. 16.

    Bitte beiben Sie doch mal sachlich: Der Waschbär ist jagdbares Wild. So sehen es die entsprechenden Gesetze vor. Damit unterliegt das im Gesetz gen. Tier einem jagdbaren Zeitraum, der möglicherweise auch ganzjährig sein kann. Nur ist die jagdliche "Hege" des Bestandes in einer Millionenstadt wirklich ein Problem, wie glauben Sie denn das zu realisieren? Anarchisch oder wie? Auch eine CDU muss die Gesetze, die schon länger gelten, einhalten. Wir haben als Großstädter nur die Chance, Grünflächen mit "Wasseranschluss" clean zu halten, Keller-fenster u. die Türen des Erdgeschosses ordentlich zu schließen u. an Müllkontainern nicht "herumzuschweineln"! Das heißt, dass die Krone der Schöpfung nun endlich lernen muss, was, in welche Tonne geört u. in geeigneter Plastetüten-Zweitverwendung. Außerdem wäre es auch schön, wenn nicht überall, wo Mensch geht u. steht, Dreck hinterlassen wird. Das mag näml. Waschbär auch nicht...

  8. 15.

    Wir müssen uns mit Änderungen im Pflanzen- und Tierreich abfinden, Evolution ist auch das. Manche Tierarten passen hier nicht mehr, wandern ab, sterben aus. Andere siedeln hier neu und passen sich an. Die meisten aber verdrängt der MENSCH. Kennt ihr Pom Poko? Lohnt sich, mal wieder anzuschauen...

  9. 14.

    Völlig verfehlt und daneben ist für mich die Einstellung des Berliner Senats bei Waschbären. Sonst spricht man immer vom Erhalt der Artenvielfalt und Naturschutz. Aber hier ist die Politik in Berlin bei Sachen invasiven Tierarten, wie den Waschbären auf Smoothiekurs. Waschbären haben im ursprünglichen Verbreitungsgebiet auch wesentlich mehr natürliche Feinde. Diese sind in Deutschland in erheblich geringerem Populationen vorhanden. Sie bedrohen die einheimische Fauna. Bleibt also nur bejagen...

  10. 13.

    Oh man, bei diesen Tipps des Senats kann man sich nur an den Kopf fassen! Wer schon mal diese Tiere zu Besuch hatte, weiß, das man die nie wieder los wird!

  11. 12.

    Gemäß Bundesnaturschutzgesetz sind invasive Tierarten auszurotten.
    Wen kümmert es? Die Politik arbeitet genau in die entgegengesetzte Richtung.

  12. 11.

    Immer, wenn es um die Unfähigkeit des RGR-Senats geht, muss der Bürger ran.
    Hoffentlich kommt es zu Neuwahlen in Berlin, damit das Elend ein Ende hat und wieder Politik für und nicht gegen den Bürger gemacht wird.

  13. 9.

    Vielleicht sollten die in Deutschland wild lebenden Raubtiere wie Waschbär, Fuchs und Marder anfangen zu akzeptieren, dass sie die friedliche Koexistenz mit uns Menschen am besten erreichen, indem sie sich von Ansammlungen von Menschen - wie Dörfern und Städten - fernhalten ...

  14. 8.

    Mit Jagdschein haben Sie noch keine Erlaubnis zum Bejagen. Dazu müssen Sie Jagdpächter sein oder von diesem eine Berechtigung haben!

  15. 7.

    Warum wird nicht an die Waschbären appelliert, ihre Vermehrung einzustellen?

  16. 6.

    Es ist zu einfach hier die Verantwortung auf die Bürger abzuwälzen. Schutzzäune um alle Gewässer bauen? Alle Nahrungsquellen verbarrikadieren? Der Waschbär kann klettern, ist wendig und klug. Eher verhungern alle Füchse und Eichhörnchen und sämtliche Vogelnester werden geplündert und dann bricht der Waschbär ggf. In Wohnungen und Geschäfte ein, bevor er aus Hunger ausstirbt. Er gehört zu den invasiven Tierarten und hat hier keine natürlichen Feinde, da ist die Schutzwürdigkeit zweifelhaft.

  17. 5.

    Berlin sind Fledermäuse, Waschbären & Co wichtiger als Rentner und Hilfsbedürftige und die Mittelschicht.

  18. 4.

    Wieso kann man die nicht einfach bekämpfen so wie Ratten und Co. auch? Waschbären sind ja nun auch noch eine Art die hier nicht wirklich heimisch ist, bzw. war...

  19. 3.

    Zeit für den Jagdschein.

Nächster Artikel