Kurswechsel der Verkehrsverwaltung - Friedrichshain-Kreuzberg hat rechtliche Zweifel an Anordnung zu Radwegen

Do 22.06.23 | 17:39 Uhr
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Sondernutzung im Straßenverkehr, mit Warnbaken geschützte Fahrstreifen für Radfahrer, Friedrichshain (Quelle: dpa/Karl-Heinz Spremberg)
Audio: rbb24 Inforadio | 23.06.2023 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/Karl-Heinz Spremberg

Verkehrssenatorin Schreiner (CDU) will zahlreiche Radwegprojekte in Berlin auf den Prüfstand stellen. Besonders die Grünen laufen dagegen Sturm. Ein von ihnen regierter Bezirk schaltet jetzt sein Rechtsamt ein.

  • Friedrichshain-Kreuzberg überprüft Anordnung der Verkehrsverwaltung
  • Bezirksbürgermeisterin verweist auf beschlossenen Haushalt
  • Verkehrsverwaltung: Es geht nur um in Planung befindliche Projekte

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lässt von seinem Rechtsamt prüfen, ob die Anordnung der Senatsverkehrsverwaltung zu Einschränkungen beim Radwege-Bau rechtlich bindend ist. "Ich stelle infrage, ob es dafür zumindest für das aktuelle Haushaltsjahr eine Rechtsgrundlage gibt", sagte Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

"Es gibt einen durch das Abgeordnetenhaus beschlossenen Haushalt. Und es gibt keine Haushaltssperre, die die Senatsfinanzverwaltung erlassen hätte", argumentiert Herrmann. Das stelle infrage, ob eine Senatorin einfach so vom Parlament beschlossene Mittel aus dem laufenden Haushaltsjahr außer Kraft setzen dürfe. "Und das prüfen wir jetzt."

Herrmann: "Viele Details sind unklar"

Die Verkehrsverwaltung hatte am Freitag mitgeteilt, gestoppt werden sollten Radverkehrsprojekte, die eine "erhebliche Beeinträchtigung von Wirtschafts- und Lieferverkehr" zur Folge hätten, für die mehrere Autostellplätze wegfallen müssten oder die dazu führen würden, dass Fahrstreifen und Bussonderfahrstreifen wegfallen würden.

In einem Schreiben an die Bezirke von Dienstag heißt es, die Leitung der Verkehrsverwaltung habe entschieden, alle bisher von der Senatsverwaltung erteilten Finanzierungszusagen für das laufende und alle künftigen Haushaltsjahre temporär außer Kraft zu setzen. Diese Regelung gelte ab sofort für alle Maßnahmen, für die noch keine vertraglichen Verpflichtungen zur Umsetzung der eigentlichen Baumaßnahmen eingegangen wurde.

Viele Details seien weiterhin unklar, beispielsweise, ob es der Senatsverwaltung nur um Radwegeprojekte an Haupt- oder auch an Nebenstraße gehe, kritisierte Herrmann. Die Bezirke seien aber aufgefordert worden, der Senatsverwaltung bis Ende des Monats mitzuteilen, welche Vorhaben bei ihnen betroffen seien.

Grüne Stadträte fühlen sich widersprüchlich informiert

Auch von den Grünen und Linken im Berliner Abgeordnetenhaus gibt es deutliche Kritik am Vorgehen von Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU). Grünen-Landeschef Philmon Ghirmai und grüne Stadträte aus acht Bezirken teilten am Donnerstag mit, sie seien entsetzt über das Gebaren der Verkehrsverwaltung. "Täglich erreichen die Bezirksverwaltungen neue E-Mails und Informationen mit teils widersprüchlichen Informationen, die immer neue Fragen aufwerfen", kritisierten sie. Antworten gebe es keine.

Die Planungen für neue Radwege basierten auf einem komplexen Abwägungsprozess. "Wir Grüne, die in den Bezirken Verantwortung für die Verkehrssicherheit von zahllosen Menschen tragen, sind entsetzt darüber, dass alle diese fachlichen Prozesse nun von der Senatorin jäh gestoppt wurden."

Viele Fragezeichen um Ollenhauerstraße

Welche Folgen das Umsteuern der Verkehrsverwaltung beim Radwegebau im Detail hat, ist derweil noch schwer abzusehen. Aktuell lasse sich noch keine Größenordnung nennen, um wie viele Radwege es geht, teilte die Verkehrsverwaltung am Mittwoch mit. "Zurzeit erfolgt eine Bestandsaufnahme mit nachfolgender Überprüfung der Radwegeprojekte."

