Kriminalstatistik 2022 - Zahl der Straftaten in Berlin gestiegen - deutlich mehr junge Tatverdächtige

Fr 21.04.23 | 13:07 Uhr
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Symbolbild:EInsatzkräfte der Polizei untersuchen eine jugendliche, verdächtige Person.(Quelle:dpa/M.Gambarini)
Video: rbb24 Inforadio | 21.04.2023 | Rainer Unruh | Bild: dpa/M.Gambarini

Während Straftaten in Berlin während der Corona-Jahre 2020 und 2021 rückläufig waren, verzeichnete die Polizei 2022 wieder mehr Delikte. Deutlich mehr Tatverdächtige waren Kinder oder Jugendliche. Auffällig war eine Diebstahlserie an City-Toiletten.

  • Die Zahl der Straftaten in Berlin stieg um 7,8 Prozent, insgesamt waren es 520.000.
  • Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 hat die Zahl der erfassten Straftaten um 1,2 Prozent zugenommen.
  • Im vergangenen Jahr gab es weniger politisch motivierte Delikte, dafür mehr Diebstähle und Wohnungseinbrüche.
  • Die Aufklärungsquote ging insgesamt leicht zurück.

Nach den ersten beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 sind die Straftaten in Berlin im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent gestiegen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2022 hervor, die Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Freitag vorgestellt haben.

Leichter Anstieg verglichen mit Vor-Corona-Niveau

Demnach wurden im vergangenen Jahr 519.827 Straftaten registriert. Im Vergleich zu 2021 ist das ein Anstieg von 37.700 Fällen (7,8 Prozent). Laut dem Bericht liegt Berlin damit unter dem bundesweiten Anstieg in Höhe von 11,5 Prozent.

Senatorin Spranger verwies darauf, dass die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 zu einem Rückgang der Kriminalität geführt habe. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 nahm die Zahl der erfassten Straftaten nur um 1,2 Prozent zu.

Mehr Morde und Autodiebstähle

Es gab vor allem bei Tötungsdelikten ein Plus um 14 Prozent (2022: 114/2021: 100) und bei Diebstählen von Kraftfahrzeugen ein Plus 30,6 Prozent (5.581/4.273).

Die Zahl der erfassten Wohnungseinbrüche stieg um 23,5 Prozent (6.155/4.984). Eine Einbruchserie in City-Toiletten sorgte insbesondere beim Diebstahl von Geld aus Automaten um eine drastische Zunahme um mehr 1.700 Prozent (10.439/563).

Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder stieg laut Statistik um 34 Prozent, die der Jugendlichen um fast 28 Prozent. Hier verwiesen Spranger und Polizeipräsidentin Barbara Slowik auf die vom Senat initiierten Jugendgipfel, bei denen "ganzheitliche Ansätze" entwickelt worden seien. Es gehe dabei auch um Antworten auf soziale Fragen. Dennoch müsse der Rechtsstaat konsequent durchgreifen.

Die Aufklärungsquote sank um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 2021 lag sie bei 45,3 Prozent. Dies habe vor allem mit der gestiegenen Zahl an Diebstählen zu tun, bei denen die Aufklärungsquote traditionell niedrig ist, hieß es.

Rückläufig ist die Zahl politisch motivierter Delikte in der Statistik. Ihre Zahl sank um 14,6 Prozent. Politisch motivierte Gewalttaten nahmen um 45 Prozent ab.

GdP Berlin: Zahlen waren zu erwarten

Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt die Kriminalstatistik, dass sich die Straftaten wieder mehr in den öffentlichen Raum bewegen. Sie spricht von erwartbaren Zahlen. "Es ist die Pflicht von Berlins Politik gegenüber allen Menschen, die durch Kriminelle geschädigt wurden, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um diese vor Gewalt- und anderen Straftaten zu schützen", teilte GdP-Landeschef Stephan Weh am Freitag mit.

Nicht alle Fälle landen in der Statistik

Die umfangreiche Kriminalstatistik zeigt Schwerpunkte und Tendenzen im Bereich von Verbrechen und organisierter Kriminalität. Allerdings gibt sie nur den Teil der Straftaten wieder, der angezeigt oder sonst wie bekannt wird. Zahlreiche Ladendiebstähle, Gewalttaten etwa in Familien oder ein großer Teil des Drogenhandels landen nie in der Statistik.

Sendung: rbb24 Abendschau, 21.04.2023, 19:30 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Das Wahlalter auf 16 runtersetzen wollen, aber straffällig gewordene Jugendliche nicht ausreichend bestrafen. Das ist die Politik von RGR.
    Nur der Politik von RGR und der Justiz ist es zu verdanken,dass straffällig gewordene Jugendliche nicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in ausreichender Form bestraft werden.

