Nach Bundesrat-Abstimmung - Streit in Brandenburgs Regierung nach Abstimmung zum Cannabisgesetz

Sa 23.03.24 | 10:33 Uhr
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Archivbild: Benjamin Raschke (Bündnis90/Grüne), Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag am 20.03.2024. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 22.03.2024 | H. Christ/M. Woller | Bild: dpa/Bernd Settnik

Bei der Cannabis-Abstimmung im Bundesrat hat Brandenburg für die Anrufung des Vermittlungsausschusses gestimmt. Von den Grünen gibt es daran deutliche Kritik. Die Landes-CDU appelliert an Bundespräsident Steinmeier, das Gesetz zu stoppen.

Nach der Abstimmung im Bundesrat zum Thema Teil-Legalisierung von Cannabis gibt es Streit in der Brandenburger Regierungskoalition. Brandenburg stimmte am Freitag für die Anrufung des Vermittlungsausschusses.

Eine Mehrheit gab es dafür in der Länderkammer aber nicht. Der Bundesrat machte den Weg für die teilweise Legalisierung von Cannabis in Deutschland frei. Er ließ das vom Bundestag beschlossene Gesetz passieren, mit dem Besitz und Anbau der Droge zum 1. April für Volljährige mit Vorgaben erlaubt werden. Die Grünen im Landtag reagierten verärgert auf das Abstimmungsverhalten und machten dem Ministerpräsidenten Vorwürfe. Die Landes-CDU fordert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf, dass er nun das Gesetz stoppt, indem er es nicht unterzeichnet.

Grüne: Brandenburg hat entgegen der Vereinbarung abgestimmt

Die Grünen-Fraktion in Brandenburg teilte am Freitag nach der Abstimmung mit, dass Brandenburg in der Länderkammer entgegen der zuvor verhandelten Vereinbarung in der Regierungskoalition der Anrufung des Vermittlungsausschusses zum Cannabisgesetz zugestimmt hatte, genau wie im Fall des Haushaltsfinanzierungsgesetzes. "Dietmar Woidke hat heute doppelt verloren: Weder haben die von ihm in Eigenregie verfolgten Punkte im Bundesrat eine Mehrheit gefunden, noch ist er seiner Verantwortung als Regierungschef einer Koalitionsregierung gerecht geworden", so Grünen-Fraktionschef Benjamin Raschke. Es sei ein Vertrauensverlust entstanden, der auch Sondierungen und Koalitionsgespräche im September belasten könnte. "Dietmar Woidke muss sich fragen lassen, wie er das Vertrauen in der Koalition zurückgewinnen will", sagte Raschke.

Das ist ein grober Eklat und Vertrauensbruch.

Brandenburgs Gesundheitsministerin und Vize-Ministerpräsidentin Ursula Nonnemacher

Parteikollegin und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher erklärte im rbb: "Das ist ein grober Eklat und Vertrauensbruch." Woidke werde damit seiner führenden Rolle in einer Koalition nicht gerecht: "So ein extremer Affront belastet auch künftige Verhandlungen", unterstrich die stellvertretende Ministerpräsidentin.

"Wir werden in Zukunft durch Anwesenheit unserer grünen Ministerinnen und Minister im Bundesrat sicherstellen, dass getroffene Vereinbarungen eingehalten werden", ergänzte Fraktionschef Raschke.

Das Abstimmungsergebnis im Bundesrat gegen die Anrufung des Vermittlungsausschusses begrüßten die Grünen ausdrücklich: "Mit der Entscheidung des Bundesrats gehört die Kriminalisierung von Cannabis der Vergangenheit an. Und das ist gut so", so Raschke.

Woidke verteidigt das Abstimmungsverhalten

Woidke sagte am Freitagnachmittag am Rande einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei, das Cannabisgesetz sei nach seiner Auffassung nicht ausgereift. Auf Polizei, Justiz und kommunale Behörden kämen erhebliche Belastungen zu. Außerdem sei die Gefahr groß, dass Cannabis künftig zur Einstiegsdroge für junge Menschen werde. Er halte das für verantwortungslos. "Hier muss dringend nachgeschärft werden", sagte der SPD-Politiker. Deshalb habe er der Anrufung des Vermittlungsausschusses zugestimmt. Der Ministerpräsident machte geltend, SPD, CDU und Grüne hätten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Enthaltungen im Bundesrat möglichst zu vermeiden. "Das habe ich heute in meiner Richtlinienkompetenz gemacht."

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Jan Redmann, sieht das Abstimmungsergebnis ebenfalls kritisch: "Die Katastrophe für die Justiz nimmt ihren Lauf. Es ist nicht gelungen, Vernunft vor Ideologie zu stellen", sagte er. "Begründete Warnungen aus den Ländern werden in den Wind geschlagen. Die Ampel-Regierung im Bund trägt die volle Verantwortung, dass unserem Rechtsstaat sehenden Auges großer Schaden zugefügt wird und unsere Justiz lahmgelegt wird."

