Datenabfrage der Deutschen Bahn - Verbraucherschützer kritisieren neue Regelung bei Spartickets

Fr 15.09.23 | 14:29 Uhr
  17
Fahrgast mit Smartphone am Hauptbahnhof von Frankfurt Main am 02. Januar 2022. (Quelle: dpa/Daniel Kalker)
Bild: dpa/Daniel Kalker

Deutschlands Verbraucherschützer haben das Vorhaben der Deutschen Bahn kritisiert, ihre Spartickets im Fernverkehr nur noch bei Angabe einer Handynummer oder einer E-Mail-Adresse zu verkaufen. Die neue Regelung soll ab Oktober gelten.

Die Verbraucherzentrale begrüßt die generelle Bereitschaft zur weiteren Digitalisierung bei der Deutschen Bahn. "Der Digitalisierungszwang beim Verkauf von Fahrkarten am Schalter macht aus unserer Sicht keinen Sinn", sagte Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber rbb Super.Markt. "Die Deutsche Bahn sollte Digitalisierung zum Vorteil der Verbraucherinnen und Verbraucher machen. Doch mit dieser neuen Regelung schafft die Bahn eine Barriere für die Schwächsten in unserer Gesellschaft, darunter ältere Personen oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Die neue Regel ist definitiv unsozial", so Jungbluth weiter.

Barriere für die Schwächsten

Die Bahn verweist darauf, dass Tickets zum Flexpreis weiterhin ohne die Angabe von Handynummer oder E-Mail-Adresse buchbar sind. Tickets zum Flexpreis sind aber deutlich teurer als die zum Sparpreis. "Es besteht die Gefahr, dass diese Leute praktisch nicht mehr mit der Bahn reisen werden, das heißt sie werden von Teilhabe ausgeschlossen", sagt Marion Jungbluth. Sie geht zudem davon aus, dass der Flexpreis als nächstes von der neuen Regel betroffen sein wird.

Daten für bessere Reiseinformationen

Die Deutsche Bahn teilte am Mittwoch mit, Spartickets im Fernverkehr ab dem 1. Oktober auch in den Reisezentren und bei Agenturen nur noch bei Angabe einer Handynummer oder einer E-Mail-Adresse zu verkaufen. "Wir stellen weiter auf Online-Tickets um, weil wir die Kunden besser über ihren Reiseverlauf informieren wollen", sagte ein DB-Sprecher.

Die Änderung betrifft zunächst nur die Tickets zum Sparpreis der Bahn. Beim Kauf am Automaten gilt die neue Regelung nicht - allerdings wird auch nur ein sehr geringer Teil der Spartickets im Fernverkehr über diesen Weg verkauft. Auch für Fahrgäste, die schon jetzt über die Smartphone-App oder auf der DB-Website Tickets buchen, wird sich nichts ändern - hier sind die Kontaktdaten bereits im Kundenkonto hinterlegt.

Jeder dritte Reisende mit Verspätung

Die Bahn informiert Kunden seit einiger Zeit verstärkt per SMS oder E-Mail über ihren Reiseverlauf. Die Fahrgäste sollen nicht in letzter Sekunde überrascht werden, wenn auf ihrer Reise etwas schiefläuft. Dazu braucht der Konzern aber die Kontaktdaten der Menschen in Verbindung mit ihren aktuellen Reiseplänen. Der Service ist für die Fahrgäste oft sehr wichtig, weil immer wieder Zuge unpünktlich sind.

Fast jeder dritte Bahnreisende kam in Deutschland im vergangenen Jahr mit einer Verspätung von mindestens 15 Minuten ans Ziel. Das geht aus einer Auswertung des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage der Grünen hervor. Nur 70,6 Prozent der Reisenden im Fernverkehr hatten demnach keine oder nur eine geringe Verspätung.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 15.09.2023, 19:30 Uhr

17 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 17.

    Digitalisierung ist eben die Welt von Morgen und da habe ich mich auch angepasst und erledige fast alles im Internet und das im Alter von 75.
    Man muss es nur wollen und sich damit beschäftigen.

  2. 16.

    Wer die Bedingungen der DB AG nicht akzeptiert, kann ein anderes Verkehrsmittel nutzen. Wo ist das Problem?

    Deutschland braucht dringend mehr Digitalisierung. Kommt diese dann, wird natürlich gleich wieder gemeckert.

    Heutzutage können sogar alte Menschen sehr gut mit Handy, Internet ect umgehen. Wer es lernen möchte, für diejenigen gibt's überall Kurse

  3. 15.

