BR Volleys-Neuzugang Denys Kaliberda im Länderspiel Deutschland gegen Frankreich(Quelle: imago images/Camera 4)
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BR Volleys-Neuzugang Denis Kaliberda - Heimkehr des verlorenen Sohnes

Er ist ein überragender Allrounder und führte die deutsche Nationalmannschaft 2014 zu WM-Bronze. Jetzt ist der Wandervogel Denis Kaliberda zurück in Berlin. Dort, wo alles begann. Und wo man ihn für jemanden hält, der er nicht sein mag. Von Ilja Behnisch

Er sei einfach nicht der "total ernste" Typ, sagte Denis Kaliberda (30) einmal über sich selbst. Kein Wunder also, dass der Dezember-Neuzugang der BR Volleys lachen muss, als er beim Fernseh-Dreh des rbb gefragt wird, was für ein Typ er denn sei.

Für die Antwort allerdings ist dann erstmal wieder Ernst angesagt, passend zum Inhalt: "Viele würden sagen - schwierig. Ich denke, ich bin ein sehr, sehr ehrlicher Mensch. Ich habe mich aber auch viel verändert in der Zeit, bin erwachsener geworden. Deswegen werden mich Leute, die mich von früher kennen, anders einschätzen als jetzt."

In den Fußstapfen des Vaters

Früher, das ist zumindest auf Berlin bezogen alles zwischen 1995 und 2009. Mit viereinhalb Jahren kommt Kaliberda, der in der ukrainischen Stadt Poltawa geboren wird, nach Berlin, wohin sein Vater Viktor als Volleyball-Halbprofi gewechselt war. 1999 beginnt auch Sohn Denis mit dem Volleyball, schließt sich dem SCC an. 2004 folgt der Wechsel zum VC Olympia Berlin. Zunächst spielt er in der Regionalligamannschaft. Ab der Saison 2006/07 schließlich als Teil des Erstligateams und mit 16 Jahren als jüngster Spieler der Liga.

Er wird Kapitän der U19-Nationalmannschaft und mit der U21 Vizeeuropameister 2008. Alles scheint möglich. Oder wie Stefan Hübner, damals Co-Trainer des Bundestrainers, es sagte: "Ein echt geschmeidiger Typ mit toller Athletik. (…) Er kann ein richtig Guter werden." Er wird ein richtig Guter.

Sieben Jahre Wandervogel

2009 wechselt Kaliberda zu Generali Unterhaching, damals der größte Herausforderer von Serienmeister- und Pokalsieger Friedrichshafen. Dann lockt die weite Welt. Für Spieler seiner Qualität gibt es gutes Geld zu verdienen in den europäischen Topligen. Vibo Valentia, Piacenza (beides Italien), Węgiel (Polen), Perugia, Macerata (beides Italien), Ankara (Türkei) und Modena (Italien) heißen die sieben Stationen in den folgenden sieben Jahren. Heute sagt er: "Es gab Zeiten, in denen ich zufrieden war damit, immer hin und her zu wechseln. Es war sportlich immer eine leichte Steigerung. Ich habe viele interessante Orte und Menschen kennenlernen können. Aber irgendwann ist es auch Zeit, dass es weniger wird."

Zumal nicht jede Auslandserfahrung positiv endet. Gleich in seinem ersten Spiel für den polnischen Spitzenklub Jastrzębski Węgiel zieht sich Kaliberda eine schwere Schulterverletzung zu. "Ich bin im ersten Satz bei einer Abwehrreaktion auf den Boden gefallen und habe einen leichten Schmerz gefühlt. Ich habe jedoch durchgespielt, wir haben 3:0 gewonnen. Seit dem Tag habe ich keinen Ball mehr angefasst", erinnerte er sich ein halbes Jahr später gegenüber "volley.de". Während der Verein darauf pochte, die Verletzung konservativ zu behandeln, entschied sich Kaliberda im Dezember 2014 eigenmächtig für eine Operation. Die Konsequenz: "Der Verein hat nach zwei Monaten die Gehaltszahlungen eingestellt und mich Anfang des Jahres (2015, Anm. d. Red.) informiert, dass ich sofort die Wohnung zu verlassen habe“, so Kaliberda gegenüber dem "Volleyballmagazin" im August 2015.

Überragend bei der Weltmeisterschaft

Es war der Tief- nach einem absoluten Höhepunkt. Kurz zuvor hatte die deutsche Nationalmannschaft in Polen sensationell Bronze und damit die erste WM-Medaille seit 44 Jahren geholt. Kaliberda überragte als Alleskönner. Seine einmalige Turnierbilanz: Sechster in der Scorerliste, zweitbester Angreifer, Dritter in der Annahme und Sechster beim Aufschlag. Oder wie Bundestrainer Vital Heynen befand: "Er ist der Spieler mit dem größten Potential. (…) Vielleicht der beste Allrounder der Welt."

Und seit Dezember zurück in Berlin. "Ich freue mich sehr, zurück zu sein", sagt er. "Ich wollte schon lange zurück und schon immer mal in der Max-Schmeling-Halle spielen."

Klare Erwartungen, klare Ziele

Die Erwartungen an ihn sind dabei klar umrissen. So sagt Cédric Énard, Trainer der BR Volleys gegenüber dem rbb: "Er ist neu in der Mannschaft, wir müssen ihm also Zeit geben. Aber er ist einer dieser Typen, die gut spielen können und gleichzeitig die Mitspieler anführen. Er kann sehr hilfreich für die Mannschaft und den Verein werden."

Was das bedeutet, scheint so Geschätzte ziemlich genau zu wissen: "Das nächste große Ziel ist, beim Champions-League-Turnier eine gute Leistung abzuliefern und in die nächste Runde zu kommen. Und dass man in Berlin deutscher Meister werden will, ist wohl relativ klar. Alles andere ist, glaube ich, kein Erfolg."

Er ist eben sehr, sehr ehrlich, dieser Denis Kaliberda.

Sendung: rbb24, 14. Januar 2021, 21:45 Uhr

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