Kontrollen gegen Schleuserkriminalität - Polizei greift laut Stübgen mehr als 500 Geflüchtete in zwei Wochen auf

Mo 25.09.23 | 20:34 Uhr
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Eine Gruppe von Migranten aus Syrien und der Türkei sitzt neben einem Einsatzfahrzeug der Polizei in Sachsen (Foto: dpa/Baier)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 25.09.2023 | Thomas Bittner | Bild: xcitepress

Immer mehr Menschen kommen illegal über die deutsch-polnische Grenze. Die Polizeipräsenz wurde in Brandenburg jüngst verstärkt, Innenminister Stübgen zieht nun Bilanz. Unterdessen kündigt Bundesinnenministerin Faeser zusätzliche Kontrollen an.

  • Innenministerium spricht von zunehmender illegaler Migration nach Brandenburg
  • Stübgen fordert nun auch Schengen-Notfall-Mechanismus für sofortige Kontrollen
  • Faeser kündigt zusätzliche Kontrollen an Grenzen zu Polen und Tschechien an

Der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen (CDU) hat eine Zwischenbilanz der Polizeikontrollen an der Grenze zu Polen gezogen. Seit knapp zwei Wochen führt dort neben der Bundespolizei auch die Landespolizei Kontrollen durch. Dabei seien 550 geschleuste Personen festgestellt worden, sagte Stübgen am Montag bei einem Besuch im Spree-Neiße-Kreis. Es seien außerdem acht Schleuser gefasst worden.

An den Kontrollen waren laut dem Innenminister insgesamt gut 1.000 Kräfte von den Polizeidirektionen Süd und Ost beteiligt. Sie hätten gut 900 Fahrzeuge und über 1.700 Personen kontrolliert.

Ministerium: Täglich mehr illegale Migration

Aus Sicht des Innenministeriums nimmt die illegale Migration nach Brandenburg täglich zu. Im Juli dieses Jahres seien im Durchschnitt 22 Menschen pro Tag illegal eingereist, im August seien es schon 35 Menschen gewesen und im September zeichne sich eine Zahl von weit über 50 Menschen ab, hatte Innenstaatssekretär Markus Grünewald am Freitag im Landtag in Potsdam gesagt.

Laut Stübgen sind die Schleusungen an der deutsch-polnischen Grenze derzeit sogar massiver als 2015 und 2016. Die meisten der aufgegriffenen Personen kommen demnach aktuell aus Syrien, danach folgen Menschen aus der Türkei. Kleinere Gruppen kämen zudem aus Indien, Irak und Afghanistan, so Stübgen.

Erst am Montagvormittag wurden nach Angaben der Polizeidirektion Süd wieder 24 Geschleuste und ein Schleuser im Spree-Neiße-Kreis aufgegriffen. Einen Tag zuvor war in dem Landkreis ein mutmaßlicher Schleuser mit seinem Kleintransporter verunglückt. In dem Fahrzeug befanden sich 28 Menschen, von denen laut Leitstelle Lausitz einige leicht verletzt wurden.

Faeser kündigt zusätzliche Kontrollen an

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte unterdessen zur Bekämpfung der Schleuserkriminalität zusätzliche Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Polen an. "Wir verknüpfen unsere zusätzlichen Maßnahmen sehr eng mit der bereits stark intensivierten Schleierfahndung im gesamten Grenzgebiet, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Mit ihren Amtskollegen in Tschechien und Polen sei sie in einem engen Kontakt, um "gut abgestimmte Maßnahmen zu treffen". "Mein Ziel ist maximaler Ermittlungsdruck auf Schleuser und der Schutz der Menschen, die unter lebensgefährlichen Bedingungen, oft ohne Wasser und mit kaum Sauerstoff, über Grenzen geschmuggelt werden", sagte sie.

Erst vor wenigen Tagen hatte Faesers Ministerium angekündigt, kurzfristige stationäre Grenzkontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien zu prüfen. Für solche festen Kontrollen hatten sich neben Stübgen unter anderem auch SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und die AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag ausgesprochen.

