Leitlinien für Gestaltung vorgestellt - Checkpoint Charlie schaltet in den Ruhemodus

Mi 25.01.23 | 08:26 Uhr
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Völlig menschenleeer ist in Berlin die Straße am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Checkpoint Charlie. (Quelle: Wolfram Steinberg/dpa)
Wolfram Steinberg/dpa
Audio: rbb24 Inforadio | 25.01.2023 | Thorsten Gabriel | Bild: Wolfram Steinberg/dpa

Nach einer Neugestaltung soll der Checkpoint Charlie die historische Dimension des Ost-West-Konfliktes besser veranschaulichen. Dafür wurden nun Richtlinien aufgestellt. Die Chefin der Berliner Architektenkammer zeigt sich von den Plänen enttäuscht.

  • Berlin will auf eigenen Flächen Bildungs- und Erinnerungsort schaffen
  • keine Geschäfte oder Restaurants in Erdgeschossen
  • auf Höhe des Checkpoint soll Verkehr auf Friedrichstraße beruhigt werden

Mit insgesamt 22 Leitlinien will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sicherstellen, dass das Areal um den ehemaligen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie zu einem würdigen Gedenkort wird. Die Leitlinien wurden im Rahmen eines städtebaulichen Dialogverfahrens erarbeitet und am Dienstagabend vorgestellt.

An dem im vergangenen Oktober gestarteten Dialogprozess "Checkpoint Charlie – neue Wege" waren alle betroffenen Bundes-, Landes- und Bezirksverwaltungen, das Landesdenkmalamt sowie die Stiftung Berliner Mauer beteiligt.

Keine Läden mit bunten Schaufenstern

Die Leitlinien sehen unter anderem Auflagen für einen privaten Investor vor, der am Checkpoint Charlie zwei Grundstücke bebauen will. So soll etwa die Neubaufassade auf dem östlich der Friedrichstraße gelegenen Grundstück unterhalb von elf Metern Höhe "geschlossen" sein, das heißt, keine Fenster haben. Beim Grundstück auf der westlichen Seite soll dies zumindest für das Erdgeschoss gelten.

Damit solle beispielsweise verhindert werden, dass in den unteren Etagen Läden mit bunten Schaufenstern einziehen, die der Würde des geschichtsträchtigen Ortes nicht gerecht würden, hieß es am Abend. Auch für Außengastronomie, Werbung und andere kommerzielle Nutzungen soll es laut den Leitlinien rund um den Checkpoint Charlie Restriktionen geben.

Die Stadt selbst will auf den von ihr erworbenen Flächen einen Bildungs- und Erinnerungsort schaffen. Dabei sollen sich Ausstellungselemente sowohl im Innern eines Gebäudes als auch im Freiraum finden, etwa durch Markierungen im Bodenbelag. Insbesondere die historischen Brandwände der bestehenden Häuser am Checkpoint Charlie sollen als Geschichtszeugnisse "größtmögliche Sichtbarkeit" erlangen.

Verkehr auf Friedrichstraße soll beruhigt werden

Auch die Verkehrssituation soll dem Gedenkort angepasst werden und die Friedrichstraße auf Höhe des ehemaligen Grenzkontrollpunkts verkehrsberuhigt werden. Touristenbusse dürfen dort dann nicht mehr unmittelbar am Ort halten. Die benachbarte Zimmerstraße soll zu einer Fahrradstraße umgewidmet werden.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, zeigte sich am Abend mit den in den Leitlinien gefunden Kompromissen zufrieden. "Das ist ein Ergebnis, das wir uns vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen konnten", sagte Klausmeier dem rbb. "Ich denke, wir sind jetzt in eine Situation versetzt worden, einen Ort zu gestalten, der uns die historische Dimension vermitteln kann: Wir wollen Berliner Geschichte erzählen, wir wollen aber auch zeigen, dass diese Mauer Teil eines weltumspannenden Systemkonflikts gewesen ist."

