Pöbelnde Fahrgäste, Uringeruch, Drogenkonsum - BVG-Beschäftigte beklagen sich in Brandbrief über "unhaltbare Zustände"

Sa 08.04.23 | 16:02 Uhr
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Symbolbild: Menschen steigen an einem U-Bahnhof aus einer stehenden U-Bahn. (Quelle: dpa/Spremberg)
Video: rbb|24 | 08.04.2023 | Nachrichten | Bild: dpa/Spremberg

BVG-Mitarbeiter beschweren sich in einem Brandbrief über "unhaltbare Zuständen" an U-Bahnhöfen, über Gestank und Gefahren. Die Senatsverwaltung für Mobilität sieht die BVG in der Pflicht, die Lage an den Bahnhöfen zu verbessern.

Die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität sieht nach der Kritik von BVG-Mitarbeitern an den Zuständen an den Berliner U-Bahnhöfen die BVG in der Pflicht, die Sicherheit an den Stationen zu verbessern. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Mobilität verwies gegenüber dem rbb am Samstag auf entsprechende vertragliche Vereinbarungen mit der BVG.

Zuvor war ein Brandbrief aus der Belegschaft der Verkehrsbetriebe öffentlich geworden. "Fast täglich kommt es zu Beschimpfungen und Tätlichkeiten gegenüber dem Personal und den Fahrgästen", heißt es in dem Schreiben, das dem rbb vorliegt. Vermehrt werde man auch Zeuge von "Prügeleien auf Bahnhöfen und Zügen"; "Kippensammler, die in die Gleise springen" würden für zusätzliche Gefahren sorgen.

Vor allem fordert das Schreiben mehr Sicherheitspersonal. Auch Partytouristen würden sich demnach zeitweise "wie in einem rechtsfreien Raum" verhalten. "Das vermitteln wir durch unser inkonsequentes Verhalten", heißt es in dem Brief, der an die BVG und den Berliner Senat addressiert war und über den zunächst die B.Z. berichtet hat [www.bz-berlin.de]. Dem Bericht zufolge hat der Brief 270 Unterschriften.

BVG: "Können nicht alleine gesellschaftliche Themen lösen"

Die BVG sei darauf bedacht, dass die Rahmenbedingungen für Fahrgäste und Beschäftigte stimmen, erklärte ein Sprecher am Samstag. "Klar ist aber auch, dass wir als Verkehrsunternehmen nicht alleine gesellschaftliche Themen lösen können. Daher befinden wir uns im engen Austausch mit der Politik und den Sicherheitsbehörden, mit dem Ziel, gute und nachhaltige Lösungen zu schaffen." Auch mit den Verfassern des Briefes stehe man bereits im Austausch.

Senatsverwaltung: Fragen der Betriebsführung sind Sache der BVG

Diese Fragen gehörten zur Betriebsführung und seien auch laut Vertrag Sache des Verkehrsunternehmens, sagte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung am Samstag dem rbb. Man spreche das Thema in den regelmäßigen Gesprächen mit der BVG immer wieder an.

"Uns liegt das Schreiben der BVG-Mitarbeitenden derzeit nicht vor, aber wir nehmen dies zum Anlass, das Thema mit der BVG zeitnah noch einmal intensiver zu analysieren und über konkrete Handlungsoptionen zu entscheiden", hieß es aus der Verkehrsverwaltung gegenüber dem rbb.

Den Senats-Angaben zufolge hat es in jüngster Zeit vor allem Probleme am Moritzplatz und insgesamt auf der Südlinie der U8 gegeben. Hier habe die BVG "dargestellt, dass sie mit einem speziell geschulten und vernetzten Präventionsteam und auch in Abstimmung mit der Polizei erfolgreich Verbesserungen erwirkt hat", so der Sprecher.

Sendung: rbb24 Abendschau, 08.04.23, 19:30 Uhr

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134 Kommentare

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  1. 134.

