Sieben statt 19 Prozent - Restaurant-Mitarbeiter fordern Beibehaltung der reduzierten Mehrwertsteuer

Mi 30.08.23 | 18:23 Uhr
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Die Mitarbeiter wollen mit T-Shirts für eine Beibehaltung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes werben. (Quelle: rbb/Marie Stumpf)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.08.2023 | Marie Stumpf | Bild: rbb/Marie Stumpf

Zum Ende des Jahres läuft der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Speisen aus. "Das gefleckte Schwein" befürchtet, dass dadurch die Kunden wegbleiben werden. Sie sammeln Unterschriften und wollen mit T-Shirts auf das Problem aufmerksam machen.

In einigen Restaurants und Gaststätten in Ostbrandenburg herrscht Angst. Der Grund: Zum 31. Dezember läuft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen aus. Dieser wurde während der Corona-Pandemie eingeführt. Noch wird auf Bundesebene darüber beraten, ob eine Verlängerung erfolgen soll. Restaurant-Betreiber befürchten, dass wegen der bereits gestiegenen Kosten, Kunden eine weitere Kostensteigerung nicht mehr mittragen würden. So zum Beispiel im "Das gefleckte Schwein" in Petershagen/Eggersdorf (Märkisch-Oderland).

Bundesweite Petition

Dort haben am Dienstag die Mitarbeiter mit einer Aktion auf die Situation aufmerksam machen wollen und ihre Gäste über eine bundesweite Unterschriften-Aktion des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) informiert. Statt der üblichen Dienstkleidung trugen die Kellner weiße und grüne T-Shirts mit der Aufschrift "7 Prozent auf Speisen müssen bleiben".

Auch Eigentümerin Ute Homann trägt an diesem Tag so ein T-Shirt. Sie spricht sich gegen eine erneute Mehrwertsteuer für 19 Prozent aus, weil die Belastungsgrenze der Gäste erreicht sei. Die Gäste würden einen solchen Schritt nicht mehr mitgehen, glaubt sie. Und ihr Restaurant käme dadurch in finanzielle Nöte: "Wir können die Löhne nicht mehr bezahlen, wir müssen Kredite zurückzahlen von der Corona-Krise – das müssen wir alles mit einberechnen", so Homann.

Kosten um 20 Prozent gestiegen

Die Preise in ihrem Restaurant seien seit Corona um 20 Prozent gestiegen, sagt Homann, die auch Kreisvorsitzende der Dehoga ist. Eine Portion Nudeln mit Lachs koste so bereits 26 Euro, früher 18 Euro. Grund dafür seien Inflation und höhere Kosten. Dass das auch ihre Kunden spüren, zeige sich bereits an den Gästezahlen: "Im Sommer sind wir eigentlich so bei Vor-Corona-Niveau, aber von Januar bis April und von Oktober bis November ist es schon deutlich weniger geworden", sagt sie.

Auf der Terrasse des Restaurants hat Ute Homann einen Tisch mit Informationen für die Gäste aufgebaut. Dort liegt auch die Unterschriften-Liste des Dehoga-Bundesverbands aus. "Nur mit den sieben Prozent Mehrwertsteuer ist es bisher gelungen, die enormen Kostensteigerungen nicht ein zu eins an die Gäste weiterzugeben. Es wäre widersprüchlich und wettbewerbsverzerrend, frisch zubereitetes Essen in den Restaurants ab 1. Januar 2024 wieder mit 19 Prozent zu besteuern, während auf Essen zum Mitnehmen, im Supermarkt oder bei der Essenslieferungen weiterhin nur sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden", heißt es auf der zugehörigen Internetseite [www.openpetition.de].

Gäste zeigen Verständnis

Verständnis für ihre Befürchtungen erhält Ute Homann auch von einigen ihrer Gäste: "Die wollen ja leben", sagt zum Beispiel Reinhard Igel aus Eggersdorf, der an diesem Tag im "Gefleckten Schwein" Essen ist. Er sieht die Politik in der Verantwortung, auch kleinere Unternehmen wie die Restaurants zu unterstützen.

Auch Ingrid aus Hennickendorf, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen will, fände es schade, wenn der Mehrwertsteuersatz wieder auf 19 Prozent erhöht werde, sagt sie. Sie glaubt aber auch, dass die Restaurantbesucher weiterhin Essen gehen würden: "Ich denk aber, dass wer gerne essen geht und das nicht jede Woche macht, der bezahlt auch die Erhöhung."