Architektenkammer-Präsidentin enttäuscht

Enttäuscht reagierte die Präsidentin der Berliner Architektenkammer, Theresa Keilhacker. Sie gehörte im Rahmen des Dialogverfahrens einem beratenden Gremium an. Sie kritisiert vor allem die Vorgaben zu den Neubaufassaden und spricht von einem "Berliner Kompromiss", die Fassade auf der Hälfte zu teilen. "Absurder kann es kaum noch gehen", sagt sie dem rbb.

Sie selbst hatte sich dafür stark gemacht, dass auch dort Brandwände geschaffen würden. Diese Variante hatte allerdings das Landesdenkmalamt abgelehnt. Die historischen kennzeichneten den Ort, deshalb "wollen wir keine zusätzlichen Brandwände, die es dann gewissermaßen unleserlich machen: Was ist hier historisch und was ist neu?", so Landeskonservator Christoph Rauhut zum rbb. "Insofern ist die Lösung, die jetzt in den Leitlinien formuliert ist, auch eine klare Abgrenzung zu den historischen Brandwänden."

Für das geplante Gebäude östlich der Friedrichstraße soll im Februar ein geschlossener Realisierungswettbewerb mit sieben Architekturbüros starten. Im Mai sollen Ergebnisse vorgestellt werden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.01.2023, 8:00 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    " Checkpoint Charlie zu einem würdigen Gedenkort wird "

    warum gerade der ? Glienicker Brücke wäre besser falls die es noch nicht ist , oder Drewitz, der Kontrollposten der DDR nach Westen und Süden oder Staaken , DDR Kontrolle nach Hamburg , aber die olle Holzbude an der Friedrichstr. ?? und dann mit
    Läden mit bunten Schaufenstern wie auf dem Bild ?

  2. 13.

    Neugestaltung des Checkpoint Charlie

    wozu ?? der Checkpoint Charlie kann weg wenn er nur noch Touristen zum Foto dient

  3. 12.

    "Ich frage mich einfach, ob solche Posten nicht mit Menschen besetzt werden können, die die Geschichte vor Ort erlebt haben."

    Selbstverständlich ist diese Frage sehr wohl berechtigt und eine solche Lösung wäre auch authentisch; allerdings besteht immer die "Gefahr" dabei, dass Menschen darin emotional all zu verstrickt sind, sodass ggf. wegen des Ausmaßes eigener Betroffenheit bislang unbekannte Zugänge nicht mehr offen stünden. Solche werden aber auch benötigt, wenn sich das nicht nur in klarer Ablehnung erschöpfen soll.

    Mein Beitrag war deshalb "nur" gegen die Vehemenz eines anderen Beitrags gerichtet, der Nicht-Berliner von vornherein ausschließen würde. Das halte ich für zu eng gedacht. Zeitzeugen sind sehr wichtig, ob sie ausschließlich die Regie darüber haben sollten, wage ich in Zweifel zu ziehen.

    Dass die Holzbude nicht mehr authentisch ist, darin stimme ich zu. Die halte ich nicht gerade für das "Gelbe vom Ei."

  4. 11.

    Eben diese Einschätzung kann ich, als Zugezogener, so gar nicht teilen. Berliner ehemalig Ost und West sind sich gar nicht so unähnlich. Den angeblichen "Stachel im Fleisch des Kommunismus" gibt es schlicht nicht, sonst würden gerade alte West-Berliner nicht derart stark die sozialistischen Träumereien des Senats mittragen. Der Westteil der Stadt ist immer noch voll von Salon-Sozialisten, die nie das Brot des echten Sozialismus schmecken mussten. Im Ostteil gibt es als Gegenstück die DDR-Nostalgiker, die nie richtig in der Marktwirtschaft angekommen sind und nie gelernt haben, dass dieses System Eigenverantwortung erfordert. Es wird aber in der ganzen Stadt eher nach dem Staat gerufen, als das man selbst versucht, Probleme zu lösen, weit stärker, als ich dies in anderen Regionen erlebt habe.

  5. 10.