In Reinickendorf ist in dem Zusammenhang ein neuer, fast fertiger Radweg zum Gesprächsthema geworden, der nun nicht genutzt werden könnte. Auf der Ollenhauerstraße sind die weißen Zeichen auf dem Asphalt, die den Radweg markieren sollten, inzwischen mit gelben Kreuzen überklebt.

Bei der angekündigten Priorisierung gehe es aber um Projekte, die in der Planung seien, nicht um bereits umgesetzte, hieß es dazu aus der Verkehrsverwaltung. Verkehrssenatorin Schreiner selbst antwortete am Mittwoch auf die Frage nach der Ollenhauerstraße und möglichen Rückzahlungen von Fördermitteln, dazu könne sie nichts sagen. "Ich kenne das Projekt gar nicht so ganz genau."

Sendung: rbb24 Inforadio, 23.06.2023, 7:30 Uhr

64 Kommentare

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  1. 64.

    "Grünen-Landeschef Philmon Ghirmai und grüne Stadträte aus acht Bezirken teilten am Donnerstag mit, sie seien entsetzt über das Gebaren der Verkehrsverwaltung. - Entsetzen hatten auch andere Berlinlebenden bei Ankündigungen zu Absichten von Jarasch und Ex-Senat, blieben ja auch unbeachtet.
    Und Corona ist zum Glück auch kein Alibi mehr (siehe Popup-Radwege).
    Die Aussicht das da Vieles für mindestens die nächste drei Jahre ausgesetzt ist stimmt mich froher.

  2. 63.

    Ihr Kommentar ist Klasse.....Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
    Ich fahre gerne Auto.

  3. 62.

    > handelt es sich hier wohl um eine Aktion der Stadtregierung, zu der die Verkehrssetnatorin befugt ist,
    ist sie nicht.
    Die Verkehrssenatorin ist nicht für die Planung und bauliche Umsetzung von Radwegen rechtlich zuständig und kann die Umsetzung von Planungen, die auch schon 'durchfinanziert' sind, nicht per Orde del Mufta verhinder.

    Die Radwege, um die es hier geht, wurden aufgrund von Vorbedingungen nach dem StVG geplant und dann umgesetzt.
    Diese zu entfernen würde ein Verstoß gegen Bundesgesetz bedeuten, die doch die CDU gegen die Landesfürsten so gerne vorbringt.

    Der Radweg an der Ollenhauer ist zum Beispiel als Sicherheitsgründen für die Radfahrer erforderlich, und bei Sicherheitsgründen sind Parkplätze das allerletzte, was eine Rolle spielt.

  4. 61.

    >> Ich habe früher gelernt einfach nur auf der rechten Seite zu fahren.
    was ganz einfach gefährlich ist.
    Man kann gegen sich öffnende Türen stoßen, was zu scheren, schmerzhaften Verletzungen oder gar den Tot führt, man wird von Autofahrern, die eben nicht aufpassen, zu dicht überholt.
    Rechts fahren nur Radfahrer, die keine Ahnung haben, wie man sicher im Verkehr unterwegs ist.
    Und, etwas böse gesagt, an ihren Unfällen wirklich mit Schuld tragen. Mit ihrem fehlerhaften Verhalten provozierende sie andere zu Fehlern, die für sie selber die größte Gefahr darstellen.

  5. 60.

    Max, warum gehen sie nicht in die Politik, bei soviel Sachverstand?, hier rum Posaunen und soviel Leute belehren ist doch sicherlich sehr anstrengend, das können sie in einem Parlament am Mikrofon viel besser, und da hören dan alle zu, denke ich mal.

  6. 59.

    Was die Verkehrssenatorin hier entscheidet zeugt bestenfalls von Unfähigkeit. So wird Sie jedenfalls keine Menschen zusammen führen. Und das hatte ich von ihr verhofft.

  7. 58.

    Kai Wegener ist endlich ein Bürgermeister, der es schafft Klaus Wowereit kompetent aussehen zu lassen.

  8. 57.

    Hier war gestern mal wieder der bekannte nickklau unterwegs... immer wieder an seiner Rechtschreibschwäche und Duktus erkennbar.

    Martina hat einen völlig anderen Schreib- Diskussionsstil.

  9. 55.

    Mein Namensvetter hat zwar zugespitzt formuliert aber wo sehen sie "Horrorszenarien" oder gar "einen geben, der pauschal das Auto verteufelt"?

    Und stimmt, ein E-Auto hilft nicht viel in der Stadt wo Platz endlich ist.

