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Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 01.03.2024 | Martin Krauss | Quelle: dpa-Zentralbild

Wasserverband Strausberg-Erkner

Vorerst kein Entsorgungsstopp für Tesla-Abwasser

Die Abwässer der Tesla-Fabrik in Grünheide werden trotz überschrittener Grenzwerte weiter wie bisher entsorgt. Vorerst zumindest. Der Vorsitzende der Wasserverbandsversammlung ist derweil zurückgetreten.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) entsorgt nach rbb-Informationen vorerst weiter die Abwässer der Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree). Die Beschlussvorlage von Verbandsvorsteher André Bähler, die Abnahme von Abwasser wegen überschrittener Grenzwerte zu stoppen, wurde vertagt, wie der Vorsitzende der Verbandsversammlung, Henryk Pilz, am Freitag mitteilte. Zuvor hatten die Zeitungen "B.Z" und "Tagesspiegel" berichtet.

Pilz, der bisherige Vorsitzende der Verbandsversammlung des WSE, legte überraschend und mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder. "Ich bin nicht mehr bereit, in der Konstellation die Verbandsversammlung nach außen hin zu vertreten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Pilz (CDU) ist auch Bürgermeister von Erkner.

Werk in Grünheide

Grenzwerte von Phosphor und Stickstoff in Tesla-Abwasser überschritten

Seit rund zwei Jahren leitet das Tesla-Werk offenbar zu viel Phosphor und Stickstoff in das Abwassersystem. Der Wasserverband drängt nun darauf, Tesla bis auf Weiteres die Abwasserleitung zuzudrehen.

Sondersitzung kam für viele Bürgermeister zu schnell

Die Strausberger Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) erklärte nach der nicht öffentlichen Sitzung, es gebe noch Klärungsbedarf. Auch Vertreter von Tesla und des Kreises Märkisch-Oderland wurden nach rbb-Informationen gehört. Vertreter der Städte und Gemeinden im Wasserverband hatten heute rund drei Stunden in einer kurzfristigen Sondersitzung beraten.

Für viele Verbandsvertreter – also Bürgermeister – kam die Sondersitzung zu schnell. Sie hätten sich mehr Zeit gewünscht, wie sie sagten. Einige Verbandsvertreter hatten bereits vor der Sitzung am Freitag angekündigt, sich im Zweifelsfall eine Vertagung der Abstimmung aussprechen zu wollen.

Protestaktion

Lage im besetzten Waldstück nahe Tesla-Werk in Grünheide bleibt entspannt

Am zweiten Tag nach Beginn des Protests in einem Wald in der Nähe des Tesla-Werks sind vor Ort nur wenige Polizisten zu sehen. Dutzende Aktivisten sind aktuell im Kiefernwald und haben Baumhäuser gebaut. Ein längerer Protest ist zu erwarten.

Abwassergrenzwerte teilweise erheblich überschritten

Aus einer WSE-Beschlussvorlage geht hervor, dass Tesla dem Wasserverband zufolge "ständig und in erheblicher Weise" Abwassergrenzwerte überschreite. Das betreffe die Werte für refraktären Phosphor sowie für Gesamtstickstoff. Diese wurden teilweise um das Sechsfache überschritten.

Der US-Elektroautobauer Tesla hatte den WSE vor einem Entsorgungsstopp beim Abwasser gewarnt. "Ihnen ist bekannt, dass der Stopp einer Einleitung der Abwässer der Gigafactory zu einem Produktionsstopp der Gigafactory führen würde. Ein solcher Beschluss verursacht täglich einen Schaden in Millionenhöhe", hieß es in einem Schreiben des Unternehmens an WSE-Chef Bähler und den Vorsitzenden der Verbandsversammlung.

Sendung: rbb24 Inforadio, 01.03.2024, 15:40 Uhr

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