Corona-Krise - Brandenburg will Sommerferien nicht verkürzen

Kinder springen im Sommer in einen See in Brandenburg (Quelle: rbb/privat)
Bild: Audio: Antenne Brandenburg | Marie Stumpf | 21.04.2020

In knapp zwei Monaten beginnen in Brandenburg die Sommerferien. Brandenburgs Bildungsministerin Ernst hat klargestellt, dass die Ferien trotz Corona nicht verkürzt werden. Schüler, Eltern und Lehrer reagieren zustimmend. Von Marie Stumpf

Marco Hartmann geht in die 11. Klasse des Gauß-Gymnasiums in Frankfurt (Oder). Dort ist er auch stellvertretender Schülersprecher. Er und seine Mitschüler sind keine Fans von der Idee, die Sommerferien zu verkürzen. "Aktuell haben wir ja keine Ferien, sondern wir müssen im vollen Umfang wie im Unterricht auch Aufgaben lösen", sagt er. Nun bräuchten die Schüler dringend Erholung.

Zeit fehlt, im Unterricht und mit Lehrern

Auch sei das Lernen zuhause viel anstrengender als im normalen Unterricht. Manche Gebiete müssten sie sich ohne vorgefertigte Aufgaben allein erarbeiten, berichtet Marco Hartmann. Die Lehrer seien aktuell nur noch per Mail zu erreichen, weil sie die Abiturprüfungen vorbereiten oder beaufsichtigen müssten. Verständnis dafür ist da. Dennoch macht sich der Schüler Sorgen, dass er Schwierigkeiten bekommen könnte, wenn die Schule wieder öffnet. Ab der nächsten Woche sollen Klausuren und Tests am Gauß-Gymnasium in vollem Umfang nachgeholt werden. Zeit, um Verständnisfragen zu klären, bleibt da kaum.

Auch Grundschüler sollen Ferien haben

Ähnlich sehen das die Eltern der kleineren Kinder. In der Grundschule des Katholischen Schulzentrums Bernhadinum in Fürstenwalde (Spree) in Oder-Spree begrüßen die meisten die Entscheidung von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Die hat klargestellt, die Ferien nicht verkürzen zu wollen. Alles andere wäre eine Strafe für Schüler und Eltern gewesen, sagt Stefan Demmer, Sprecher des Grundschul-Elternrats.

Auch die Tatsache, dass die Grundschulkinder, abgesehen von den Sechstklässlern, vorerst nicht in den Unterricht zurückkehren sollen, fänden die Eltern grundsätzlich richtig. "Es wird gerade in einer ersten oder zweiten Klasse nicht funktionieren, dass die Kinder Mundbedeckungen tragen oder dass sie Abstand halten", sagt Demmer.

Homeschooling für viele Eltern kräftezehrend

Dennoch bleibe die Situation zuhause angespannt. Viele Eltern würden neben Homeoffice und Homeschooling hin und her pendeln und keinen Feierabend mehr haben. Dazu komme, dass die meisten von ihnen keine Pädagogen seien, also nicht für das Unterrichten von Kindern ausgebildet sind. Immerhin: Seit dem Wochenende habe die Schule eine digitale Lernplattform zur Verfügung gestellt, die nun mit neuen Aufgaben der Lehrer gespeist werden soll, erzählt Demmer. In den ersten zwei Wochen der Schulschließung habe der Schwerpunkt auf Wiederholungen gelegen. 

Das Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium in Frankfurt (Oder)
Bild: rbb / Marie Stumpf

Kein Regelunterricht

Währenddessen steht das Bernhadinum-Gymnasium vor einer anderen Herausforderung. Ab dem 27. April sollen die Klassen, die im nächsten Jahr ihren Abschluss machen, wieder in den Unterricht gehen. Wie dieser Unterricht allerdings genau aussehen soll, ist noch völlig unklar. Schulleiter Markus Mollitor stellt schon mal klar: Ein Regelbetrieb wird es auf keinen Fall sein. Die Entscheidung von Bildungsministerin Ernst findet er deswegen nur nachvollziehbar. Ein offizielles Verlegen des versäumten Stoffes in den Sommer würde lediglich suggerieren, dass die Krise bis dahin überwunden sein wird. 

