Symbolbild - Die Regenbogenfahne weht während des Umzugs zum Christopher Street Day (Bild: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 26.05.2020 | Autorin: Uta Schleiermacher | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Pläne für diesen Sommer - Bündnis will ersten CSD in Frankfurt (Oder) veranstalten

Ein Bündnis plant für den Sommer den ersten Christopher Street Day in Frankfurt (Oder). Vielleicht nicht als große Parade, denn die Veranstaltung soll trotz Corona-Beschränkungen möglich sein. Wichtig ist dabei auch der Blick nach Polen. Von Uta Schleiermacher

In Berlin fällt der Christopher Street Day (CSD) als ganz großes Straßenfest in diesem Jahr aus. Die Parade ist einfach zu groß. Stattdessen ist eine alternative Demo geplant, mit maximal 1.000 Teilnehmer*innen.

In Frankfurt (Oder) dagegen könnte in diesem Jahr der erste CSD überhaupt stattfinden. Hier liegt nämlich genau darin die Chance, dass die allererste Aktion dieser Art in Frankfurt keine Massen an die Oder locken wird. Die Teilnehmer*innenzahl bliebe also überschaubar.  

Mit dem CSD wollen sie Mut machen, sagt Mitorganisatorin Sylvia Thies. Sie gehörte schon nach dem Mauerfall vor 30 Jahren zu den Mitgründerinnen der ersten schwul-lesbischen Gruppe  Frankfurts, des Clubs GL [moz.de]. Bis 1997 war dieser Treffpunkt und Beratung in einem.

Heteros sehr willkommen

Für die erste schwul-lesbische Parade in Frankfurt (Oder) wünscht Thies sich vor allem Unterstützung – auch von Hetero-Seite. "Ich würde es ja toll finden, wenn 80 Prozent Heteros mit uns mitlaufen", sagt sie. "Ich will mich nicht ausgrenzen. Mein Ziel ist eigentlich, dass viele Heteros sagen: 'Es ist mir egal, wie du lebst. Hauptsache, du bist glücklich'."

"Außerdem sollte es meiner Meinung nach überhaupt kein Thema mehr sein. Ich sag ja auch nicht 'Guten Tag, ich bin schwul'. Das sagen die Heteros ja auch nicht. Aber es ist doch völlig Bockwurst, was ich bin.“

Projekt der Vielgestalter Frankfurt

Für Sylvia Thies war sofort klar, dass sie den ersten Frankfurter CSD mitorganisieren möchte. Aufgerufen hatten die Vielfaltgestalter Frankfurt [stiftung-spi.de]. Das Projekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert und hat das Ziel, Kontakte herzustellen und ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, sagt die Leiterin Anja Millow. Denn Vielfalt passiere nicht einfach so - sie müsse gepflegt werden.

"Wir haben keine Patentlösung, aber es geht darum, nicht nur in der eigenen Blase zu schwimmen, sondern mehr Leute kennenzulernen, und deren Blickwinkel, deren Geschichten", sagt sie. "Das hilft vielleicht, besser miteinander ins Gespräch zu kommen."

Unterschiedliche Generationen

Für Mitorganisatorin Isa Ihle hat das schon geklappt. Ihle leitet in Frankfurt (Oder) das Quartiersmanagement für die Innenstadt, und sie freut sich, dass im Bündnis für den CSD unterschiedliche Generationen zusammenkommen.

"Bei unserem allerersten Treffen meinte Sylvia in der Vorstellungsrunde, dass sie das letzte Mal 1992 in Frankfurt über einen CSD nachgedacht haben", sagt Ihle. "In dem Jahr bin ich geboren - das kann doch nicht sein, dass in der ganzen Zeit nichts passiert ist."

Anja Millow Leiterin des Projekts Vielfaltgestalter in Frankfurt (Oder)Anja Millow, Leiterin des Projekts Vielgestalter | Foto: Uta Schleiermacher/ rbb

Auch sonst wollen die Vielgestalter mit ihrer Arbeit die Diversität und das Zusammenleben fördern. Sie weisen in Flyern mit einfacher Sprache auf ihre Arbeit hin und organisieren Vernetzungstreffen, so wie zuletzt zwischen den Gleichstellungsbeauftragten von Behörden, Firmen und der Europa-Universität Viadrina.

Gegen Diskriminierung von Homosexualität in Polen

Nach jetzigem Stand soll auch das Nachbarland Polen eine Rolle spielen. Homosexualität ist in Polen nicht verboten. Aber Schwule und Lesben sind dort oft Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt.

Im vergangenen Jahr stieg der Druck. Mehr als 100 Lokalregierungen erklärten ihren Einzugsbereich zu sogenannten LGBTIQ-freien Zonen [deutschlandfunk.de] – zu Gegenden, in denen lesbische, schwule, queere Menschen oder Transpersonen unerwünscht sind.

Parade, Kundgebung oder Plakataktion

"Eigentlich hätten wir gern einen Umzug gemacht von Słubice, also von Polen, über die Brücke nach Frankfurt", sagt Ihle. "Aber zur Zeit sind wir mit der Situation konfrontiert, dass die Grenze zu ist und wir keine Ahnung haben, ob das so stattfinden könnte."

Wie der CSD in Frankfurt aussehen wird – ob Parade, Kundgebung oder Plakataktion – ist noch offen. Auch ein Termin steht noch nicht fest. Aber dass etwas stattfinden sollte, fast dreißig Jahre nach den ersten Plänen, darüber ist die Gruppe sich schon einig.

Sendung: Inforadio, 26.05.2020, 12:25 Uhr

Beitrag von Uta Schleiermacher

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4 Kommentare

  1. 4.

    Stimme Ihnen zu. Wenn es so einfach wäre, bräuchten wir Schwule auch nicht mehr demonstrieren zu gehen.

  2. 3.

    Eine solche Veranstaltung würde ich toll finden. Toleranz ist doch eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens. Aufeinander zugehen und miteinander reden haben viele verlernt, das muss sich wieder ändern.

  3. 1.

    Im westlichen Polen und in den Großstädten Wroclaw (Breslau), Gdansk (Danzig), Szczecin (Stettin) bis hin nach Warschau dürfte die Anerkennung von Homosexualität kein wesentliches Thema sein, es ist schlicht selbstverständlich. Wie im Bericht erwähnt, ist es v. a. der südöstliche Raum in Polen, sind es die Klein- und Mittelstädte, in denen der einer großen Tageszeitung beiliegende Aufkleber "LSBTTI-freie Zone" - natürlich in polnischer Übersetzung - reichlich Abnehmer und reichlich Verwendung findet.

    Da wiederum ticken in Deutschland die Uhren anders. Selbst im hintersten Bayern. Die bocken zwar auch reichlich rum, was die Anerkennung anderer Sexualitätsformen angeht, einen Aufkleber flächendeckend zu verteilen, das liegt außerhalb des Denkbaren - oder irre ich mich da?

    Schön, dass es zwischen Frankfurt (Oder) und Slubice diesbezüglich auch klappt - sämtlichen "Kaczysnkis" zum Trotz.

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