Rittergut Milow im Havelland - Altersheim komplett evakuiert, weil Pflegekräfte Arbeit niederlegen

Fr 30.12.22 | 18:12 Uhr
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Archivbild: Evakuierung von Senioren (Quelle: dpa/Jens Wolf)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 30.12.2022 | T. Jaeger/F. Herkt | Bild: dpa-Zentralbild

Alle 21 Bewohner eines Seniorenheims im Havelland mussten am Donnerstag umziehen: Weil die Pflegekräfte ihren Dienst verweigerten, wurden die Senioren in andere Heime gebracht. Hintergrund ist offenbar ein Streit mit dem Betreiber.

Die Seniorenresidenz Rittergut Milow im Havelland ist komplett evakuiert worden. Wie der Sozialdezernent des Landkreises, Wolfgang Gall, dem rbb am Freitag sagte, mussten alle 21 Bewohner am Donnerstagabend in andere Altersheime verlegt werden.

Hintergrund sei ein Streit zwischen den Pflegekräften und der Arbeitgeberseite, der dazu geführt habe, dass die Angestellten ihre Arbeit niedergelegt hätten. Einzelheiten dazu kenne er aber nicht, betonte Gall. Nach Angaben des Kreises wurde wegen des Streits auch die Polizei gerufen. Ein Sprecher der Polizeidirektion West sagte der "Märkischen Allgemeinen Zeitung", es sei dabei eine Person verletzt worden.

Bewohnende auf vier andere Altersheime verteilt

Weiter heißt es in einer Mitteilung des Kreises: "Das Pflegepersonal war trotz mehrfacher Aufforderungen durch die Sozialamtsleiterin und den Bürgermeister nicht bereit, den Dienst fortzusetzen". Da die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr gewährleistet war, sind diese auf drei Heime in Rathenow und eines in Premnitz (alle ebenfalls im Havelland) verteilt worden, wie Sozialdezernent Gall sagte. Allen Betroffenen gehe es gut. Sowohl das Sozialamt als auch die Heime selbst hätten bereits Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen.

Er könne nicht abschätzen, wann die Betroffenen in die Seniorenresidenz Rittergut Milow zurückkehren können, sagte Gall. Sein Amt habe lediglich im Rahmen des Ordnungsrechts dafür gesorgt, dass die Menschen weiter versorgt werden. Eine Stellungnahme des Betreibers gab es am Freitag zunächst nicht.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 30.12.2022, 19:30 Uhr

124 Kommentare

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  1. 123.

    Alina, geh solange Du kannst, solche Verhältnisse ändern sich nicht wenn Du versuchst durchzuhalten.
    Hier bei uns wird ganz anständig gezahlt aber an Arbeit mangelt es uns auch nicht.

  2. 122.

    Es wird viel passiert sein, bevor die Pflegekräfte diesen Schritt gehen! Aber es wird erst der Anfang sein! Die Arbeitsbedingungen in vielen Heimen und Krankenhäusern sind miserabel und müssen sich ändern! Wahrscheinlich hat man vorher sogar schon den Heimbeirat darüber informiert. Liebe Pflegekräfte habt Mut und haltet durch!

  3. 121.

    Ja - die Mitarbeiter:innen verdienen Hochachtung für ihren Mut, ein von der Gesellschaft verschwiegenes Thema, öffentlich zu machen.
    Im Pflegebereich ist so Einiges schief gelaufen und Niemand traut sich, das offen zu sagen.
    Die Gewinne werden privatisiert, aber die Kosten bleiben bei Angehörigen und dem deutschen Steuerzahler und das Alles, geht zu Lasten der Arbeitnehmer:innen.

  4. 120.

    Genau meine Meinung!! Ich ziehe den Hut vor den Mitarbeitern. Nur so können sie sich Aufmerksamkeit verschaffen!!! In der Hoffnung das sich etwas ändert... Und Aussteiger wie ich vielleicht zurück kehren...

  5. 119.

    Die Pflege von Menschen ist wahrscheinlich zur Pflege-Industrie mit Maximal Gewinnen geworden ?
    Der Mensch, egal ob Pflegekräfte oder Zu Pflegende, steht nicht mehr im Mittelpunkt.
    Die Einrichtung in Milow, ist doch da wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges - der große Rest, spielt sich immer noch im Verborgenen ab, auf Kosten der Menschen - also von uns Allen !?

  6. 118.

    Berufsverbot können sie sich sparen..in dem Job mag unter diesen Bedingungen kaum noch einer arbeiten. Glauben sie mir, wenn die Pflegenden dazu gezwungen werden durch sowas wie Berufsverbot die Branche zu wechseln und damit ihre vermeintliche Komfortzone zu verlassen, werden sie erkennen, dass es das Beste war was ihnen passieren konnte und nie wieder in den Pflegejob zurück wollen. Das bisschen Geld kann man wahrlich woanders sehr viel leichter und physisch als auch psychisch deutlich weniger belastend verdienen. Genau das hat schon Corona bzw die Maßnahmen dazu gemachte. Allein dieses unsägliche FFP Masken tragen müssen über 8 bis 12 Stunden Dienst. Tag für Tag. Bis vor 2 Jahren galt eine arbeitsmedizinische Maximaltragezeit für solche Masken von 90 Minuten, am Tag. Und das nicht ohne Grund.

  7. 116.

