Barnim - Eberswalde will Innenstadt mit mietfreien Ladenflächen beleben

Mi 26.01.22 | 16:48 Uhr
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Robin Liebke eröffnet in Eberswalde Laden für Upcycling-Möbel auf Zeit
Audio: Antenne Brandenburg | 26.01.2022 | Anna Bayer | Bild: Anna Bayer/rbb

In der Eberswalder Innenstadt werben die Geschäftsführer mit einer mietfreien Ladenfläche auf Zeit für innovative Einzelhändler. Ein erster Versuch mit Gegenständen im Upcycling hat nun den Anfang gemacht und zeigt sich vielversprechend.

Die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie setzen den Einzelhändlern in den Brandenburger Innenstädten zu. Die Sorge vor Infektionen und Zugangsbeschränkungen verleiten viele Kunden zum Shoppen im Internet, statt in den Laden zu gehen. Doch bereits vor der Krise waren verwaiste Schaufenster keine Seltenheit.

Um die Innenstadt zu beleben und auch dem Eimkaufszentrum Rathauspassagen trotz Leerstand als Anziehungspunkt wieder mehr Strahlkraft zu verleihen, sucht Eberswalde (Barnim) deswegen nach neuen Konzepten und setzt mehr auf kleine Läden statt auf große Ketten. So ist auf Initiative der Stadt ein Laden in die Passagen eingezogen, der ganz besondere Produkte anbietet. Der Clou daran: Miete müssen die Betreiber dafür nicht zahlen.

Start-up für Möbel auf Probe

Robin Liebke ist leidenschaftlicher Sammler. Zu seinen Schätzen gehören alte Flaschen aus dem Finowkanal, Gartenabfälle oder die Dielen von einem abgerissenen Haus. Aus ihnen stellt er dann neue Möbel her. Ein Tisch, Regale und mehrere Lampen stehen seit kurzem im Laden in der Rathauspassage. An anderen sogenannten Upcycling-Produkten schraubt er noch. Manches erledigt er im Geschäft, das meiste aber in seiner Garage. "Ich fange viele Sachen an und weiß noch nicht, was draus wird. Es entwickelt sich alles. Das ist ein Prozess, je nachdem, wie mich die Muse küsst", sagt Liebke.

Robin Liebke eröffnet in Eberswalde Laden für Upcycling-Möbel auf ZeitRobin Liebke baut an neuer Einrichtung aus gebrauchten Materialien

Alle Möbel aus Liebkes Produktion sind Einzelstücke, und Vergleichbares sei an anderer Stelle nur schwer zu bekommen. "Ich versuche immer, die Gegenstände und Materialien so zu verändern, dass es etwas Einmaliges ist", meint er und freut sich über die Chance eines eigenen Geschäfts.

Konzept könnte Schule machen

Noch bis Ende Januar darf der 37-jährige seine Produkte im Laden in den Rathauspassagen verkaufen. Miete und Betriebskosten trägt zeitlich begrenzt das Einkaufszentrum. Für Center-Managerin Jana Timm-Retzlaff ist der Möbel-Laden, so sagt sie es, ist ein Gewinn. "Es ist immer jemand drin, der ein Gespräch sucht und der nachfragt. Bisher gibt es also nur positive Resonanz."

Das sieht auch Ulrich Wessolek aus der Eberswalder Marketing so. Die Stadt wolle mit dem Projekt Gründern eine Art Starthilfe geben. Dafür habe sich der ungenutzte Verkaufsraum in bester Lage am Marktplatz angeboten. "Wir haben immer wieder gedacht: "Es kann nicht sein, dass dieser Laden leersteht."

Das Modell könnte nun weiter Schule machen. Managerin Timm-Retzlaff überlegt, das Projekt auch auf andere, nicht vermietete Geschäfte in den Rathauspassagen auszuweiten. Und auch für Unternehmer Robin Liebke könnte der Upcycling-Laden nur ein erster Anstoß gewesen sein. Er denkt darüber nach, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. "Mein Leben lang habe ich eigentlich nur Bürojobs gemacht. Ich habe jetzt den Mut gefasst, das zu machen, was ich kann. Ich versuche jetzt einfach, meine Kreativität auszuleben, was ich jahrelang versäumt habe."

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.01.2022, 15:10 Uhr

Mit Material von Anna Bayer

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das Bemühen ist sehr gut, wirklich (!), wenn es am Ende „klappt“: Es müssen Einnahmen her. Sätze wie „suchen das Gespräch“ , „positive Resonanz“ oder „sieht das Marketing auch so“ sind deutliche Hinweise (sehr deutliche) auf positive Träumereien. Auch die Bezeichnung „Upcycling“ verspricht Besonderes: Ob es dann ein weiterer (Lebens) Zyklus wird, mit garantierter Aufwärtung (Up) oder doch eher eine Wiederverwendung, ganz ohne „Marketingblase“ , wird sich zeigen müssen. Schön wäre es vom rbb, wenn es genauso viele „Geschafft-Artikel“ geben würde, statt immer nur „könnte-Beiträge“. Es ist ja interessant, ob die werbliche rbb-Hilfe geklappt hat...Wünschen würde man das.

  2. 1.

    Solche Projekte sollten Schule machen. Ich finde es genial. Wäre doch toll, wenn es überall gemacht wird. Ein gewisser Zeitraum mietfrei und dann langsam staffeln.... Das überleben Vermieter schon mal.... Gut: Betriebskosten kann man ja verlangen. Besser als Leerstand und es kehrt wieder Leben ein.

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