Zu wenig Willkommensklassen - In Berlin haben rund 1.000 geflüchtete Kinder keinen Schulplatz

Mi 03.01.24 | 10:29 Uhr
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Symbolbild: Die Jungs liegen zusammen auf dem Sofa und langweilen sich. (Quelle: dpa/Ute Grabowsky)
Audio: rbb24 Inforadio | 03.01.2024 | Bild: dpa/Ute Grabowsky

In Berlin haben fast 1.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche keinen Schulplatz. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz an den Senat hervor.

Demnach standen 967 Kinder und Jugendliche auf der Warteliste für einen Schulplatz in einer Willkommensklasse (Stand 5. Dezember). Daten zur durchschnittlichen Wartezeit werden den Angaben zufolge nicht erhoben. Zuvor hatten mehrere Berliner Medien über das Thema berichtet.

Die Zahl der nicht versorgten Kinder ist damit leicht gesunken. Im August konnte in Berlin noch rund 1.120 Kindern kein Platz in einer Willkommensklasse bereitgestellt werden.

Marzahn-Hellersdorf und Pankow hinken besonders hinterher

Deutliche Unterschiede gibt es von Bezirk zu Bezirk: So standen beispielsweise in Marzahn-Hellersdorf 189 Kinder und Jugendliche auf der Warteliste für einen Platz in einer Willkommensklasse, in Pankow 151. In Neukölln waren es 55, in Charlottenburg-Wilmersdorf 47, in Friedrichshain-Kreuzberg 25. In Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf hatten alle Kinder und Jugendlichen Plätze in Willkommensklassen bekommen.

Nach Angaben des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) waren Anfang Dezember 6.776 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter in LAF-Gemeinschafts-, Erstaufnahme- und Notunterkünften untergebracht.

Hinzu kamen 790 Kinder und Jugendlichen im Ankunftszentrum Ukraine auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel. Dort soll nach Angaben der Bildungsverwaltung im Januar ein geregelter Schulbetrieb beginnen, der in der Geflüchtetenunterkunft bisher nicht angeboten wurde.

Sendung: rbb|24 Abendschau, 03.02.2024, 19.30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Meine ukrainische Kollegin ist in der Ukraine ausgebildete Lehrerin, hat ein DaZ-Diplom des Goethe Institutes und beherrscht Deutsch auf C1-Niveau. In Willkommensklassen lernen in der Regel 12 Kinder. Wo finden Sie das Feigenblatt?

  2. 10.

    Das ist sehr löblich u. dürfte maximal die Stellung des hilflosen Feigenblattes einnehmen.
    Ganz sicher ist, dass ein solcher Unterricht vonseiten dt.Muttersprachler, zumal noch im Klassenverband (also bestimmt 20 Kinder u. mehr) eine Herausforderung darstellen dürfte. Wie generell DaZ/DAF(ist noch einmal eine andere Nummer)schon besondere Ansprüche an die betr. Lehrkräfte stellen. Und jede Form der hier gen. Unterrichtungen umreißen differenzierte Problemkreise. Selbst ein Sprachlehrer mit universitärer Ausbildung (Lehrbefähigung bis Kl. 12)hat ein BAMFZertifikat(Lizenz)zu erwerben, der Unterricht in der betr. Einrichtung braucht eine Lizenz usw. usw. Alles juristisch begründbar u. z.T. erforderlich. Nur bringen uns diese beachtl. Hürden nicht weiter u.v.a. nicht bei diesen Personenmassen. Daher kann man von den übervollen Städten nichts erwarten;oder man hat den Mut zu erklären, dass nicht jeder, der ohne alles kommt,hier Rundumbetreuung samt Geld erwarten kann. Es geht einf. nicht.

  3. 9.

    An meiner Schule arbeitet eine ukrainische Lehrerin mit den Willkommenskindern.

  4. 8.

    Das ist eine Schande, dass wir Kinder, die in Berlin leben von der Schulpflicht ausschließen.

