Transformationsprozesse im Fokus - Sich über Grenzen aufgrund gemeinsamer Erfahrungen verständigen

Das Collegium Polonicum direkt an der Oder im polnischen Slubice. (Quelle: Bildagentur-online/Schoening)
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Audio: Antenne Brandenburg | 14.09.2021 | Dilan Polat | Bild: Bildagentur-online

Nationale Grenzen können trennen - die gemeinsamen Erfahrungen der Menschen in einer Region aber nicht. Die brandenburgisch-polnische Oder-Region zum Beispiel – hier haben die Menschen in den vergangenen 75 Jahren ähnliche Veränderungsprozesse erlebt.

Darum ging es am Dienstag im Collegium Polonicum in Slubice. Auf dem Colloquium, einem Vernetzungstreffen, ging es um Transformationen in der deutsch-polnischen Grenzregion - und wie man gegenseitig mit Verständnis besser aufeinander zugehen kann. Mit von der Partie waren Mitarbeiter von Museen, Archiven, Schulen und Forschungseinrichtungen beiderseits der Oder. Über dieses Treffen sprach rbb|24 mit Professor Paul Zalewski von der Frankfurter Viadrina unterhalten.

rbb|24: Transformationserfahrungen, heißt es in der Überschrift. Welche Transformationen bzw. Veränderungen hat die Grenzregion denn erlebt?

Paul Zalewski: Wenn man zum Beispiel an die Migrationswellen denkt, die in Brandenburg und in der Region schon seit dem 17. Jahrhundert präsent sind wie zum Beispiel die Hugenotten oder die Trockenlegung des Oderbruchs, dann ist es auch ein spektakuläres Beispiel für Transformation. (Anm. d. Red.: Bewohner für das Oderbruch wurden zumeist außerhalb der Landesgrenzen Preußens mit Vergünstigungen angeworben.)

Ähneln sich die deutschen und polnischen Erfahrungen? Wie sah die Entwicklung in Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice aus?

Slubice war bis in die 60er Jahre noch eine Geisterstadt, die sich erst nach und nach füllte. Man musst einfach an die großen Migrationswellen aus dem „verlorenen polnischen Osten“ denken. Das ist eine etwas andere Art der Transformation. (Anm.d. Red.: Polens Landesgrenzen wurden nach dem II. Weltkrieg westwärts verschoben. Die neue Grenze zu Deutschland wurde entlang der Oder und Neiße gezogen.)

Was soll die Vernetzung bringen? Und was passiert mit den Erkenntnissen?

Wir wollen, dass sie sich gegenseitig kennenlernen. Wir denken, dass die Transformation weitergehen wird, Überraschungen, die uns in unserer Lebensspanne bevorstehen. Und je besser man sich einfach kennt und vertraut, desto einfacher sind Transformationen und Probleme, Schwierigkeiten politischer Art zu meistern.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Dilan Polat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.09.2021, Antenne am Nachmittag, 15:40 Uhr

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