Saleh einziger Kandidat - Berliner SPD wählt Fraktionsspitze neu

Di 21.05.24 | 08:09 Uhr
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Archivbild:Raed Saleh, SPD- Landesvorsitzender, am 09.02.2024.(Quelle:picture alliance/M.Popow)
Audio: rbb24 Inforadio | 21.05.2024 | Michael Ernst | Bild: picture alliance/M.Popow
  • Berliner SPD wählt am Dienstag neuen Fraktionsvorsitz
  • Raed Saleh stellt sich als einziger und parteiintern stark kritisierter Kandidat
  • aus der Partei kommen Forderungen nach Doppelspitze und personellem Neuanfang

Die Mitglieder der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wählen bei ihrer regulären Sitzung am Dienstagnachmittag ihren Vorstand neu. Raed Saleh, der die Fraktion schon seit 2011 anführt, ist bislang der einzige Kandidat.

Der SPD-Politiker steht parteiintern in der Kritik, und es gilt als denkbar, dass auch unter den SPD-Abgeordneten die Zustimmung bröckelt. Noch ist Saleh auch Parteivorsitzender, aber nicht mehr lange: Zusammen mit der Bezirkspolitikerin Luise Lehmann hatte er sich um den Parteivorsitz beworben, war aber schon in der ersten Runde der Mitgliederbefragung zur Doppelspitze in der Landes-SPD ausgeschieden. Die Stichwahl gewannen Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Ex-Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini, beides ausgesprochene Saleh-Kritiker.

Bedürfnis nach personellem Neustart in der SPD

Auch das dritte Bewerberduo aus dem SPD-Landesvize Kian Niroomand und der früheren Vorsitzenden der SPD-Frauen, Jana Bertels, hatte Saleh öffentlich deutlich kritisiert und einen Neuanfang im Parteivorstand gefordert. Schon nach der Wiederholungswahl im Februar 2023, bei der die SPD rund zehn Prozentpunkte hinter der CDU und nur hauchdünn vor den Grünen landete, hatte es an den Parteivorsitzenden Franziska Giffey und Raed Saleh massive Kritik gegeben. Parteilinke störten sich vor allem an ihrer Entscheidung, lieber als Juniorpartner mit der CDU als weiter mit Grünen und Linken zu regieren, was rechnerisch möglich gewesen wäre.

Giffey erklärte schließlich, nicht wieder für den Parteivorsitz zu kandidieren, Saleh trat erneut an und scheiterte. Seitdem steht die Frage im Raum, welche Folgen das für seine Rolle als Fraktionsvorsitzender hat. "Ich glaube schon, dass es in der Berliner SPD ein großes Bedürfnis nach einem Neustart gibt", sagte Niroomand am Samstag, nachdem das Endergebnis der Mitgliederbefragung bekannt gegeben worden war. "Ich wünsche mir, dass das in der Fraktion nicht ignoriert wird, sondern dass das auch berücksichtigt wird." Auch am Termin für die Wahl des Fraktionsvorstands noch vor dem Parteitag am 25. Mai, bei dem die Parteivorsitzenden gewählt werden, gab es Kritik. "Ich glaube, den Termin jetzt wieder kurzfristig vorzulegen, das ist genau der Stil, den viele Mitglieder dieser Partei nicht mehr wollen", sagte Niroomand.

Forderung nach Fraktions-Doppelspitze

Dahinter steht der Vorwurf, Saleh wolle Fakten schaffen, bevor eine ausgiebige Diskussion über das Ergebnis der Mitgliederbefragung und über Salehs Rolle in der Partei möglich sei. Salehs herbe Niederlage hatte auch Diskussionen um seine Rolle an der Fraktionsspitze provoziert: Öffentlich gab es Vorschläge, eine Fraktions-Doppelspitze einzuführen aus einem Mann und einer Frau - wie bei Grünen und Linken im Landesparlament.

Über diese Frage soll nun zwar eine Arbeitsgruppe beraten, aber das geht nicht allen schnell genug. Hikel und Böcker-Giannini wiesen erst am Samstag erneut darauf hin, dass sie diesem Modell viel abgewinnen können - und das nicht erst bei der nächsten Vorstandswahl. Wie groß der Kreis der Saleh-Kritiker in der eigenen Fraktion ist, lässt sich schwer abschätzen. Es gilt aber als durchaus realistisch, dass Saleh bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden nicht mit allen Stimmen rechnen kann.

