Trainer Urs Fischer beim Trainingsauftakt von Union Berlin. Quelle: imago images/Andreas Gora
Audio: Inforadio | 31.07.20 | 8:15 Uhr | Stephanie Baczyk | Bild: imago images/Andreas Gora

Der 1. FC Union trainiert wieder - Fischer aka "Push it real good"

Im fast leeren Stadion An der Alten Försterei hat der 1. FC Union sein erstes Training der neuen Saison absolviert. Top-Stürmer Andersson fehlt krank, Trainer Fischer gibt erholt lautstark Kommandos. Vorbereitung auf eine schwere Saison. Von Stephanie Baczyk

Urs Fischer hat ein ordentliches Organ unter dem Basecap. "Bereit sein", pusht der Schweizer im dunkelblauen Trainingsanzug seine Spieler beim 'sieben gegen zwei' - unnachgiebig, immer wieder - und seine Stimme hallt durch das fast leere Stadion An der Alten Försterei: "Kommt Jungs, rechnet damit!". Unions Coach ist glücklich, er ist wieder da. Zurück aus der Sommerpause. Und in der hat Fischer einfach mal den Kopf zugemacht.

"Ich würde sagen, dass ich in erster Linie mal meine Familie genossen habe", sagt er. "Es gab schon eine Phase von fünf, sechs Wochen, in der wir uns nicht mehr gesehen haben - also nur über WhatsApp und Facetime". Die Corona-bedingte Isolation. Also ist Fischer raus in die Natur. "Da war ich mit meiner Frau viel Wandern", berichtet der 54-Jährige. "Unterwegs in den Bergen, in der Schweiz. Das hat unheimlich Spaß gemacht".

"Wollen von Beginn weg an unseren Schwächen arbeiten!"

Dem Flanieren im Grünen folgte dann Fischen in Österreich - mit Co-Trainer Markus Hoffmann. "Ich glaube fast, dass er noch ein bisschen begeisterter ist als ich", sagt der passionierte Angler Fischer und muss lachen. "Ich hab die vier Wochen genossen und von daher: Die Akkus sind wieder aufgeladen". Das merkt man an diesem Donnerstagvormittag An der Alten Försterei. Der Trainer ist laut, das Team gleich gefordert.

"Er macht das schon gut", nickt Kapitän Christopher Trimmel nach der ersten Einheit. "Ist ja auch wichtig, dass man gleich vom ersten Tag an konzentriert rangeht. Wir wollen von Beginn an Vollgas an unseren Schwächen arbeiten". Der Klassenerhalt nach der ersten Bundesligasaison der Vereinsgeschichte, die "Sensation", wie Urs Fischer gerne sagt, liegt hinter den Eisernen. Die zweite Spielzeit dürfte ungleich schwerer werden.

Andersson "nur" krank, aber noch nicht weg

"Ich glaube schon, dass es das eine oder andere Spiel gegeben hat, wo uns der Gegner mal unterschätzt hat, nicht gut genug gekannt hat", weiß Trimmel. "Das wird jetzt nicht mehr passieren". Die Klubs aus der ersten Klasse kennen die Köpenicker mittlerweile dann doch, wissen um die Stärken und Schwächen - und um den Fakt, dass bei Union vorne im Sturm mit Sebastian Andersson der kopfballstärkste Spieler der Liga am Start ist.

Der 12-Tore-Schwede aus der letzten Saison ist allerdings heiß begehrt, steht bei anderen Vereinen auf dem Zettel. Laut dem 'Kicker' ist der schottische Meister Celtic Glasgow an ihm dran, Andersson hat Eindruck hinterlassen. Beim Trainingsauftakt des 1. FC Union fehlt er - aber nur krankheitsbedingt. Der Angreifer ist einer von sieben Spielern, die an diesem Donnerstagvormittag nicht auf dem Platz stehen. Auch Neuzugang Keita Endo ist nicht dabei - der japanische Nationalspieler hat noch vor wenigen Tagen in der J-League für die Yokohama F. Marinos auf dem Platz gestanden.

