Bei Bürgerdialog im Februar - SPD-Bürgermeister von Panketal wird für Auftritt bei AfD-Veranstaltung kritisiert

Di 27.02.24 | 17:43 Uhr
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Archivbild: Der Bürgermeister Maximilian Wonke an der Panke am 03.08.2022.(Quelle: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.02.2024 | O-Ton Maximilian Wonke | Bild: dpa

Der SPD-Bürgermeister von Panketal sprach bei einem "Bürgerdialog" vor AfD-Anhängern. Seine Partei und die CDU kritisieren das Vorgehen. Der Bürgermeister sagt, ihm gehe es um die Diskursfähigkeit – doch er würde es nicht wieder tun.

Der SPD-Bürgermeister der Gemeinde Panketal, Maximilian Wonke, ist Mitte Februar bei einer Bürgerveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) aufgetreten und hat damit Kritik ausgelöst. Die Zeitungen "Bild" und "B.Z." sowie die Märkische Oderzeitung berichteten zuerst darüber.

Die AfD hatte den Bürgermeister als Überraschungsgast bei ihrem Bürgerdialog am 16. Februar unter anderem mit dem AfD-Ortsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Steffen John angekündigt. Laut Wonke ging es um lokale Themen aber auch um den Ukraine-Krieg und Folgen der Corona-Krise. Er sei bereits 2019 bei einer AfD-Veranstaltung dabei gewesen. Die Partei wird vom Verfassungsschutz in Brandenburg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft.

Landes-SPD spricht von "Bärendienst"

Wonke muss nun Kritik aus der eigenen Partei einstecken: "Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD. Es war niemand für oder im Namen der SPD bei der AfD-Veranstaltung", teilte der Generalsekretär der Landes-SPD am Montag mit. Dass die AfD die Veranstaltung nun "für eine Normalisierung und das Überdecken ihres vermehrt verfassungsfeindlichen Planens" nutze, zeige klar, dass hier trotz hehrer Ziele der Sache ein Bärendienst erwiesen worden sei.

Panketals Bürgermeister: "Es ist mein Versuch, zu schauen, ob wir noch zum Diskurs fähig sind."

Wonke wies gegenüber dem rbb die Kritik zurück: "Ich habe nicht mit der AfD gesprochen, sondern mit den AfD-Anhängern", sagte der Bürgermeister. "Eine Gruppe, die sich dadurch artikuliert, dass sie meint, nicht mehr gehört zu werden." Er beobachte, wie die Diskursfähigkeit in der Gesellschaft verloren gehe. "Dort hatten wir zumindest 90 Minuten Gelegenheit, diese Diskursfähigkeit zu üben."

Der Bürgermeister betonte, dass man als Sozialdemokrat keinen positiven Bezug zur AfD haben könne. "Mir ging es darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sonst einem SPD-Politiker sehr abgeneigt wären", sagte er dem rbb. Ihn treibe um, dass es Menschen gebe, die eine Partei wählen wollen, "deren programmatische Umsetzung eigentlich zu ihrem Schaden ist". Als Beispiel nannte er einen möglichen EU-Austritt.

"Es ist mein Versuch, zu schauen, ob wir noch zum Diskurs fähig sind." Es sei ihm nie um eine Kooperation mit der AfD gegangen. Aber er sehe sich als Bürgermeister für alle Teile der Bevölkerung zuständig, sagte Wonke gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Ob Wonke selbst noch einmal zu einem AfD-Bürgerforum kommen würde, verneinte er gegenüber dem rbb. Die AfD bewege sich immer mehr nach Rechtsaußen. So ein Forum sei nicht mehr die richtige Bühne für einen Austausch.

CDU-Generalsekretär kritisiert SPD

Barnims Landrat Daniel Kurth, ebenfalls von der SPD, sprang Wonke zur Seite: "Wer Maximilian Wonke kennt, der weiß, dass er nicht blauäugig ist", sagte Kurth dem rbb am Dienstag. Wonke sei von einem klaren sozialdemokratischen Kompass angetrieben. "Wir müssen um jeden Bürger kämpfen", so der Landrat. "Wir müssen versuchen, jeden Wähler von dieser Partei zu trennen. Und das wird uns nur durch Argumente gelingen."

Der Generalsekretär der Brandenburger CDU, Gordon Hoffmann, sagte, die SPD, insbesondere ihr Generalsekretär Kevin Kühnert, lasse bei anderen Parteien keine Gelegenheit aus, ihnen AfD-Nähe zu unterstellen und Haltungsnoten zu verteilen. "Ich bin gespannt, ob er bei diesem Vorfall in Panketal seinen eigenen Maßstäben gerecht wird", sagte Hoffman der Deutschen Presse-Agentur.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.02.2024, 16:40 Uhr

Mit Material von Georg-Steffan Russew

33 Kommentare

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  1. 33.

    In Berlin redet ein sehr netter SPDler und Mieterschützer mit der AfD und möchte Brücken bauen.

    Vorbildlich!

  2. 32.