Die SPD hat im Landesparlament 34 Abgeordnete, Saleh inklusive. Je nachdem, wie viele sich der Zustimmung für Saleh verweigern, könnte dessen Rolle nachhaltig geschwächt werden - auch in der Zusammenarbeit mit dem Regierungspartner CDU. Bisher galt Saleh in der SPD als Strippenzieher und starker Mann der Partei. Doch sollte er keine breite Bestätigung als Fraktionschef bekommen, steht das endgültig infrage.

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.05.2024, 08:03 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Wenn sie sPD Anhänger wären, warum vertreten sie dann hier die Linie der rechtsextremen AfD?

    Und noch etwas verrät sie!

  2. 15.

    Jeder ist für seinen Untergang selbst verantwortlich, auf in die Bedeutungslosigkeit. < 5 %

  3. 14.

    nein, dass katastrophale Wahlergebnis ist nicht Giffey anzulasten, sondern den Linken in der SPD, die nicht wahrhaben wollten, dass die Mehrheit der Berliner RRG einfach nicht mehr wollte und darum auch SPD Anhänger (wie ich)die CDU gewählt haben. Gegen Wohnungsnot hilft Wohnungen bauen und keine Enteignungsgelüste und gegen kriminelle Migrantenkids (kleine Paschas) hilft eine starke und gut ausgestatte Polizei und Justiz(Bodycams und Taser) und keine Beschimpfungen gegen die - angeblich so rechte -CDU!

  4. 12.

    Ich hoffe, dass die neue SPD Spitze den Kuschelkurs mit den krawalligen Linksgrünen beendet und diese Bullerbü-Umsonst Mentalität der Linken beendet und auch endlich klare Kante gegen die Krawallokids aus dem migrantischen Lager fährt.
    Frau Kilztippe, die sich noch immer über jeden Migranten in der Stadt freut und die Bezahlkarte partou nicht will, muss auch noch abgesägt werden.
    Schön, dass Franzi Senatorin bleibt und mit der neuen Spitze hoffentlich dafür sorgt, dass es in Berlin nie wieder RRG gibt und die Vergesellschaftungsträumer ausgeträumt haben.
    DIe ganz linken in der Berliner SPD geen doch besser zu den Linken! Und bitte, nehmt Kevin mit!

  5. 11.

    Das ist natürlich Unsinn, Frau Storch, lesen Sie doch bitte noch einmal den Artikel.

  6. 10.

    Eine Fraktion mit Doppelspitze mit Frau und Mann passt zu den heutigen Anforderungen.

  7. 9.

    Ich wollte kein RRG und sehen sie sich mal die Wahlergebnisse an. Grüne konnten ihr Ergebnis halten, die sPD fiel ins Bodenlose, Die Linke wurde zwischen den "Großen" aufgerieben und die cDU hat die Wahl dank des rassistischen Wahlkampf und den Einsatz von einer knapenn Million Schmier.... äh, Spendengelder gewonnen.

  8. 7.

    Fake News. Das katastrophale Wahlergebnis ist Giffey zu verdanken, die die Koalition auf die Zerreißprobe gestellt hatte.

    Giffey war schon immer auf cDU Kurs und das hat der Wähler abgestraft. Die Berliner wollten RRG, nur mit grüner Bürgermeisterin und nicht eine mit Starallüren und Zickenalarm.

  9. 6.

    Peinlich, wie manche an der Macht kleben. Und das vor dem Hintergrund seines Wahlergebnisses zum Parteivorsitz...

  10. 5.

    Guten Nacht, die SPD sort selbst für ihr Verschwinden.

  11. 4.

    Ich habe mir dieser Art von Politik fertig und wähle die Ränder.

  12. 3.

    Hallo Herr Saleh, treten Sie doch bitte zurück und machen Sie den Weg frei. Es geht um die SPD, nicht um Ihre Person. Danke.

  13. 2.

    Wenn Herr Saleh das gegen den Willen Teile seiner eigenen Partei durchsetzt, macht sich die Partei zunehmend unwählbar. Dieser interne Machtkampf wirkt nach außen nur noch peinlich. Polemiker aller Parteien sind mir zutiefst suspekt. Zum Phrasendreschen können sie sich gerne am Kiosk treffen, ohne aus Steuergeldern bezahlt zu werden. Es gibt wirklich andere Politiker in dieser Fraktion, die nah an den Bürgern wichtige Entscheidungen treffen, denen sollte Herr Saleh den Vortritt lassen, wenn die SPD sich in Berlin nicht selbst abschaffen will.

  14. 1.

    Saleh hat fertig. Sein linker Kuschelkurs hat zu einem desaströsen Wahlergebnis und Kai Wegner ins Rote Rathaus geführt.

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