Dennoch bleibt die Sorge, dass sich dies dann für das Gaststättengewerbe kaum noch rentiere. Der Dehoga-Verband geht davon aus, dass rund 12.000 Restaurants schließen müssten, sollte die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent zurückgeführt werden, wie das Handelsblatt berichtet [www.handelsblatt.com]. Aus diesem Grund will auch Eigentümerin Ute Homann vom "Das gefleckten Schwein" mit ihren Mitarbeitern nun einmal pro Woche ihre Aktions-T-Shirts tragen und Unterschriften für die Petition sammeln.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.08.2023, 15:40 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf

40 Kommentare

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  1. 40.

    Danke für Ihren Kommentar
    Wir kämpfen nicht nur für uns . Wir kämpfen für die Branche
    Pasta mit Lachs war ein Beispiel der Allgemeinheit
    Das wir Kredite haben oder nicht war auch für die gesamte Branche gesprochen was Sie im Beitrag nicht verstanden haben , die 7% kamen zur Coronazeit und die Preiserhöhung
    Nach dem Ukrainekrieg nach dem die Energiepreise und Lebensmittelpreise auch bei uns Gastronomen nach oben gingen und wir zahle ordentliche Löhne , sonst hätten wir kein Personal urteilen Sie nicht so negativ, sie kennen uns nicht , nur aus Ihrer schlechten Sicht . So negativ zu urteilen über den Laden , der seit 33 Jahre besteht und gewachsen ist ist schon frech Wir kämpfen für unsere Branche und nicht nur für uns selbst .

  2. 39.

    Preise wurden erst angehoben nach der Energiepreiserhöhung, nachdem die Preise für Lebensmittel enorm gestiegen sind ( nach Ausbruch des Ukrainekriegs) die 7% wurden während Corona eingeführt
    Auch bei der Gastronomie gehen die höheren Preise nicht vorbei. Vieleicht müssten einige Mal mit Gastronomen sprechen um zu wissen was in so einer Kalkulation eines Essens drin steckt . Es kämpft mal jemand lauter für die Branche für uns alle finde ich gut

  3. 38.

    Zur Absenkung der Steuer entging mir - dass angeblich auch die Preise auf den Speisenkarten sanken. Die Anhebung wird gewiss nicht zu übersehen sein.

  4. 37.

    Ich kenne Menschen die sich durchaus einen Restaurantbesuch leisten könnten und es trotzdem nicht tun.Das hat mit gönnen nichts zu tun.Im Übrigens habe ich nur zum Vorschlag geschrieben die Mehrwertsteuer auf 25% zu erhöhen.Und wenn Sie meinen das Gaststätten nur pleite gehen wegen schlechter Lage und Küche, dann sind Sie nicht gerade gut informiert.Mich würde auch interessieren wie Ihrer Meinung nach ein Preis -Leistungsverhältnis für einen angemessen Preis beginnt und wo er endet.

  5. 36.

    Nun, nur in den seltensten Fällen werden Preise auf den Karten Netto zzgl. Mwst ausgewiesen.
    Ob 7 oder 19 % der Burger kostet in beiden Fällen 8 Euro.
    Nur der Kneipier müsste unterschiedl. Beträge ans Finanzamt abführen.
    (So er den Umsatz ordentlich registriert)

  6. 35.

    Man sollte produktive Wirtschaftstätigkeit wo es geht entlasten und fördern. Meine Meinung
    Da zeigen ja die GRÜNEN hier - wie beim Industriestrompreis - mehr "Solidarität", als die (S)PD...

  7. 34.

    Ich bin dafür das auch alle gleich verdienen. Es kein Leistungsprinzip mehr gibt es muss doch keiner mehr studieren und arbeiten

  8. 33.

    Menschen, die es sich leisten können bzw wollen gehen ins Restaurant, egal was am Ende als Rechnung kommt. Gaststätte ist Gönnen.
    Und ganz ehrlich, Gaststätten die sich nicht halten können, haben entweder falsches Preis-Leistungsverhältnis, ne schlechte Lage oder können einfach nicht kochen. Der Kunde geht dorthin, wo er für einen angemessenen Preis und guten Service alles bekommt, was er erwartet. Und man zahlt es doch gerne, oder? Ich freue mich immer essen gehen zu können und meine Küche mal einen Abend nicht sehen zu müssen...

  9. 32.

