Berliner Hauptverkehrsader - Warum die Bauarbeiten auf der Landsberger Allee so lange dauern

Mi 10.04.24 | 10:20 Uhr | Von Anna Bordel
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Symbolbild: Strassenverkehr auf der Landsberger Allee zwischen der Vulkanstrasse und S-Bahn Landsberger Allee in Berlin. (Quelle: imago images/Contini)
Bild: imago images/Contini

Die Landsberger Allee ist ab Mitte April für fünf Jahre nur eingeschränkt befahrbar. Dass die Bauarbeiten so lange dauern, liegt daran, dass die Autos immer ein bisschen durchkommen sollen. Und daran, dass wir weiter trinken müssen. Von Anna Bordel

Die Hauptstadt mit Trinkwasser zu versorgen, ist wichtiger, als ständig überall gut mit dem Auto durchzukommen. Mit diesem Argument rechtfertigen die Berliner Wasserbetriebe, dass die Landsberger Allee, eine der Hauptverkehrsadern Berlins, ab Mitte April bis vermutlich Ende 2029 von Autofahrern nur teilweise nutzbar sein wird. "Ich glaube, dass der Hauptwert einer Gesellschaft ist, nicht überall freie Fahrt zu haben, sondern der Hauptwert ist immer gutes Trinkwasser zu haben", sagt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe.

Trinkwasser muss weiter fließen

Ab dem 15. April erneuern die Berliner Wasserbetriebe auf einem Abschnitt von zwei Kilometern zwischen dem S-Bahnhof Landsberger Allee und der Vulkanstraße die Trink- und Abwasserrohre. Die dort liegenden Rohre sind laut Wasserbetrieben mittlerweile teils 130 Jahre alt.

"Diese Leitungen haben nun wirklich ihren Lebensabend erreicht und bevor sie kaputt gehen, wollen wir sie gegen Neubauten austauschen", so Natz. Das dauert ihm zufolge vor allem deshalb so lange, weil das Trinkwasser auch während der Bauarbeiten weiter fließen muss. "Wir können immer nur in kleinen Abständen arbeiten, in denen eine neue Leitungen verlegt werden und dann der Umschluss von den alten auf die neuen Leitungen erfolgt", erklärt er.

Die Landsberger Allee ist nach Angaben der Wasserbetriebe eine der wichtigsten Lebensadern für die Wasserversorgung der Stadt. Allein durch die Trinkwasserrohre fließen der Mitteilung zufolge etwa elf Prozent des Berliner Wasserbedarfs - vor allem für Teile von Mitte, Friedrichshain, Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Weißensee.

Vollsperrung hätte weitere Baumaßnahmen zur Folge

Komplett für den Verkehr gesperrt ist die Landsberger Allee nicht, aber es sind teils nur zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung freigegeben. "Wir versuchen in guter Zusammenarbeit mit den Wasserbetrieben, die Landsberger Allee für den Verkehr offen zu halten", sagt Britta Elm, Sprecherin der Verkehrsverwaltung.

Den Verkehr vollständig lahm zu legen, hätte die Bauarbeiten zwar beschleunigt, dafür aber an anderen Stellen zu Chaos geführt. "Wenn die Landsberger Allee für mehrere Jahre komplett gesperrt wäre, wäre das schon schlimm. Die Leute würden sich Wege durch die Wohngebiete suchen, manche Strecken würden sich etablieren", so ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ).

Das hätte große Auswirkungen auf die Lebensqualität in den Wohngebieten und außerdem seien die Nebenstraßen nicht ausgelegt für viele Lkw. Eine Vollsperrung hätte laut VIZ zahlreiche weitere Baumaßnahmen zur Folge, diese Straßen wieder instand zu setzen.

Kaum Einschränkungen für ÖPNV

Erneuert werden vier Trinkwasser- und zwei Abwasserdruckleitungen. Dabei werden nicht alle Leitungen aus der Erde genommen, so Natz von den Wasserbetrieben. Ein Großteil der alten Rohrabschnitte werde stillgelegt und dann im Boden gelassen. "Auch wenn das komisch klingt bei einer Bauzeit von fünf Jahren: Diese Maßnahme verkürzt die Bauzeit", sagt Natz.

Auch wenn beim Verlegen der Rohre vor mehr als 100 Jahren noch nicht deutlich gewesen sein kann, wie wichtig die Landsberger Allee mal für den Verkehr in Berlin sein würde, würde man Trinkwasserroher vermutlich noch heute unter große Verkehrsstraßen legen, sagt Natz. Zwar müsse der Verkehr für die Zeit der Bauarbeiten eingeschränkt werden, dennoch kommme man an Rohre, die unter einer Straße lägen, eher einfach ran.

