Einschätzung der Kommission - EU: Deutschland hätte illegal nach Polen gebrachten Müll zurücknehmen müssen

Mi 18.10.23 | 17:14 Uhr
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Archivbild: Illegale Müllentsorgung am Rande eines Waldgebiets. (Quelle: dpa/Shotshop)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.10.2023 | Holger Keßler | Bild: dpa/Shotshop

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist Deutschland seiner Pflicht illegal nach Polen gebrachten Müll zurückzunehmen nicht nachgekommen. Das erklärte die Kommission am Mittwoch in Brüssel. Konkret geht es um zwei illegale Müllhalden, eine davon befindet sich demnach in der Nähe von Cottbus, unmittelbar an der Grenze.

Deutschland hätte den Müll innerhalb von 30 Tagen zurücknehmen müssen, heißt es von der EU-Kommission. Zuvor hatte sich Polen über insgesamt sieben Standorte beschwert, von denen Deutschland den Müll wieder hätte zurücknehmen sollen. Die EU-Kommission sah den Vorwurf nur bei einer Deponie bei Tuplice in der Nähe von Cottbus bestätigt. Bei einer zweiten Deponie bei Stary Jawor, unweit von Breslau, habe sich der Vorwurf in Teilen bestätigt. In den anderen fünf Fällen seien keine Verstöße festgestellt worden.

Müllhalden als Wahlkampfthema

Illegale Müllhalden waren im Zuge der Parlamentswahlen in Polen zu einem Wahlkampfthema geworden. Die bislang regierende PiS-Partei machte Deutschland zum Teil dafür verantwortlich und legte bei der EU-Kommission Beschwerde ein. Nach eigenen Angaben untersuchte die Kommission die Vorwürfe und hörte beide Seiten in mündlichen Verhandlungen an. Im Zuge seiner Beschwerde erklärte Warschau zudem, Deutschland habe gegen den Grundsatz der "loyalen Zusammenarbeit" verstoßen.

Auch wenn die Zusammenarbeit bei der Feststellung des Sachverhalts "zuweilen nicht optimal" gewesen sei, habe die Kommission allerdings keinen Verstoß Deutschlands wegen mangelnder loyaler Zusammenarbeit feststellen können.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.10.2023, 17:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    "Bei der rohstoffwiederverwertung war die DDR besser als sie BRD."
    Und bei den Müllimporten einfacher als Polen heutzutage. Gab es Beschwerden/Klagen der DDR gegen die BRD beim Müllhandel oder wurden diese mit Geld gelöst?
    Und wenn ich an all die vielen Müllkippen in quasi jedem Dorf denke, bin ich mir gar nicht so sicher ob das bissel SERO wirklich mehr Schein als sein war. Heute alles gut abgedichtet und unter Solaranlagen versteckt.
    Mangel an Rohstoffen ist natürlich eine gute Motivation sorgsamer damit umzugehen. An vielen Stellen lebt dieser Gedanke ja auch wieder auf.
    Das Deutschland beim Thema Müllerzeugung im weltweiten Ranking ganz weit oben mitspielt, sollte kein Geheimnis sein.

  2. 5.

    Illegale Mülldeponien sind selten Haushaltsmüll. Oft ist es Gewerbe Müll, Bauschutt, Giftmüll usw…

  3. 4.

    Einfach müllexorte verbieten und falls möglich Müll recyceln. Dann würde es solche Probleme nicht geben. ^^

    Bei der rohstoffwiederverwertung war die DDR besser als sie BRD.

  4. 3.

    Der Staat haftet also für kriminelle Machenschaften seiner Bürger im EU Ausland.
    Zum einen der Staat sind wir alle, müssen dann dafür blechen und für welche Straftat Bestände?
    Kriminelle Müllentsorgung, Falschparker etc.oder gar Bankraub?
    Komische Regelung.

  5. 2.

    Wir trennen hier alles ordentlich und dann kommt die Müllmafia, kassiert viel Geld und kippt einen Großteil in Polen ab.

  6. 1.

    Interessant.
    Der Staat haftet für die kriminellen Machenschaften seiner Personen im EU-Ausland.
    Genau gesehen eigentlich gar nicht so verkehrt. Nur schwierig zu unterbinden. Hoffentlich findet man die wahren Verursacher und unterstützt sich gegenseitig bei den Ermittlungen.
    Das Wort Deponie passt irgendwie nicht zu illegaler Müllentsorgung.
    Unter Deponie stelle ich mir einen sehr exakt geregelten und bürokratischen Betrieb mit reichlich Dokumentationspflichten vor. Da dürfte also eigentlich nix illegales ankommen.

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