Eisenhüttenstadt und Gröditz - Ostdeutsche Stahlarbeiter streiken für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit

Di 05.12.23 | 09:14 Uhr
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Warnstreik vor dem Werkstor von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt
Audio: Antenne Brandenburg | 05.12.2023 | Robert Schwaß | Bild: Robert Schwaß/rbb

Die Gewerkschaft IG Metall erhöht im aktuellen Tarifstreit in der Stahlindustrie den Druck auf die Arbeitgeber und hat in der ostdeutschen Stahlindustrie zu einem Warnstreik aufgerufen. An dem dreistündigen Ausstand haben sich am Dienstagmorgen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stahlunternehmens ArcelorMittal sowie Unternehmen im Umfeld in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) beteiligt. Das berichten Reporter des rbb. Vor den Werkstoren wärmten sich die Teilnehmenden bei Minusgraden an Feuertonnen auf. Ein Radlader blockierte den Eingang, auf der Zufahrtsstraße reihten sich Lkw in Warteschlange.

Bei den Schmiedewerken im sächsischen Gröditz nahmen laut IG Metall rund 200 Beschäftigte teil.

Streikende drängen auf Inflationsausgleich

Die IG Metall kritisiert, dass die Arbeitgeber noch immer kein Angebot vorgelegt hätten, das den Beschäftigten einen Ausgleich für die starke Belastung durch die Inflation biete. Franziska Fröde, Industriemechanikerin im zweiten Lehrjahr in Eisenhüttenstadt, sagte dazu am Dienstag: “Es ist einfach frustrierend. Ich bin zwar in der Ausbildung und es ist gutes Geld. Aber alle Preise steigen und das Gehalt bleibt gleich." Auch für die folgenden Generationen an Stahlarbeitern müssten die Einkommen gesichert werden, forderte sie. Empört über die aktuelle Lohnpolitik zeigte sich auch Anlagenfahrer Thomas Schoop. Er fordert, "dass der Arbeitgeber nicht alles einstreicht, sondern das auch an die Leute durchreicht, die das schaffen".

Gewerkschaft fordert 8,5 Prozent

Stephan Vetter von der IG Metall sagte dem rbb zu den Forderungen der Gewerkschaft: "Wir setzen uns für mehr Entgelt - 8,5 Prozent für zwölf Monate ist unsere Forderung - und für eine Arbeitszeitverkürzung zum Umbau der deutschen Stahlindustrie ein."

Das lehnen die Arbeitgeber ab. Sie bieten 3,1 Prozent mehr Geld für 15 Monate an. Über kürzere Arbeitszeiten wollen sie allerdings nicht verhandeln.

Am Mittwoch hat die Gewerkschaft Beschäftigte in Ilsenburg (Sachsen-Anhalt) und Zeithain (Sachsen) zum Warnstreik aufgerufen. Die Tarifverhandlungen sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Sollte es keine Ergebnisse geben, ist für kommenden Montag ein weiterer Termin angesetzt. "Wenn es auch da keinen Durchbruch gibt, dann werden die Warnstreiks ausgeweitet werden", so IG Metall-Sprecher Vetter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.12.2023, 07:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 14.

    Welche anderen gierigen Unternehmen stützt der Staat noch? Bitte Beispiele

  2. 13.

    Nicht ganz. Jeder Arbeitnehmer muss das leisten, was er laut AV schuldet.

    Im Bereich Stahl, der nur durch massive Alimentierung durch den Steuerzahler lebensfähig ist, sollten diese Mittel zurückgefahren werden.

    Jetzt streiken die Mitarbeiter für mehr Lohn. Bald streiken sie wieder für den Erhalt ihrer Jobs. Dann wird wieder gejammert

    Deutscher Stahl spielt auf dem Weltmarkt eh keine Rolle mehr. Die Chinesen können es genauso gut aber viel billiger.

  3. 12.

    Sie fragen, was hat das Einkommen des Arbeitgebers mit den Einkommen des Arbeitnehmers zu tun?
    Na, wie viel würde der Arbeitgeber ohne diese Arbeitnehmer "verdienen" ?; nichts, und daran sieht man die wechselseitige Abhängikeit beider Seiten.

  4. 11.

    Nachtrag, meine Meinung nach sollten schon die Arbeits Bedingungen und die Löhne gleich sein, egal ob Ost oder West!

  5. 10.