    Und ja, es gibt z.B. auch in Berlin hunderte nicht festangestellte Vertretungslehrerinnen und -lehrer, die da helfen könnten. Bezahlt müssen sie aber werden. Aber solange wir 100 Milliarden auf der hohen Kante haben für Rüstung, heule ich hier nicht rum, wo das Geld herkommen soll.

    Kinder unterrichten ist nicht nur moralisch gut und sinnvoll oder geltendes internationales Recht nach der Kinderrechtskonvention. Selbst nach amoralischen kapitalistischen Maßstäben ist Bildung für Kinder und Jugendliche ne Zukunftsinvestition - wer sollen denn sonst die gutausgebildeten Arbeitskräfte von morgen sein in einer alternden deutschen Gesellschaft, wenn nicht die Kinder und Jugendlichen, die schon im Land sind?

  5. 7.

    Kann man die Flüchtlingsfamilien nicht gleichmäßiger über die Bundesländer verteilen und so dass Problem entschärfen?
    Als meine Eltern nach dem 2. Weltkrieg aus der ehemaligen DDR nach Westdeutschland geflohen sind, konnten sie sich auch keinen bestimmten Wohnort aussuchen. Drei verwandte Familien lebten in NRW, aber dort durften sie nicht hin, sie gehörten damals zu den ersten Flüchtlingen, die nach Ba-Wü mussten. Ich bin übrigens sehr dankbar für meine baden-württembergische Schulbildung.

  6. 6.

    Völlig meine Meinung. Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, die Kinder dahin zu bringen, wo Platz zum Lernen ist. Aber dem steht wohl wieder der deutsche Bürokratiewahnsinn im Wege.
    Die Kinder sind da die Opfer, die nicht gefragt wurden, ob sie nach Deutschland wollen.

  7. 5.

    Es tut mir leid für die Kinder, denn die haben sicherlich nicht darum gebeten, in Berlin zu leben. Andererseits frage ich mich - Wo sollen die Lehrer herkommen? Berlin kann nun mal keine backen.
    Ich habe z.B. noch nichts darüber gehört, daß aus der Ukraine auch Lehrer/innen hierher gekommen sind und sich nun befleißigen, Kinder zu betreuen und zu unterrichten. Älteren Kindern könnte man beispielsweise auch Online-Sprachkurse empfehlen - da in den meisten Flüchtlingsfamilien Smartphones vorhanden sind, wäre das für alle Familienmitglieder hilfreich.

  8. 4.

    Na z.B. Menschen mit einer Zusatzqualifikation in DaZ/DaF und Jugendintegrationskursen. Das sind in der Regel nicht Lehrer sondern Sprachwissenschaftler o.Ä. Leider gibt es für diese Quali‘s in Berlin nur zwei, vom BAMF zugelassene und seriöse Ausbildungsstätten.
    Die Katze beißt sich in den Schwanz.

  9. 3.

    Was macht das dann mit dem Leistungsniveau, wenn sie in reguläre Klassen eintreten? (PISA)
    Was macht das mit der Lebenszufriedenheit und Chancengleichheit, was kommt dann nach 10 Jahren auf uns zu?

  10. 2.

    Den Kindern keinen Schulunterricht anzubieten, ist auf jeden Fall nicht hinnehmbar. Das ist den Verantwortlichen sicher bewußt. Die Unterschiede in den Bezirken beruht darauf, daß zum Beispiel in Marzahn - Hellersdorf viel mehr Flüchtlinge untergebracht werden, wie in Steglitz - Zehlendorf. Wie wäre es, die Schulkinder von Marzahn nach Zehlendorf zu fahren, um sie dort zu unterrichten.

  11. 1.

    Ich stelle mir jetzt die Frage, wenn Lehrkräfte fehlen und schon der normale Schulbetrieb schwierig zu händeln ist, wer soll das Zusatzangebot noch abdecken. Es ist nicht zu ändern. Sicherlich nicht schön und richtig, aber nicht zu ändern.

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