Mögliche Partei-Neugründung - Rund 60 Mitglieder der Linken beantragen Parteiausschluss von Wagenknecht

Mo 09.10.23 | 16:00 Uhr
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Archivbild: Sahra Wagenknecht (Die Linke), spricht während der Demonstration auf der Bühne. (Quelle: dpa/M. Skolimowska)
Audio: rbb24 Inforadio | 09.10.2023 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/M. Skolimowska

Seit Monaten liebäugelt die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht mit der Neugründung einer Partei. Zahlreichen Linken-Mitgliedern wird das nun zu viel: Sie stellen einen Antrag auf Parteiausschluss von Wagenknecht.

Knapp 60 Parteimitglieder der Linken, darunter mehrere Politikerinnen und Politiker aus Berlin und Brandenburg, haben einen Antrag auf Parteiausschluss von Sahra Wagenknecht gestellt. Anlass ist die seit mehreren Monaten durch Wagenknecht angedeutete Gründung einer neuen Partei. In dem Antrag, der dem rbb vorliegt, wird der Bundestagsabgeordneten ein "in besonderer Weise schädigendes und illoyales Verhalten" gegenüber der Linkspartei vorgeworfen.

"Eine Partei, die von ihrer eigenen prominenten Bundestagsabgeordneten permanent Widerspruch erntet, bietet kein klares Profil, wirkt zerstritten und unattraktiv", teilten die Berliner Abgeordnete Elif Eralp und die Bremer Linkenfraktionschefin Sofia Leonidakis im Namen der Unterzeichnenden mit. Wagenknecht habe wiederholt "demokratisch beschlossene Positionen der Linkspartei und gewählte Repräsentant:innen" angegriffen.

Unter anderem Lederer und Breitenbach beteiligt

Aus Berlin haben sich neben den beiden Fraktionsvorsitzenden Anne Helm und Carsten Schatz auch die beiden ehemaligen Senatoren Klaus Lederer und Elke Breitenbach sowie die Abgeordneten Katalin Gennburg und Elif Eralp angeschlossen. Der Berliner Landesverband hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach gegen Wagenknecht positioniert und unter anderem Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine klar verurteilt.

Zu den Unterzeichnern gehören auch die Brandenburger Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré, der Potsdamer Kreisvorsitzende Jörg Schindler und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Norbert Müller. Schindler war bis 2022 Bundesgeschäftsführer der Linkspartei.

Der Antrag auf Parteiausschluss wird nun zunächst der Landesschiedskommission des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der Linken vorgelegt. Dort war 2021 bereits ein ähnlicher Antrag aus Anlass von Wagenknechts Buch "Die Selbstgerechten" gescheitert. Stimmt die Kommission dem Parteiausschluss dieses Mal zu, ist ein Gang vor die Bundesschiedskommission der Linken wahrscheinlich.

Seit Monaten Streit mit Wagenknecht

Wagenknecht hat immer wieder offen mit zentralen Positionen der Linken gebrochen, unter anderem in der Haltung zu Russland und in der Migrationspolitik. Ihre Ankündigung, über die Neugründung einer eigenen Partei nachzudenken, führt seit Monaten zu Streit bei den Linken. Das wiederum wird von vielen Mitgliedern als Grund für schlechte Wahlergebnisse angeführt, zuletzt in Bayern und Hessen.

Ein Parteiausschluss Wagenknechts würde den Fraktionsstatus der Linken im Bundestag weiter gefährden. Bei der Bundestagswahl 2021 blieb die Partei zwar unter der Fünf-Prozent-Hürde, konnte aber dank des Gewinns dreier Direktmandate, davon zwei in Berlin, ins Parlament einziehen. Für den Fraktionsstatus dort benötigen sie allerdings mindestens 37 Abgeordnete.

Zuletzt hatte der Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze wie angekündigt die Linke verlassen und war zur Berliner SPD gewechselt. Damit schrumpfte die Linksfraktion auf nur noch 38 Mitglieder. Ein Ausschluss Wagenknechts könnte dazu führen, dass ihr weitere Mitglieder der tief zerstrittenen Fraktion folgen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 09.10.2023, 19:30 Uhr

102 Kommentare

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  1. 102.

    Sie sind alo kein Freund der "Linken, Roten, AfD oder Grünen" aber benutzen die Parolen der rechtsextremen AfD?

    Muß man nicht wirklich verstehen oder?

  2. 101.

    Ausgerechnet den Namen des großen Sozialisten Bebel dafür zu mißbrauchen solchen Stuss zu erzählen ist harter Tobak und kommt mir sattsam bekannt vor.

    Die Rechtschreibfehler btw. auch.

  3. 100.

    Die WerteUnion als Partei? Lachhaft.

    " Ihre Haltung zur AfD und deren Positionen wird von führenden Unionspolitikern und -vereinigungen als problematisch bis unvereinbar mit einer Mitgliedschaft in der Union erachtet. "

    Den Zusammenschluß mit der AfD gibt es bereits. Im Widerspruch zu ihren Namen hat die WerteUnion den Boden der FDGO schon lange verlassen.

  4. 99.

    Es gibt auch sehr anständige LInkenpolitiker/innen, etwa in Form von Petra Pau, Gesine Lötzsch und Klaus Lederer...

  5. 98.

    "Finde auch, dass Wagenknecht wahre Dinge ausspricht" >Ja das tut sie, indem sie sich praktischerweise als der afd zugetan outet ud auch ihre LIebe zu Hitlerkopie Putin und seinem verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine offen bekennt, währnd es mit ihrer kommunistischen Plattform wohl nichts wurde.