    Ständig werde ich aufgefordert Bitte hinterlege deine Handynummer, bitte hinterlege eine Sicherheitsmailadresse usw. - je mehr Daten ich liefere, umso mehr sind verknüpfbar bis (Orwell o. Hayes - tel. nette erfindung, aber wer braucht das) zusendung meiner mtl. Strom Energieverbrauchsdaten vom Hausmeister per SMS o. Mail runter bis zum Tag u. wenn der Staat einfach mal präventiv Daten sammelt - der hat bei 24 Grad Heizung um 1 Uhr die angerufen u. dann beim wahl-o-mat 60 Proz. Überseinstimmung mit u. das war ja klar, der hatte doch schon 1978 die Partei xyz gewählt u. das auch noch in der Schule rumposaunt .... aber das ist ja manchen Menschen die per Smartphone ÜBs in der U-Bahn tätigen egal

  4. 14.

    genauso sieht es aus. Warum wird das immer nur auf die Älteren reduziert? Es gibt Menschen, die ihre Kontaktdaten nicht überall angeben wollen! (die damit auch verdammt recht haben). Es geht der Bahn mit Sicherheit nicht darum, die Kunden besser informieren zu wollen, sondern um für mehr Werbung Daten zu sammeln. Denn mit der Information klappt es es noch nicht mal im Zug, der einfach auf freier Strecke stehen bleibt ohne ersichtlichen und ohne Durchsage. Statt in die Datensammelei zu investieren, sollte in die Pünktlichkeit investiert werden. Oder in die Information auf der HP, ob der Zug in xy getauscht wird oder einfach ausfällt und doch in xyz einsetzt, anstatt die Verbindung als regulär dort anzuzeigen.

    Und im Übrigen: diejenigen, die sich jetzt digital so fit fühlen, dass sie hier anmaßende Kommentare gg. die Älteren schreiben, können in zwanzig Jahren genauso auf der Strecke bleiben und abgehängt sein!

  5. 13.

    Es gibt Menschen die haben einfach keinen Bock auf diese ganze Digitalisierung. Warum sollten diese Menschen ausgegrenzt werden??
    Klar schaffen es in anderen Ländern 90 Prozent der Bevölkerung ins Internet, z.B. in Dänemark.
    Aber dort wird man nicht gezwungen ein Smartphone zu besitzen um irgendetwas zu bekommen. Es ist dort vollkommen egal wie man bezahlt und womit man bezahlt.
    Ich persönlich werde bei diesem Zirkus, den die Bahn veranstaltet, um ein preiswertes Ticket zu bekommen, nicht auf die Bahn umsteigen und weiterhin mein Auto benutzen. Beim tanken brauch ich mir keinen Kopf machen wie ich die Rechnung bezahle und muss nicht irgendwelche Daten von mir preisgeben.

  6. 12.

    Besitze mehre Handys und Computer, wäre also ohne weiteres Inder Lage zu buchen und zu bezahlen.Bis auf den heutigen Tag begleiche ich aber meine Rechnungen bar oder am Automaten meiner Hausbank,also auf Rechnung und nicht im voraus.Bin aber auf diese Bahn nicht angewiesen und werde es auch nicht sein,da ich die Vorzüge meines PKWs weiterhin genieße.Mache mir auch keinen Kopf über Vorabresavierung.Ich steige ein ,fahre los und zu jeder Zeit.

  7. 11.

    Als Kann-Bestimmung wäre es gut, Reiseinformationen über Verspätungen usw. an seine Emailadresse bzw. Mobiltelefon zu bekommen. Aber niemand darf gezwungen werden, sich solches zuzulegen. Bekommt man dann wenigstens einen Papierausdruck der Fahrkarte oder geht der auch an Email oder Mobiltelefon? Das wäre für mich beides problematisch, weil ich Emailzugang nur zuhause an meinem PC habe und ich den nicht mit auf die Reise nehme und ob mein >15 Jahre altes Mobiltelefon die Fahrkarte anzeigen kann, weiß ich nicht. @Achim Fr 15:35 Uhr + Berliner Fr19:13 Uhr: Aufgrund ihrer Behinderungen schaffen das nicht alle. Niemand darf wegen Behinderung an der Teilhabe am öffentlichen Leben und an der Bus+Bahnnutzung eingeschränkt werden. @Verkehrsexbärde Fr 20:47 Uhr: Keinesfalls Reservierungspflicht für Züge. Meist wußte ich nicht, wann ich mit meiner Arbeit fertig werde und ob ich einen früheren oder späteren Zug schaffe. Demzufolge wußte ich auch nicht, für welchen Zug ich reservieren muß.