Am Samstag forderte Redmann Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf, das nun in Bundestag und Bundesrat verhandelte Gesetz in einem letzten Schritt zu stoppen, indem er es nicht unterzeichnet. Dieser Appell seiner Bundespartei sei "absolut vernünftig", sagte Redmann am Samstag im rbb24 Inforadio.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 23.03.2024, 9:20 Uhr

 

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96 Kommentare

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  1. 96.

    Sie mögen beide Drogen für gleichermaßen schädlich halten, aber die Wissenschaft widerlegt Sie. Insofern ist der Vergleich mit dem schädlicheren, aber legalen Alkohol durchaus angemessen, um nicht weiterhin Millionen Cannabis-Konsumenten zu kriminalisieren. Die Unverhältnismäßig eines Cannabis-Verbots wird von den Cannabis-Gegnern aber konsequent ignoriert. Wenn Sie einen gelegentlichen leichten Rauschzustand durch Alkohol oder Cannabis verurteilen, ist das Ihr gutes Recht, aber kein Sachargument, sondern lediglich Ihre Meinung.

  2. 95.

    Ja, Moin. Ist Ihnen bewusst, das der Gebrauch einer Droge, egal welche, ein gewaltiger Schritt in die mentale, also seelische, Abhängigkeit ist, sofern man dieser Substanz eine persönlich positiv empfundene Wirkung zuordnet und diese ggf. auch öfters, gar regelmäßig, konsumiert.
    Was an diesen "Aussichten" positiv sein sein soll, erschließt sich mir nicht.

  3. 94.

    Sie mögen beide Drogen für gleichermaßen schädlich halten, aber die Wissenschaft widerlegt Sie. Insofern ist der Vergleich mit dem schädlicheren, aber legalen Alkohol durchaus angemessen, um nicht weiterhin Millionen Cannabis-Konsumenten zu kriminalisieren. Die Unverhältnismäßig eines Cannabis-Verbots wird von den Cannabis-Gegnern aber konsequent ignoriert. Wenn Sie einen gelegentlichen leichten Rauschzustand durch Alkohol oder Cannabis verurteilen, ist das Ihr gutes Recht, aber kein Sachargument, sondern lediglich Ihre Meinung.

  4. 93.

    Ich fürchte, die Bildung haben Sie in Ihrer Selbstgefälligkeit nötig, nicht Toska. Jeder kann ein Gesetz als. verfassungswidrig erklären und das vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen. Die bloße Erklärung ist keine juristische Feststellung sondern zunächst mal eine einfache Behauptung.
    Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Vehemenz hier die Befürworter der Legalisierung ihren Rausch rechtfertigen. Allein der Vergleich mit Alkohol ist absurd. Beide Drogen sind gefährlich, nur auf unterschiedliche Art und Weise und wer es nötig hat, sich mit einer dieser Drogen zu berauschen, hat an sich schon ein Problem.

  5. 92.

    Wenn von den Grünen "deutliche Kritik" kommt, heißt das noch lange nicht, dass da was falsch gelaufen ist. Also ganz ruhig bleiben. Die Zeit wird zeigen, wer falsch liegt.

  6. 91.

    Ach ja, jetzt wollen Sie mir auch noch sagen, wie ich meine Freizeit verbringen soll!? Eigentlich geht Sie das nichts an.
    Aber ich sag Ihnen was ich so den Ganzen tag tue. ich sammle Altpapier und leere Flaschen. Außerdem versuche ich mich im Laubsägen und hab eine große Puzzelspielsammlung. Und jetzt Sie!

  7. 90.

    Es wäre schon allen geholfen, wenn Sie zukünftig auf das Verbreiten von Desinformation verzichten würden. Die Zeit, die Sie aufwenden, um hier Unwahrheiten zu verbreiten, sollten Sie lieber in die Recherche investieren.

  8. 89.

    Guten Morgen! Aus Erfahrung: Cannabis ist gesundheitsfördernd in der Hinsicht, daß es sich positiv auf die Psyche, also die seelische Gesundheit auswirkt. Auch die aphrodisatische Wirkung, wenn man zu zweit oder zu dritt ist, ist phänomenal. Wirklich, probieren Sie es mal aus! Einen schönen Palmsonntag!

  9. 88.

    Verstehe ich es richtig, die brandenburger Grünen bleiben einer Abstimmung von sich aus fern und jammern anschließend über die Abstimmung. Das Gesetz zur Cannabislegalisierung wirft viele Fragen auf und ist einfach absurd, wenn man die Drogenpolitik im ganzen betrachtet. Es hilft und schützt niemanden wirklich....
    Herr Woidke hat richtig gehandelt.

  10. 87.