    Die Menschen verursachen diesen Dreck in der Stadt, besonders in den U und S-Bahnen. In Parks und Grünanlagen etc. Es gibt sehr viele Menschen, die mit anpacken, von morgens bis abends und das über Jahrzehnte. Es scheint Sisyphusarbeit zu sein.
    Schauen Sie sich die Haltestellen überall, in Berlin an. Überall Zigarettenkippen. Konsequente Kontrollen und Strafen, gleich vor Ort und das über Monate. Sie werden sehen, wie man den Menschen ändern kann, wenn nur politisch gewollt. Freiheit hört da auf, auf andere die Umwelt belasten und meinen, alles zu dürfen...

  2. 133.

    Die BVG könnte den Verkauf von Alkohol und Tabak in den BVG-eigenen Urbaniskiosken unterbinden. Lässt sich im Mietvertrag regeln. Am Besten in den bekannten Raucherbahnhöfen mit Trinkhallenambiente damit anfangen. "Soziale Probleme", die von der BVG selbst durch die Vermietungspraxis "befördert" werden. Jeden Tag in den U-Bahnhöfen zum Beispiel am Kotti und Herrmannplatz zu beobachten.

  3. 132.

    War wahrscheinlich nicht von ihnen beabsichtigt aber der Satz: Die Verrohung in vollen Zügen genießen, hat schon was sehr ironisches.
    Sehr schöner Wortwitz. Ich muss gerade schmunzeln. Danke dafür.

  4. 131.

    Den Öffis vorzuwerfen, dass sie jeder nutzen kann, also auch Bettler, stinkende Menschen etc. ist ja per se schizophren. Sie sollen/dürfen ja von allen genutzt werden. Sonst wären es ja keine öffentlichen Verkehrsmittel.
    Das Problem sind doch die Umgangsformen mancher Mitmenschen, die in der Pubertät oder noch früher stehen geblieben sind und bei Ansprache direkt aggressiv reagieren, wie Rumpelstielzchen auf Koks.
    Ich nutze das Angebot nahezu täglich. Grundsätzliche Probleme mit der Sauberkeit in den Fahrzeugen sehe ich nicht. Und ich komme, mit sehr wenigen Ausnahmen, immer dort an wo ich ankommen möchte.

  5. 130.

    U-Bahnhof Gneisenau:
    Offener Drogenkonsum, rauchen, saufen, pissen. Das ist eine schlimme Zumutung. Doch auch hier fehlt der (politische) Wille. Der öffentliche Raum inkl. Öffis) wird in Deutschland gerne zugunsten privatem Wohlstand vernachlässigt. Das ist in anderen Ländern echt besser.

  6. 129.

    Ich war vom tollen Zustand der tube in London derartig beeindruckt, dass ich mir auch für Berlin eine Zugangsschranke in jedem Bahnhof wünschte. In London existieren die Probleme mit Drogenkonsum, rauchen, pinkeln... in den Bahnhöfen nicht. Aber mir scheinen die Berliner Zugänge zu klein für ein Bezahlschrankensystem zu sein.
    Abgesehen davon scheint es mir in Deutschland im Allgemeinen eine schlechte Tradition zu sein, den öffentlichen Raum verkommen zu lassen. Woanders ist es echt schöner.

  7. 128.

    "Würde man fragen, wer ist die dreckigste Stadt in Deutschland...." dann können es 80% der hier Lebenden nur vermuten, weil sie gar nichts anderes kennen! Oft genug nennen hier Nicht-Berliner andere Beispiele. Es ist hier vielmehr zum Volkssport geworden, gegen seine Heimat zu wettern, un da sind die Berliner einzigartig: ich habe noch nirgendwo so viel Verachtung und Hass gegen den Wohnort erlebt, wie in Berlin. Traurig....wer verursacht denn die Probleme, den Müll usw. Statt die Ärmel hochzukrempeln und zusammenzuhalten....

  8. 127.

