Archivbild: Der Zug der Neonazi-Demonstration anlässlich des 31. Todestages von Rudolf Heß zieht in Richtung des Bahnhofs Lichtenberg. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 20.11.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa

Neue Initiative gegen rechte Gewalt - Berlin will Neonazis gezielt vom Ausstieg überzeugen

Wenn Rechtsextreme mit ihrer Szene brechen wollen, haben sie oft einen schwierigen Weg vor sich. Mehrere Initiativen bieten Hilfe an. Nun soll in Berlin ein neuer Ansatz ausprobiert werden, um Neonazis direkt anzusprechen und vom Ausstieg zu überzeugen.

Im kommenden Jahr startet in Berlin ein neues Projekt, um Rechtsextreme zum Ausstieg aus der Szene zu bewegen. Das kündigte der Geschäftsführer der Organisation Violence Prevention Network, Thomas Mücke, am Mittwoch im Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses an.

Nach seinen Angaben geht es darum, in Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden gezielt als "gefahrenrelevant" geltende Rechtsextremisten anzusprechen, die noch nicht aus eigener Motivation aussteigen wollen. Ihnen sollen in direkten Gesprächen Ausstiegsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Thomas Mücke vom Violence Prevention Network, Archivbild (Quelle: DPA/Marijan Murat)
Thomas Mücke, Geschäftsführer der Organisation Violence Prevention Network | Bild: DPA

Diese "aufsuchende Tätigkeit" sei ein Bestandteil der "Strategie der 1.000 Nadelstiche", erläuterte Mücke, dessen Organisation in Deutschland Deradikalisierungsprojekte für Extremisten anbietet. "Wir versuchen den Extremismus zu schwächen, indem wir versuchen, ihm den Nachwuchs wegzunehmen."

Das Konzept der direkten Ansprache habe sich im Bereich des religiös geprägten Extremismus, also etwa des Islamismus, bereits bewährt, so Mücke. Ab 1. März 2020 solle es in Berlin nun auch bei Rechtsextremisten zum Tragen kommen.

Zahl der Rechtsextremen in Berlin marginal gesunken

Laut Verfassungsschutzbericht umfasste das rechtsextremistische Spektrum in Berlin 2018 etwa 1.410 Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr nahm es nur marginal um 20 ab. Rechtsextremisten zum Ausstieg zu bewegen und sie dabei zu begleiten, sei ein aufwendiger Prozess, sagte Fabian Wichmann von der Initiative Exit, die auf diesem Feld bundesweit aktiv ist, in einer Anhörung des Ausschusses.

Exit habe seit der Gründung im Jahr 2000 rund 750 Menschen beim Ausstieg aus rechtsextremistischen Organisationen begleitet, davon etwa 70 in Berlin. Zumeist handelte es sich um 18- bis 35-jährige Männer, Frauen sind mit 14 Prozent in der Minderheit.

Alle Betroffenen waren fünf bis zehn Jahre in der Szene aktiv, teils noch länger. Die Ausstiegsbegleitung dauere in der Regel zwei bis vier, manchmal bis zu sieben Jahre. Die Unterstützung reiche bis zur Verschaffung einer neuen Identität an neuem Wohnort. Offenbar trotz vieler Widrigkeiten auch mit Erfolg: Lediglich 16 der Betreuten seien seit 2000 rückfällig geworden, so Wichmann.

Mücke regt neue Beratungshotline an

Exit-Mitbegründer Bernd Wagner kritisierte in der Anhörung, dass Behörden bei der Re-Integration von Neonazis oft nicht hilfreich seien, weil es große Vorbehalte gegen diese Menschen gebe. Mitunter gebe es deshalb etwa Probleme, die Sicherheit der Betroffenen vor Attacken aus ihrer früheren Szene zu gewährleisten.

Mücke regte eine Beratungshotline für den rechtsextremistischen Bereich an. Auch Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte Mitte Oktober ein solches Angebot vorgeschlagen, an das sich Angehörige, Freunde, Bekannte oder Lehrer wenden können, wenn sich in ihrem Umfeld jemand radikalisiert. Für Fragen zur islamistischen Radikalisierung gibt es bereits ein Beratungstelefon.

Sendung: Abendschau, 20.11.2019, 19.30 Uhr


Kommentarfunktion am 22.11.2019 um 17:29 Uhr geschlossen

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17 Kommentare

  1. 17.

    Welche Nazisympathisanten hier diffamieren, verunglimpfen und ihr eingeschränktes Weltbild verbreiten wollen ist klar ersichtlich.

    Wenn man ein über gefestigtes rechtsradikalen Weltbild verfügt und deshalb hier versucht die Diskussion entgleisen zu lassen, dann sollte man anderen nicht Scheuklappen vorwerfen und erst recht nicht von Größe sprechen.

  2. 16.

    Ja, wenn einem die eigene Wahrnehmung den Blick verstellt und man sich gegen die Realität stemmt:
    Bundesverfassungsschutzbericht 2018 googeln, PDF heruntergeladen und sich ab Seite 106 der schmerzlichen Realität stellen. Da sind die steigende Anzahl linksradikaler Gefährder aufgelistet.
    Ich weiß, Sie und ihresgleichen werden selbst die verbrieften Daten anzweifeln, aber so sieht eben die Welt aus, wenn man seine Scheuklappen abnimmt.
    Ich erwarte von Ihnen keine Entschuldigung für Ihre permanente Diffamierung, Verunglimpfung und den Beleidigungen anderer Meinungen - die Zahlen stehen für sich.
    Auch fehlt Ihnen dafür die Größe.