    Ich werde mir nächste Mal ganz große Mühe geben alles zu belegen nur habe ich nicht die Zeit wie Sie soviel zu googeln.
    Nochmals schönen Palmsonntag.
    Falls Sie jetzt nicht was der Sonntag heute bedeutet können Sie gleich wieder googeln.
    Das Thema ist für mich beendet und ich bleibe dabei das diese Gesetzesfreigabe völlig unausgereift ist und die Argumentation von Herrn Lauterbach absolut keine Bedeutung haben.

  11. 86.

    Ich empfehle Ihnen es einfach mal auszuprobieren. Dann haben Sie das Ergebnis.

  12. 85.

    Guten Morgen! Das sehe ich gänzlich anders: Cannabis ist gesundheitsfördernd in der Hinsicht, daß es sich positiv auf die Psyche, also die seelische Gesundheit auswirkt. Auch die aphrodisatische Wirkung, wenn man zu zweit oder zu dritt ist, ist phänomenal. Wirklich, probieren Sie es mal aus! Einen schönen Palmsonntag!

  13. 84.

    Dieses Beispiel zeigt wieder, mit welcher innerer Einstellung Entscheidungsträger ihr Eigenes durchsetzen. Es kann noch so borniert erscheinen, es wird gemacht: Standortentscheidungen von Fabriken bis Flughäfen, F1 Strecken, Abstimmverhalten, Werbeauftritte aus Steuermitteln im Amt und noch viel mehr...
    Aber wie sagte Herr Woidke oder auch Herr Steinbach: Die Menschen müssen bereit sein sich zu verändern. Wie recht er doch hat...Sehr schnell sogar wenn man erfolgreich sein will. Nur wird er es anders gemeint haben?

  14. 83.

    Wenn ich Sie dafür kritisiere, dass Sie Behauptungen aufstellen, die von keinerlei Fakten gedeckt sind und nachweislich falsch sind, ist das keine Beleidigung. Wenn Sie das jedoch als beleidigend empfinden, ist das - mit Verlaub - allein Ihr Problem. Wenn Sie hier (einmal mehr) Desinformation verbreiten, müssen Sie doch damit rechnen, widerlegt zu werden. Und ja, es geht um das verabschiedete Gesetz, aber natürlich auch um Sachargumente für oder eben auch gegen dieses Gesetz. Und Sie haben klar kommuniziert, dass Sie gegen das Gesetz sind, konnten das aber bisher nicht mit Sachargumenten begründen, sondern sind bisher nur durch falsche Behauptungen aufgefallen. Und hinsichtlich der Unverhältnismäßigkeit eines Cannabis-Verbots ist der Vergleich mit der härteren Droge Alkohol sehr wohl relevant. Und wenn Sie darauf hingewiesen werden, dass Sie nicht auf der Sachebene debattieren, und dann sinngemäß mit einem trotzigen "Selber!" Antworten, wirkt das nur noch hilflos.

  15. 82.

    Zu Ihrer Frage
    „Wird das Autofahren mit Cannabis genau so bestraft, wie unter Alkohol??“
    findet sich in § 315c StGB folgende Regelung:

    „ (1) Wer im Straßenverkehr
    1.
    ein Fahrzeug führt, obwohl er
    a)
    infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel …
    nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen …
    wird … bestraft.“

    Die Antwort lautet folglich „ja“.

  16. 81.

    Sehe ich anders. Cannabis ist ein Betäubungsmittel, das keineswegs gesundheitsförderlich ist. Lediglich in wenigen Ausnahmefälle ist es unter strikter ärztlicher Kontrolle als Arzneimittel sinnvoll. Leider wurde die Chance verpasst, das übereilt vom Bundestag beschlossene Gesetz im Vermittlungsausschuss einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen.

  17. 80.

    Also, langsam reicht es das Sie ständig andere Meinungen in teilweise sehr beleidigender Art und Weise kritisieren. Sie werfen anderen vor nicht auf Sachebende zu diskutieren und sind selber davon weit entfernt.
    Wenn Sie es noch nicht begriffen haben, es geht nicht darum was schädlicher ist sondern um das Gesetz.
    Bei Ihnen steht eine ständige Rechthaberei im Vordergrund und nicht der Beitrag.
    Schönen Sonntag.

  18. 79.

    Dietmar Woidke hat augenscheinlich den Kern der Kritik nicht verstanden. Aber gut, ein Politiker eben … zuhören oder klar Fragen beantworten zu können sind da nicht gerade hervorzuhebende Fähigkeiten.

  19. 78.

    Dem kann ich nur zustimmen. Die CDU hatte die Möglichkeit, das Gesetz im Bundesrat zu stoppen. Dieses haben sie nicht
    getan.

  20. 77.

    Wenn ich diesen Artikel lese, weiß ich, dass schon zu viel Drogen illegal konsumiert wurden. Schlimm, was da auf die Normalos drauf zukommt.

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