    „Gesicherte Rechtsextreme stehen im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen GO. „

    Nö, nicht abschließend, nur weil der BVerfSchutz das suggeriert, egal ob berechtigt oder nicht.

    Abschließend darüber entscheidet in BRD alleine die Justiz.

    Alles andere sind mehr oder weniger Unterstellungen und Einstufungen der Exekutive.

  3. 30.

    Genau einfach mal 40% der Bevölkerung ausblenden ignorieren und am besten wegsperren, geiler take.

  4. 29.

    ich frage mich wieso man sich hier aufregt es ist die Pflicht eines jeden Politiker sich mit der Meinung anderer zu befassen und sie auch agitatorisch zur Umkehr oder zum Überdenken ihrer anderen Meinung die Falsch sein mag zu überzeugen. Das ihr/ deren Vorgehensweise falsch ist. Das bedeutet sich mit Ihnen dementsprechend zu Unterhalten und so Einfluss zu nehmen.

  5. 28.

    Wenn in Deutschland eine Partei mit mehr als 30 % Wählerpotential vom gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen wird, ist das dann noch eine repräsentative Demokratie?

  6. 27.

    >"Schon Dutschke hat vor 50 Jahren kritisiert, dass kein Dialog stattfindet."
    Das liegt daran, dass extreme Meinungen meist ohne informierte Hintergründe geschrien werden und diese Schreier keine Argumente anderer mehr zulassen. So ist kein gesellschaftlicher Diskurs mehr möglich. In Zeiten von Informationsblasen mit politisch konfektionierten Meinungen (Sie interesssieren sich für... dann nimm diesen nächsten Tweat...), sehen solche Informations-Konsumente auch andere Meinungen nicht. Daher gibt es die auch nicht oder müssen Fake sein.

  7. 26.

    Wie will man bitteschön Wähler zurückgewinnen, wenn man sie so behandelt? Da muss sich gerade die SPD nicht wundern, wenn sie mancherorts bereits unter 5% liegt.

  8. 25.

    Das finden stellenweise über 40% - 50% der Wähler nicht und auch die Altparteien sind in Panic. Grüße in Ihre Blase.

  9. 24.

    Offensichtlich ist die SPD und die Ampel als auch die CDU zuzüglich Medien nicht mehr zum Diskurs bereit. Soll das unsere Demokratie sein?

  10. 22.

    Mit vielen CDU-Wähler:innen kann ich trotz unterschiedlicher Meinungen wunderbar sprechen. Es geht hier um die rechtsextreme afd und ihre Anhänger:innen.

  11. 21.

    Wieso lesen Sie denn nicht erst den Artikel bevor Sie kommentieren? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Und dann wüssten Sie, dass auch Herr Wonke eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen afd ausschließt.

  12. 20.

    Zitat: "Es ist mein Versuch, zu schauen, ob wir noch zum Diskurs fähig sind." Es sei ihm nie um eine Kooperation mit der AfD gegangen. Aber er sehe sich als Bürgermeister für alle Teile der Bevölkerung zuständig, sagte Wonke gegenüber der Deutschen Presseagentur."

    Jetzt wird er es wohl wissen, daß das nicht geht. Schon seit einem Spiegel-Artikel von 2016 kann man wissen, daß der blaubraune "gärige Haufen" (Vorsicht Herr Gauland, was gärt kann auch stinken) keine Partei ist, sondern eine Sekte. Und man muß den Haufen wie auch die Anhänger als solche behandeln. Mit solchen Sektierern diskutieren und sie "inhaltlich stellen" zu wollen ist der Versuch einen Wackelpudding an die Wand zu nageln.

    Der Bürgermeister sollte sich von einem Sektenbeauftragten erklären lassen, wie man mit Sektenmitgliedern umgehen muß.

  13. 18.

    Sollte man wenigstens mit Rechten noch sprechen, oder wäre das auch schon wieder ein Schuss ins Blaue, den man nicht hören will ?

  14. 17.

    "Die AfD bewege sich immer mehr nach Rechtsaußen. "
    Ganz wichtiger Satz.

    In einigen Jahren gucken wir uns um und fragen uns gegenseitig:
    Haben wir das nicht kommen sehen?

    Wer jetzt noch mit den Rechtsextremen spricht/ Dialog Sicht, hat den Schuss nicht gehört.

  15. 16.

    Es ist doch schon, auch von anderen Partien, Gang und Gäbe, sich in Stadtparlamenten, auf Landesebene mit der AfD zusammen zu setzen und Politik für den Bürger zu machen.
    Komisch der hier inszenierte Sturm im Wasserglas und die "Welle der Empörung"

  16. 15.

    Nina Hagen hat einst gesungen : Gott ist tot ! Heute müsste sie singen: Die Demokratie ist tot ! Wenn jemand Realpolitik zu machen versucht, wird er mies gemacht und knickt am Ende ein. Schon Dutschke hat vor 50 Jahren kritisiert, dass kein Dialog stattfindet.

  17. 14.

    So geht "Bürgermeistern" ... mit allen Wählern sprechen!
    Heute noch wichtiger denn je!

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