Interview | Box-Olympiasieger Henry Maske - "Wir sind in Deutschland im Boxsport verwöhnt"

Ex-Boxer Henry Maske auf einer Gala. Quelle: imago images/CHROMORANGE
Video: rbbUM6 | 29.07.21 | 18 Uhr | Torsten Michels | Bild: imago images/CHROMORANGE

In Seoul wurde er 1988 als Amateur Olympiasieger, anschließend startete er eine große Box-Karriere als Profi: Warum der Olympiasieg für Henry Maske der größte Triumph seiner Laufbahn ist und was er von den Spielen in Tokio hält, erzählt er im Interview.

rbb|24: Henry Maske, mit einem Jahr Verspätung laufen in Tokio derzeit die Olympischen Spiele. Wie nehmen Sie die Wettbewerbe wahr?

Henry Maske: Die Zeitverschiebung ist für die Europäer sicher einer Herausforderung. Für die Sportlerinnen und Sportler ist es aber großartig. Ich kann nicht beurteilen, wie es ohne Publikum ist. Es ist sicherlich eine besondere Herausforderung. Der Boxer im Speziellen konzentriert sich aber eher auf seinen Gegner und hat keine Zeit für die Zuschauer. Es gibt aber Sportarten, in denen die Resonanz extrem wichtig ist. 90 Minuten Fußball ohne Fans sind schon echt schwierig, kann ich mir vorstellen. Mithilfe des Publikums lässt sich immer nochmal Energie freisetzen, was sonst vielleicht gar nicht möglich gewesen wäre.

Die Boxwettbewerbe haben Sie sicherlich besonders im Blick.

Es ist schade, dass bei den letzten Olympischen Spielen nicht mehr so viel von den deutschen Boxerinnen und Boxern kam. Wir hätten es verdient und auch nötig, in diesem Bereich erfolgreicher zu sein. Ich bin zu wenig involviert, als dass ich beurteilen kann, woran es liegt oder was man zukünftig tun könnte. Natürlich sind wir in Deutschland im Boxsport aber auch verwöhnt. In den 1980er und 1990er Jahren gab es sowohl in der DDR als auch in der BRD viele Erfolge. Im Anschluss wurde das dann leider weniger.

1988 wurden Sie gegen Egerton Marcus als Amateur in Seoul Olympiasieger im Mittelgewicht. Was war das für ein Moment?

Die Frage ist leicht zu beantworten: Das ist jetzt schon mehr als 30 Jahre her und es war der schönste, der emotionalste und der bewegendste Moment in meiner sportlichen Karriere. Ich höre sehr viele Sportlerinnen und Sportler, die das ähnlich sehen. Olympia ist so besonders für die Athletinnen und Athleten. Deshalb bin ich froh, dass es auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu diesem Erlebnis gibt. Viele hätten sonst vielleicht ihre Karriere ohne diese Chance beendet.

Durchaus ein bemerkenswertes Statement, wenn man bedenkt, wie erfolgreich Ihre Profikarriere im Anschluss noch war.

Olympia wird so lange im Vorfeld geplant und vorbereitet. Es ist so besonders und so bewegend. Ich hatte das große Glück, auch noch erfolgreich zu sein. Man steht das ganze Turnier unter Spannung. Die Boxwettbewerbe starten ja relativ früh und ziehen sich dann bis zum Ende der Spiele. Dann mit einer Medaille nach Hause zu fahren, ist unvergesslich.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Torsten Michels, rbb sport.

Sendung: rbbUM6, 29.07.21, 18 Uhr

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