Gewerkschaft der Polizei sieht Kontrollen an festen Punkten kritisch

Innenminister Stübgen erneuerte am Montag auch seine Forderung nach stationären Grenzkontrollen, um illegale Einreisen und Schleusungen einzudämmen. "Die Zunahme der illegalen Schleusungen, gerade über die deutsch-polnische Grenze, sprengt gerade jeden Rahmen", sagte Stübgen. "Jeder verhaftete Schlepper bedeutet, dass er Dutzende von Leuten nicht mehr die nächsten Tage hierher bringen kann", sagte der Innenminister. Die Verluste für die Schlepper würden größer, wenn sie durch die Kontrollen auch ihre Fahrzeuge verlören.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Kontrollen an festen Orten eigenen Angaben zufolge weiter sehr kritisch. "Wir plädieren dafür, dass Personal immer wieder flexibel im Land im Rahmen der Schleierfahndung eingesetzt werden kann", sagte die GdP-Landesvorsitzende Anita Kirsten am Montag dem rbb. Mit stationären Kontrolle binde man "unheimlich viel Personal", sagte Kirsten.

Stübgen sprach sich zudem dafür aus, den Schengen-Notfall-Mechanismus in Kraft zu setzen, um sofort Kontrollen der Bundespolizei an der Grenze zu Polen durchführen zu können. Das dafür erforderliche Notifizierungsverfahren könne parallel dazu in Brüssel laufen. Stübgen warf der Bundesregierung und vor allem Innenministerin Faeser vor, viel zu lange gewartet zu haben.

Noch vor kurzem hatte Faeser stationäre Kontrollen abgelehnt. Ihren Kurswechsel begründete sie in der Zeitung "Welt am Sonntag" damit, dass solche Kontrollen helfen könnten, Schleuserkriminalität härter zu bekämpfen. Sie betonte aber, dass dadurch nicht weniger Asylbewerber kommen würden. Wenn eine Person an der Grenze um Asyl bitte, dann müsse der Asylantrag in Deutschland geprüft werden. Entscheidend bleibe also der Schutz der EU-Außengrenzen, "den wir mit dem gemeinsamen Asylsystem erreichen".

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 25.09.2023, 19:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 14.

    Wir haben Platz und es ist unsere humanitäre Pflicht den Geflüchteten zu helfen. Deutschland ist reich genug, wer Geld für Auto, Malle und Eigenheim hat hat genug übrig. Christliche Werte machen die EU aus. #leave no one behind

  2. 13.

    Wieso ist das erst jetzt für Sie ersichtlich, dass die jetzige Grenz- u. Einreisepolitik gescheitert ist. Hatten Sie die letzten Jahre keinen Zugang zu diesbezüglichen Informationen ? Nicht erst seit 2015 wurde von vielen Fachleuten und sogar von Politikern vor dieser Entwicklung gewarnt.

  3. 12.

    Horst auch hier auf RBB ein Beitrag mit dem Thema "eklatanter Wohnungsmangel in Brandenburg "
    Die Kommunen, Städte und Gemeinden haben keine Kapazitäten mehr,um noch mehr Geflüchtete aufzunehmen und Sie sind der Meinung wir haben noch Platz, schauen Sie kein Fernsehen oder lesen Sie keine Zeitung Deutschland ist am überlaufen es wird immer schwieriger und der Winter steht vor der Tür die Politiker der Regierung sollten langsam mal auf die Menschen hören die vor Ort mit den Geflüchteten zu tun haben.
    Vorschlag wieviel Zimmer hat ihre Wohnung, wieviel Erspartes Geld haben Sie, Sie können also mit guten Beispiel voran gehen ,nehmen Sie Geflüchtete auf und sorgen sie für Sie,nicht immer nur wir haben noch Platz sondern ich habe noch Platz na wie iss Horst?

  4. 11.

