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Video: rbb24 | 26.10.2023 | Lynn Kraemer | Quelle: VBL/Christian Scheffler

Volleyball-Saisonvorschau

Die Netzhoppers sehen die Zukunft pink

Neuer Kader, neuer Trainer, neue Farben: Die Netzhoppers Königs Wusterhausen stehen nach der Insolvenz in der vergangenen Saison vor einem Neuanfang in der Volleyball-Bundesliga. Doch sie nehmen große Altlasten mit. Von Lynn Kraemer

"Alle malen schwarz, ich seh’ die Zukunft pink. Wenn du mich fragst, wird alles gut, mein Kind." Wenn man es nach Peter Fox und Inéz hält, haben die Netzhoppers den richtigen Weg eingeschlagen. Zumindest beim neuen Trikotsatz. Passend zum Neuanfang hat sich der Brandenburger Volleyball-Erstligist vom Grün verabschiedet und tritt nun wahlweise in einem hellen Pink, Eis- oder Dunkelblau an. Der Mut beim Trikotdesign hat sich ausgezahlt. Beim Bounce House Cup, dem Saisonvorbereitungsturnier der Liga in Hildesheim, kommt der neue Look gut an. Von den Zahlen in der Tabelle kann die Mannschaft damit trotzdem nicht ablenken:

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Null Spiele, minus sechs Punkte

-6. Ermutigend ist der Blick auf die Tabelle für die Netzhoppers nicht. Eher ernüchternd. Und das schon vor Saisonstart. Während sich hinter den Namen der anderen Volleyball-Bundesligisten fünf Nullen sauber aneinanderreihen, prangen in der untersten Zeile minus sechs Punkte für die Energiequelle Netzhoppers Königs Wusterhausen. Nach der angemeldeten Insolvenz in der Vorsaison gehen sie mit einer empfindlichen Geld- und Punktestrafe in die neue Spielzeit.

Zurück zur Null

"Dass wir mit einem Minus starten, ist schwer. Aber wir machen uns da nicht so einen großen Kopf drum", sagt Teamkapitän Djifa Amedegnato. Die einfache Antwort auf die Punktestrafe wären zwei 3:0-Siege zum Auftakt. Doch das ist in der bestehenden Mannschaftskonstellation unrealistisch. Wie schwer die Strafe wiegt, zeigt ein Blick auf die Hauptrundentabelle der vergangenen Spielzeit: Da kamen die Netzhoppers in 16 Spielen auf zehn Punkte. Der Mannschaft gelangen drei Siege. Ein 3:0 im Hin- und Rückspiel gegen den VCO Berlin und ein 3:2 gegen den TSV Haching München.

Vom Kader der letzten Saison ist nur Libero Gian-Luca Berger geblieben. Die neue Mannschaft setzt sich aus regionalen Talenten zusammen. Sechs der Neuzugänge spielten in der Vorsaison zusammen für den VCO Berlin, andere sind über eine Doppellizenz dabei. Der älteste Spieler ist 25 Jahre alt. Der Jüngste ist im Juli 18 geworden. Der Altersschnitt: 19 Jahre. Und obwohl die Mannschaft harmoniert, macht sich die fehlende Erfahrung bemerkbar. Den Bounce House Cup schließen sie als Vorletzte ab. "Unser Niveau ist nicht gut genug für das Bundesliga-Topniveau", sagt Trainer Alejandro Kolevich. Der Argentinier ist auch neu im Verein. In der Bundesliga coachte er zuletzt die Bisons Bühl von 2019 bis 2021.

Volleyball

BR Volleys holen erneut den Supercup

Der Verein stellt sich neu auf

Fast 80 Prozent des Spielerbudgets wurden eingestrichen und in die Infrastruktur des Vereins investiert: "Wir legen den Fokus klar auf die Geschäftsstelle. Wir müssen das Fundament aufbauen für das nachhaltige Fortbestehen der Netzhoppers. Das geht nur über den jungen Weg", sagt Geschäftsführer Dirk Westphal, der nach seiner aktiven Karriere in Königs Wusterhausen übernommen hat. Der 37-Jährige beschreibt das letzte halbe Jahr als "a Hell of a Ride". Die Brandenburger profitieren von einer zweijährigen Nicht-Abstiegsregel. Diese wurde für die ganze Liga eingeführt, weil vier Aufsteiger in die oberste Spielklasse gestoßen sind. Auch die Netzhoppers können sich so neuformieren.

Als weitere Veränderung zieht der Bundesligist nach über einem Jahrzehnt in der Landkost-Arena in Bestensee zurück nach Königs Wusterhausen. Dort spielen sie in der Paul-Dinter-Halle, die eine ähnliche Kapazität hat. "Die Resonanz ist gut, und wenn ich mir den Kartenvorverkauf für Berlin angucke, ist das Interesse auf jeden Fall da. Die Leute in der Region wollen Volleyball sehen", sagt Dirk Westphal. Der Hallenwechsel sorgt für eine bessere Anbindung, weil die S46 bis nach Königs Wusterhausen fährt. Auch hier deckt sich die Idee Netzhoppers mit der Fox'schen Zukunftsvision: "Elon Musk, f*ck dein Marsprojekt. Scheißkalt und arschweit weg. Hab' Brandenburg entdeckt."

Harter November, hoffnungsvoller Dezember

Am 31. Oktober hat die Mannschaft ihr erstes Heimspiel. Zu Gast sind die BR Volleys. Das verspricht eine gut gefüllte Halle, aber auch eine fast unausweichliche Niederlage. "Wir haben im November sehr schwierige Spiele", blickt Amedegnato voraus. Die Mannschaft wolle diese Zeit nutzen, um sich zu verbessern. Denn im Dezember spielen sie gegen Haching und die vier Aufsteiger Bitterfeld-Wolfen, Dachau, Freiburg und Karlsruhe. "Jeden Aufsteiger sehen wir auf Augenhöhe und gehen mit Respekt an die Sache. […] Ich denke, wir haben 50:50-Chancen gegen jeden Aufsteiger", sagt der Zuspieler.

Vom Vereinsmanagement hat die Mannschaft kein Punkteziel für die Saison bekommen. "Ich glaube, es wäre total vermessen, sowas von der Mannschaft zu verlangen", sagt Westphal. "Ich will einfach nur, dass sie ihr Herz auf dem Spielfeld lassen und alles geben, um die Netzhoppers voranzubringen. Der wahre Wert des Sports ist, dass Menschen zusammenkommen und sich mit den Leuten identifizieren, die diesen Sport vor Ort ausüben."

Und das erfüllt das Team sogar an einem richtig schlechten Spieltag. Als die Mannschaft beim Bounce House Cup früh gegen Bitterfeld-Wolfen zurückfällt und "Skandal im Sperrbezirk" aus den Boxen tönt, beginnt sie so hoffnungsvoll sich selbst zu beklatschen, dass schließlich auch die wenigen Zuschauer in der Halle einstimmen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 26.10.2023

Beitrag von Lynn Kraemer

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