    Herr Krüger, leider kann ich Ihre Meinung nicht teilen. Mir geht es weder um das Einigeln in der Vergangenheit oder zum jetzigen Zeitpunkt. Ich frage mich einfach, ob solche Posten nicht mit Menschen besetzt werden können, die die Geschichte vor Ort erlebt haben. Dazu kommt für mich erschwerend hinzu, es wird über einen Platz diskutiert, an dem eigentlich nichts mehr Original ist. Das betrifft sogar die Holzhütte mitten auf der Straße. Und dem zugereisten Personal wünsche ich einfach mal den Gang und das Hören in die Bevölkerung, die diesen Zustand erlebt haben. Und ich erwähne mit Absicht nicht die Region Augsburg, dafür reicht der Platz hier nicht.

  6. 9.

    Und ich glaube, dass die Einigelung gegenüber Allem & Jedem in ehemaligen, klassischen West-Berliner Hochburgen wie Steglitz, Mariendorf, Reinickendorf und Tegel und das Einfrieren ggü. sämtlichen neuen Erkenntnissen vglw. höher ist. Das fiel dann auch der CDU bei ihrer Mitgliederbefragung zu Zeiten von Frank Henkel auf die Füße.

    Der Mann wollte mehr und er öffnete sich in Vielem her heutigen Zeit, bspw. in Bezug auf Sexualität. Da wurden ihm per Mitgliederbescheid die Hände gebunden und die CDU ging unter. Auch die selbstbezeichneten "Urberliner" scheinen noch gespalten, das sei zugestanden: In Jene, die sich als Stachel im Fleisch des Kommunismus wähnen und sich in der Straße Unter den Linden immer noch "im Osten" wähnen und Jene, die als Inbegriff des Neuen Deutschlands noch immer nicht verstanden haben, weshalb das Ganze an die Wand bzw. Mauer lief.

  7. 8.

    Nein, ich denke nicht, dass Berlin derart gespalten ist. Berlin ist eine tiefrot-grüne Insel, weil man sich in den Jahrzehnten seit 1949 daran gewöhnt hat, vom Rest des Landes bevorzugt behandelt zu werden. Das gilt für Ost wie West gleichermaßen. Die Anhängerschaft zu sozialistischen Ideen ist nirgends im Land höher als hier. Entsprechend zieht Berlin auch genau die Leute an, die derlei Ideen in irgend einer Art verwirklichen wollen, es aber in der Herkunftsgemeinde nicht um- und durchsetzen können. Grüne Politik enthält nun mal unzweifelhaft sozialistische Elemente und gerade in Berlin sind die Fundies, die das Befürworten, in einer deutlichen Mehrheit gegenüber den Realos. Das äußert sich im erst mal Umsetzen von Projekten, um dann im Nachhinein zu schauen, welche Auswirkungen es hat genau so, wie im investorenfeindlichen Klima, durch teils abstruse Auflagen oder gleich gänzlich Verhinderungspolitik.

  8. 7.

    Mit einer Weltsicht, Essen (oder bspw. Augsburg) zur "Provinz" machen zu wollen, fängt das Problem ja schon an: Das Schmoren von Berlin im eigenen Saft. Seit der Kürung zur Hauptstadt ist das die Garantie für eine Abkoppelung ´vom Rest des Janzen´.

    Nicht der Herkunftsort (von Essen oder Augsburg) ist das Problem, sondern gerade diese übergeholfene, teilweise sogar selbstgesuchte Insellage endlich zu überwinden. Die spärlich vorhandenen Zugänge zum seinerzeitigen West-Berlin sind dabei geradezu ein Musterbeispiel, das in die heutige Zeit sichtlich weiterwirkt. Berlin ist gespalten - nicht mehr zwischen Ost und West, sondern von vermeintlichen Urberlinern und den vermeintlich Einbrechenden.

  9. 6.

