Streit um Waldrodung in Hohensaaten - Großer Unmut bei Info-Veranstaltung über neuen Solarpark im Wald

Fr 24.06.22 | 17:37 Uhr
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Hohensaaten Versammlung Info Veranstaltung Solaranlage 1
Bild: Audio: Antenne Brandenburg | 24.06.2022 | Philipp Gerstner

Ein Investor will in Hohensaaten bei Bad Freienwalde 370 Hektar Wald roden lassen, um einen Solarpark und ein Gewerbegebiet zu schaffen. Viele Anwohner sind darüber nicht glücklich - und machten es dem Investor in einer Informationsveranstaltung deutlich.

In Ostbrandenburg soll ein Wald gerodet werden, damit ein Solarpark entstehen kann. Am Donnerstagabend fand deswegen in Hohenwutzen (Landkreis Märkisch-Oderland) eine Bürgerversammlung statt. Dort sollten die Anwohner über die Pläne des Investors Jürgen Lindhorst informiert werden. Doch es wurde kaum über die Sache debattiert, denn die Anwohner wollten zuerst ihren Unmut über die geplante Rodung in Hohensaaten (Märkisch-Oderland) äußern.

"Wir sind hier keine dummen Menschen", sagte eine Anwohnerin. "Und bleiben Sie bitte sachlich", erwiderte ein anderer Teilnehmer. "Ich habe in diesem Wald gearbeitet, ich kenne ihn wie meine Westentasche", sagte eine andere Anwohnerin sichtbar irritiert. So ging es zwei Stunden lang, bis die Veranstaltung zu Ende war.

Kern des Streits sind 370 Hektar Wald, die für einen Solarpark mit Rechenzentrum und Industriegebiet gefällt werden sollen (der rbb berichtete). Eine endgültige Entscheidung ist noch offen, zurzeit prüfen die zuständigen Behörden das Projekt – was bis zu zwei Jahre dauern könnte. Laut dem Investor besteht der Wald größtenteils aus Fichten und hat belastete Böden – er sei also wertlos. Viele Anwohner sehen das anders und haben sogar eine Bürgerinitative gegründet.

Sorge und Klimaveränderung und Wassermangel

"Hier wird in unseren Augen eine rote Linie überschritten, denn erstmal wird Wald gerodet. Also ein bestehendes Ökosystem. Und das wird dann immer als minderwertig dargestellt und versiegelt", sagte Martin Gemeinholz von der Bürgerinitiative Pro Wald Hohensaaten. Dort sollen geschützte Tiere wie der Uhu, der Seeadler oder der Schwarzstorch leben, so Gemeinholz. "Herr Lindhorst konnte nicht darlegen, wie er den Schutz dieser Tiere gewährleisten will."

Klimaveränderung aber auch das aktuell wichtige Thema Wassermangel wurden in der Veranstaltung angesprochen. "Es ist ganz klar, dass über 250 Hektar schwarzer Fläche die Luft heißer wird", sagte Katja Tülow aus Oderberg (Barnim) dem rbb. Man wisse auch nicht, was mit dem Wasser passiert, sollte Wasser von der Oder zur Kühlung des Rechenzentrums benutzt werden.

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Bild: rbb/Philipp GerstnerBild: rbb24/Philipp Gerstner

Investor will Führungen auf Gelände anbieten

Der Bürgermeister von Bad Freienwalde, Ralf Lehmann (CDU), verteidigte die Pläne: "Ich meine, dass es ein ordentliches Gewerbezentrum werden kann. Wir haben ja schon zwei Gewerbegebiete in Bad Freienwalde, die sind alle belegt", sagte Lehman dem rbb. Mittelfristig könne man ein weiteres Gewerbegebiet gut erschließen und vermarken. Er hoffe auch auf neue Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. "Davon wollen wir profitieren."

Der Investor Jürgen Lindhorst zeigte sich nach dem Gespräch mit den Bürgern gelassen. "Ich nehme aus der Veranstaltung mit, dass wir Kritik geerntet haben, die wir auch absolut ernst nehmen", sagte Lindhorst. Doch die Gespräche müssen dafür fair und vernünftig geführt werden. Er wolle für mehr Transparenz auf einer Webseite über die Vorgänge berichten und auch Führungen auf dem Gelände anbieten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.06.2022, 14:30 Uhr

Mit Material von Philipp Gerstner

7 Kommentare

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  1. 7.

    Nach Munition wurde das Gelände schon mal abgesucht und chemische Rückstände sind in solche Tiefen abgesickert, dass die kontinuierlich laufenden Proben nichts mehr messen. Deswegen mussten auch die Vorbesitzer da nichts sanieren. Eine Sanierung gab es nach der Wende. Altlasten sind da nur noch in Form von Beton und Metall.

  2. 6.

    Was ist denn Bitteschön an einem Solarpark Sondermüll? Von Recycling schonmsl was gehört? (Ja ich weiß Mülltrennjng ist hier im Osten nicht so beliebt)

    Mag sein, dass sich in dem seit Jahrzehnten abgesperrtem Gebiet die Natur sich ausgebreitet hat,nur von welchen Altlasten reden wir da bei Munition und Tanklager? Wenn der Boden zb. Mit Benzol verseucht ist macht eine Sanierung schon Sinn.

  3. 5.

    wie kann man wald gegen solarpark tauschen das argument kontaminierte fläche ist doch nur ein vorwand nach 20 jahren ist der solarpark auch sondermüll Es gibt sicherlich genügent andere flächen ohne die natur noch weiter zu zerstören

  4. 4.

    Es ging im Text der Infoveranstaltung auch um Kiefern, der rbb hat sich einfach versprochen.

  5. 3.

    Dort stehen Kiefern, nicht Fichten. Und es ist weit entfernt von einer Monokultur. Es ist mittlerweile ein außergewöhnlich baumartenreicher Mischwald geworden, wie der ehemalige dortige Förster erklärt hat. Und es gibt wohl kaum ein Waldstück in Ostbrandenburg mit mehr seltenen geschützten Tierarten als dort.

  6. 2.

    Eine Nadelbaummonokultur in einen Solarpark umzuwandeln, ist sicherlich keine gute Lösung. Hier fehlt es mir aber an detaillierteren Informationen. Corewcziv und RBB widersprechen sich schon bei der Baumart. Hier sind es eher Fichten, neulich waren es Kiefern.

  7. 1.

    Einfach abwarten, der Klimawandel erledigt die Fichtenkultur, dann ist Platz.

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