  6. 97.

    Welche wahren Worte spricht denn Querfront Wagenknecht an? Viel heiße Luft und nichts dahinter. Die Frau ist mediengeil aber von Arbeit um konkrete Ergebnisse zu liefern hält die Frau nicht viel.

    Deshalb kommt sie bei den Sympathisanten der rechtsextremen AfD auch so gut an.

  7. 96.

    Das Wahlergebnis hat gezeigt, dass Frau Wagenknecht recht hatte. Aber die Wahrheit paßt vielen nicht! Ich bin kein Freund der Linken, Roten, AfD oder Grünen, aber seit mehr als 3 Jahren habe ich kommentiert, dass diese Parteien die Steigbügelhalter der AfD sind und von dieser Partei eigentlich eine Eherenmitgliederschaft verliehen bekommen sollten.

  8. 95.

    Diese "Lagerkämpfe" sind Einer sozialen und demokratischen Partei unwürdig, allen daran Beteiligten sollte jetzt ein Rücktritt von Amt und oder Mandat nahe gelegt weden, ansonsten dürften zurecht die Wählenden beim nächsten Wahltag es ihnen kundtunt.

  9. 93.

    Finde auch, dass Wagenknecht wahre Dinge ausspricht, während die Restlinke sich radikalisiert und offene Grenzen fordert.

  10. 92.

    Sollte die WerteUnion im nächsten Jahr als Partei auftreten, werden die Karten noch einmal ganz neu gemischt. Es wird schon von einem Zusammenschluß mit der AfD geschwärmt. Kluge Köpfe stehen auch schon bereit. Leidtragende wäre dann die CDU und ihre Brandmauern.

  11. 91.

    "Russland besitzen Atomwaffen, darf also gegen jedes Völkerrecht verstoßen. Eine perverse Haltung!"
    Vor allem eine Fehlinterpretation.

  12. 89.

    Ich war auch nicht Mitglied einer Partei in der DDR und habe in der auch gerne gelebt. Was sollte man vermissen, das was man nicht kannte ? Man hatte sich eingerichtet und war glücklich …
    Das Jetzt ist ja auch nicht gerade menschenfreundlich …
    Guten Tag noch …

  13. 88.

    Wagenknecht in allen Ehren, erstens hat sie durch ihr ständiges Zaudern den Einstieg in den Ausstieg verpasst und zweitens bildet die Programmatik von Wagenknecht, soweit überhaupt bekannt, nicht die grassierende Wechselstimmung in der Bevölkerung ab. Die will lt. einer INSA-UMFRAGE Neuwahl für den Bund, insbesondere können sich ja die Grünen nirgends mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen, und dann natürlich einen wirklichen Kurswechsel bei der Migration, nicht das ergebnislose Gschaftlhuber der SPD Pflanze Faeser, die das Kunststück fertig gebracht hat, in der einstigen SPD Hochburg Hessen keinen einzigen Wahlkreis gewonnen hat.

  14. 87.

    Eine „Wagenknechtpartei“ gibt es allerdings noch gar nicht und es scheint mir höchst zweifelhaft, ob eine solche je gegründet werden wird.

  15. 86.

    Dadurch wird die Linke eher Wähler verlieren als gewinnen. Sarah Wagenknecht ist sozusagen ein Urgestein der Linken. Es ist nach meiner Meinung ein Fehler, wenn solch eine bekannte Politikerin, die ja viele Wähler für die Linke geholt hat, nun gehen soll, weil ihre Linie einigen Parteigenossen nicht passt. Es ist ganz normal, dass es auch innerhalb einer Partei verschiedene Ansichten gibt, die auch nach außen getragen werden. Die Linke steht für den Bürger insgesamt als sozial und gerecht. Nach meiner Meinung hat Frau Wagenknecht diesen Slogan immer vertreten!

  16. 85.

    Das Mantra der Linken: Schuld sind immer die Anderen. Doch die anderen sind nicht schuld am Niedergang der Linken – es ist „Die Linke“ selber. Allen voran Janine Wissler. Die Partei hatte seit dem Zusammenbruch der DDR einen Hang zum Sektierertum. Der wuchs umso mehr, desto mehr Mitglieder aus dem Westen etwas zu sagen hatten. Die alten SED-Kader hatten ein falsches Bild von der Realität, aber sie hatten ein Bild von der Realität. Die Kader aus dem Westen haben ihre realitätsfernen Ideen aus den Seminaren an den Universitäten in die Partei getragen. Es ist kein Zufall, dass mit Wissler eine Westdeutsche für den Niedergang der Linken steht – auch wenn sie sich eben diesem Niedergang offensichtlich nicht stellen will.

  17. 84.

    @ Väterchen Frust, ich kann im Kommentar von Frau Schröder nicht erkennen, das sie meint, die DDR wäre kein Unrechtsstaat gewesen. Und in rosa Farben hat sie die DDR auch nicht dargestellt. Auch ich weiß, das die DDR kein demokratischer Staat war. Und um nix in der Welt möchte ich die DDR zurück. Nichtsdestotrotz habe ich gerne in der DDR gelebt. Aber das können Sie (wahrscheinlich West) nicht verstehen. Und solange werden wir als deutsche auch keine wirkliche Einheit werden.

  18. 83.

    Die Linke hat sich schon lange selber überflüssig gemacht und ist fast überall nur noch ein Sammelbecken linker Sektierer geworden.

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