  3. 15.

    Anscheinend sind Hinweise auf den BKA -Bericht nicht erwünscht.
    Lieber darf @Berliner weiter diffamieren, verunglimpfen und sein eingeschränktes Weltbild verbreiten. Wie in anderen Foren mit politischen Bezug.
    So kommt es zu keinem Meinungsaustausch - vielleicht ist ja vom RBB gewollt?

  4. 14.

    "Quelle ist genannt. Kann jeder selber nachlesen."

    Na dann lesen sie mal. Mal von dem dem plumpen whataoutism abgesehen bestätigt die Quelle nicht sie getroffene Aussage.

  5. 13.

    Auch ihre Behauptung wird durch Wiederholung nicht wahrer. Es gibt nicht DIE Antifa. Und gegen Nazis sein sollte in unsere Republik selbstverständlich sein. Abgesehen davon geht es in diesem Artikel nur! um Aussteiger aus dem rechten Milieu- da hilft keine Ablenkung: aber die böse Antifa. Und als sogenannte linke Gewalt zählt eine Sitzblockade gegen Nazi-Demonstrationen. Deswegen die hohen Zahlen angeblich linker Gewalt. Bei rechter Gewalt findet sich für Polizei und VS ja häufig ein Grund es als unpolitisch anzusehen.

  6. 12.

    Quelle ist genannt. Kann jeder selber nachlesen.

    Gibt es denn Programme zum Ausstieg aus dem linksextremen Milieu?

  7. 11.

    Lügen aus dem rechtspopulistischen bis -extremen Spektrum werden durch Wiederholungen nicht wahrer. Sie sollten sich angewöhnen ihre Behauptungen mit Belegen und Beweisen zu untermauern.

    So bleibt es, wieder einmal, nur bei dem primitiven Versuch des whataboutism.

  8. 10.

    Gute Aktion, sollte man auch bei den Linksvermummten von der Antifa versuchen. Und Indymedia wirklich verbieten, statt nur so tun, als täte man es.

  9. 9.

    Das ist ein liebenswerter Ansatz.
    Wer aber, bewegt die Mitglieder und Mitläufer Linke Szene dazu auszusteigen. Nach den Angaben des Bundeskriminalamtes aus 2018 gab es bei weitem mehr Übergriffe auf Personen und Sachwerte aus dem Linken Spektrum. Tendenz steigend.
    Was legt da der rot-dunkelrot-grüne Senat für Programme auf?

  10. 8.

    Richtig, aber "Bürgerlich konservative Patrioten" sind ein anderes Kaliber, leider.

  11. 7.

    Es ist schon beachtlich, wie simpel strukturiert die Sicht von Einigen auf die Dinge sind: Dr. Martin, Fred Perry, New Balance - Dresscode für Nazis?
    Wohl die ASS-Broschüre verinnerlicht?
    Das das aber Marken sind, die Hippers und Kreative anziehen, erschließt sich denen wohl nicht. Dafür werden sie unisono als Nazis diffamiert. Wie schon geschrieben: so simpel strukturiert ist die Sicht von Einigen.

  12. 6.

    Das ist ein liebenswerter Ansatz.
    War aber, bewegt die Mitglieder und Mitläufer Linke Szene dazu auszusteigen. Nach den Angaben des Bundeskriminalamtes aus 2018 gab es bei weitem mehr Übergriffe auf Personen und Sachwerte aus dem Linken Spektrum. Tendenz steigend.
    Was legt da der rot-dunkelrot-grüne Senat für Programme auf?

  13. 5.

    Selbst solche Hardcore-Nazis wie Schlaffer oder Hasselbach haben das geschafft. Gut, das sind prominente Einzelfälle, aber ich finde schon, dass das auch Signalwirkung hat. Zumal die auch noch in der Prävention arbeiten. Damit sollte man sie auf jeden Fall nicht alleine lassen, sondern breitestmöglich unterstützen. Aufgeben ist nicht!!

  14. 4.

    Selbst solche Hardcore-Nazis wie Schlaffer oder Hasselbach haben das geschafft. Gut, das sind prominente Einzelfälle, aber ich finde schon, dass das auch Signalwirkung hat. Zumal die auch noch in der Prävention arbeiten. Damit sollte man sie auf jeden Fall nicht alleine lassen, sondern breitestmöglich unterstützen. Aufgeben ist nicht!!

  15. 3.

    Genau die einfallslosen Kiddies finden heute auch Dr. Martens geil.

  16. 2.

    Das dürfte schwer werden diese verblendeten, und fehlgeleiteten zu überzeugen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

  17. 1.

    Werter RBB,
    als Symbolbild für Neonazis sollten nicht immer wieder Stiefel herhalten. Die wenigsten AfD- oder NPD-Leute laufen in solchen Stiefeln herum und sie haben auch keine Glatze.

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