Parlamentswahl - So haben die Polen in Berlin gewählt

Di 17.10.23 | 17:59 Uhr
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Polnische Staatsbürger stehen am 15. Oktober 2023 vor der Botschaft der Republik Polen in Berlin, um ihre Stimme abzugeben. (Quelle: rbb)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 17.10.2023 | Diana Azzam | Bild: rbb

Die polnische PiS wird zwar die nächste Regierung voraussichtlich nicht anführen, ging aber als stärkste Kraft aus der Wahl am Sonntag hervor. Bei den in Berlin abgegebenen Stimmen zur polnischen Parlamentswahl zeigt sich ein anderes Bild.

Die Polen im Ausland haben sich bei ihrer Stimmabgabe in Berlin mehrheitlich für die Parteien der Opposition entschieden. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen der staatlichen Wahlkommission [wybory.gov.pl] hervor.

Demnach haben 47,29 Prozent der Wähler in Berlin das größte Oppositionsbündnis, die liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) des früheren Regierungschefs Donald Tusk gewählt. 23,4 Prozent fielen auf die Neue Linke. Für den Dritten Weg entschieden sich 10,2 Prozent.

Deutlich weniger Stimmen für PiS

Die KO plant in Polen eine Regierungskoalition mit diesen beiden Oppositionsparteien. Allerdings schnitten sie insgesamt weit weniger erfolgreich ab als bei den Auslandspolen, die in Berlin wählten. Die KO konnte nach Auszählung aller Stimmen in Polen 30,7 Prozent auf sich vereinen, das Linksbündnis Lewica erhielt 8,61 Prozent der Stimmen und der Dritte Weg 14,4 Prozent.

Die national-konservative PiS erhielt von den Auslandspolen in Berlin mehr als 20 Prozentpunkte weniger als in Polen selbst: Nur 11,2 Prozent entschieden sich in Berlin für die Partei von Jaroslaw Kaczynski. In Polen hingegen blieb die PiS mit 35,4 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit.

Polen aus Ost-Bundesländern wählten in Berlin

Auf Druck der Auslandspolen wurden in diesem Jahr fast doppelt so viele Wahllokale in Deutschland eingerichtet wie vor vier Jahren. In Berlin sind es sieben, in ganz Deutschland 47 (2019 waren es vier in Berlin und insgesamt 23).

Der Einfluss der Auslandspolen auf das Wahlergebnis war dennoch beschränkt, denn alle Stimmen werden zum Warschauer Wahlbezirk 19 gezählt. Obwohl immer mehr Polen und Polinnen im Ausland leben, bleibt die Zahl der Mandate in diesem Wahlbezirk aber seit Jahren gleich. Kandidaten in anderen Wahlbezirken konnten so mit viel weniger Stimmen ein Parlamentsmandat bekommen.

In Berlin haben sich fast doppelt so viele Wähler registriert als noch vor vier Jahren. Dabei wählen auch Polen aus den östlichen Bundesländern Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in Berlin. Insgesamt leben in Berlin mehr als 100.000 wahlberechtigte Polen beziehungsweise Menschen mit polnischen Wurzeln. Viele von ihnen besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft und sind in Polen wahlberechtigt. Mehr als 28.000 Polinnen und Polen leben in Brandenburg.

Woidke freut sich auf gute Zusammenarbeit

Das Wahlergebnis wurde in Deutschland parteiübergreifend positiv aufgenommen. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen schrieb auf X (ehemals Twitter), sei "ein wichtiger Sieg für Europa und seine Werte, den allein die Menschen in Polen herbeigeführt haben." "Das sind wunderbare Nachrichten aus unserem Nachbarland", hieß es auf X vom Grünen-Politiker Sven Lehmann.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kommentierte den Wahlausgang nicht direkt, betonte aber, dass er sich auf eine gute gemeinsame Arbeit freue. Er verwies auf Vorhaben für den Ausbau von Verkehrsverbindungen, den Schutz des Grenzflusses Oder "sowie die Einschränkung illegaler Migration". Woidke regte dazu baldige deutsch-polnische Regierungskonsultationen an, sobald im Nachbarland die neue Regierung im Amt ist.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes haben wir versehentlich vorläufige Ergebniszahlen verwendet. Außerdem war die Zahl der in Berlin wahlberechtigten Polen nicht korrekt. Wir bitten die Fehler zu entschuldigen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.10.2023, 16 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Oh, vielen Dank für das Lesen meiner Kommentare.

    P.S. Freiheitlich liberales Denken und Schaffen wird geschätzt, dass Gegenteil eher nicht. Wenn da öfter Linke und Grüne dabei sind, ist das Zufall?

  2. 10.

    Wollen Sie wirklich einen Kommentarwettbewerb über „Substanz“ antreten? Scheuen Sie sich nicht.

  3. 9.

    Was ist an „wirkte“ nicht zu verstehen? Es eignet sich so gar nicht „das Vorführen“ anzuwenden, so groß Ihre Versuchung auch sein mag.

    P.S. Habe ich jemals etwas aus dem Zusammenhang gerissen, um jemanden vorzuführen?

  4. 8.

    Wenn es hier ein Konstante gibt, dann ist es Wossi und seine Unsachlichkeit wenn er gegen Grüne Und Linke austeilen kann, wie immer ohne Substanz.

  5. 7.

    "Sie glaubte damals es alleine besser zu können und er fühlte sich übergangen."
    Ist nicht unbedingt eine Lüge aber eine subjektive Behauptung die Sie eigentlich nur belegen könnten, wenn Sie zu beiden Personen vertrauliche persönliche Kontakte pflegen. Da Sie das hier öffentlich rumposaunen, kann man getrost davon ausgehen, dass es dieses vertrauliche Verhältnis nicht oder nicht mehr gibt.
    Da ist die deutsche Sprache schon recht eindeutig um Meinung und Fakt zu unterscheiden.

  6. 6.

    Die deutsche Sprache bietet Möglichkeiten so zu formulieren, dass es keine Lüge sein kann. Aber vermutlich haben Sie ganz Anderes im Sinn.

  7. 5.

    @ Wossi, Woidke gab sein Amt als Polenbeauftragter 2021 ab. Die Beziehungen zu Polen liegen so gut wie auf Eis seit die PiS Regierungsverantwortung tragen (2015). Man kann ihre Aussage getrost als Lüge bezeichnen.

  8. 4.

    Es wirkte so, dass Herr Woidke deshalb sein Amt als Polenbeauftragter niedergelegt hat, weil Frau Baerbock, bei ihrem ersten Polenbesuch, Herrn Woidke nicht mitgenommen hat. Eitelkeiten? Egal. Sie glaubte damals es alleine besser zu können und er fühlte sich übergangen. Beides wirkte nicht staatsmännisch. Ergebnis: Die Beziehungen zum Nachbarn sprechen für sich.

  9. 3.

    Neuer Polenbeauftragter ist seit 2022 Dietmar Nietan von der SPD. So allein scheint Frau Baerbock nicht zu sein. Aber Hauptsache Vielschreiber "Wossi" hat mal wieder eine Halbwahrheit verbreitet.

  10. 2.

    Normal kann man Ihnen klar folgen. Dieser Kommentar …Können sie den etwas erläutern?

  11. 1.

    Herr Woidke hat das Amt des Polenbeauftragten abgegeben. Zurecht. Frau Baerbock glaubt allein mit Meinung weiter zu kommen.

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