Frische Kräfte auf dem Platz und zwischen den Pfosten

Von den beiden anderen Neuen, Mittelfeldspieler Sebastian Grießbeck und Innenverteidiger Niko Gießelmann, ist Trainer Fischer durchaus angetan. "Es gilt ja jetzt auch in erster Linie mal, sich kennenzulernen", so der Schweizer. "Es ist aber wichtig, heute auch auf dem Platz zu sehen, dass sie aktiv sind, zeigen wollen, dass sie eine gewisse Verantwortung übernehmen. Ich glaube aber auch - und das hat die Mannschaft in der Vergangenheit gezeigt - dass sie sich eigentlich wirklich überhaupt nicht schwer tut, neue Spieler zu integrieren".

Zur Probe darf aktuell Keeper Alexander Brunst mittrainieren - der 25-Jährige stand zuletzt bei Drittligist FC Magdeburg unter Vertrag. Gerade auf der Torhüter-Position hat Union Bedarf, sucht nach dem Abgang von Rafal Gikiewicz unter anderem nach einer neuen Nummer eins. "Wir sind froh, dass er da ist", sagt der Coach über Brunst. "Das ist auch eine Chance für ihn, sich zu zeigen". Der Start in die neue Spielzeit wirkt harmonisch - und doch kämpfen nicht nur die Köpenicker mit der fehlenden Kulisse. Zum Auftakt grüßen keine Fans, sondern nur die Presse- und Vereinsvertreter von den Tribünen, vereinzelt sind vereinsamte Foto-Klick-Geräusche zu hören.

"Schwierige Themen muss man angehen"

Dass der 1. FC Union an dem offensiven Plan, mit voller Hütte in die neue Saison zu gehen, festhält, finden der Captain und der Coach gut. "Ich finde in erster Linie super, dass wir einen Präsidenten haben, der aktiv mit einer Idee vorangeht", sagt Trimmel. "Man braucht Menschen, die mit Ideen ankommen. Ob man das dann umsetzen kann oder nicht, ist nicht das Ding. Nur so kommt man voran bei dem Thema - und es ist ein sensibles Thema".

"Schwierige Themen muss man angehen", findet auch Urs Fischer. "Der Verein hat eine Entscheidung getroffen und ich glaube, dass wünschen wir uns ja alle. Aber wie es dann schlussendlich rauskommt - da gibt es viele Leute, die man dann mit im Boot hat". Union will in diesen Tagen über den Stand des Vorhabens informieren, ein Update darüber geben, wie die Zusammenarbeit bezüglich notwendiger Tests aussehen könnte.

Der jüngste Plan: Bad Saarow

Dazu geht der Blick in Richtung DFL. Die Vertreter der 36 Profiklubs aus den ersten beiden Ligen stimmen am kommenden Dienstag über einige Vorschläge, die Stadien-Auslastung betreffend, ab. Dabei geht es auch um das Verbot von Stehplätzen bis zum Ende des Jahres, das die Köpenicker hart treffen würde - das Stadion An der Alten Försterei besteht größtenteils aus 'Stehern'.

Die Fan-Planungen laufen heiß im Hintergrund, die Pläne für die Mannschaft liegen schon offen: der 1. FC Union verbringt die kommenden Tage bis Sonntag im Trainingslager im brandenburgischen Bad Saarow - und verweilt dann in Berlin, um Mitte August weiter ins bayerische Bad Wörishofen zu starten. Der erste Eindruck jedenfalls ist gut, auch bei Trainer Fischer. "Das hat man gehört und gemerkt, da war Leben im Spiel", beurteilt der Schweizer das Gesehene und schiebt dann noch einen Satz hinterher, der lobend gedacht ist, aber auch schmunzeln lässt. "Die Mannschaft ist wirklich sehr erwachsen, die weiß, was es braucht".

Sendung: Inforadio, 31.07.20, 8:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    „ Fischer aka "Push it real good"“... ah ja.... was soll das denn? Mega die Headline.....

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