Viele offene Fragen

Bei der schrittweisen Öffnung des Gymnasium sieht Mollitor aber noch einige offene Fragen. Die Schüler kämen mit einem völlig unterschiedlichen Wissensstand aus dem Homeschooling. Auch müsse geklärt werden, inwiefern manche Fächer gegenüber Kernfächern zurückstehen könnten. "Im Fach Musik beispielsweise wird bei uns auch sehr praktisch gearbeitet, mit Tanzpausen. Das wird alles nicht stattfinden können. Und auch Sport finde ich schwierig." Mollitor kann sich vorstellen, einen komplett neuen Stundenplan dafür zu erarbeiten. Doch auch dann muss noch die Personalfrage geklärt werden. Allein im Bernhadinum-Gymnasium gehört laut dem Schulleiter ein Drittel der Lehrer zur Risikogruppe. 

Abitur-Prüfungen gesichert

Einzig bei den Durchführungen der Abitur-Prüfungen sieht er keine Probleme. Auch für die Vorbereitungen auf den Mittleren Schulabschluss für die 10. Klassen hat Mollitor einen Plan. "Wir werden die Schüler in Kleingruppen aufteilen und vor allem erstmal in den Prüfungsfächern beschulen", sagt er, "das wird mit Aufgabenpools geschehen, die sie unter unserer Begleitung durchgehen können."

Auf die übrigen offenen Fragen könnte es am 29. April ein paar Antworten geben. Da wollen die Kultusminister der Länder ein Konzept für die Schulöffnung vorlegen. Zwei Tage nachdem der Unterricht schrittweise bereits wieder begonnen hat. Was Marco Hartmann vom Gauß-Gymnasium angeht, so plädiert er dafür, den Stoff ab der nächsten Woche noch mal Schritt für Schritt durchzugehen. Doch er weiß auch, dass dafür eigentlich die Zeit fehlt. 

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.04.2020, 17:00

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich wäre echt schokiert gewesen, wenn man die Sommerferien verkürzt hätte. Dann hätten wir uns all die Wochen umsonst durch dieses Homeschooling Thema gekämpft. Wir ackern jeden Tag und haben uns die Ferien weiß Got verdient. Ich kann auch nicht finden das die Kinder gerade nichts lernen würden. Halbschriftliches dividieren sitzt, englische Aussprache besser als je zuvor, Anwendung von Rechtschreibregeln wird endlich mal beherzigt. Und das ist nur Bilanz meines Viertklässlers. Ich finde wir machen ziemlich gute Fortschritte. Ich möchte nicht in diese Art von Diskussion hineingezogen werden. Weder empfinden wir unser Leben mit Kindern zu Hause als unzumutbar, noch laufen die Kinder auf dem Zahnfleisch, weil sie kein "Leben" mehr hätten. Es gibt nämlich zweifelsohne auch noch ein Leben außerhalb der Schule. Und das genießen wir gerade sehr.

  2. 1.

    Sehr schade! Die Grundschulkinder lernen grad gar nichts, viele Eltern nehmen Urlaub um zuhause bleiben zu können. In den regulären Sommerferien werden kaum Eltern Urlaubstage übrig haben. Geld für Urlaub dürfte auch sehr knapp sein. Da wären kürzere Sommerferien ein SEGEN. Denke ich, denken viele andere Eltern. Und es ist auch nur halbgut dass kein Unterricht stattfindet, immer mehr Kinder gehen in Notbetreuung. Da gibt es keine Abstandsregeln, jedenfalls bei uns sagte die Hortnerin dass sie da nicht drauf achten könne. Masken sowieso nicht. Seife haben sie wohl noch.

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