    Es gab vor allem bei Tötungsdelikten ein Plus um 14 Prozent (2022: 114/2021: 100)
    Wie kann das sein? Interessant wäre mal zu erfahren, in welcher Gesellschaftsschicht die meisten Tötungsdelikte liegen.
    Das Problem fängt in der Erziehung (also Eltern)an und das hat nichts mit Sozielstand zu tun.

  2. 25.

    Man muss auch wollen. Wenn man Geld ohne Arbeit bekommt ist das doch Anreiz genug um nichts zu tun

  3. 24.

    Zur gleichen Statistik heisst es auf Welt:
    " Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen ohne ausländerrechtliche Verstöße hat sich hingegen von 39,4 Prozent auf 41,9 Prozent erhöht."
    Das ist doch ein Signal, die Eibürgerungen schnellstens voranzutrfeiben.

  4. 22.

    "Konsequenzen hat hier keiner so richtig zu befürchten - sind doch noch Kinder."
    So ist es und das wissen die "lieben" Kleinen auch sehr genau. Unter 14 sind sie nicht strafmündig, danach gibts Monate später ein "DU DU" vor Gericht und irgendwann, nach der xten Tat, ein paar soziale Arbeitsstunden.
    Ich vermute mal das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch vergrößern.

  5. 20.

    Oh Mann "Max" Sie leiden anscheinend unter Verfolgungswahn. Sie sollten sich dringend mal in ärztliche Betreuung begeben.

  6. 19.

    Die Politik,kann da helfend eingreifen,sicherlich In erster Linie ist doch das Elternhaus verantwortlich das ihre Kinder ordentlich lernen um einen Beruf zu ergreifen.Arbeit gibt es genug.Die schulischen Leistungen für eine berufliche Zukunft liegt aber auch an unsere ach so kluge Jugend.Die Politik scheint da eher ohne Konzepte,außer das sie kluge Reden halten.

  7. 18.

    @Max: "Pauschalisierungen sind immer dumm." Ist dieser Satz nicht auch eine Pauschalisierung? ;-)

  8. 17.

    Solange sich in Deutschland einfache Arbeit nicht lohnt, wird die Langeweile zu Straftaten verleiten!

  9. 16.

    Dann sind Sie also der Meinung, dass diese Straftäter zwar intelligent genug sind, Straftaten zu begehen aber zu doof, sich einen Job zu suchen ???

  10. 15.

    Was soll das? Ist nicht jeder für sich verantwortlich??? Was soll die Politik tun?
    Wieder alles auf andere schieben ohne Sinn und Verstand. Das ist dein Leben, mach was draus.
    Aber warum, wenn einem die Miete etc. bezahlt wird?

  11. 14.

    Wundert das nach irgend jemand?

  12. 13.

    Nein, klar ist hier nur was Tom, Torsten usw. hier forcieren will. Egal welche Namen sie benutzen, besser mißbrauchen, man erkennt sie stets an ihrer Rechtschreibung, Duktus und Inhalt.

  13. 10.

    Die Kriminalitätstatistik und Innenminister der Länder sagen eindeutig wer die Täter was Fr. Faeser (SPD) gern verschweigt und weiter forcieren will

  14. 9.

    " Wir haben einen Fachkräftemangel, ist das nicht Perspektive genug? "

    Wenn ich richtig informiert bin handelt es sich bei den straffällig gewordenen jungen Menschen oftmals um jene die auch in der Schule nicht gerade durch gute Leistungen oder Abschlüsse glänzen und daher sind die von Ihnen geschilderten freien Plätze für Fachkräfte eben nicht genug denn obwohl viele Arbeitgeber in ihren Ansprüchen schon zum Teil deutlich herunter gehen reicht das aber für viele Schulabgänger trotzdem nicht aus . Das ist keine Entschuldigung um straffällig zu werden aber die aktuelle Lage auf dem Arbeits und Ausbildungsmarkt . Nicht jeder kann Lehrer oder Arzt werden und auch in den meisten Handwerksberufen braucht man ein gewisses Grundwissen bzw. Talent .

  15. 8.

    Zustimmung!

    Bei diesem Thema muss ich immer an die verstorbene Neuköllner Richterin Kirsten Heisig denken und ihr Buch "Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter"
    M.E. eine verpasste Chance, indem man ihr Konzept - Täter zeitnah zur Verantwortung zu ziehen - kaum noch anwendet.

  16. 7.

    ...da ließ sich wohl nichts mehr nach unten rechnen. Aber man kann ja statistisch queer schieben. Ich vermute zukünftig noch ganz andere Steigerungspotentiale. Die Bedingungen dazu werden ja von vielen ahnungslosen bereitet.

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