Nach Brand im Mülllager - Anwohner von Ausmaß der Kontamination in Zielona Góra verunsichert

Mo 21.08.23 | 19:30 Uhr
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Archivbild: Rauch steigt auf bei einem Brand in einem Chemielager. (Quelle: dpa/PAP)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.08.2023 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/PAP

Nach einem Großbrand in einem Lager mit Chemieabfällen in der polnischen Stadt Zielona Góra sind Anwohner wegen möglicher Folgen verunsichert. Ob das Grundwasser kontaminiert ist, steht noch nicht fest.

Zwar sind die Flammen nach dem Brand einer Mülldeponie mit Chemieabfällen bei Zielona Góra (Polen) längst gelöscht, doch das Gelände ist weiterhin von der Feuerwehr abgeriegelt. In den nächsten Tagen soll die Entsorgung der Abfälle beginnen, sagte der zweite Bürgermeister von Zielona Góra, Krzysztof Kaliszuk, am Montag dem rbb.

Knapp drei Millionen Euro werden von der Stadt Zielona Góra für die Beseitigung der Deponie eingesetzt, etwa zehn Millionen Euro steuert das Land bei. Vor knapp zwei Wochen begann eine Spezialfirma damit, die mit Löschwasser kontaminierten Gewässer am Rande der Deponie zu reinigen.

Das Feuer war im vergangenen Monat ausgebrochen, rund 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In einer Lagerhalle hatten 5.000 Tonnen Chemieabfälle gebrannt. Meterhohe schwarze Rauchschwaden stiegen darüber auf. Die Stadtverwaltung hatte anfangs eine Evakuierung der Anwohner angekündigt, weil sie giftige Gase fürchtete. Später gab sie Entwarnung.

Kontaminierung von Grundwasser weiter unklar

Die Anwohner werden derzeit über aktuelle Werte der Luftqualität informiert, doch wie viel kontaminiertes Löschwasser in die Umwelt gelangt ist, sei derzeit noch unklar. Das Marschallamt Lebus (Märkisch-Oderland) warte derzeit noch auf die Ergebnisse der Grund- und Abwasseruntersuchungen, sagte Pressesprecher Pawel Kozlowski. "Die Proben, die am 2. August in Przylep entnommen wurden, werden von einem unabhängigen Institut aus Poznan untersucht", so Kozlowski weiter.

2.000 illegale Müllhalden

In einem kleinen Wasserkanal in der Nähe des Brandes wurden schon häufiger Hinweise auf eine mögliche Kontamination gefunden. Ob sie vom aktuellen Brand stammen, ist derzeit noch unklar. Denn in Zielona Góra werden seit Jahren chemische Abfälle zwischengelagert – auch aus Deutschland.

Mehr als 2.000 illegale Halden gibt es in Polen dem polnischen Statistischen Hauptamt zufolge. Müll aus Deutschland und anderen Ländern wird tonnenweise in Polen gelagert: Laut der polnischen Umweltschutzbehörde GIOS wurden allein im vergangenen Jahr 300.000 Tonnen Müll importiert.

Auch Polens stellvertretender Umweltminister Jacek Ozdoba wirft vor allem Deutschland vor, seinen Müll in Polen abzuladen. Inzwischen plant das polnische Umweltministerium, Deutschland wegen der illegalen Abfälle vor dem europäischen Gerichtshof (EuGH) zu verklagen, wie das Ministerium Mitte Juni dem rbb mitteilte.

Anwohner protestieren aus Unsicherheit

Gegen das Lager hat es schon viele Proteste gegeben. Geholfen habe bislang nichts, beklagen die Anwohner. Sie bemängeln das Krisen- und Informationsmanagement rund um das Brandgeschehen. "Die interessieren sich gar nicht für uns, wir erfahren alles vom Hören und Sagen", so ein Anwohner. Es gäbe keine konkreten Informationen oder Aushänge. "Ein Mal sagen sie, dass das Wasser kontaminiert ist, dann heißt es wieder, dass das Wasser in Ordnung ist." Und so gehe es immer weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.08.2023, 16:12 Uhr

Mit Material von Sabine Tzitschke

5 Kommentare

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  1. 5.

    Es ist traurig, mir tun die Bürger leid, die dort damit leben müssen. Aber... Weiß den Jacek nicht, was Jurek genehmigt? Es wird doch kaum eine KOSTENLOSE Annahme von Müll, oder hier sogar Sondermüll sein. Wer hat nun die Deponie genehmigt, wer die Gebühren (das Geld) kassiert? Und wieder einmal ist Deutschland schuld.

  2. 4.

    Der entscheidende Satz stand in einem älteren Artikel (der Artikel hier ist verkürzt):
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2023/07/muell-halden-polen-deutschland-brand.html
    Zitat:"Seit langem wirft der stellvertretende Umweltminister vor allem Deutschland vor, seinen Müll in Polen abzuladen. Die Schuld dafür gibt er der Oppositionspartei PO, die bis 2015 an der Macht war. Sie habe unzählige Müllimporte genehmigt und Entsorgungsunternehmen kaum kontrolliert." Leider ist nur Satz 1 übriggeblieben, daß es aber wohl genehmigte Müllimporte unter einer anderen Regierung waren, findet sich nicht im aktuellen Artikel. Das sollte nachgetragen werden, da sonst der Verdacht entsteht, daß feindliche Stimmung gemacht werden soll zwischen D und PL (dann könnte sich Geschichte wiederholen und das Jahr 23 bekommt eine andere Bedeutung).

  3. 3.

    "Jacek Ozdoba wirft vor allem Deutschland vor, seinen Müll in Polen abzuladen" Also wenn einer Müll abläd, dann wohl die Polen in unseren Wälder... Ich gehe mal davon aus, dass Deutschland in Polen nichts "abgeladen" hat sondern sauber Vertraglich dort gegen Bezahlung abgegeben hat.

  4. 2.

    Könnten wir nicht auch unseren Müll behalten und selbst beseitigen?
    Ach nein, nach Polen karren, ist ja billiger und einfacher.


  5. 1.

    Ich finde es immer wieder amüsant wie in Polen buchstäblich alles Deutschland in die Schuhe geschoben wird. Als wäre Scholz in Polen Kanzler. So ein Feindbild ist sicher sehr praktisch für die Regierung dort. Wenn die Bevölkerung unzufrieden ist, erstmal androhen Deutschland zu verklagen und, zack, man wird wieder gewählt.

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