Sicherheit auf den Straßen - Berliner Verkehrssenatorin spricht sich für Helmpflicht für Radfahrer aus

Di 05.09.23 | 15:54 Uhr
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Symbolbild:Fahrradfahrer fahren auf einem Radweg in Berlin-Friedrichshain.(Quelle:dpa/F.Sommer)
Video: rbb24 Abendschau | 06.09.2023 | Antje Tiemeyer & Norbert Siegmund | Bild: dpa/F.Sommer

Wenn es nach der Berliner Verkehrssenatorin geht, sollten Radfahrende einen Helm tragen müssen. Genau wie ihr Brandenburger Amtskollege spricht sie sich für eine Helmpflicht aus. Der ADFC befürchtet dadurch eine geringere Nutzung von Rädern.

Die Berliner Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) befürwortet eine Helmpflicht für Radfahrer. "Die Helmpflicht wäre ein sinnvoller Beitrag für mehr Verkehrssicherheit", sagte sie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Je häufiger und schneller man auf dem Fahrrad unterwegs sei, umso besser könne ein Helm vor schweren Verletzungen schützen.

Brandenburg auch für Helmpflicht auf dem Rad

Eine Helmpflicht könnte allerdings nur auf Bundesebene geregelt werden, nicht für ein Bundesland allein. Die Verkehrsverwaltung empfiehlt aber aus Gründen der Verkehrssicherheit, einen Schutzhelm zu tragen.

Auch der Brandenburger Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) hatte sich am Montag für eine Fahrradhelmpflicht ausgesprochen. Er sei sich zwar bewusst, dass einige Bürger darin eine Freiheitsbeschränkung sehen könnten, sagte der Minister. Dennoch sei eine Debatte über diese Helmpflicht notwendig, sagte Beermann. "Ein Radfahrer ist längst nicht so gut geschützt wie ein Autofahrer. Bei Unfällen ohne Helm kann man sich schwere Kopfverletzungen zuziehen."

ADFC gegen Helmpflicht für Radfahrende

Widerspruch kam vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). "Bei der Einführung einer Helmpflicht geht die Nutzung des Fahrrads zurück, wie Zahlen zum Beispiel Kanada belegen", sagte der stellvertretende Brandenburger Landesvorsitzende Christian Wessel am Montag laut Mitteilung. So könne die Verkehrswende nicht gelingen, meinte er. "Wie sicherer und attraktiver Radverkehr funktioniert, kann man in den Niederlanden sehen: Erstklassige Infrastruktur, viele Radfahrer, niemand trägt dort einen Helm."

Daher sei es vordringlich, den Straßenraum neu zu ordnen, betonte Wessel. Denn bislang seien die Straßen nur auf den Autoverkehr ausgerichtet. "Sicherer Radverkehr braucht eigene, gute Wege und Tempo 30 auf innerörtlichen Straßen, damit Jung und Alt sicher mit dem Rad unterwegs sein können."

Grüne und AfD lehnen Schreiner-Vorstoß ebenfalls ab

Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus sind ebenfalls gegen eine Helmpflicht. "Radfahrende schützt man durch geschützte Radwege, durch Tempo 30 und durch Schulstraßen", erklärte der Fraktionsvorsitzende Werner Graf am Dienstag auf der Plattform X (vormals Twitter). Er warf der Verkehrssenatorin vor, mit der Diskussion davon abzulenken, dass sie nichts für die Verkehrssicherheit in Berlin tue.

Kritik kommt auch von der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Deren verkehrspolitischer Sprecher, Rolf Wiedenhaupt, sagte laut einer Mitteilung, natürlich sei es ratsam, beim Radfahren einen Helm zu tragen. Eine Pflicht wäre aber nicht nur kontraproduktiv für die Entwicklung des Radverkehrs. Es wäre zudem "eine weitere Anmaßung eines Staates, der seine Bürger offenbar für unfähig hält, auf sich selbst zu achten".

Sendung: rbb24 Abendschau, 06.09.2023, 19:30 Uhr

209 Kommentare

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  1. 209.

    Ich bin für eine Helmpflicht. Der ADFC agiert wie damals der ADAC zum Thema Tempolimit; der ADAC hatte ein Einsehen. Ich fahre lieber mit Helm und seit dem auch viel öfter mit dem Rad. Der ADFC liegt in der Sache als Lobbyistenverein klar falsch. Es werden auch immer mehr, die auf dem Rad Helm tragen - weiter so.

  2. 208.

    Ich habe leider mehrere Verunfallte ohne Helm sehen müssen und weiß aus Erfahrung, dass ein Helm, richtig getragen, den Kopf schützt. Ihre Einlassung zur Pseudosicherheit dürfen Sie gerne allen Unfallärzten der Notaufnahmen in Krankenhäusern vortragen.

  3. 207.

    "Ein Radfahrer ohne Führerschein, kann nichts anwenden, da keine Verkehrskenntnisse vorhanden. "

    Ich erlebe es immer wieder dass Autofahrer nicht den Unterschied zwischen benutzungs- und nicht benutzungspflichtigen Radweg kennen, obwohl es die Novelle schon seit Jahren gibt. Auch bei den vielen Rasern und Falschparkern kann man nicht von "Verkehrskenntnissen" sprechen.

    "Die Haltung vom ADFC ist eine Katastrophe! " Nein, absolut nachvollziehbar wie ich zweifelsfrei bewiesen habe. Ein Helm bietet Pseudosicherheit.

  4. 206.

    Kennzeichenpflicht ist überfällig sowie StVO-Kenntnisse wenn man am Verkehr teilnimmt

  5. 205.

    Individualer Autoverkehr gehört nicht in die Stadt. Das ist die Lösung für viele Verkehrsprobleme.

  6. 204.