    Was sie hier ganz offensichtlich nicht begriffen haben ist, das diese mutigen Leute genau dafür die Arbeit verweigern. Nicht für sich, sondern eben für ihre Schützlinge. Sie sind die jenigen, denen dafür Konsequenzen drohen. Das nehmen sie auf sich, um auf die untragbaren Bedingungen aufmerksam zu machen. Weil die Bewohner des Heims es eben nicht können. Anders geht's nicht. Wie gut geht es denn bitte Menschen im Heim, wenn das Personal auf dem Zahnfleisch kraucht, psychisch wie physisch, nur noch die Hälfte des nötigen Personals da ist weil gespart wird an allen Ecken damit der Profit stimmt. Es läuft weiter, weil keiner hinsehen mag. Jetzt muss man hinsehen. Bravo. Genau so und nicht anders. Sonst macht bald niemand mehr diesen Job und dann wird es richtig eng für uns alle.

  8. 115.

    Erstmal....
    Scheinst du null Ahnung davon zu haben, was Leute in der Pflege egal ob Heime oder KH leisten müssen...Tag täglich rund um die Uhr... Das ist Ihr Leben...
    Ich spreche aus Erfahrung
    Und eh sowas passiert gehört schon sehr viel dazu...
    Denn Pflegekräfte sind mit Herzblut dabei.....

  9. 114.

    .... Nur so kann man sich durchsetzen die pflegekräfte haben Recht und der Betreiber wird jetzt ganz dumm aus der Wäsche schauen denn ihm fehlt Geld! Und das wird ihnen dazu bringen einzulenken wegen was auch immer man sich gestritten hat aber es geht nun mal nur über das monetäre

  10. 113.

    Das Land Brandenburg ist aber genauso in der Pflicht, nicht nur Landkreis und das jeweilige Heim.
    Pflege und andere medizinische Versorgung, fängt zuerst am modernen Gebäude und an der Ausstattung an.
    Für jeden anderen Schei... in Brandenburg und für jede andere Region in Brandenburg, reicht das Land seine Fördergelder aus - Westbrandenburg und HVL werden dabei doch nur vergessen - das Land Brandenburg sitzt genauso mit im Boot und hat total versagt !

  11. 112.

    Was sind denn das für PFLEGEKRÄFTE, die dabei zusehen, dass ihre SCHÜTZLINGE aus ihrem ZUHAUSE evakuiert werden müssen, weil sie selbst ALLE die Arbeit verweigern.

    Man kann auch auf anderem Wege versuchen eine Einigung zu finden.

    Aber auf dem Rücken WEHRLOSER PERSONEN ist das eine Frechheit.

    Solch gewissenlose Mitarbeiter sollten fristlos entlassen werden.

  12. 111.

    Sie haben auch keinen blassen Schimmer, wenn alle Pflegekräfte wegbrechen, wäre auch keiner für die Bewohner da, bei uns ist es gerade kurz davor, wie so oft

  13. 109.

    Ich glaube meinen Augen nicht. Die Alten haben schuld? Hallo? Wer hat dein Land wieder aufgebaut? Wer hat noch schlimmere Zeiten durch, als wir sie jetzt durchleben (sage nur Bombenanschläge, Flucht, Hiroshima....) Geh in der Pflege arbeiten und schau was von uns Pflegekräfte verlangt wird. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vielleicht sollten wir alle mal wieder etwas mehr zurück rudern und nicht nur auf Konsum und nur auf sich schauen.

  14. 108.

    Alles wird einfach immer teurer gemacht und die Qualität, lässt immer mehr zu wünschen übrig.
    Ist nicht nur in der Pflege und in der Medizinischen Versorgung so, sondern eigentlich überall.
    Aber hohe Löhne und Gehälter in den oberen Etagen und auch die vielen Steuern spielen eine Rolle, dazu die Wünsche und Empfindungen der Angehörigen und der Rendite Wunsch der Unternehmer und Anleger, usw.
    Ist wahrscheinlich ein unlösbarer Teufelskreis???

  15. 107.

    Das Problem ist nicht die Zeitarbeit, es sind die Bedingungen die die Menschen da hin treiben. Müssen sich die Heime was ausdenken um attraktiv zu sein.

  16. 106.

    Streikrecht gilt auch für Pflegekräfte. Schutzbefohlene sind es übrigens nur für die Einrichtung, Pflegekräfte führen lediglich eine Dienstleistung aus. Und wenn dies unter diesen Bedingungen nicht möglich ist dann hat das Heim Pech und die Bewohner leider auch. Das wird in Zukunft (hoffentlich) öfter geschehen bis die Politik diese Probleme ernst nimmt.

  17. 105.

    So ist es!
    Und vor allem sind die Immobiliendeals innerhalb der Altenpflege zu bekämpfen. Denn das Geld müssen erst einmal diejenigen aufbringen, die die "Ware" - Pflege "halt nutzen müssen"! So endet jeder im Alter in der Sozialhilfe. Da ich nur 43 Arbeitsjahre mit einem Drittel davon prekärer Entlohnung aufweisen kann, bleibe ich als Nachfahre erst einmal "verschont", aber schon die fast 40 Seiten Antrag (o. 20 Blätter) treiben einem die Tränen in die Augen. ... Es ist alles sehr verlogen, dennoch wirbt die sog. Immo-Wirtschaft "Kaufen Sie Pflege-Immob., hohe Rendite garantiert!" -- Und dann hier dieser Vorfall, am heiligsten Feste! Man könnte nur noch...

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