    Sie ham et wohl immer noch nich geschnallt? Bei MwSt.-Senkungen macht man sich in vielen Unternehmen im Einzelhandel, Hotellerie und gerade in der Gastronomie die Mühe, gleichzeitig den Nettopreis anzuheben, so dass Sie im Endeffekt so oder so 119 € bezahlen müssen.

  10. 31.

    "Ob nun 19 oder 7 Prozent macht in der Regel keinen Unterschied beim Konsum."

    Wenn ich im Restaurant eine Rechnung von 119€ anstatt 107€ bezahlen muss, macht das für mich als Kunden einen Mehrpreis von 12€ aus. Und das ist ja nur eine Rechnung von vielen pro Monat.

  11. 30.

    Zumal ja in Kneipen auch üblicherweise Geschäfte mit längerem Zahlungsziel abgeschlossen werden.
    Wer hat das nicht schon gesehen: Auf jedem Bon ist aufgedruckt: Zahlbar innerhalb von 30 Tagen. Oder so.
    Sowas weiß man halt als Driver.

  12. 29.

    Die Mehrwertsteuer auf 25%erhöhen um das Bürgergeld zu finanzieren? Bezahlen wir denn nicht jetzt schon reichlich Steuern. Und auch Menschen die es sich leisten könnten würden sich überlegen ein Restaurant zu besuchen.Also weniger Umsatz weniger Steuern. Im schlimmsten Falle das Aus für das Restaurant und damit noch mehr Empfänger von Bürgergeld.Was ist daran nach Ihrer Meinung ja sozial?

  13. 28.

    Das wird auch nicht passieren, denn mit der Abrechnung über ein Kassensystem würde die Möglichkeit entfallen, Einnahmen am Fiskus vorbeizumanövrieren und Schwarzarbeiter sozialabgabenfrei zu bezahlen.

  14. 27.

    Bitte bis zu Ende recherchieren und dann erst naseweisen: § 46 UStDV Dauerfristverlängerung! Die Frist für die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und für die Entrichtung der Umsatzsteuer-Vorauszahlungen kann auf Antrag um einen Monat verlängert werden

  15. 26.

    Ist Bürgergeld nun eine temporöre Hilfe in der Not oder ein neues Lebensmodell auf Dauer? Frage für meine Enkelkinder...

  16. 25.

    Ist schon ein Elend.
    Der Herr Dr. Schäuble hat sich ja jahrelange (durch Nichtstun) dafür eingesetzt, das das Joch der fälschungssicheren Registrierkassen an den Herrschaften vorbeigeht.
    Und wenn die jetzt auch noch nachprüfbare Einnahmen versteuern sollen-ja wo kommen die denn da hin?
    Da ist es schon günstiger, Menschen die man grottenschlecht bezahlt mit bunten Hemdchen abzufotografieren und den Verband die üblichen Jammermeldungen in die Presse pusten zu lassen.

  17. 24.

    Aber mit Ihnen kann man das nicht machen. Sie durchschauen sofort diese Machenschaften.
    Das kommt noch so weit, das für die Steuersenkungen für unsere Superreichen kein Geld mehr da ist!!!!
    Andererseits-die zahlen ja eh nur Peanuts an Steuern.

  18. 23.

    Ach, von den kleinen Restaurantbesitzer das Geld verlangen, weil wir nicht an die Reichen- und Erbschaftssteuer ranwollen? Die Umverteilung von unten nach oben (gerade der letzten Jahre) muss endlich Einhalt geboten werden!

  19. 22.

    Ich kenne das gefleckte Schwein und ganz ehrlich, es ist mir viel zu teuer geworden.
    Nudeln mit Lachs für 26 Euro sind eine Frechheit, wenn es wenigsten selbstgemachte Nudeln wären...iss aber nicht.
    Ich mache Bandnudeln mit Lachs für 4 Personen für 21€

    Zur MWst möchte ich sagen....Die allermeisten Restaurants haben die heruntersetzung nicht weitergegeben, diese werden aber die ersten sein...Die wieder was drauf packen.

    Desweiteren fand ich die heruntersetzung auch unfair den anderen Dienstleistern gegenüber. Auch die haben Coronakredite

  20. 21.

    MwSt. (und Sozialabgaben) müssen aber vorausgezahlt werden, nicht erst nachdem der Umsatz getätigt wurde. Sollte eine mutmaßliche Finanzbuchhalterin aber wissen.

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