  8. 10.

    So nun ma uffgepasst: Die DB Fernverkehr AG ist nunmal nicht so ein Laden für Jedermann. Und nicht Jeder, schon gar nicht die Billigticketheimer, müssen den Fernverkehr der DB nutzen. Also, ich bin sogar für eine Reservierungspflicht in Fernverkehrszügen, so wie es in Frankreich für den TGV schon immer üblich war und ist. Je Früher dort das persönliche Ticket gebucht wird, desto preiswerter ist es. DAs wäre mal eine Maßnahme für entspanntes Reisen mit der DB - ohne den rollenden Mob.

    Wer Billig will - bekommt auch Billig. Wer bereit ist für guten Service zu zahlen, soll und wird ihn auch bekommen - und zwar personalisiert - ohne Umwege über eines Bahnhofsmissions-Notebook.

    Also DB - nochmal nachdenken bitte. Und Kundenkreise durch Preispolitik sensibilisieren.

  9. 9.

    Warum lernen denn die älteren nicht den Umgang mit diesen Medien? Meines Wissens ist dafür kein Hochschulabschluss erforderlich.

    Und, mit Verlaub, meine Fresse: In anderen Ländern schaffen es auch weit über 90 % der Bevölkerung ins Internet. Nur bei uns darf man von bloß niemandem ein Bisschen Einsatz erwarten.

    Wer es nicht schafft, mit einem Smartphone einen Sparpreis zu buchen, der kann das Geld, das er am Smartphonekauf spart, ja auch in den Normalpreis investieren.

  10. 8.

    Dass die Bahn so ein unsozialer Laden ist finde ich schon richtig unterste Schublade. Und so wollen die mehr Menschen dazu bewegen die Bahn zu nutzen? Die sollten sich was schämen, bestimmte Menschen einfach so zu nötigen.

  11. 7.

    Schade, dass wir Senioren immer mehr eingeschränkt werden am normalen Leben teilzunehmen. Weder Karten für die Messe, einige Lokale nehmen kein Geld mehr, die Supermärkte stellen auf bargeldlos um und jetzt auch noch die Bahn. Warum keine Möglichkeit, so zu bezahlen, wie man will.

  12. 6.

    Daran wird gearbeitet, aber noch lange Jahre. Andererseits gibt es ja hier so manch Touristen, der sich beklagt, dass er nicht höchstpersönlich über Verspätungen auf seiner Verbindung informiert wird. Die Abschaffung der Sparticket aus Automaten ist jedoch in der Tat ein Rückschritt.

  13. 5.

    Daran wird gearbeitet, aber noch lange Jahre. Andererseits gibt es ja hier so manch Touristen, der sich beklagt, dass er nicht höchstpersönlich über Verspätungen auf seiner Verbindung informiert wird. Die Abschaffung der Sparticket aus Automaten ist jedoch in der Tat ein Rückschritt.

  14. 4.

    Finde Ihre Aussage ganz schön anmaßend!
    Warum soll sich z.B. Omi nicht an einem Schalter die Zugverbindung ausdrucken lassen und ein Sparticket kaufen können?
    Also gibt es den Sparpreis nur für "Willige" und gegen "Freigabe" von Daten.

    Sie könnten natürlich auch der Omi an einem geliehenen Notebook in der Bahnhofsmission helfen, sich selbst die Verbindung rauszusuchen und ein Ticket zu bestellen. Nur so 'ne Idee.

  15. 3.

    Naja.. gibt schon ältere Leuts, die nicht so Internet- und technikaffin sind und für den Kauf einer Fahrkarte am Schalter eigentlich auch keine Telefonnummer oder Mailaddi bräuchten. Mir persönlich wärs egal. Ich habe eigens für Käufe online oder eben solche am Schalter einen Extramail-Account, dass nicht alles sowas auf meine rein private Mail geht.

  16. 2.

    Da man eine E-Mail-Adresse kostenlos bekommen kann und z.B. in der Bahnhofsmission kostenlos ein Notebook ausleihen kann, sehe ich keinerlei Problem damit, nur den Unwillen mancher sich an die heutige Zeit anzupassen

  17. 1.

    Wie wär es denn, wenn die Bahn statt sinnlos Telefonnummern zu horten, mal an ihrer Pünktlichkeit arbeiten würde? Frag ja nur...

Nächster Artikel