  10. 54.

    Es muss immer einen geben, der pauschal das Auto verteufelt. Horrorszenarien aufzeigt für die es nur einen Schuldigen geben darf.
    Selbst ein E-Auto hilft da nicht… es ist ein Auto und das ist böse in jeder Form.
    Es ist nicht hilfreich alles andere auszublenden… ist böse=muss weg…. Ist zu kurz gedacht. Es hängt eine Menge mehr als „Rattenschwanz“ dran.

  11. 53.

    Sie sind halt wie die cDU in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stehengeblieben.

    Mal abgesehen von der Verkehrsdichte hat seitdem eine Menge getan. Nur noch nicht genug für Radfahrer.

  12. 52.

    Es ist schön zu sehen, wie diese ideologische Posse ihren Lauf nimmt. Hauptsache es geht gegen die "grünen veganen Radfahrer*innen" (das ich gender, wird auch wieder aufregen, aber ich bin es gewohnt). Die Kommentare hier zeigen es deutlich, Radfahrer*innen sind selber schuld, wenn es zu Unfällen kommt, die sollen besser aufpassen, etc. Tote reichen nicht aus, um zum Umdenken zu kommen. Es ist traurig und zugleich ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft dieses nicht anzuerkennen und etwas ändern zu wollen.

  13. 51.

    Ich bin Enttäuscht von der Verkerspolitik in Berlin. Es werden Radwege gebaut und die Schwerbehinderten werden vergessen. Wo sind die Behinderten Parkplätze.
    Das ist ein Armutszeugnis für Berlin.

  14. 50.

    Ich habe früher gelernt einfach nur auf der rechten Seite zu fahren. Da brauche ich keine bevormundeten bunten Radwege. Und wenn ich als Radfahrer auch auf die Verkehrsgesetze achte und umsichtig,vorausschauend fahre klappt das schon über 50ig Jahre.

  15. 49.

    Die Elektrolastenfahrer, die einem mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit vom Bürgersteig klingeln, weil sie glauben, daß Max und Moritz in der Sänfte, Grund genug sind, die Straße nicht zu benutzen.

  16. 48.

    Vorweg: ich habe nichts gegen Radwege. Aber der am Adlergestell ist "realer Irrsinn xxl" Dort sind keine Fußgänger unterwegs, weil rechts nur das Bahngeände ist. Und Radfahrer haben wir auch keine gesehen. Man hätte auch einen gemeinsamen Rad- und Gehweg machen können, wie auf anderen Straßen auch (z.B. Ruschestr.). Aber hunderte von Pollern im Abstand von jeweils ca. 1m aufzustellen, ist nicht nur teuer sondern übertrieben.

  17. 47.

    Macht doch aus ganz Kreuzhain eine große Fahrradzone. 'n Zaun drum, Ein- oder Austritt verlangen und sehen wie sich das so entwickelt. Bevor auch nur ein Radweg neu gebaut wird, sollten die Vorhandenen erstmal gründlich saniert und teilweise lebensgefährliche Kreuzungen so beregelt werden, das sich Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer nicht ständig in die Quere kommen. Auch wäre schön, das eingesparte Geld zum Teil für Nachschulungen bei Firmen für Baustelleneinrichtungen zu verwenden. Was diese Schilderschubser teilweise abliefern ist jenseits von Gut und Böse. Wenn dann noch Geld übrig ist, was ich bezweifele, können gern idiotologische Radwegträume umgesetzt werden.

  18. 46.

    Das kostet alles massig Kohle, da finde ich es gut, wenn man mind. zwei Mal schaut, gerne auch aus einer anderen Perspektive! Spagat deshalb, weil der wahre Konservative versucht das Ganze im Blick zu haben, eine Art gemeinsamen Nenner zu finden, es geht um das Miteinander und Rücksichtnahme (nicht nur im Straßenverkehr)und nicht um Polarisierung. Jeder wird wohl in seinen Interessen Opfer bringen müssen, Kompromisse sind gefragt! Das drumherum ist Gesellschaftl. Beiwerk! Wenn es hitzig ist,fahre ich nicht breitbeinig durch die Straßen,wie mancher Verkehrsteilnehmer im-überspitzt gesagt,"Uwe Ampler" - Dress oder überhole provokant und finde auch, dass Kopfhörer tragen auf dem Bike gefährlich ist ..
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  19. 45.

    Ich habe ihnen bereits geantwortet. Und auf ihren zweiten dummen Versuch werde ich nicht eingehen.

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