    Ja das ist ja nun das grundsätzliche Berliner Problem: alle die etwas zu entscheiden haben, kommen aus der Provinz, orientieren sich höchstens an Fotos und haben KEINE AHNUNG von Berlin und dem Leben in der geteilten Stadt. Das gilt für sog. Experten genauso wie für Lokalpolitiker*- von absoluten Ausnahmen abgesehen. Es interessiert nur der Tourismus. Was den Berlinern wichtig ist, ist wurscht.

  10. 5.

    Ohne Architektenberatung wird es nicht gehen. Profis können mehr. Und wieder fehlt der Stadtarchitekt. "Ich finde..." macht Vorgaben? Die Ausschreibung wird nie ein ganzheitliches Bild ergeben können.
    Eigentlich geht es darum, einen Eigentümer ins Handwerk zu pfuschen (auf gut Deutsch). Von Leuten denen das nicht gehört. Da hat wohl beim Verkauf jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht?
    Wenn es so verfahren ist, dann muss alles auf NULL gestellt werden. Die historische Ansicht ist das Maß der Dinge. Auch mit den Nachteilen. Und unterschätzt die Architektenkammer nicht...die leisten auch was, wenn die Vorgaben stimmen.

  11. 4.

    Im zweiten Versuch, mal wieder lehne ich das, was geplant ist, ab. Es war dort eine "sinnfreie" Grenze im Stadtgebiet der auch so eine Platzsituation hatte. Jetzt einen öden Ort zu "schaffen" widerspricht der baulichen Situation früher schon. Dazu haben wir ja die wirkliche Tristess an der Bernauer Str. konserviert.Korrekt. Man sollte die Kirche auch mal im Dorf lassen sollen, was meine Schöneberger family so zu sagen pflegte, wenn irgendetwas überschoß. Denn das Unmögliche war doch auch, dass einst belebte Stellenin der Stadt durch die Mauer einfach abgeschnitten wurden. Ich meine das jetzige eher überdrehte Tam-tam kann man auch anders in die Normalen bringen. Und im übrigen wäre es, die Autofahrer werden mich gleich verkloppen, schon richtig, die jetzige Situation zu einem autofreien Platz zu erklären.

  12. 3.

    Also baut man dort ein Disneyland für Touristen. Schon jetzt ist dort die Verkehrssituation mehr als kritisch. Immer wenn ich genötigt bin dort vorbeizugehen sehe ich Scharen von Touristen, die einen Schnappschuß mit dem nachgebauten Wachhäuschen machen wollen und nicht auf den Verkehr achten.
    Meinen die Planer allen Ernstes, der berliner Autofahrer würde sich in einer verkehrsberuhigten Zone an die Regeln halten? Mein Vorschlag wäre, wie im nördlich der Leipziger Straße gelegenen Teil der Friedichstraße auch den von der Leipzigerstr. bis zum Checkpoint gelegenen Teil auch diesen als Fußgängerzone auszuweisen!

  13. 2.

    Es sollte zuallererst den Touristen, aber auch mittlerweile sehr vielen Berlinern klargemacht werden, dass mit Checkpoint Charlie weder Charlie Chaplin noch Charlie Brown gemeint sind, sondern sich die Bezeichnung auf den dritten Übergang der früheren westl. Alliierten bezog: A = Alpha -> für Helmstedt / Marienborn, B = Bravo -> für Drewitz / Dreilinden, C = Charlie -> innerhalb von Berlin für die Friedrichstraße.

    Sich diese Engstellen zu vergegenwärtigen, kann eine weitere aufschlussreiche Hilfe sein, das Drama deutsch-deutscher, als auch der Berliner Teilung zu veranschaulichen. Das kann kein "lärmender", "lauter" Ort sein, vielmehr ein "leiser". Deshalb ist der Ausschluss brüllender Geschäfte goldrichtig.

  14. 1.

    Mit Herrn Prof. Klausmeier von der "Stiftung Berliner Mauer" haben wir jemanden, der jeden Tag mit der Mauer persönlich konfrontiert war, immerhin in Essen aufgewachsen kennt er den Checkpoint Charlie in und auswendig?

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