    Sehe ich ähnlich. Hatte mal ein gutes Gespräch mit einem Polizisten. Der sagte: Man kann nur die Verkehrskenntnisse anwenden die man kennt.
    Ein Radfahrer ohne Führerschein, kann nichts anwenden, da keine Verkehrskenntnisse vorhanden.
    Die Haltung vom ADFC ist eine Katastrophe!

  7. 203.

    Interessant, diejenige, die den Ausbau sicherer Radwege ausbremst, will aber denjenigen, dann noch Helme verordnen. Das ist auch super. Anstatt Radfahrer durch geeignete Wege zu schützen, sagt sie halt sie sollen sich gut anziehen, auf andere Weise!

  8. 202.

    Noch mehr Vorschriften?
    Ohne mich...

  9. 201.

    Was nützt das, wenn z.B. dich die Fahrer, an der Kreuzung 10 Meter vorher überholen, dann rechts Abbiegen, um dann auf die Bremse zu treten, weil da noch Fußgänger sind. Wäre ich nicht ständig dort unterwegs. wäre ich schon längst Invalide. 15 bis 20 km/h in der Innenstadt wäre angemessen. Zumindest an Kreuzungen eine Stoppflicht an Kreuzungen beim Rechtsabbiegen.

  10. 200.

    Nicht nur die Helmpflicht, auch die Pflicht eine Haftpflichtversicherung abzuschließen wären sinnvolle Maßnahmen.

  11. 199.

    Ja Als regemäßiger Mad Heft Leser, vor 45 Jahren, zum Fremdschämen.

  12. 198.

    Wenn die meisten keine Rekorde mit gesenkten Kopf als erstrebenswertes Ziel ansehen, ist es bequemer mit dem Fahrrad zu Fahren zumal wenn der Verkehr zugunsten der Fahrräder gestaltet ist.

  13. 197.

    Mal nachgedacht, ob dann nicht eine Forderung nach MEHR (und sicheren!) PLATZ deutlich sinnvoller ist, als behelmte Menschen gegeneinander um den zu engen Raum kämpfen zu lassen??
    Und ja, ich trage freiwillig Helm. In NL habe ich bei Stadtausflügen keine getragen, weil ich sicher war.

  14. 196.

    Nein, eine Airbagpflicht gibt es tatsächlich nicht. Allerdings ist der Airbag in gut 92 Prozent der Fahrzeuge (besonders in Neufahrzeugen) enthalten und gilt durchaus als Teil der Grundausstattung. Muss der Airbag irgendwann ausgetauscht werden? Auch eine Austauschpflicht gibt es nicht.

  15. 195.

    Radpiloten sind Radfahrer die schneller fahren als sie gucken können,egal wo ,egal wie,ob auf dem Bürgersteig,an der Bushaltestelle,im Park oder auch einmal über ehemals schöne ruhige Wanderwege.Egoisten perse.Neueste Fahrradtechnologie, ohne Beleuchtung,Bremsen scheinen genauso wie der Verstand zu fehlen
    Da fahr ich lieber gemächlich mit meinem 80 er Jahre Bike ,aber Straßenverkehrsordnungskonform auf dem Fahrradweg.Aber auch dort wird man von diesen Raudys als Hindernis angesehen und bedrängt.
    Ruecksichtname lernt man in einem guten Elternhaus,aber da hat es wohl bei so manchem gehapert.

  16. 194.

    "Die Ablehnung des ADFCs erinnert an die Haltung des ADACs bei der Einführung der Anschnallpflicht beim Autofahren."

    Das ist völliger Unsinn. Sehen sie sich die Zahlen der getöteten Autofahrer vor der Anschnallpflicht an, da sind wir zum Glück bei Radfahrern meilenweit entfernt.

    Die Gurtpflicht war eine Forderung der Versicherer.

  17. 193.

    Zitat: "Warum will Italien dann gerade sein Tempolimit auf Autobahnen erhöhen? Haben die andere Experten?"

    Sie wissen schon, wer der Italo Verkehrsminister ist, Björn? Falls nicht, es ist der Rechtsaussen Matteo Salvini von der Lega (Nord), der sicher ein anderer Experte als die hierzulande agierenden Personen ist, und dem das Auto näher als dieser "links-grüne" Unsinn der Verkehrswende etc. stehen dürfte.

  18. 192.

    Ihre permanenten Lügen werden durch ständigen Wiederholungen auch nicht wahrer. Es gibt kein Tempolimit und auch keine Absicht eines einzuführen.

    M. Van den Hoorst – Beigeordnete für Verkehr, Transport & Luftqualität, Amsterdam:

    "Wir arbeiten daran, Radwege zu verbreitern und die Stadt fahrradfreundlicher und sicherer zu machen."

    "Ein separates Tempolimit auf Radwegen, abweichend vom Tempolimit der daneben verlaufenden Straße ist in der nationalen Niederländischen Gesetzgebung nicht vorgesehen. Um solche Radwege-spezifischen Regelungen einführen zu können, beschreibt Melanie Van den Hoorst, müsste dafür zunächst eine Grundlage auf nationaler Ebene geschaffen werden."

    Sie ein notorischer Lügner.

  19. 191.

    Nur dass in Autos Sicherheitsgurte und Airbags bereits vorgeschrieben sind, um (Kopf)Verletzungen zu vermeiden.
    Die Ablehnung des ADFCs erinnert an die Haltung des ADACs bei der Einführung der Anschnallpflicht beim Autofahren.

  20. 190.

    Mit welcher Begründung oder einfach nur "so" um möglichst viele vom Radfahren abzuhalten?

    Man braucht sich hier nur solche "Kommentare" ansehen um zu sehen wen die Autolobbyistin von der cDU ansprechen will.

    Autofanatiker und Stammtischproleten.

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