    Der Arbeitnehmer soll Demut lernen? AUA! Da haben Sie noch etwas vergessen: Er soll den Mund halten und sich ducken, nicht wahr? Mann Mann Mann. Und nebenbei: Der Steuerzahler unterstützt noch ganz andere "Gierige" in unserem Land.

  6. 9.

    Wenn man 34 Jahre lang ca. 2-5 h/Woche mehr als anderswo ohne Lohnausgleich (!) in den NBL gearbeitet hat, dann sind das wieviel Jahre mehr Lebensarbeitszeit, die nicht Rentenpunkte zusätzlich gebracht haben?
    1-3 Jahre mehr Lebensarbeitszeit! Oder 2-4 Jahre mehr, nach 45 Arbeitsjahren.
    Das ist derart ungerecht gegenüber den Ostdeutschen, dass man sich fragt, bei diesen Zahlen, warum überhaupt ein dagegen kleiner statistischer und nicht tatsächlicher Gender-Pay-Gap überhaupt noch erwähnt wird? Wo ist denn da die Moral der Gleichberechtigung für die Frauen UND die Männer? Nach soviel Jahren...

  7. 8.

    Sollen sie nur Streiken, heute für mehr Lohn und weniger Arbeitszeit!
    Morgen werden Sie Streiken für den Erhalt der Arbeitsplätze!
    In letzter Zeit habe ich oft über das Thema Streiken geschrieben. Streiken bringt nichts mehr, die Gewerkschaften brauchen ihre Daseinsberechtigung, siehe GDL, denn der Typ muss krank sein.

  8. 7.

    Was hat das Einkommen eines Arbeitgebers mit dem Einkommen eines Arbeitnehmers zutun? Nichts.

    Hoffentlich werden die hohen Subventionen für diese Stahlfirma abgeschafft. Dann lernen die Arbeitnehmer vielleicht Demut. Gerade die, die schon viel verdienen wollen immer mehr. Und zwar ohne Gegenleistung oder benefit für den Arbeitgeber.

    Warum muss der Steuerzahler solche Gier unterstützen?

  9. 6.

    Warum sollen in der Privatwirtschaft Ostdeutsche noch immer für gleiche Arbeiten wesentlich weniger verdienen als ihre westdeutschen Kollegen(ca. 80%)? Das ist aber kein Argument jetzt die Arbeitszeit zusätzlich auf 32-Stunden-Woche zu fordern. Für mehr Lohn/ Angleichung habe ich ja Verständnis. Aber dafür weniger zu Arbeiten, ist für mich unverständlich.
    Mit welcher Begründung denn? Erklären Sie das dann mal den Rest des Arbeitenden Volkes. Harte Arbeit gibt es nicht nur im Stahlwerk.

  10. 5.

    Für mehr Lohn zu Streiken kann ich noch nachvollziehen, aber im Gegensatz dafür weniger zu Arbeiten.?
    Wie im diesen Fall eine 32. Stunden-Woche. Mit welcher Begründung denn bitte? Es gibt genug Knochenjobs, sollen die jetzt alle darauf Pochen? Gerade in der heutigen Zeit, mit Fachkräftemangel etc. Macht sich einer von den Streikenden Gedanken über Supermärkte, Amazon und Co Mitarbeiter, Lieferanten etc. über deren Arbeitszeiten.? Oder ist es für die alle Selbstverständlich ? Am besten Rund um die Uhr Essen, Einkaufen/Online Shoppen gehen.

  11. 4.

    Warum sollen in der Privatwirtschaft Ostdeutsche noch immer für gleiche Arbeiten wesentlich weniger verdienen als ihre westdeutschen Kollegen(ca. 80%)? Somit stellt sich die Frage nach der Dreistigkeit ganz anders.

  12. 3.

    Nee, Sorry. Das ist nicht dreist! In einer Zeit, in der jeder wie er kann sich die Taschen füllt, insbesondere viele Arbeitgeber, ist es richtig zu streiken. Wohl dem, der noch eine Gewerkschaft im Rücken hat, die sich für ihn einsetzt.

  13. 2.

    Ziemlich unverschämte Forderung. Ohne großzügige staatliche Hilfe hätten die keinen Job mehr

    Aber die Gewerkschaften wollen viel Lohn und dafür nichts tun.

    Die Forderung ist unsinnig und ziemlich dreist. Gerade in Zeiten der Rezession

  14. 1.

    Streiken für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit auf 32-Stunden-Woche.? Sorry, dafür habe ich kein Verständnis.
    Die haben vorher alle einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Und jetzt mehr Lohn fordern, und dafür weniger Arbeiten. ?
    Schon dreist.

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