    Es kommt immer auf die Fragestellung an. Würde man fragen, wer ist die dreckigste Stadt in Deutschland.. und dazu gehören auch U und S-Bahn ?? Jetzt dürfen Sie dreimal raten.

  9. 126.

    Berlin hat zwei Parallelwelten:
    20.000 Menschen in 50 Städten können nicht irren. Oder doch? Sie alle wurden vom Stadtführer-Riesen "Time Out" nach dem besten ÖPNV der Welt befragt. Und sie entschieden: Berlin ist die Nummer eins.
    (Heute bei t-onnline.de)

  10. 125.

    "Oder auf den Bahnsteigen Zugangstore, die den Zutritt nur mit gültigem Fahrschein ermöglichen." Dann verlagert sich sich das Ganze auf die Treppen, das ist noch schlimmer.

  11. 124.

    Die neue Stadtregierung hat doch die einmalige Möglichkeit im Untergrund für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen,bevor sie das U Bahnnetz verdoppelt.Die Ordnung und Sauberkeit wollen doch CDU und SPD eh verbessern,da können sie ja in der U Bahn gleich einmal beweisen ob sie ihren Worten Taten folgen lassen.

  12. 123.

    “Meine Enkeltochter (10) hat mich gefragt: " Stimmt es, daß in Berlin nur bekloppte wohnen?"" Ja, Kinder lernen schnell und meiste von Eltern und Großeltern.,..

  13. 122.

    Bevor die Landespolitik den Leuten das Autofahren mit Verboten vergrätzt, sollten die Verantwortlichen alle mal eine Runde mit den Öffis fahren. In Städten wie Rom und Barcelona gibt es Sperren an den Bahnhofszugängen. Ohne vernünftige Infrastruktur gibt’s keinen Umstieg vom Auto auf die Öffentlichen.

  14. 121.

    Nach nur fünf Jahren stand -bääm- der Toilettencontainer am Kotti, natürlich kostenlos und mit Missoir. So geht erfolgreiche Kommunalpolitik.

  15. 120.

    Ihr Kommentar passt 100%tig.
    Es ist einfach nur noch eklig in S. Und U Bahn.
    Liebe wenn es irgendwie geht nicht mit fahren.

  16. 119.

    Die Verantwortlichen fahren selbst nicht mit dem ÖPNV, ansonsten würde es dort anders aussehen.

  17. 118.

    Ja. leider ist das so. Wer z.B. die U8 kennt, weiß, warum viele sagen, U-Bahn? Nee! Unsere abgehobenen und arroganten Politiker*INNEN sollten mal dazu verdonnert werden, -ohne Wachschutz- dort eine Runde mitzufahren. Bettler:innen, Stinkende, Typen mit offen Beinen, Vollgesch... Kinder, da ist alles dabei, was aus Dantes Inferno stammen könnte.
    Aber, das interssiert diese Radfahr-Fetischist*NNEN ja nicht. Ist ja so schööön bunt, unser Berlin , wa? Und genau stinkt es auch!

  18. 117.

    Ich verlasse die Blase Berlin regelmäßig aber was ich als unzumutbar bezeichne, entscheide ich immer noch selber.
    Es wird doch dadurch nicht besser, wenn es in anderen Städten genauso oder schlimmer zugeht.
    Ziemlich unterkomplex würde ich mal behaupten ...

  19. 116.

    Die gleichen Probleme bei der SBahn.
    Stört scheinbar keinen oder?

  20. 115.

    Die letzten 'Bahnsteigkarten' hat die ehem. DDR-Regierung den West-Bürgern über die Deutsche Reichsbahn 'abgepresst' wenn sie Bekannte, Freunde oder Familie am Bahnhof Zoo abholen oder verabschieden wollten! In Hamburg gibt es so etwas nicht zu kaufen!
    Den U- oder S-Bahnsteig dürfen Sie - wie in Berlin auch - nur mit ein 'gültigen Fahrausweis' betreten.

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