    "Welche Antworten hat die AfD?"
    Ausser Polemik und Hetze keine, die Antwort die braune Hirne gerne geben würden zöge ein sofortiges Verbot nach sich.
    Intern lässt diese Truppe längst jede menschliche Hemmung fallen.

  5. 10.

    Man sollte nicht mit der Moderne fremdeln, wir haben genug Platz!

  6. 9.

    "Früher gab es den Zoll dafür." Nein, dafür gab es den BGS, der aber in Bundespolizei umgetauft wurde.

  7. 8.

    "Tschechien und Polen werden die Abgewiesenen ganz sicher zurücknehmen, oder vielleicht doch nicht?" Problem gab es schon einmal vor knapp 100 Jahren an der Grenz D/PL. Die campierten dann im Niemandsland zwischen den Wachposten beider Grenzsicherungen, bis sie doch in PL wieder einreisen durften - allerdings waren es damals sogar nominell polnische Staatsbürger, bei den Flüchlingen heute wird das sicher schwieriger.

  8. 7.

    Beim Zoll ist meines Wissens nach vor mehr als zehn Jahren einiges umorganisiert worden.
    Da fragen Sie am Besten die älteren altgedienten Zollbeamten, wo ein Großteil der früher an der Grenze tätigen Beamten hin versetzt wurde. Diese tun ihren Dienst, auf den internationalen Flughäfen Deutschlands u. das - bundesweit! Die hier verbliebenen Beamten reichen zwar für die Schleierfahndung mit wechselnden Standorten, aber nicht für ständige stationäre Kontrollen, geschweige denn beides zusammen.

  9. 6.

    Ich bin an sich Fan offener Grenzen. Anhand der aktuellen Daten ist für mich ersichtlich, dass die jetzige Grenz- u. Einreisepolitik gescheitert ist. Es besteht dringend Handlungsbedarf! Zum Einen meine ich, dass Kontrollen allein nur an den Grenzübergängen zu wenig sind, ebenso wie allein nur die Schleierfahndung in den Gebieten abseits davon. Zum anderem muss auch wieder mehr Technik wie Wärmebildkameras und Röntgengeräte zum Einsatz kommen. Letztlich muss auch genug Personal vorhanden sein.

  10. 5.

    Grenzkontrollen alleine werden die Illegale Einreise nicht stoppen, solange es in Deutschland mehr Unterstützung gibt wie in anderen EU Staaten wird es so bleiben. Wenn Geflüchtete in allen EU Staaten gleichbehandelt werden, würden sie nicht den beschwerlichen Weg durch halb Europa auf sich nehmen. Dazu zählt auch eine konsequente Abschiebung für Menschen ohne Aufenthaltsstatus.

  11. 4.

    Tschechien und Polen werden die Abgewiesenen ganz sicher zurücknehmen, oder vielleicht doch nicht?
    Wohin abschieben wenn die Herkunftsländer nein sagen?
    Schreckt Flüchtlinge es ab zu kommen wenn sie nur noch Sachleistungen bekommen?
    Welche Antworten hat die AfD?

  12. 3.

    Früher gab es den Zoll dafür.
    Jetzt überlegen die wie Sie das Bewerkstelligen können?
    Wir hatten alles: Grenzen, Bahnschienen und Bahnhöfe, Konsum in jedem Dorf! Die Ausländer waren unsere Gastarbeiter!
    Jetzt haben wir kein Volk mehr das gegen die Poliker und gegen diese Korruptions Maschine vor geht!
    In diesem Land ist sich doch nur: Jeder selbst der nähste!

  13. 2.

    Wir sind auf einem guten Weg. Daran arbeiten wir. Das wird uns seit Jahren erzählt(CDU/SPD). Unser Behördenleiter(2000) hat uns rausgeschmissen bei derartigen Aussagen. Anwort: Ich möchte (will) keine Probleme, ich möchte Lösungen.

  14. 1.

    "Er forderte Faeser auf, schon am Montag einen Fahrplan zur Umsetzung vorzulegen." Bin gespannt, wieviel Zeit Frau Faeser hierfür benötigt.

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