Der Bus- und Straßenbahnverkehr auf der Route soll durch die Baumaßnahmen übrigens kaum beeinträchtigt werden während der nächsten fünf Jahre.

Sendung: rbb24 Abendschau, 04.04.2024, 19:30 Uhr

Beitrag von Anna Bordel

12 Kommentare

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  1. 12.

    Ich glaub das kein Wort das es 5 Jahre dauert. Bisher sind so gut wie alle Bauarbeiten immer länger gesperrt als wie angekündigt. Das sieht man an der Treskowallee und Baumschulenstr. Sowie Köpenicker Landstraße und viele mehr. Das die BVG auch ihre bastel arbeiten da hat interessiert wohl kaum einen Verantwortlichen. Ich hoffe nur das alle Ampeln so wie Verschwenkungen im Einklang sind. Nur so kann rückstau verhindert werden, meiner Meinung. Es müssen alle mitspielen um mal wieder zu zeigen das Berlin auch richtig bauen kann wieder.

  2. 11.

    Kennen sie die Deutsche Bahn und ihre Wettbewerber? Somit wäre ihre einfache Frage einfach beantwortet.

  3. 10.

    Jetzt soll auch noch der Springbrunnen am Strausberg Platz saniert werden. Kann mir nicht vorstellen, das dort keine Fahrspuren wegfallen für die Zeit.
    Mal sehen.

  4. 9.

    Wie stellen Sie sich das vor? Jedem gehört ein Teil der Rohre? Reparieren muss der Eigentümer.Da gibt es auch keinen Wettbewerb

  5. 7.

    Wenn es in Berlin möglich wäre, angefangene Baustellen auch mal fokussiert fertig zu machen, dann wären in der Stadt sicher nicht gefühlt tausend verwaiste, den Verkehr behindernde Baugruben und Fahrbahnverengungen. Der Verkehr könnte fließen, die Leute würden sich nicht sofort ständig an die Gurgel gehen und vielleicht gäbe es auch weniger Emissionen? Dann wäre eine Kalkulation über fünf Jahre (das reicht doch nie und nimmer) vielleicht hinfällig? Aber vielleicht ist das auch nur naiv von mir.

  6. 6.

    Als Monopolist haben die Wasserbetriebe keinen Wettbewerb. Somit dauert alles, so lange wie es dauert. Ansonsten wäre diese Baustelle nach einem Jahr fertig.

  7. 5.

    Täglich mehrmals Stau in Malchow? Rund um die Uhr, teilweise auch in den Nachtstunden durch sinnlose Ampelschaltungen im Baustellenbereich. Ansonsten Passierdauer 30-45 Minuten. Aber wird ja offensichtlich noch schlimmer dort, wenn die Einbahnstraßenführung wegen der Baumaßnahmen eingeführt wird.

  8. 4.

    Ein Grund mehr, aus dieser kaputt gesparten Stadt zu verschwinden.

    An jeder Ecke Baustelle und jede Menge genervte Verkehrsteilnehmer, die anderen Verkehrsteilnehmern das Leben schwer machen.

    5 Jahre hier so eingeschränkt zu werden ist dann doch zu viel

  9. 3.

    Nehmen wir noch die B2 in Weißensee und in Malchow dazu. Dort ist derzeit wegen Bauarbeiten täglich mehrmals Stau. Die Strecke kann auch als Umfahrung (auf einer Hauptverkehrsstraße) der Baustelle Landsberger Allee hinter der Rhinstraße genutzt werden.

  10. 2.

    In der Bauzeit von 5,5 Jahren werden ca. 220.000 Berliner gestorben und ca. 250.000 Neu-Berliner nachgerückt sein.
    Kaum ein Berliner wird sich 2030 daran erinnern können, wie es ohne Baustelle war. [Sarkasmus aus]
    Dann wird Regenwassersammlung, Solaranlage über der Straße, alte Fernwärmeleitung und alter Straßenbelag fällig.

    Die A10 und A24 zwischen dem Autobahndreieck Pankow und er Anschlussstelle Neuruppin wurden in weniger als 5 Jahren unter laufendem Verkehr ausgebaut und modernisiert.

    Bis 2030 wird in Kairo (neue Hauptstadt) das höchste Gebäude der Welt fertig sein.

  11. 1.

    Die Vollsperrung der Landsberger Allee geht auch deshalb nicht weil gleichzeitig alle anderen großen Straßen im Osten der Stadt wegen Baustellen eingeschränkt oder unbefahrbar sind. Das haben Sie vergessen zu erwähnen. Marzahner Chaussee, B1/5, B 96a usw.

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